Italien-WahlSteinbrück irritiert auch Parteifreunde

Trotz aller Pannen haben die Genossen bisher nicht öffentlich über ihren Kanzlerkandidaten gemeckert. Die neuesten Steinbrück-Äußerungen aber gehen manchem zu weit.

Die Äußerungen von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zum Wahlausgang in Italien haben erstmals auch in seiner Partei Kritik ausgelöst. "Es ist nicht diplomatisch, das politische Personal eines befreundeten Staates mit solchen Begriffen zu belegen", sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulla Burchardt der Passauer Neuen Presse. Sie ist auch Vorsitzende der deutsch-italienischen Parlamentariergruppe.

Steinbrück hatte am Dienstagabend gesagt: "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben." Er spielte damit auf das Abschneiden des Spitzenkandidaten der Protestbewegung Fünf Sterne, Beppe Grillo, und von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi an.

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Wegen der umstrittenen Äußerungen zum Wahlausgang in Italien hatte Staatspräsident Giorgio Napolitano ein für Mittwochabend geplantes Abendessen mit Steinbrück abgesagt. Napolitano sagte der Bild-Zeitung: "Peer Steinbrück hat mir am Telefon erklärt, dass er nicht beleidigend sein wollte. Aber ein Treffen war aus meiner Sicht nach den Äußerungen, die er gemacht hat, nicht mehr möglich."

"Stammtisch der untersten Kategorie"

Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD), forderte, den politischen Willen der italienischen Wähler zu respektieren. "Mein wenig gutes Verhältnis zu Silvio Berlusconi ist bekannt. Wir sind bei der Betrachtung der Wahl alle gut beraten, zur Kenntnis zu nehmen, dass die Italiener diese Parteien und ihre Führer gewählt haben", sagte Schulz.

Die SPD-Führung verteidigt dagegen die umstrittenen Äußerungen des Kanzlerkandidaten. "Ich finde, Peer Steinbrück hat es auf den Punkt gebracht", sagte der Parlamentsgeschäftsführer der Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, im ARD-Morgenmagazin.

Oppermann verwies darauf, dass sich Steinbrück bei einer Veranstaltung namens Klartext geäußert hatte. "Man darf doch politische Ergebnisse auch noch politisch kommentieren, wenn man Kanzlerkandidat ist", sagte er. "Natürlich wird er als Bundeskanzler in solchen Dingen zurückhaltender sein."

Die FDP äußerte dagegen die Befürchtung, dass sich dies auch bei einer Kanzlerschaft nicht ändern würde: "In die Schweiz schickt er die Kavallerie, nach Zypern die Piraten, italienische Politiker sind für ihn Clowns: Peer Steinbrück hat mehr als deutlich unter Beweis gestellt, dass er ein außenpolitisches Sicherheitsrisiko ist", sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, Handelsblatt Online. "Er mutiert zunehmend zu einem deutschen Peerlusconi." Was Steinbrück mit Klartext umschreibe, sei in Wahrheit "Stammtisch der untersten Kategorie".

Wiederholt hat Steinbrück wegen diverser Pannen negative Schlagzeilen bekommen, aus der SPD gab es aber bisher keine offene Kritik. Union und FDP nahmen im beginnenden Bundestagswahlkampf den neuen Zwischenfall umgehend zum Anlass für Kritik an Steinbrück – wobei auch die Koalition alles andere als glücklich ist über den komplizierten Wahlausgang in Italien, der die Euro-Stabilisierung erschweren könnte.

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Leserkommentare
    • WeLi
    • 28. Februar 2013 8:37 Uhr
    1. [...]

    Entfernt, bitte beteiligen Sie sich konstruktiv an der Debatte. Danke, die Redaktion/se

    7 Leserempfehlungen
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    die Presse hat immer nur Augen für eine Sau die durchs Dorf getrieben wird. Es gäbe sicher Anlass, hundert Säue gleichzeitig zu treiben, aber das geht aufgrund von Platzmangel eben nicht.

