Solche Szenen würde Christian Ude bestimmt gern häufiger auskosten: Im Vilshofener Festzelt jubeln dem Ministerpräsidenten-Kandidaten knapp 5.000 Anhänger zu. Die bayerische SPD feiert ihren politischen Aschermittwoch. Angeblich ist der Andrang hier sogar noch höher als bei der CSU im nahen Passau.

Hunderte rote Schilder mit dem Slogan "Genau! Ude" werden geschwenkt. Jubel, Gejohle, "Ude, Ude"-Rufe zu Bier, Brezn und Weißwürsten.

Die Genossen wollen sich diesen letzten Aschermittwoch vor der Landtagswahl am 15. September nicht vermiesen lassen. Auch nicht von den Umfragen, die sie derzeit bei 20 Prozent sehen, während die CSU bei stolzen 47 Prozent taxiert wird. Der Ude-Effekt, auf den die Genossen einst so gesetzt hatten, macht sich zumindest in den Umfragen immer noch nicht bemerkbar. Seit eineinhalb Jahren ist er nun designierter Spitzenkandidat seiner Partei. Weit vom verheerenden 18,6-Prozent-Wahlergebnis von 2008 hat man sich seither nicht wegbewegt.

Kampfansprache und Kabarett

In dem Zelt am Vilshofener Donauufer geht es nun vor allem darum, den Rückstand zur CSU kleinzureden und sich gegenseitig Mut zuzusprechen. "Wir lassen uns nicht einmal durch teure Umfragen einschüchtern", ruft Ude einmal trotzig. Und seine Zuhörer, die in vielen Bussen aus allen Teilen Bayerns angereist kamen, klatschen trotzig zurück. 

Udes Rede ist eine Mischung aus politischer Kampfansprache und – wie oft bei ihm, dem erprobten Komödianten – politischem Kabarett. Das ist durchaus lustig, aber auch ein wenig gestrig. Zumal es fast so scheint, als sei nicht der amtierende Ministerpräsident Horst Seehofer sein Lieblingsobjekt für Kritik und Spott, sondern dessen Vor-Vorgänger Edmund Stoiber, der zeitgleich bei der CSU in Passau auftritt. Stoiber müsse sich doch grämen, wie all seine Regierungsprojekte von Seehofer wieder zurückgenommen werden, sagt Ude. Er meint damit Seehofers Positionswechsel in vielen Fragen, etwa die Abschaffung der Studiengebühren oder den Verzicht auf einen weiteren Donauausbau.

Weniger satirisch präsentiert sich der andere Hauptredner der SPD an diesem Tag, der angereiste SPD-Kanzlerkandidat aus Berlin. Peer Steinbrück kombiniert in seiner Rede kräftige Sprüche mit einer Prise Schuldbewusstsein hinsichtlich eigener Fehler. Manche seiner Äußerungen in der Vergangenheit seien "nicht hilfreich gewesen", gibt Steinbrück zum wiederholten Male zu. "Manchmal schießt man über das Ziel hinaus." Er aber wolle kein "öliger Politiker" sein. Er kündigt an: "Ich lasse mich nicht verbiegen."

Angesichts der auch im Bund nicht besonders rosigen Aussichten für die SPD klingt die Ankündigung des bayerischen Landeschefs Florian Pronold dann doch reichlich gewagt: "Beim nächsten Aschermittwoch begrüßen wir Ministerpräsident Christian Ude und Bundeskanzler Peer Steinbrück." So richtig glaubt ihm das im Festzelt wohl niemand.