Onlinewahlkampf : Steinbrücks Blog vom Netz genommen

Das war ein kurzer Onlineauftritt: Das umstrittene Blog von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist offline. Massive Cyberattacken seien der Grund – sagt der Betreiber.

Peer Steinbrücks Blog ist offline. Fortwährende Cyberattacken auf den Server der Seite peerblog.de haben seit dem Mittwochnachmittag zu dauerhaften Unterbrechungen geführt, teilte die zuständige Düsseldorfer Agentur mit. Man habe sich deswegen gezwungen gesehen, die Seite des SPD-Kanzlerkandidaten vom Netz zu nehmen.

"Die technische Analyse hat ergeben, dass die Cyberangriffe durch Massenanfragen von sogenannten Zombies (infizierte Rechner unbeteiligter Personen) ausgelöst worden sind", schreibt die Agentur. Hinter den Virus- und Trojaner-Attacken stecke eine Hackergruppe, die ankündigt habe, das PeerBlog dauerhaft anzugreifen. Damit bleibe peerblog.de faktisch offline.

Die Agentur gibt weiter an, sie wisse nicht, "ob diese Attacken von Dritten bestellt oder gar bezahlt worden sind. Diese Angriffe aus dem Netz waren zusätzlich mit Erpressungsversuchen verbunden, unsere Geschäftsbeziehungen offenzulegen".

Der SPD-Kanzlerkandidat war wegen seines Blogs zuletzt in der Kritik: Die Bundestagsverwaltung wollte der Frage nachgehen, ob es sich dabei um verdeckte Parteienfinanzierung handele. Der Spiegel hatte berichtet, die Kosten für peerblog.de in Höhe einer sechsstelligen Summe trügen fünf Unternehmer, die vorerst anonym bleiben wollten.

Steinbrück soll Namen der Finanzierer nennen

Unionsparlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer hatte Steinbrück aufgefordert, die Namen der Unternehmer preiszugeben, die das Projekt finanzieren: "Es ist doch erstaunlich, dass Steinbrück, der vor nicht allzu langer Zeit versprochen hat, alles offenzulegen, sich ausgerechnet bei diesem Teil seiner Wahlkampffinanzierung verweigert."

Die Parlamentsgeschäftsführerin der Linken, Dagmar Enkelmann, forderte, Steinbrück solle deshalb die Geheimniskrämerei um sein Blog beenden. Die Unterstützung durch PeerBlog sei eine geldwerte Zuwendung und wie eine Spende an den Abgeordneten zu behandeln.

Steinbrück hatte das Internetportal verteidigt. Einer Prüfung durch die Bundestagsverwaltung sehe er gelassen entgegen.

Unterdessen mehren sich Stimmen, das Peerblog sei gar nicht wegen der Cyberattacken eingestellt worden. Mathias Richel, Exvorstand des SPD-nahen Netzvereins D64, und der Journalist Lars Wienand zweifeln an der offiziellen Begründung:

Häme kommt zudem aus dem Lager der CDU:

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