SPDUde flieht in die Satire, Steinbrück räumt Fehler ein

Die SPD bejubelt sich am Aschermittwoch lautstark selbst. Aber viel Bier und starke Sprüche können nicht über die missliche Lage hinwegtäuschen. Von P. Guyton, Vilshofen von Patrick Guyton

Solche Szenen würde Christian Ude bestimmt gern häufiger auskosten: Im Vilshofener Festzelt jubeln dem Ministerpräsidenten-Kandidaten knapp 5.000 Anhänger zu. Die bayerische SPD feiert ihren politischen Aschermittwoch. Angeblich ist der Andrang hier sogar noch höher als bei der CSU im nahen Passau.

Hunderte rote Schilder mit dem Slogan "Genau! Ude" werden geschwenkt. Jubel, Gejohle, "Ude, Ude"-Rufe zu Bier, Brezn und Weißwürsten.

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Die Genossen wollen sich diesen letzten Aschermittwoch vor der Landtagswahl am 15. September nicht vermiesen lassen. Auch nicht von den Umfragen, die sie derzeit bei 20 Prozent sehen, während die CSU bei stolzen 47 Prozent taxiert wird. Der Ude-Effekt, auf den die Genossen einst so gesetzt hatten, macht sich zumindest in den Umfragen immer noch nicht bemerkbar. Seit eineinhalb Jahren ist er nun designierter Spitzenkandidat seiner Partei. Weit vom verheerenden 18,6-Prozent-Wahlergebnis von 2008 hat man sich seither nicht wegbewegt.

Kampfansprache und Kabarett

In dem Zelt am Vilshofener Donauufer geht es nun vor allem darum, den Rückstand zur CSU kleinzureden und sich gegenseitig Mut zuzusprechen. "Wir lassen uns nicht einmal durch teure Umfragen einschüchtern", ruft Ude einmal trotzig. Und seine Zuhörer, die in vielen Bussen aus allen Teilen Bayerns angereist kamen, klatschen trotzig zurück. 

Udes Rede ist eine Mischung aus politischer Kampfansprache und – wie oft bei ihm, dem erprobten Komödianten – politischem Kabarett. Das ist durchaus lustig, aber auch ein wenig gestrig. Zumal es fast so scheint, als sei nicht der amtierende Ministerpräsident Horst Seehofer sein Lieblingsobjekt für Kritik und Spott, sondern dessen Vor-Vorgänger Edmund Stoiber, der zeitgleich bei der CSU in Passau auftritt. Stoiber müsse sich doch grämen, wie all seine Regierungsprojekte von Seehofer wieder zurückgenommen werden, sagt Ude. Er meint damit Seehofers Positionswechsel in vielen Fragen, etwa die Abschaffung der Studiengebühren oder den Verzicht auf einen weiteren Donauausbau.

Weniger satirisch präsentiert sich der andere Hauptredner der SPD an diesem Tag, der angereiste SPD-Kanzlerkandidat aus Berlin. Peer Steinbrück kombiniert in seiner Rede kräftige Sprüche mit einer Prise Schuldbewusstsein hinsichtlich eigener Fehler. Manche seiner Äußerungen in der Vergangenheit seien "nicht hilfreich gewesen", gibt Steinbrück zum wiederholten Male zu. "Manchmal schießt man über das Ziel hinaus." Er aber wolle kein "öliger Politiker" sein. Er kündigt an: "Ich lasse mich nicht verbiegen."

Angesichts der auch im Bund nicht besonders rosigen Aussichten für die SPD klingt die Ankündigung des bayerischen Landeschefs Florian Pronold dann doch reichlich gewagt: "Beim nächsten Aschermittwoch begrüßen wir Ministerpräsident Christian Ude und Bundeskanzler Peer Steinbrück." So richtig glaubt ihm das im Festzelt wohl niemand.

Leserkommentare
  1. Heute war wieder ein ekelhafter Tag der Selbstbeweihräucherung gleichweder politischer Couleur.

    Gleichgültig ob auf Parteitagen oder am politischen Aschermittwoch:

    Am Ende eines jeden Redners gibt es minutenlang Applaus und Standing Ovations. Der Gipfel ist dann immer, wenn die Zeit des Applauses in Minuten festgestellt wird und man vergleicht, ob man länger als der politische Gegner durchhalten konnte. Dieser auf wenige Protagonisten projizierte Personenkult ist einfach nur erbärmlich. Wie kann man sich als rational denkender Mensch nur für so etwas hingeben?

    Dieses ganze Spektakel aller Parteien erinnert mich immer an ganz schlimme Zeiten in diesem Land. Sowohl zur Zeit der Teilung als auch davor.

    16 Leserempfehlungen
  2. Wann kommt eigentlich einmal der Tag, bei dem SPD nicht vorher konsequent niedergeschreiben wird?
    Zumindest seit Kohl-Tagen das übliche Ritual.

    Es wäre doch mal eine spannende Frage, warum der Politik-Rentner Stoiber die großen Reden schwingt und nicht der Seehofer. Das hiermit die CSU verzweifelt versucht an alte Zeiten anzuküpfen, wird dezent verschwiegen. Den Seehofer will eigentlich keiner sehen. Und wenn es mit dem Wahlergebnis nicht so läuft, dann war halt der Stoiber schuld.

    Unter FJS hätte es so etwas nicht gegeben.

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    • ribera
    • 13. Februar 2013 23:22 Uhr

    Unter FJS konnte man bei vielen Veranstaltungen zu ihm ins Bierzelt gehen, ohne Parteimitglied oder sonst irgendwie selektiert zu werden.
    Dann zog FJS vom Leder, entgegnete Zwischenrufe, manchmal auch unterhalb der Gürtellinie.
    Habe ich selbst live erlebt.
    Heute werden die selektierten Claqueure mit Bussen herangekarrt und Jubelfähnchen verteilt.
    Von allen Parteien, auch von der SPD.