  1. er kann sich nicht kontrollieren und nutzt bislang gnadenlos jede Chance, auch nur ja kein Fettnaepfchen auszulassen. Die SPD darf sich hoechstens noch als stark reduzierter Juniorpartner Hoffnung machen, obwohl sie das ja von sich weist. Dieser Kanzlerkandidat ist eigentlich gar keiner, ob die SPD das noch merkt - ich denke nicht..

    24 Leserempfehlungen
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    ob der Fuss noch weiß, was der Kopf eigentlich will (oder umgekehrt?). Die Führungsetage der SPD will anscheinend nicht gewinnen. Lieber als Juniorpartner der CDU/CSU, damit man ja wieder Bauchschmerzen bekommt.

    so wie das bei unseren "Volksvertretern" gang und gaebe ist ?Haben SIE sich aufgeregt wenn Frau Merkel von BERLUSCONI an-gegriffen wird ? Berlusconi kann man nicht ernst nehmen aber man sollte ihn einfach uebergehen.

  2. "Ein Clown ist ein Artist, dessen primäre Kunst es ist, Menschen zum Lachen zu bringen."
    Über Berlustconi kann man nur noch lachen, er fordert den Humor quasi heraus, weil mit ihm der Spass aufhört!

    Peer hat Recht, leider......

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    wenn Sie mit diesem Wort einen Polizisten oder gar Rechtsanwalt, Staatsanwalt oder Richter betiteln...

    mich bringt Berlusconi eigentlich nur zum heulen.

    Ja ich darf das sagen, ich will ja nicht Kanzler werden. ( nicht mal wenn man mir mehrere Millionen die Stunde zahlen würde).

    Aber mal ernsthaft.... Steinbrück hat natürlich recht wenn er Berlusconi als Clown bezeichnte... sinngemäß denken wir das alle. Aber für einen Kanzlerkandidaten gilt nun mal, denken ist erlaubt... reden nur bedingt. Beim nächsten mal sollte er vielleicht erst denken dann reden.

    Im Falle Herrn Berlusconis ist "Clown" geradezu ein Kompliment, für Herrn Grillo vermutlich eine neutrale Bezeichnung. Herr Steinbrück darf sich auch mal pointiert äussern (eigentlich erwarte ich das auch von jemandem, der Kanzler werden will, nicht dieses gesichts- und inhaltslose Gewäsch der aktuellen Kanzlerin).
    Der Zeit stünde ein wenig mehr Neutralität gut zu Gesicht, sonst könnte man den Verdacht hegen, dass der Zeit die derzeitige Regierungskoalition zu sehr am Herzen liege. Interessanterweise tritt man hier immer dann ein Theater los, wenn es um Herrn Steinbrück geht. Qualitätsjournalismus? In der Zeit anscheinend nur noch manchmal.

    • JWS-HH
    • 28. Februar 2013 9:31 Uhr

    kann ich leider nicht, denn seine "Politik" wird teuer für Deutschland und Europa !

    • Goodman
    • 28. Februar 2013 12:57 Uhr

    Verglichen mit deren Äußerungen, welche jene Vollblutpolitiker früherer Zeiten nahezu regelmäßig zum Besten gaben ist Herr Steinbrück harmlos wie eine Klosterschülerin! Etwas mehr Verbaldiplomatie darf Herr Steinbrück vielleicht noch lernen; andererseits erwarte ich von einem Politiker von Zeit zu Zeit Klartext. Insachen Berlustconi und Grillo hat der Kanzlerkandidat absolut recht - und jeder weiß es! Im Übrigen haben Berlusconis beleidigende Nazi-Vergleiche gegen deutsche Politiker in der Vergangenheit auch noch nicht zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Rom und Berlin geführt.

    Wie dünnhäutig sind viele geworden, dass sie sich durch das bißchen Kante aufschrecken lassen - anstatt sich mit dem Sachverhalt zu befassen, um den es eigentlich geht? Muss eine Demokratie das nicht aushalten können? Vielleicht braucht sie sogar um zu funktionieren: Demokratie lebt von der Auseinandersetzung der Meinungen!

  3. ...wenn die Lobbyversteher und Kapitalfreunde gegen die Netiquette verstoßen und sich gegenseitig als Clowns titulieren.
    Wenn sonst schon nichts mehr heilig ist, dann wenigstens das.

