PlagiatsvorwurfBildungsministerin Schavan tritt zurück

Wenige Tage nach Aberkennung ihres Doktortitels hat Annette Schavan ihr Ministeramt aufgegeben. Grund ist ihre Klage dagegen. Ihre Nachfolgerin wird Johanna Wanka.

Annette Schavan und Bundeskanzlerin Angela Merkel treten gemeinsam vor die Presse und geben den Rücktritt der Bildungsministerin bekannt.

Annette Schavan und Bundeskanzlerin Angela Merkel treten gemeinsam vor die Presse und geben den Rücktritt der Bildungsministerin bekannt.  |  © John Macdougall/GettyImages

Annette Schavan (CDU) ist nicht mehr Bundesbildungsministerin. Sie hat nach der Aberkennung ihres Doktortitels ihren Rücktritt erklärt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, Schavan habe ihr dies am Freitagabend angeboten. Sie habe dies "sehr schweren Herzens angenommen". Als Nachfolgerin kündigte Merkel Niedersachsens scheidende Wissenschaftsministerin Johanna Wanka an.

Die Universität Düsseldorf hatte Schavan am Dienstagabend den Doktortitel aberkannt, weil sie in ihrer Dissertation nicht korrekt zitiert hatte. Der Fakultätsrat der Universität war zu dem Schluss gekommen, Schavan habe "systematisch und vorsätzlich" getäuscht. Schavan sagte, sie werde die Aberkennung ihres Doktortitels "nicht akzeptieren und dagegen klagen". Juristisches Vorgehen einer Bildungsministerin gegen eine Universität würden aber die Bundesregierung, das Amt und auch die CDU belasten. Ihren Rücktritt begründete sie mit dem Respekt vor dem Amt. Die Vorwürfe, sie haben vorsätzlich bei ihrer 1980 eingereichten Doktorarbeit getäuscht, träfen tief, sagte sie.

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Merkel würdigte in einer ungewöhnlich langen Erklärung die Leistungen Schavans. Mit ihr werde die anerkannteste und profilierteste Bildungspolitikerin die Bundesregierung verlassen. Schavan wisse, "was das Beste an unserem Land" sei, nämlich "die Köpfe und Kreativität unserer Schüler, Studenten, Auszubildenden, Lehrer und Wissenschaftlerin". Mit ihrem Rücktritt stelle sie ihr eigenes Wohl hinter das Wohl des Ganzen.

Schavans designierte Nachfolgerin Wanka bringe als promovierte Mathematikerin und langjährige Wissenschaftsministerin in Brandenburg und Niedersachsen "beste Voraussetzungen" mit, sagte Merkel. Wanka dankte Merkel in einer Erklärung "für das in mich gesetzte Vertrauen". Persönlich bedauere sie den Rücktritt Schavans sehr. "Sie hat für die Bildung in Deutschland außerordentlich viel erreicht."

FDP-Parteichef Philipp Rösler sagte, seine Partei habe großen Respekt vor Schavans Entscheidung. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sagte: "Es ist tragisch, dass die politische Karriere von Annette Schavan so endet." Ihr Rücktritt sei jedoch "ein Akt der politischen Konsequenz".

Die Grünen nahmen den Rücktritt laut Fraktionschef Jürgen Trittin mit Respekt zur Kenntnis. Nach Ansicht der Linkspartei erspart der Wechsel eine monatelange Hängepartie. Es sei zu hoffen sei, dass Schavans Nachfolgerin Wanka eine Kursänderung einleite, sagte die forschungspolitische Sprecherin der Linken, Petra Sitte.

Es ist die fünfte Kabinettsumbildung seit dem Start der schwarz-gelben Regierung im Herbst 2009. Für die Union kommt der Rücktritt, sieben Monate vor der Bundestagswahl, zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Informationen via Twitter gibt es hier.

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Leserkommentare
  1. Sie wird ihren Rücktritt erklären und Merkel leistet Rückendeckung.
    Endlich!!

