Alexander Dobrindt hatte mal wieder den Holzhammer ausgepackt: Peer Steinbrück sei kein wirklicher Patriot und verrate deutsche Interessen, krakeelte der CSU-Generalsekretär in der ihm eigenen Rhetorik. Er bezog sich dabei auf eine Rede des SPD-Kanzlerkandidaten zum Umgang mit den Euro-Krisen-Ländern. Allerdings wird sich Steinbrück darüber kaum geärgert haben, eher schon könnte er Dobrindt insgeheim dankbar sein. Schließlich war der CSU-General einer der wenigen, der Steinbrücks europapolitischen Vorstoß überhaupt mitbekommen hat.

Nein, mit seinen Themen ist der Kanzlerkandidat der SPD bisher noch nicht großartig in die Öffentlichkeit gedrungen. Dabei hatten die Sozialdemokraten genau darauf gesetzt: auf Steinbrücks Meinungsfreudigkeit, seine Eloquenz und seinen Mut zur Zuspitzung. All das unterscheidet ihn von seinem Vorgänger auf diesem Posten, dem spröden Frank-Walter Steinmeier, an dessen leidenschaftsloser Wahlkampfführung viele Sozialdemokraten 2009 verzweifelten.

Bisher sind die Genossen loyal

Noch erträgt die SPD den schlechten Start ihres Kanzlerkandidaten mit stiller Demut. Bislang haben sich die Genossen sehr loyal zu ihrem Kanzlerkandidaten verhalten, der ja kein Liebling der Basis oder des Funktionär-Apparates ist. Es gab noch keine Attacken von irgendwelchen Hinterbänklern und auch keinen Überbietungswettbewerb, was inhaltliche Forderungen angeht. Fragt man die Spitzengenossen in diesen Tagen nach Steinbrück, verteidigen sie ihn geradezu leidenschaftlich. Wie Johannes Kahrs, der einflussreiche Seeheimer, der im Gespräch mit ZEIT ONLINE über die Häme in der SPD-Berichterstattung klagt.

Jenseits der trotzigen öffentlichen Selbstverteidigung sind die Sozialdemokraten natürlich schon ein wenig beunruhigt. Eigentlich können sie doch durchaus Wahlkampf – und sie beherrschen die Kunst der Kampagne besser als die CDU, so zumindest lautet ihr traditionell gepflegtes Selbstverständnis. Woran liegt es also diesmal, dass sich die in zahllosen Wahlkämpfen gestählte Volkspartei so schwer tut, öffentliches Gehör zu erlangen? Warum lief der Wahlkampf-Auftakt so schief?

Super Reise, schlecht verkauft

Zum Teil ist Steinbrück selbst schuld daran. Beziehungsweise: das Team, das ihn berät und seine Auftritte koordiniert. Deutlich wurde das erneut in der vergangenen Woche, als Steinbrück durch Europa reiste. In London, Athen und Den Haag wollte er ein Gegenmodell zur Europapolitik der Kanzlerin entwerfen und Debatten anregen. Die Idee war gut, die Auftritte waren spannend. Aber trotzdem entpuppte sich die Tour als Flop, sie verpuffte beinahe wirkungslos. Ganz einfach deshalb, weil sie nicht gut geplant war.

In Athen beispielsweise wollte Steinbrück demonstrieren, dass er anders als die Kanzlerin mit den Griechen mitfühle, dass er als Sozialdemokrat Verständnis für die Sorgen in der Krise habe. Dazu besuchte er ein Sozialprojekt in einem ärmlichen Viertel, stand zwischen Paletten voller Lebensmittelspenden und bewies, dass er mit solchen Situationen gut umgehen kann.

Wo aber waren die Fotografen, die diese Bilder für die deutsche Öffentlichkeit festhielten? Warum hat sich kein Bild im Gedächtnis der Deutschen festgesetzt, wie etwa damals die Guttenberg-Fotos vom Times Square? Die Antwort ist schlicht: Die SPD hatte keinen eigenen Fotografen mitgenommen – und erst spät über die Reise informiert, so dass die größte deutsche Nachrichtenagentur dpa, die die meisten Redaktionen mit Bildern versorgt, ebenfalls nicht dabei war. Auch im Internet, auf das die SPD eigentlich große Stücke hält, fand die Steinbrück-Reise kaum statt. Es wäre ein Leichtes gewesen, ein paar Handyfotos zu schießen und einige Tweets abzuschicken. Geringer Aufwand, starker Effekt. Während der gesamten Reise passierte aber auf @peersteinbrueck rein gar nichts.