BundestagswahlStefan Raab soll Kanzler-Duell mitmoderieren

Stefan Raab wird wohl ein Fragesteller des TV-Duells zwischen Kanzlerin Merkel und SPD-Herausforderer Steinbrück werden. Laut Raab hat sein Sender bereits zugestimmt.

TV-Moderator Stefan Raab

TV-Moderator Stefan Raab  |  © Ralf Juergens/Getty Images

Stefan Raab wird aller Voraussicht nach einer der Fragesteller für das Fernsehduell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Peer Steinbrück sein. Merkel ließ über ihren Regierungssprecher mitteilen, sie wolle sich nicht in die Entscheidung um die Moderation der Sendung einmischen. Die Kanzlerin spreche sich weder für noch gegen einen bestimmten Moderator aus, sagte Steffen Seibert. Die Journalisten, die die Fragen stellen, würden selbstverständlich von den Fernsehsendern benannt.

Damit gibt es auch für Steinbrück kein Zurück mehr. Er hatte Raab ursprünglich abgelehnt und seine Zustimmung vom Ja der Kanzlerin abhängig gemacht. "Wenn Angela Merkel (...) auch mit Stefan Raab einverstanden ist, wird es so geschehen", hatte der SPD-Kandidat der Bild-Zeitung gesagt. Auch er verwies auf das Vorschlagsrecht der Sender.

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Für die Privatsender ProSiebenSat.1 ist Raab als Moderator gesetzt: "Ich bin mir mit ProSiebenSat.1 einig, dass wir dieses Experiment wagen wollen", sagte er der Berliner Zeitung. Dem Branchendienst DWDL sagte er: "Ich würde mir sogar wünschen, dass das Duell bei ProSieben ausgestrahlt wird. Da hätte man zusätzlich die Möglichkeit, ein Publikum zu erreichen, das man sonst nicht erreichen würde."

Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hatte Raab als Moderator ins Gespräch gebracht. Daraufhin hatte sich Steinbrück noch strikt gegen Raab ausgesprochen: "Politik ist keine Unterhaltungssendung, sondern ein ernstes Geschäft."

Der "Sache intellektuell gewachsen"

"Ich will aus dem TV-Duell auch gar keine Unterhaltungsshow machen", sagte Raab. Er werde am "journalistischen Katzentisch" Platz nehmen und Fragen stellen. "Ich bin mir der Verantwortung bewusst und glaube, dieser Sache intellektuell gewachsen zu sein."

Raabs Popularität gründet vor allem auf Unterhaltungsshows wie Schlag den Raab und TV total. Seit diesem Jahr versucht er sich auch als Politikmoderator mit seiner Sendung Absolute Mehrheit. Mit dieser will er vor allem sein jugendliches Publikum für politische Themen gewinnen. Die Sendung ist zwar umstritten, weil nach Meinung von Kritikern kaum Inhalte vermittelt werden und Raab zudem in der ersten Sendung mit einer flapsig-rassistischen Äußerung über FDP-Chef Philipp Rösler negativ auffiel. Aber aus der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen sah fast jeder Vierte zu.

Ablauf des Duells noch offen

Ob Raab wirklich Teil des Moderatorenteams beim TV-Duell sein wird, hängt letztlich von den Sendern ab. ARD und ZDF haben grundsätzlich beteuert, man wolle sich nicht in die Personalentscheidungen anderer Sender einmischen. Bei der Bundestagswahl 2009 gab es ein gemeinsames TV-Duell von ARD, ZDF, RTL und Sat.1. Ob das in diesem Jahr genauso sein wird, ist noch nicht geklärt.

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück wirbt für zwei Duelle: eines im Privatfernsehen und eines bei den Öffentlich-Rechtlichen. Merkels Sprecher Seibert hatte allerdings wiederholt gesagt, es gebe keinen Grund, von der bewährten Tradition abzuweichen, alle großen Themen in einer einzigen Sendung zu debattieren.
 

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Leserkommentare
  1. Da jammern die Deutschen über die Bildung von Azubis, über inkompetente Politiker, über das Zeitungssterben, über PISA, über Asiaten, die uns überholen, über den schrumpfenden Mittelstand, über Buchläden die dicht machen müssen, während Amazon triumphiert...

    ... aber eine Wochenzeitung (und andere) mit Niveau debattiert über die größte Kauleiste der Nation als Moderator einer Politsendung.

    Also, entweder geht es uns noch viel zu gut, oder das ist die vielbesprochenen Schizophrenie des Publikums.