    Wie früher bei den "Ehrenmännern"; Frauen und Kinder abschlachten lassen geht in Ordnung, aber wehe, der feine Herr ißt mit den Fingern...

    31 Leserempfehlungen
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    Ich muss gestehen, dass ich die Wahl Herrn Steinbrücks zum Kanzlerkandidaten der SPD für einen riesen Fehler dieser Partei halte. Das hat aber weit weniger mit seinen ständigen Aussetzern zu tun, als man vielleicht glauben mag. Das Problem, das ich sehe, ist vielmehr, dass er schlicht nicht glaubwürdig sozialdemokratische Politik vertreten kann, wie seine zzurückligenden - politischen(!) - Entscheidungen eindrücklich gezeigt haben. Er wäre eigentlich besser - auch charakterlich (sorry)- in der CDU oder der FDP aufgehoben. Das nur Vorweg, um klar zu machen, dass ich nicht unbedingt ein Anhänger von Herrn Steinbrück bin.

    Mich nervt aber wirklich, dass Steinbrücks diplomatische Peinlichkeit jetzt so aufgeblasen wird, während die wiederholten (GR, F und nun I), anmaßenden und einschüchternden Einflussnahmen der deutschen Regierung auf die Wahlentscheidungen anderer souveräner(!) Nationen von der deutschen Presse völlig unkritisch als normal und kaum beachtenswert angesehen werden. Man stelle sich einmal vor, die italienische Regierung würde uns in dieser Weise vorschreiben wollen, wen wir gefälligst zu wählen haben! Würden Sie, verehrte ZEIT (stellvertretend für die deutschen Medien), eine solche Frechheit auch so einfach hinnehmen? Das ist der eigentliche Skandal, nicht die Frage, ob ein Hampelmann einen anderen einen "Clown" schimpft.

  4. die Presse hat immer nur Augen für eine Sau die durchs Dorf getrieben wird. Es gäbe sicher Anlass, hundert Säue gleichzeitig zu treiben, aber das geht aufgrund von Platzmangel eben nicht.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
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    • docere
    • 28. Februar 2013 8:53 Uhr

    "Wie konnten die Italiener so dämlich sein?"
    So lautete die Überschrift eines Artikels hier und genauso dachte ich auch.
    Natürlich sollte man nicht unbedingt als Politiker mit seiner Meinung derartig hausieren gehen wie Hr. Steinbrück, aber hat er denn Unrecht?
    Kreide fressen nennt man das dann wohl und sich dann erst den Wolf ins Haus holen.

  5. wenn Sie mit diesem Wort einen Polizisten oder gar Rechtsanwalt, Staatsanwalt oder Richter betiteln...

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    Antwort auf "Clown Wikipedia"
  6. mich bringt Berlusconi eigentlich nur zum heulen.

    Ja ich darf das sagen, ich will ja nicht Kanzler werden. ( nicht mal wenn man mir mehrere Millionen die Stunde zahlen würde).

    Aber mal ernsthaft.... Steinbrück hat natürlich recht wenn er Berlusconi als Clown bezeichnte... sinngemäß denken wir das alle. Aber für einen Kanzlerkandidaten gilt nun mal, denken ist erlaubt... reden nur bedingt. Beim nächsten mal sollte er vielleicht erst denken dann reden.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Clown Wikipedia"
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    • WABler
    • 28. Februar 2013 9:55 Uhr

    Sie schreiben:
    Aber für einen Kanzlerkandidaten gilt nun mal, denken ist erlaubt... reden nur bedingt. Beim nächsten mal sollte er vielleicht erst denken dann reden.
    ______________________________
    Gerade hier liegt ja das Problem des Herrn Steinbrück!
    Der redet und denkt nicht.
    Zumindest vorher nicht!

    • H.v.T.
    • 28. Februar 2013 8:49 Uhr

    sich eher Sorgen um den Unterschied in den italienischen Wahlenergebnissen zu den vorangegangenen ´Umfragwerten´ machen, denn das könnte auch in Deutschland passieren.

    9 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reutes, AFP, zz
  • Schlagworte Peer Steinbrück | Silvio Berlusconi | FDP | SPD | Giorgio Napolitano | Martin Schulz
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