Merkel hatte am Mittwoch durch ihren Regierungssprecher versichern lassen, sie habe "volles Vertrauen" in die Arbeit Schavans. Zugleich vermied ihr Sprecher aber ein ausdrückliches Bekenntnis zum Verbleib Schavans im Amt. Die Uni Düsseldorf hatte der 57-Jährigen am Dienstagabend nach neun Monaten Prüfung wegen "vorsätzlicher Täuschung" in ihrer Promotionsarbeit den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel entzogen. Die Ministerin hat Klage gegen die Universität angekündigt.

Würde Schavan zurücktreten, wäre dies die fünfte Kabinettsumbildung seit dem Start der schwarz-gelben Regierung im Herbst 2009. Für die Union käme dies sieben Monate vor der Bundestagswahl zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Als mögliche Nachfolger wurden in Medien unter anderem der scheidende niedersächsische Ministerpräsident David McAllister und CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe gehandelt. McAllister hat nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa allerdings eine Zusage bereits ausgeschlossen: Er wolle nach der knappen Niederlage bei der Landtagswahl erst einmal zur Ruhe kommen, hieß es demnach aus seinem Umfeld.

In Koalitionskreisen wird deshalb auch über eine "hausinterne" Übergangslösung im Fall eines Rücktritts spekuliert. Genannt werden etwa der Parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium, Helge Braun, Staatssekretär Georg Schütte und Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer, der als Wissenschaftsexperte gilt. Denkbar ist auch, dass der baden-württembergische CDU-Vorsitzende Thomas Strobl Schavan ins Amt folgt.