Janeceks zahlreiche Gegner verweisen auf eine interne Umfrage des Instituts infratest dimap unter Grünen-Anhängern: 55 Prozent würden der Partei ihre Stimme versagen, sollten die Grünen sich im Wahlkampf für Schwarz-Grün aussprechen, heißt es darin. Die konkreten Zahlen bekamen bis Montag nur die wenigsten Grünen zu Gesicht, während sie bereits in der Presse kursierten. Am Nachmittag dann wurde die Studie den Teilnehmern der Gremiensitzung vorgestellt.

Die Konsequenz aus den Befunden: Bis September wollen sich die Grünen "rhetorisch weit entfernen" von der CDU, heißt es von Mitgliedern des Parteirats. Im Wahlprogramm-Entwurf ist an einigen Stellen von "der Regierung Merkel" die Rede, die abgewählt gehöre. Doch für die Grünen ist die Beliebtheit der Kanzlerin eine Bürde im Wahlkampf. In der Partei kursiert seit einiger Zeit ein Spruch, der witzig gemeint ist, aber den Kern des Problems trifft: "Die Deutschen wünschen sich eine rot-grüne Regierung mit einer Kanzlerin Angela Merkel."

Tatsächlich ist es so, dass nicht wenige Grüne sich durchaus ein Bündnis mit einer modernen CDU vorstellen könnten, sich aber nicht sicher sind, ob dies jetzt schon möglich wäre. Auch daher wird hinter vorgehaltener Hand immer betont, dass Schwarz-Grün frühestens 2017 und nicht schon in diesem Jahr denkbar sei. "Die Hürden für ein schwarz-grünes Bündnis nach der Bundestagswahl wären extrem hoch", glaubt auch Parteienforscher Falter: "Gleichzeitig haben die Grünen den Anspruch zu gestalten. Möglich ist dies nur in einer Regierung."

"Schwarz-Grün ist tot"

Dass Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt nach einer verlorenen Wahl für Rot-Grün mit der CDU über Regierungsoptionen zumindest sprechen würden, das mag im Moment kaum jemand bestreiten. Eben deshalb kocht die Debatte immer wieder hoch.

Die Formulierung im Wahlprogrammentwurf kann das Grundproblem vertagen – beseitigen nicht. Der Berliner Landesvorsitzende Daniel Wesener hatte daher überlegt, mit einigen Mitstreitern auf dem Programmparteitag im April einen Antrag einzubringen, in dem von den Grünen ein expliziter Ausschluss eines Bündnisses mit der CDU gefordert wird. Nun gibt er sich besänftigt: "Schwarz-Grün ist tot. Das ergibt sich aus der Formulierung im Programmentwurf, die auch eine Antwort auf den Vorstoß aus Bayern ist." Sollte die leidige Schwarz-Grün-Debatte entgegen seiner Erwartung anhalten, so Wesener, würde er aber darüber nachdenken, seine Meinung zu ändern.