Politischer AschermittwochSteinbrück lästert über "Muttis Lieblinge"

Mit deftigen Wortwitzen und heftigen Attacken feiern die Parteien den politischen Aschermittwoch. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück greift die Kanzlerin auch persönlich an.

Mit heftigen Attacken auf die politischen Gegner haben die Parteien zum politischen Aschermittwoch ihre Anhänger begeistert. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bemühte sich bei seinem Auftritt im bayerischen Vilshofen, mit einem aggressiven Ton seine Partei auf den Bundestagswahlkampf einzustimmen. "Es wird, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen, keinen Wellness-Wahlkampf geben", sagte er. Die SPD werde sich nicht wie vor der vergangenen Bundestagswahl von Angela Merkel ausmanövrieren lassen, nach dem Motto "Ruhe über allen Wipfeln".

Schwarz-Gelb sei am Ende, sagte Steinbrück. Die Kanzlerin habe in den Jahren der Großen Koalition nur wegen der SPD-Minister eine gute Figur gemacht. Heute agiere in der schwarz-gelben Bundesregierung eine Gurkenriege. "Diese Regierung ist so beliebt wie Blinddarmentzündung und Wurzelbehandlung auf einmal. Und das tut sich keiner freiwillig an." Ein neues Bündnis mit der Union nach der Bundestagswahl schloss er noch einmal aus. "Ich setze nicht auf eine Große Koalition. Ich spiele nicht auf Platz, ich setze auf Sieg, und ich beschäftige mich mit keinem anderen Szenario", sagte Steinbrück.

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Aus Steinbrücks Sicht geht es um viel: "Wir führen eine Auseinandersetzung um den Grundkurs dieses Landes, wir führen eine Auseinandersetzung um den Zusammenhalt in der Gesellschaft." Seine Anhänger warnte er: "Lasst euch nicht kirre machen von Umfragen."

CSU als "kleine radikale Minderheit"

Der SPD-Herausforderer griff Merkel auch direkt an. Neben sich dulde die Kanzlerin nur "zu Kieselsteinen rundgeschliffene Politiker". "Muttis Lieblinge" seien aber kantenlos und würden "Popcornsätze" von sich geben wie: "Eine gute Grundlage ist die beste Voraussetzung für eine solide Basis." Auch Merkel selbst vermeide jede Festlegung. Über ihre Regierungsqualitäten sagte Steinbrück, Merkel sei zwar eine gute Pilotin, aber man wisse nie, wo man lande.

In Richtung der CSU sagte Steinbrück "Da sitzt eine kleine radikale Minderheit in Passau." Seehofer sei die größte lose Kanone auf dem politischen Deck Deutschlands.

Stoiber attackiert "Bungabunga-Ministerpräsident"

Vertreter der CSU in Bayern griffen ihrerseits vor allem Steinbrück an. In Passau trat der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber als erster Redner ans Pult: "Dass Peer Steinbrück mit seiner Bilanz als Regierungschef von Nordrhein-Westfalen zu uns kommt und uns sagen will, wie es geht, das hätte ich mir nicht vorstellen können", sagte Stoiber mit Blick auf den Auftritt Steinbrücks im nahen Vilshofen. Zwar schätze er Steinbrück persönlich, aber: "Als Finanzminister und Ministerpräsident hat Steinbrück in fünf Jahren mehr Schulden aufgehäuft als Bayern in seiner ganzen Nachkriegsgeschichte", sagte Stoiber. "Und da traut sich der hier herzukommen und uns Ratschläge zu erteilen."

Stoiber griff zudem überraschend deutlich den früheren italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi an. "Was dieser Bungabunga-Ministerpräsident im Kulturland Italien angerichtet hat, ist unglaublich", sagte er. Er könne nur hoffen, "dass ihm das italienische Volk bei den Wahlen die Rote Karte zeigt". Wahlkampf einzelner Länder sei inzwischen europäische Innenpolitik. "Wenn ein Berlusconi in Italien noch einmal das Sagen hat, zahlen wir alle mit. Deshalb mischen wir uns ein."

