UmfrageGrünen-Wähler mögen Merkel

Die Hälfte der Grünen-Anhänger findet die Kanzlerin sympathisch, ergab eine Umfrage der Partei. Die Partei-Spitze stellt dies im Wahlkampf vor Herausforderungen. von 

"Grün oder Merkel", so lautet verkürzt das Wahlkampfmotto der Grünen. Im ersten internen Entwurf ihres Wahlprogrammes kommt die Regierung der Kanzlerin verständlicherweise nicht gut weg: Sie sei orientierungslos, zeichne sich durch einen Mangel an Werten aus, vertrete eine "neoliberale Ideologie".

Auf potenzielle Grünen-Wähler wirkt Merkel dennoch nicht abschreckend: 47 Prozent von ihnen finden die Kanzlerin sympathisch. Das ergab eine Umfrage, die die Partei zu ihrem Wählerpotenzial in Auftrag gegeben hat und deren Ergebnisse ZEIT ONLINE vorliegen. 81 Prozent der potenziellen Grünen-Wähler halten Merkel außerdem für "sehr kompetent" oder "kompetent".

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Das Umfrageinstitut infratest dimap hatte im Auftrag der Partei-Strategen im Dezember 1.500 Wahlberechtigte ab 18 Jahren zu ihren politischen Interessen befragt. Darunter waren rund 700 Menschen, die sich grundsätzlich vorstellen könnten, die Grünen zu wählen.

Jeder Dritte hält Merkels Euro-Politik für alternativlos

Diese möglichen Grünen-Wähler schätzen an Angela Merkel vor allem, dass sie "in der Euro-Krise erfolgreich deutsche Interessen" vertritt. 67 Prozent der Wählergruppe stimmen dieser Aussage zu. 39 Prozent halten die Euro-Politik der Kanzlerin für "alternativlos". Jeder fünfte potenzielle Grünen-Wähler (23 Prozent) bescheinigt Merkel außerdem "Führungsstärke" in der Energiewende. Dabei war der Atomausstieg jahrelang das Alleinstellungsmerkmal der Grünen.

Die Beliebtheits-Daten für Merkel bestätigen, was grüne Spitzenleute schon lange ahnen. In der Partei kursiert bereits ein Witz, wonach sich die Deutschen eigentlich eine rot-grüne Bundesregierung unter einer Kanzlerin Angela Merkel wünschen. Für den Wahlkampf haben sich die Grünen daher vorgenommen, vor allem die Misserfolge der schwarz-gelben Regierung zu thematisieren.

Immerhin, die interne Umfrage brachte auch negative Urteile von Grünen-Anhängern über die Kanzlerin zum Vorschein. 86 Prozent sind der Ansicht, dass Merkel "eher die Interessen der Wirtschaft vertritt, als die Interessen der Menschen". 79 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Merkel "in erster Linie Machtpolitikerin" sei. Wobei dies auch wertschätzend gemeint sein kann.

Leserkommentare
  1. ...ggf. auch so gut situiert um Frau Merkels Politik finanziell zu verkraften.

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    sind so gut situiert, dass sie eine Grüne Poltik nicht stören würde.

    Zusammenfassend ist es amüant zu sehen, wie stark die Anhängerschaft und der politische Kurs auseinanderdriften.
    Der weiter oben angeführte Kommentar von J. Dittfurth ist einfach so treffend, dass man ihn nicht oft genug ins Feld führen kann: verrohende und gehobene Mittelschicht, die sich selbst durch die Wahl Soziales Gewissen erheuchelt, das sie im Kern gar nicht haben will.
    Vielmehr sollen die Pfründe der Kinder in der Privatschule gesichert werden und der Aufstieg in die Obershcicht gelingen, wobei das den meisten verwährt bleiben wird ;)

    • Carlton
    • 22. Februar 2013 15:44 Uhr

    Wundert das jemanden?