    12 Leserempfehlungen
    • ppdlx
    • 15. Februar 2013 19:03 Uhr

    Es geht hier nicht drum dass Raab aus dem Duell eine Unterhaltungsshow macht oder er irgendwas besser kann als einer der bekannten Nachrichtenmoderatoren. Stoiber hat den Vorschlag gemacht weil Raab das junge Publikum anzieht und man mit ihm mehr von ihnen für Politik bzw. das Duell begeistern kann und das ist meiner Meinung auch gut!
    Die Fragen werden doch eh vorher zusammen ausgearbeitet und wer sie dann abliest ist auch wurscht. Raab mag vielleicht 1-2 mal mehr mal weniger witzige Sprüche einbauen, aber großartig anders als wird es dann auch nicht sein.

    Eine Leserempfehlung
    • Thems
    • 15. Februar 2013 19:13 Uhr

    Steinbrück das Duell zwischen Raab und Merkel moderieren lassen. Dann würde es wenigstens spannenderen, oder zumindest unterhaltsam.

    Eine Leserempfehlung
    • sallow
    • 15. Februar 2013 19:14 Uhr

    Ich kann mir 4 Leute richtig gut vorstellen. Bei den weichgespülten Fernsehmoderaten kann man sich die Fragestunde schenken. Aber es macht nur Sinn wenn man intelligente Fragen stellt und keine Larifari-Antworten akzeptiert. Also:

    Wilfried Schmickler
    Georg Schramm
    Urban Priol
    Frank-Markus Barwasser

    Dann würde auch ich einschalten.
    Ansonsten kann ich mir den Schwachsinn schenken.

    17 Leserempfehlungen
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    würde niemals von den Kandidaten akzeptiert, weil sie a.) denen nicht gewachsen sind und b.) weil sie fürchten müssten, Fragen beanworten zu müssen, die voeher "nicht" abgesprochen waren. Somit erledigt sich dieser, wohl sehr schöne Traum von selber!!!

    Es scheint tatsächlich so zu sein: Das Volk bekommt die Politiker die es verdient und in konsequenter Weiterentwicklung auch die Politmoderatoren die es verdient. Es ist schlicht zum Heulen, auf was für ein Niveau die einstige Bildungsnation Deutschland abgesunken ist! Müssen wir den jeden Scheiß aus Amerika nachmachen mit dem Ziel ihn zu toppen!?
    Die genannten Moderatoren Schramm, Priol etc. würden die Talsohle der Politkultur auch in meinen Augen mit Sarkasmus
    aufpeppen aber wie wäre es direkt mit einer weiteren "Eskalationsstufe": Piet Klocke!
    Dann würde ich auf jeden Fall einschalten, mich schief lachen und anschließend überlegen, ob es mit Deutschland und mir weitergehen kann.

  2. kann keine zwei Sätze sprechen, ohne von einer Tafel ablesen zu müssen. Und dieser Herr wäre Ihrer Ansicht nach geeignet, ein Rededuell zwischen zwei Kanzlerkandidaten (mit)zumoderieren?

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "gute Wahl!"
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    Die Kanzlerin liest bei Presseauftritten auch vom Blatt ab... Selbst die kurze Rücktritts-Erklärung "ihrer Freundin" Schavan musste sie vom Blatt ablesen...

    Im Grunde genommen ist es aber eigentlich egal, wer die Fragen stellt... Ich gehe schwer davon aus, dass man alle Fragen vorab der Kanzlerin "zukommen" lässt... dann kann sie die Antworten schön auswendig lernen...

    • siar1
    • 15. Februar 2013 19:18 Uhr

    will doch nur Pro7 pushen, schließlich sitzt er dort im Beirat.

    http://www.faz.net/aktuel...

    An der überragenden Qualität von Raab kanns ja wohl nicht liegen, dass er sich für ihn stark macht.

    9 Leserempfehlungen
  3. Ihre Sichtweise hat durchaus ihre Berechtigung. Bei der Bundewehr würde man zu der Situation auch sagen: "Wenn schon Scheiße, dann mit Schwung!"

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Beileibe..."
  4. Wann war dies denn? Hab ich irgendwas in den letzten 15 20 Jahren verpasst?

    11 Leserempfehlungen
    Antwort auf "ProSiebenSat1..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tis
  • Schlagworte Angela Merkel | Stefan Raab | ARD | CSU | Edmund Stoiber | Steffen Seibert
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