Wahlkampf : Steinbrück bestreitet Verantwortung für Peerblog

Der SPD-Kanzlerkandidat hat die Kritik der indirekten Parteienfinanzierung über die Internetseite peerblog.de zurückgewiesen. Auch kenne er die Geldgeber nicht.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat jede Verantwortung für das umstrittene und inzwischen eingestellte Peerblog zurückgewiesen. "Ich habe mit diesem Blog nichts zu tun", sagte Steinbrück der ARD. Er sprach in der Sendung Bericht aus Berlin von einer "sogenannten Parallelaktion", die von einem Sympathisanten in Gang gesetzt worden sei. "Die ist parteirechtlich vollkommen in Ordnung", sagte Steinbrück in diesem Zusammenhang.

Die Bundestagsverwaltung hatte zuvor angekündigt, sie wolle der Frage nachgehen, ob es sich bei peerblog.de um eine verdeckte Form der Parteienfinanzierung handelt. Steinbrück sagte, er kenne die finanziellen Unterstützer des Projekts nicht. Lediglich einige Autoren des Blogs seien ihm bekannt. Im Übrigen könne er nichts Merkwürdiges daran finden, wenn ihn jemand aus Sympathie unterstützen wolle.

Peerblog wollte nach Vorbild der USA für Steinbrück im Wahlkampf bloggen. Betreut wurde die Webseite von einer Düsseldorfer PR-Agentur. Laut Spiegel hatten fünf Unternehmer eine sechsstellige Summe zur Verfügung gestellt. Die Spender blieben anonym, was von Grünen, Linkspartei und Anti-Korruptionsgruppen kritisiert wurde.

Vor wenigen Tagen ist peerblog.de offline gegangen. Die Betreiber hatten angegeben, es habe massive Hackerangriffe gegeben. Man habe sich deswegen gezwungen gesehen, das Blog einzustellen.

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Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Pfiffig geht anders!

Es ist nicht pfiffig, grünes Licht zur Verwendung seines Namens zu geben, wenn man nicht weiß, was dann in diesem Namen gemacht wird. Und wenn ich Kanzler werden will und so etwas mache, dann ist das geradezu töricht!

Gut, für die Macher von Peerblog fühlt sich der Kandidat nicht verantwortlich. Aber das, was sein Pressesprecher sagt, sollte schon mit ihm abgestimmt sein. Oder hat er den nur eingestellt, um die Verantwortung für seine eigene Unachtsamkeit abzuwälzen?

Und dann hat der Kandidat in seiner ersten Reaktion auf den sich anbahnenden Skandal das gesagt, was laut Ihnen sowieso jeder wissen konnte, dass ihm die Autoren bekannt sind. Damit aber hat Steinbrück einmal mehr bewiesen, dass ihm die Dynamik von öffentlichen Debatten vollkommen fremd ist.

Ja, in der Wirtschafts- und Finanzwelt zählt das Geld. In der Öffentlichkeit aber zählt das gute Argument. Und deshalb verliert dort derjenige, der glaubt, brenzlige Debatten mit Nullaussagen bestreiten zu können, schnell die Hoheit. Steinbrück ist daher schon lange ein Getriebener.

Und ja, ich rege mich sehr über Steinbrück auf. Ich habe ihn nie für einen guten Politiker gehalten. U.a. wegen seiner Politik bin ich nach fast 25 Jahren aus der SPD ausgetreten.

Aber das schwarz-gelbe Chaos in Berlin lähmt und zerstört Europa. Deshalb brauchen wir hier eine andere Regierung. Steinbrück jedoch steht dem so notwendigen Regierungswechsel im Weg.

Deshalb, und nur deshalb ärgere ich mich noch über diesen Typen!