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    http://www.spiegel.de/kul...
    " Ditfurth: Die Täuschung irgendwie "anders" zu sein gelingt nur, weil die heutigen grünen Wähler getäuscht werden wollen und selber täuschen. Die Grünen sind die Partei der gehobenen und auch der verrohenden Mittelschicht. Man attestiert sich wechselseitig ein alternatives Image. Mittvierziger in gutbezahlter Position mit zwei Kindern, Eigenheim, Vermögen, Aktien und regelmäßigen Flugreisen, die die Grünen wählen, weil sie schick sind, werden sich von mir nicht davon überzeugen lassen, dass die Grünen keine soziale Partei sind, weil sie das gar nicht interessiert.
    ... "

  2. "Würden die Anhänger noch die Grünen wählen, wenn diese sich für eine schwarz-grüne Koalition aussprechen würden? 55 Prozent der Befragten verneinten dies."
    Es gäbe andere Wählerschichten die diese Koalition begrüßen würden!

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  3. deutsche Interessen vertreten?
    Ja, wo denn?

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    "Deutsche Interessen" oder "nationale Interesse" sind vorrangig die Interessen der ökonomisch herrschenden Kreise, also v.a. des dt. Kapitals und anderer Klientelgruppen die eine besondere, auch finanzielle, Nähe zur Berufspolitik hegen.
    Der halbe nahe Osten wird von dt. Rüstungsschmieden ausgestattet. Auch Merkels Erfolg.
    Deutsche Konzerne dürfen in den zur wirtschaftlichen Plünderung freigegebenen €-Peripheriestaaten in Infrastruktur "investieren", u.a. Dank Merkel zu Schnäppchenpreisen.

    Leider ist der Irrglaube, dass die realexistierende Demokratie außnahmslos die Interessen aller Menschen bzw. Staatsbürger vertreten würde und nicht vorrangig Legitimationsmittel zur Elitenherrschaft mittels der Simulation von politischer Partizipation durch Wahlen, noch sehr verbreitet.
    Solange wird immer eine breite Masse Beifall klatschen, wenn sich ein Politiker stolz vor die Kameras stellt und dort staatstragend von "deutschen Interessen" spricht...

  4. bitte welche fragen..... nur das ergbnis zeigen ist meißtens an der sache vorbei.... billiger wahlkampf nenne ich sowas.

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  5. t hatte. Die Grünen sind wirklich seltsam trotz Stuttgart 21 und weiterer unendlicher Umweltsünden wie Fracking zu erlauben.

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    • eklipz
    • 22. Februar 2013 15:56 Uhr

    Ich finde Frau Merkel auch wesentlich sympathischer als die alten Herren der Union, der SPD und auch der Grünen. Das ändert aber nichts daran, dass ich nie im Leben CDU/CSU wählen würde.
    Warum sie so beliebt ist, obwohl die Politik der Regierung gerade innenpolitisch eine Katastrophe ist, liegt meines Erachtens einfach daran, dass sie unkorrumpierbar wirkt, von "ist" kann niemand sicher sprechen. Den rücksichtlosen Willen zu Macht und Geld würde ich jedenfalls viel mehr einem Steinbrück, einem Trittin oder - das Musterbeispiel - einem Seehofer unterstellen.

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    Warum hat der rücksichtslose Wille zur Macht etwas mit Korrumpierbarkeit zu tun. Frau Merkel scheint sich sehr gut in der Rolle als "Kaiserin Europas" zu gefallen, auch wenn sie sich persönlich nicht bereichert.

  6. wie es jeder gern hätte: Wie es scheint, ist es die kleinere Hälfte der potentiellen GRÜN-Wählenden (nicht der Mitglieder der GRÜNEN) - die größere Hälfte nicht. Die Überschrift hätte also auch heißen können: Mehr als die Hälfte der potentiellen .... mögen Merkel nicht. - Außerdem stammt diese Umfrage unter 1.500 Ausgewählten vom Dezember 2012 - und heute? -

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    >> Außerdem stammt diese Umfrage unter 1.500 Ausgewählten vom Dezember 2012 - und heute? <<

    ... finden 142 % der Grünen-Wähler Merkel total zum Knuddeln, und zwar wegen der rundum gelungenen Energiewende.

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