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    Wenigstens in einem ist sich Frau Schavan treu geblieben: Keine Schuld zugeben, keine Reue - dafür aber selbstverständlich Denunziationen:
    "... durch anonyme Anschuldigungen im Internet ..."

    SchavanPlag war sicherlich anonym, aber das ändert rein gar nichts an den Fakten des Plagiats!

    http://plagiatschavan.wordpress.com

    Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

  2. vorerst, sie wird uns sicher innerhalb der EU wieder begegnen.

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    • oet
    • 09. Februar 2013 23:38 Uhr

    Danke für Ihren Vorsschlag. Endlich bekomme ich Antwort auf meine Frage nach Anschlussverwertung dieser Frau.

    Aber ich hoff mal nicht. Wir brauchen Leute wie Schavan ueberhaupt nicht.

    • BP89
    • 09. Februar 2013 13:14 Uhr

    ich denke sie wird zurücktreten.

    Das muss man sich ja mal vorstellen: BILDUNGSministerin mit aberkanntem Doktortitel zum Thema "Person und Gewissen".

    Wenn ich wüsste das es nicht wahr wäre würde ich herzhaft lachen.

    46 Leserempfehlungen
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    Sie wird sie vor die Wahl gestellt haben: Entweder fliegt sie und wird politisch nie wieder eine Rolle spielen oder aber sie geht freiwillig, zeigt ein wenig Alibi-Reue und bekommt noch den ein oder anderen Posten innerhalb der EU oder innerhalb der Partei.

  3. Die Art und Weise, wie Frau Schavan mit der Affäre umgeht, ist schon schlimmer als die Abschreiberei selbst.

    Sie klagt gegen eine Universität. Das ist fast so, als ob der Papst ein Bistum verklagt.
    Wer ist doch gleich nochmal Chef? Glaubwürdigkeit? Übernahme von Verantwortung? Vorbild?

    Wenn Frau Merkel heute nicht die Reißleine zieht, wird ihr das zum Nachteil gereichen.
    Aber die Freunde von Frau Schavan müssen sich nicht sorgen. Wie bei der allseits beliebten Frau Koch der FDP wird sich auch für Frau Schavan ein gut bezahltes Plätzchen finden lassen.

    32 Leserempfehlungen
  4. "Für die Union kommt der Rücktritt, sieben Monate vor der Bundestagswahl, zu einem ungünstigen Zeitpunkt."

    aber ist das für unseren Staat oder die Bevölkerung in irgendeiner Form relevant ob irgendetwas zu irgendeinem Zeitpunkt für eine Partei günstig oder ungünstig ist?

    Oder anders ausgedrückt es gibt keine Partei in Deutschland die für den Staat von irgendeiner Relevanz ist, auch wenn die Parteien gerne so tun als ob es so wäre!°

    LG

    Klaus

    43 Leserempfehlungen
  5. Frau Merkel und ein in Bedrängnis geratene/r Politiker/in treten gemeinsam auf!

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  6. "Für die Union kommt der Rücktritt, sieben Monate vor der Bundestagswahl, zu einem ungünstigen Zeitpunkt."

    Noch ist Frau Schawan ja wohl Ministerin... Also immer schön im Konjunktiv bleiben...

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    Seit Tagen pfiffen es die Spatzen von den Dächern - und so kam es dann auch. Da konnten die der CDU geneigten Medien schreiben oder kommentieren wie sie wollten (was sie, bsp. WELT) auch heftig getan haben.

    Für Frau Schavan ging es doch nur noch darum, wie sie zurücktreten kann, ohne zugeben zu müssen, dass sie vorsätzlich und durchgängig gepfuscht hat. ... weil sie gegen eine Bildungseinrichtung klagt, so die Begründung. Und wogegen klagt sie (aussichtslos)? Dass ihr der akademische Grad aberkannt wurde.

    Weswegen aberkannt, Frau Schavan? Weil Sie gepfuscht haben - und das darf man nicht! Sollten Sie aber schon vor der Pfuscherei gewusst haben.

    Konjunktiv erklärt - also Tatsache hier, heute und jetzt.

    wir haben das mal vorurteilsfrei bewertet!

