Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht keinen Handlungsbedarf für eine Erleichterung doppelter Staatsbürgerschaften. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Es gilt der Grundsatz der Vermeidung von Mehrstaatlichkeit. Dafür gibt es gute Gründe."

Merkel reagierte damit auf einen Vorstoß von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die mehr doppelte Staatsbürgerschaften für Ausländer in Deutschland ermöglichen will. Seibert sagte dazu: "Aktueller gesetzgeberischer Handlungsbedarf ist nicht ersichtlich."

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kritisierte die Justizministerin ebenfalls. "Frau Leutheusser-Schnarrenberger bereitet offensichtlich eine Ampelkoalition vor", sagte Friedrich. Er stellte klar, mit ihm werde es eine Erleichterung der doppelten Staatsbürgerschaft nicht geben.

"Staatsbürgerschaft ist kein Ramschartikel"

Auch die CSU möchte den jetzigen Stand beibehalten: "Ich sehe keine Veranlassung zu einer Änderung unserer Position", sagte CSU- Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt. "Die Argumente, die für die Optionslösung sprachen, sind heute noch genauso vorhanden wie damals."

Sie sehe auch nicht, dass die Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln leichter zu bewerkstelligen wäre, wenn es mehr doppelte Staatsbürgerschaften gäbe. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt ergänzte im Tagesspiegel: "Zur doppelten Staatsbürgerschaft sagen wir klar nein. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist kein Ramschartikel, den man billig verscherbelt"

Die SPD warf der FDP vor allem wahltaktisches Verhalten vor. "Schön, dass die verzweifelt ums Überleben kämpfende FDP nun plötzlich ihre Liebe zur doppelten Staatsbürgerschaft entdeckt", sagte der innenpolitische Sprecher der SPD, Michael Hartmann. Aber die Liberalen hätten bisher immer mit Nein gestimmt, als die SPD eine Liberalisierung des Optionsmodells vorgeschlagen habe – zuletzt im November 2011.

50 Prozent behalten bei Einbürgerung alten Pass

Seit dem Jahr 2000 gilt in Deutschland das sogenannte Optionsmodell. Danach werden hier geborene Kinder von Ausländern zwar zu Deutschen und behalten zunächst die Staatsangehörigkeit der Eltern. Zwischen ihrem 18. und 23. Lebensjahr müssen sie aber eine ihrer beiden Staatsangehörigkeiten aufgeben.

Von insgesamt 106.897 Menschen, die allein 2011 eingebürgert wurden, konnten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes allerdings 50,4 Prozent ihren alten Pass behalten. Das ist vor allem bei Bürgern aus EU-Staaten und der Schweiz der Fall, aber auch bei Menschen aus Staaten wie Marokko und dem Iran. Diese Länder weigern sich, ihre Bürger aus der Staatsbürgerschaft zu entlassen.

Anders sieht es für Nicht-EU-Bürger aus, für die ein doppelter Pass nach wie vor die Ausnahme ist. Vor allem junge Türken stehen häufig vor einer schwierigen Wahl. Sind sie in Deutschland geboren und haben ausländische Eltern, müssen diese sogenannten Optionskinder bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres zwischen dem deutschen Pass und dem ihrer Eltern wählen. Bis 2017 sind jährlich zwischen 3.000 und 7.000 Kinder betroffen.