Leserkommentare
  1. Muss über diese albernen Aschermittwochs-Rituale überhaupt noch berichtet werden? Am besten wäre es, die Parteien hörten von selbst damit auf. Die Büttenreden am ersten Tag der Fastenzeit ziehen nicht mehr. Sie sind abgestanden wie die Bierreste vom Rosenmontag. Lustig kann man die höchstens mit einem "Aufgewärmten" finden. Denn trotz - äh, äh - "Bungabunga": Eine Stimmungskanone wird aus Stoiber nie und nimmer. Am komischsten sind immer noch seine ernst gemeinten Reden.

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    Gut, dass Sie es ansprechen, dass es ein "Ritual" ist, denn unsere norddeutschen Mitbürger neigen dazu, es ernst zu nehmen. Überflüssig ist es in seiner heutigen Form in der Tat. Gäbe es allerdings noch Redner vom Schlage unseres verehrten ehemaligen Herrn Ministerpräsidenten FJS, hätte die Geschichte wirklich großen Unterhaltungswert. Da konnte man sich auch als CSU-Hasser eines Schmunzelns nicht erwehren. Die heutigen Protagonisten sind dagegen leider nur biedere Laiendarsteller. Das Ganze hat aber insofern Erkenntniswert, weil sich blamiert, wer die größte Neigung zu Verkrampftheit und Sparwitzen hat.

  2. Das Aschermittwoch--Geblödel ist sowas von abgeschmackt
    das sollte man eigentlich nicht kommentieren.Allerdings kann
    nicht jede Unwahrheit durchgelassen werden der absolute
    Schuldenkönig Deutschlands ist der Waigel und woher kommt der gleich ach ja von der CSU/Bayern.Da kann sich Stoiber halt nicht mehr erinnern denn mit erinnern hat er so seine
    Probleme

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  3. Was ist so "überraschend" daran, wenn Stoiber den Berlusconi angreift? Ist die Klischeemaschine schon wieder auf Hochtouren? Größere Gegensätze kann es doch gar nicht geben. Lieber zehn kamillenteetrinkende Aktenfresser wie Stoiber, als einen schlagerträllernden Bungabungasüchtling wie Berlusconi! Wie sagte doch Günther Beckstein so treffend?: Der Stoiber hat "...lieber eine dicke Akte, als eine schlanke Nackte." (Huch, bin ich jetzt etwa sexistisch? Dies wäre ein Missverständnis.)

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  4. Gut, dass Sie es ansprechen, dass es ein "Ritual" ist, denn unsere norddeutschen Mitbürger neigen dazu, es ernst zu nehmen. Überflüssig ist es in seiner heutigen Form in der Tat. Gäbe es allerdings noch Redner vom Schlage unseres verehrten ehemaligen Herrn Ministerpräsidenten FJS, hätte die Geschichte wirklich großen Unterhaltungswert. Da konnte man sich auch als CSU-Hasser eines Schmunzelns nicht erwehren. Die heutigen Protagonisten sind dagegen leider nur biedere Laiendarsteller. Das Ganze hat aber insofern Erkenntniswert, weil sich blamiert, wer die größte Neigung zu Verkrampftheit und Sparwitzen hat.

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    Antwort auf "Überflüssige Rituale"
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    So ist es: Vor 30 Jahren noch bildete die Passauer Nibelungenhalle sel. für einen Tag den Mittelpunkt der zivilisierten Welt. Selbst wenn FJS ungefähr so lange wetterte und donnerte wie Fidel Castro bei einem Parteitag der kubanischen KP - - der FJS beherrschte dieses Metier und war - im Gegensatz zu Castro - nie langweilig. Die alt gewordenen ehemaligen BWL- und Jura-Studenten, die heute in die Bütt treten und Fremdtexte ablesen, haben keine Authentizität. Deshalb wirken sie selbst, nicht aber ihre Texte komisch.
    FJS konnte schon ein rechter Lump sein, aber Sprüche wie Vox populi vox Rindvieh macht ihm halt keiner nach.

