Nach Auskunft des früheren Thüringer Verfassungsschutzchefs Helmut Roewer sind Ende der neunziger Jahre aus der Polizei illegale Informationen an die rechtsextreme Szene geflossen. Diesen Verdacht äußerte Roewer im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages in Berlin, wo ihn die Abgeordneten zum Wirken seiner Behörde befragten.

Der Ex-Verfassungsschützer betonte, es sei damals um bemerkenswerte Informationspannen bei der Polizei gegangen, durch die "ganze Fahndungsmaßnahmen zerschlagen wurden". Seine Behörde habe deshalb Ermittlungen gegen die Polizei aufgenommen. Roewer äußerte die Vermutung, dass die Akten dazu nach dem Ende seiner Amtszeit vernichtet wurden.

Roewer hatte von 1994 bis 2000 an der Spitze des Thüringer Verfassungsschutzes gestanden. In dieser Zeit, Anfang 1998, waren die späteren Rechtsterroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), die aus Thüringen stammen, untergetaucht. Ihnen werden zehn Morde zwischen 2000 und 2007 angelastet. 2011 flog das Trio auf. Zwei der Täter töteten sich selbst. Die letzte Überlebende, Beate Zschäpe, ist des Mordes angeklagt.

Nie Kontakt gehabt

Roewers früherer Stellvertreter Peter Nocken wies wie Roewer selbst Anschuldigungen gegen das Landesamt zurück, es habe die Täter geschützt. "In keinster Art und Weise haben wir mit einem der drei auch nur den geringsten Kontakt gehabt." Der Verfassungsschutz habe umfassend Informationen an die Polizei weitergegeben. Mitunter sei es aber nötig gewesen, eigene Quellen zu schützen.

Beide Ex-Verfassungsschützer wandten sich auch gegen den Vorwurf, die Behörde habe eigene Informanten, allen voran den langjährigen V-Mann Tino Brandt, vor Polizeiaktionen gewarnt.

Die Befragung Roewers gestaltete sich weniger kompliziert als erwartet: Der Ex-Verfassungsschützer hatte dem Ausschuss ein ärztliches Attest vorgelegt, wonach er nach jeweils 30 bis 45 Minuten Befragung eine Pause von 15 Minuten brauche. Roewer verzichtete aber auf derart häufige Unterbrechungen. Ursprünglich hatte er wegen einer Erkrankung gar nicht erscheinen wollen. Der Ausschuss hatte daraufhin ein Attest verlangt.