  7. Schavans Rücktritt ist unvermeidlich, auch wenn der den Universitäten zugefügte Schaden damit nicht verringert wird. Schavan hat in ihrer Dissertation bewußt und vorsätzlich getäuscht - ähnlich wie ein Primaner im Deutschaufsatz, der Abhandlungen aus dem Literaturlexikon als seine eigenen geistigen Ergüsse verkaufen will. Guttenberg ist ein anderes Kaliber, harmloser: hier werden wohl die großzügigen Spenden an die Uni Bayreuth, die auch der Wissenschaft zugute kommen, eine gewisse Rolle gespielt haben. seine Plagiate waren kaum kaschiert, da man ihm wohl das Zudrücken beider Augen zugesichert hatte. Sonst hätte er sich gewiß einen professionellen Ghostwriter besorgt. Schavan ist erheblich dreister. Ihre Funktion als JU-Vorsitzende ihres Heimatverbandes war ihr vermutlich damals von Nutzen, heute schart sie ihre Getreuen aus ihrer Abhängigkeitsgefolgschaft um sich: Forschungsdirektoren, Uniprofessoren, furchtbare Juristen. Doch ihre Glaubwürdigkeit ist nicht mehr zu retten. Rücktritt! Sofort!

    16 Leserempfehlungen
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    • doof
    • 09. Februar 2013 13:58 Uhr

    zu guttenberg?
    der seitenweise abgeschrieben hat ohne es überhaupt nur irgendwo zu erwähnen?
    der es als dreistigkeit ansah, überhaupt in erwägung zu ziehen er habe geschummelt?
    der noch nach nachweis aller fehler gelogen hat dass isch die balken bogen?
    der dann auch wohl ebenso wie schavan ihrer meinung nach von seiner herkunft und seinen netzwerken profitierte? und Ihnen zufolge sogar eine dissertation gekauft haben könnte? oder einen ghostwriter beauftragt haben könnte und der überhaupt fremdes geistiges eigentum als seines verkauft hat... das nennen Sie harmloser als zugegebener maßen falsch zu zitieren?
    (wobei das nicht relativieren soll, was schavan anbelangt!)

    Seit Wochen liest man über Schavan in den Medien, ich kann es nicht mehr hören. Das Denunziantentum in Deutschland ist wieder salonfähig. Anonyme Plagiatsjäger im Internet bringen Politiker zu Fall. Es urteilen Personen anhand zweifelhafter Kriterien und fragwürdiger Prozesse über Leben und Leistung anderer Menschen. Und die Mehrheit der Gesellschaft schliesst sich der Meinungsmache an und nimmt für bare Münze, was keineswegs bewiesen ist.

    Selbst Mord verjährt nach 30 Jahren, eine mutmaßlich erschummelte Doktorarbeit wird jetzt selbst post mortem noch aberkannt. Die Universitäten ohne Charakter, aufspringend auf bereits fahrende Züge. Nicht die Lebensleistung von 30 (in Worten: dreissig) Jahren und mehr stehen im Mittelpunkt, sondern ein paar fehlende Fußnoten und Anführungszeichen. Wer die Kommentare in Online-Foren von ZEIT, SPON, SZ usw. liest wird objektiv nicht umhin kommen zu erkennen: da spricht oft Neid, Missgunst, Unterstellungen, Behauptungen und vor allem Frust über die politische Landschaft aus der Gesellschaft. Aber das alles soll rechtfertigen, einen Politiker - übrigens ein Mensch - fertig zu machen? Ich kann es nicht mehr anders formulieren als: ihn fertig zu machen.

    Die Freiheit des Internets stelle ich mir anders vor. Versteckt in der Anonymität des Netzes sind selbsternannte Jäger der Plagiate unterwegs - ekelerregend, meiner Meinung nach. Glaubwürdigkeit? Jeder sollte mal in sich gehen, wem er glauben schenkt. Frau Schavan hat mein Mitgefühl.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, jam
  • Schlagworte Angela Merkel | Annette Schavan | Johanna Wanka | Bundesregierung | CDU | Grüne
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