Auch in Deutschland besteht der Verdacht, dass als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch in den Handel gekommen ist. "Es handelt sich um verarbeitete Lasagne, die an mindestens einen Händler in Nordrhein-Westfalen geliefert wurde", sagte eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums. Die Produkte sollen über einen Zwischenhändler in Luxemburg ins Land gekommen sein. Laut Landesverbraucherministerium boten Discounter- und Lebensmittelketten die Waren an, sie zirkulieren aber auch in anderen Unternehmen.

Nach Informationen des WDR ist das Tiefkühldienst-Unternehmen Eismann in Mettmann betroffen. Ein Firmensprecher bestätigte, dass derzeit Lebensmittelkontrolleure im Haus seien. In mehreren Unternehmen des Bundeslandes prüfen Kontrolleure prüfen derzeit, ob die Waren mittlerweile vom Markt genommen sind und ob sie tatsächlich Pferdefleisch enthielten.

Die EU-Kommission schließt strengere Regeln für die Herkunftsangabe von Fleisch in Nahrungsprodukten nicht aus. Die Kommission denke darüber nach, ob auf Fertigprodukten auch die Herkunft des darin verarbeiteten Fleisches angegeben werden müsse, sagte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg. Deutschland soll am Abend an der Sondersitzung mit Borg in Brüssel zu dem Thema vertreten sein.

Aigner: "Was draufsteht, muss drin sein"

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner verlangte eine schnelle und lückenlose Aufklärung der Verdachtsfälle. "Was draufsteht, muss drin sein, darauf müssen sich die Verbraucher verlassen können", sagte ihre Sprecherin. Wenn die Kunden systematisch getäuscht würden, dürfe dies nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Johannes Remmel warf den Unternehmen mangelnde Aufklärung vor. So hätten die Firmen frühzeitig Hinweise auf die mögliche Beimischung von nicht deklariertem Pferdefleisch gehabt, die Behörden darüber aber nicht in Kenntnis gesetzt. "Dies ist rechtlich nicht zu beanstanden. Allerdings wäre es hilfreicher gewesen, frühzeitig und umfassend die Behörden zu informieren." Dann hätte man den Skandal auch schneller aufdecken können.

Lebensmittelkontrolleure hatten vor wenigen Tagen zuerst in Irland festgestellt, dass Rindfleischprodukte auch Pferdefleisch enthielten. Betroffen waren etwa Hamburger. Inzwischen entdecken Kontrolleure in immer mehr Ländern falsch etikettierte Produkte.

Zu den betroffenen Firmen gehört die Supermarktkette Tesco oder die Restaurantkette Burger King. Besonders große Empörung gab es in Großbritannien, wo Verbraucher selten Pferdefleisch kaufen.

Grüne sprechen von Schlachtvieh-Interrail

Die Grünen fordern Konsequenzen aus den Vorfällen. Lange internationale Produktionsketten, die auf billige Preise ausgerichtet sind, seien ein Einfallstor für Betrug und Täuschung, sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Nicole Maisch. Sie verlangte besseren Tierschutz.

"Ein Schlachtvieh-Interrail, bei dem Tiere in qualvollen Transporten durch mehrere europäische Länder gekarrt werden, um ein paar Cent zu sparen, muss der Vergangenheit angehören", sagte Maisch. Transporte müssten auf vier Stunden im Inland und acht Stunden im Ausland begrenzt werden. Nötig sei zudem eine klare Kennzeichnung.