    Der Stoiber kann auch ganz gut reden. Nach Stoiber ging es mit der CSU bergab.

    Der Unterschied zwischen der CSU und den anderen Parteien ist folgender: Während die anderen alkoholfreie Getränke zu sich nehmen, machen die CSU'ler das mit kräftig Alkohol. Die stoiberschen Ausfälle dürften dem Alkohol geschuldet sein.

    Zum Thema FJS: Göttlich war die Vorstellung, als er bei einer Elefantenrunde nach der Wahl aus München zugeschaltet wurde und hackedicht war. Da bekam auch der "Männerfreund" Kohl das Grinsen nicht aus dem Gesicht.

  5. der Spruch

    "...lieber einen Bruederle an der Hotelbar,
    als eine Roth beim Fruehstueck..."

    wird wohl zum Klassiker werden.

    8 Leserempfehlungen
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    für Sexismus.

    .

  6. Als Bürger erwarte ich von der Politik Lösungen.
    Büttenreden sind für Kanevalisten und Schlammschlachten für Offroad Fans.

    2 Leserempfehlungen
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    ... das ist das Problem. Ihre Sichtweise ist eindeutig zu sehr vom protestantischen Arbeitsethos geprägt. ;-) Versuchen Sie, etwas geschmeidiger heranzugehen und sehen Sie es als lustvolles, barockes Grantlerfest. Wenn auch leider auf sehr schwachem Niveau.

    Nun hat Peer Steinbrück doch noch sein mediales Interesse bekommen.

    Nach dem das Interesse an seiner Europatour und seinen Reden von den hieseigen Medien sehr zurückhaltend verarbeitet und publiziert wurde, darf er sich sich am heutigen Tage freuen.

    Nicht nur über das Medieninteresse sondorn vielmehr auch über den begeisterten Zuspruch seiner Wahl-Klientel.

  7. ..."Steinbrück habe Deutschland als Bundesfinanzminister einen Rekordschuldenstand von 50 Milliarden Euro hinterlassen." ...

    Ich habe die Rede gehört; Seehofer sagte 80 Milliarden und nicht 50. Schön wärs, wenn es nur 50 gewesen wären.

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    • Kelhim
    • 13. Februar 2013 18:35 Uhr

    ... hätte er allerdings einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt, wäre die Finanzkrise nicht auf den letzten Metern dazwischen gekommen.

    Schäuble schafft es nicht einmal bei anhaltender Konjunktur, auch nur in die Nähe eines ausgeglichenen Haushalts zu gelangen. Und ausnahmsweise ist an diesem Regierungsversagen nicht einmal die FDP schuld, denn die von ihr versprochenen Steuersenkungen wurden bekanntlich nie Wirklichkeit.

  8. ... das ist das Problem. Ihre Sichtweise ist eindeutig zu sehr vom protestantischen Arbeitsethos geprägt. ;-) Versuchen Sie, etwas geschmeidiger heranzugehen und sehen Sie es als lustvolles, barockes Grantlerfest. Wenn auch leider auf sehr schwachem Niveau.

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    Antwort auf "Unnötig und störend"
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    "...geprägt vom protestantischen Arbeitsethos..."

    Vielleicht sollte die ehrenwerte reformierte Welt einmal einsehen, dass man auch mit katholisch-bayerisch-barocker Liberalitas (umständliche preußische Übersetzung von Liberalitas Bavariae: gelegentliche und verwerfliche Vernachlässigung der Pflicht zugunsten des Genusses einer Maß Bier) zu etwas kommen kann. Warum rennen gerade am Aschermittwoch die Abgesandten aller Parteien dem Freistaat die Türen ein? Haben sie das etwa schon eingesehen? Hoffentlich nicht, sonst bleiben die auch noch da!

    ...ich dachte das wäre katholisch

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