Familienpolitik : Schröder verlangt familienfreundliche Arbeitswelt

Deutschland diskutiert über seine Familienpolitik – nun auch mit Familienministerin Kristina Schröder. Die meldet sich mit recht grundsätzlicher Kritik an der Debatte.
Familienministerin Kristina Schröder (Archiv) © Federico Gambarini/dpa

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat sich in die Diskussion um eine angeblich wirkungslose Familienpolitik eingeschaltet. "Ich betrachte Familienpolitik nicht wie ein Investmentbanker mit dem Ziel der Profit-Maximierung", sagte sie der Passauer Neuen Presse. Eine Familienpolitik, die "mehr auf den volkswirtschaftlichen Profit als auf den menschlichen Zusammenhalt" setze, sei mit ihr nicht zu machen.

Gleichzeitig forderte Schröder Veränderungen in der Wirtschaft, um eine höhere Geburtenrate zu erreichen. "Am wichtigsten ist es, die Arbeitswelt stärker den Bedürfnissen von Familien anzupassen, statt weiter zuzulassen, dass die Familien sich immer wieder den Bedingungen der Arbeitswelt anpassen müssen."

Regierungsberater hatten viele Instrumente der milliardenschweren Kinder- und Familienpolitik in Deutschland als untauglich, wirkungslos und teilweise sogar kontraproduktiv bezeichnet. Der Spiegel hatte dazu am Wochenende aus einem Zwischenbericht zitiert. Über die offizielle Veröffentlichung gibt es aber Streit: Nach Aussage von Familienministerin Schröder handelt es sich bei den zitierten Unterlagen um die Beiträge zu einer wissenschaftlichen Tagung, es gebe aber weder einen Regierungsbericht noch einen Zwischenbericht. Bisher lägen noch keine Ergebnisse über die Wirksamkeit der Familienpolitik vor.

SPD-Bundesvize Manuela Schwesig verstärkte derweil ihre Kritik an der schwarz-gelben Regierungskoalition. "Die Familienpolitik der Bundesregierung wird von einem Familienbild bestimmt, das ein halbes Jahrhundert alt ist." Alleinerziehende oder Paare mit Kindern, aber ohne Trauschein, fänden kaum Beachtung.

Sollte die SPD die Bundestagswahl gewinnen, werde es einen massiven Ausbau der Ganztagsbetreuung und bis zum Jahr 2020 einen Rechtsanspruch darauf geben. Die Kosten bezifferte sie auf 20 Milliarden Euro. Dafür müsse der Spitzensteuersatz erhöht werden.

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Kommentare

112 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Für wen war Familienpolitik denn Gedöns!

Peer Steinbrück und seine SPD hatten sogar 11 Jahre Zeit und haben für dieses "Gedöns" rein gar nichts getan.
Immerhin hat Schwarz/ Gelb rund 5 Milliarden für den Ausbau der Krippenplätze bereitgestellt, obwohl das Ländersache wäre. Und auch das Betreuungsgeld - wird zwar von vielen den Familien geneidet, aber von denen, die davon betroffen sind, finden es in großer Mehrheit gut.

Davon betroffen sind Familien,

die es sich leisten können, von einem Gehalt zu leben. Das missgönne ich keinem, im Gegenteil. Oder es ist möglich die Kinder in privaten Einrichtungen betreuen zu lassen. Oder durch die Familie/Freunde/private Aufsichtspersonen.

Aber warum sollte ich das zusätzlich subventionieren, während die anderen, die eben genau das nicht können, nichts bekommen?
Das Geld gäbe ich lieber der alleinerziehenden Mutter, die sich mit ihrem Job so gerade eben, wenn überhaupt, über Wasser hält.

Ich halte es grundsätzlich mehr mit "Gebet den Armen" statt "Gebt den Wohlhabenden noch mehr".

falsches Vorzeichen

Was ist denn das grundsätzliche Problem? Die Familienpolitik versucht, die von Schwangerschaften hervorgerufene Unterbrechung der Arbeitstätigkeit zu minimieren. Was heißt das? Arbeiten ist wichtiger als Kinder. Kinder werden quasi ein Makel, ein Unfall. Das Vorzeichen stimmt nicht. Bei Aldi an der Kasse zu sitzen ist also wichtiger als Familie zu leben? Wieso eigentlich? Kinder erziehen ist keine "Selbstverwirklichung"? Wieso bitte? Wer das behauptet, hat keine Kinder! Das hat alles auch rein gar nichts mit konservativ gestern oder so zu tun. In einem Artikel habe ich gelesen, Kinder seien keine "wirtschaftliche Notwendigkeit" für die Familie mehr, sondern für "den Gefühlshaushalt notwendig". So eine Art Tamagocci für dei arbeitende Bevölkerung, oder wie? Für die nächste Generation sind Kinder aber irgendwie schon notwendig... erleben wir ja gerade..

Ich verstehe Sie nicht - verstehen Sie sich selbst?

"Sie hat ein Ministerium übernommen, das exakt die Politik gefahren hat, gegen die sie selbst eintritt." Hat Sie das? Die Vorgängerinnen waren immerhin klarer. "Wäre schön gewesen, wenn sie sich etwas schneller durchgesetzt hätte." Wo hat Sie es denn bisher versucht? Wie viel Bonus bekommt diese Frau bei Ihnen und warum? Wie viele Legistlaturperioden Spielweise darf ein Minister - speziell Frau Schröder - nutzen, bevor sie mal liefern muss?

"Soll es möglich sein / wieder werden, mit 40 h Arbeit eine Familie zu ernährenm, oder muss 80 h geschuftet werden, damit per Umverteilungsmaschinerie die Fremdbetreuung und die dazugehörige Bürokratie bezahlt werden kann, die diese 80 h Arbeit denen ermöglicht werden, die noch Kinder bekommen? LIEBE SPD: Steuern für den "Normalbürger" heißen für diesen: Zeit, die er per Zwangsarbeit ableisten muss."

Haben Sie sich überhaupt angeguckt, wofür die SPD-Vorschläge stehen? Nämlich nicht dafür, für Kinderbetreuung ein Doppelgehalt zu benötigen, sondern gerader FÜR Strukturförderung!

"Haben Sie NICHTS gegen Steuererhöhungen für ein paar Supperreiche, aber Pläne wie die Abschaffung von Ehegattensplitting und Mitversicherung bedeuten für viele schlicht und einfach ein abermals VIEL geringeres Netto."

Die Mitversicherung steht bei der SPD gar nicht zur Dispositon! Und Sie haben auch mitbekommen, dass das EHEGATTENsplitting zu Gunsten eines Familiensplittings abgeschafft werden soll? Wo fördert da bisherige Splitting denn das, was Sie fordern?