  3. 3. [...]

    Entfernt. Bemühen Sie sich um einen differenzierten Kommentarstil. Die Redaktion/mak

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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

  4. "Unter FJS hätte es so etwas nicht gegeben"! Der war von einem anderen Kaliber, integranter, schräger, skrupelloser, als alle seine Nachfolger. Es hat schon ganze Bücher gefüllt, was er so alles verzapft hat. Und trotzdem, er war beliebt oder soll man besser sagen gefürchtet, wegen seiner Brutalität, wie er seine Dinge durchpeitschte ohne Rücksicht auf Verluste!!! Diese Ambivalenz werden nur bodenständige Bayern verstehn und einzuschätzen wissen. Mir wahr und ist er immer unheimlich gewesen!!!

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    Nach meiner Auffassung hat Bayern FJS sehr viel zu verdanken.
    Dafür, dass er sich zurücknahm, schob der Kohl aus Oggersheim sehr viel Knete nach Bayern, in Form von diversen Subventionen, die genau auf die Bedürfnisse Bayern zugeschnitten waren. Kein anderer Landesverband der CDU hat auch nur annähernd so eine bundespolitische Präsenz, wie die CSU.
    Der Strauss konnte ohne weiteres den Kohl in die Tasche stecken, war aber als Kanzlerkandidat für die Mehrheit der Bundesbürger nicht akzeptabel.So hat er sich dann seinen Thron in Bayern vergolden lassen. Gerade diese Machtposition hat sehr vielen Bayern gut gefallen, so dass sie über die anderen Sachen gerne hinweg gesehen haben. Sein Erbe ist unter seinen "Erben" aber immer weiter zerfallen.

    Seehofers Einfluss auf Merkel ist, im Vergleich zu Kohl/Strauss, verschwindend gering.

  5. 5. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    Antwort auf "[...]"
  6. ...äh, verehrter Autor, Sie haben aber schon Sinn und Zweck des politischen Aschermittwochs verstanden?! Oder?

    6 Leserempfehlungen
  7. Und das, obwohl er als Freizeit-Parlamentarier alle Zeit der Welt hat, sich genau zu überlegen was er sagt und tut.
    Wieviele Fehler macht er erst, wenn er unter Druck steht!?

    Ohnehin hat er mit seinen 67 Jahren jeden Kontakt zur Basis verloren. Er ist in der eigenen Partei isoliert und hat keine tragbaren Netzwerke. Nur der greise Schmidt, Freund der Familie Steinbrück, hält noch die Hand schützend über ihn, wie schon seit 40 Jahren.

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    Seine Kommentar sind doch nur anmaßend und hochnäßig.
    Der Millionär und Gerechtigkeitsfanatiker (klar, Arbeit und "Leistung" rechtfertigt alles) sollte dem Land keinen Schaden zufügen.
    Ganz erwähnenswert heute auch der Auftritt von Trittin oder Don Dose: Mit seinem galant umgeschwungenen Halstuch sah er aus wie ein Präsident im Golfclub, aus dem sich mittlerweile vermutlich die Mehrzahl seiner Wähler speist. Die ewige Heuchelei dieses neuen Rot-GRünen Zweckbündnisses macht mir persönlich enorm Angst. Die Grünen und die SPD sind die eigentlichen Klientelparteien des öffentlichen Dienstes

    Mein Kommentar war dem Aschermittwoch gemäß etwas bissiger wurde aber wie so oft nicht gerne gesehen.

    Ihren Kommentar finde ich aber gut.

    • fse69
    • 14. Februar 2013 14:01 Uhr

    "... Steinbrück macht ständig Fehler
    Und das, obwohl er als Freizeit-Parlamentarier alle Zeit der Welt hat, sich genau zu überlegen was er sagt und tut...."

    Steinbrück ist Gegenstand einer sehr durchsichtigen Kampagne, nix anderes. Welche Fehler hat er denn gemacht? Er redet so, wie ihm die Schnauze gewachsen ist. Es liegt letztlich in der Hand derjenigen, die über ihn schreiben, ob man ihn positiv oder negativ abbildet. So wäre es bspw. ohne weiteres möglich, ihn als jenen kantigen Charakterkopf zu verkaufen, den man seit den Zeiten der Wehner, Strauß und co. im aalglatten und von irgendwelchen FDP-Boy-Band-Mitgliedern geprägten Politalltag angeblich so vermisst.

    Die ganze öffentliche Diskurskultur ist mittlerweile geprägt von einem widerlichen skandalisierungssüchtigen Voyeurismus, dessen Verlogenheit kaum mehr zu ertragen ist.

  8. Seine Kommentar sind doch nur anmaßend und hochnäßig.
    Der Millionär und Gerechtigkeitsfanatiker (klar, Arbeit und "Leistung" rechtfertigt alles) sollte dem Land keinen Schaden zufügen.
    Ganz erwähnenswert heute auch der Auftritt von Trittin oder Don Dose: Mit seinem galant umgeschwungenen Halstuch sah er aus wie ein Präsident im Golfclub, aus dem sich mittlerweile vermutlich die Mehrzahl seiner Wähler speist. Die ewige Heuchelei dieses neuen Rot-GRünen Zweckbündnisses macht mir persönlich enorm Angst. Die Grünen und die SPD sind die eigentlichen Klientelparteien des öffentlichen Dienstes

    6 Leserempfehlungen
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    Nur Sarah Wagenknecht hat Herrn "Steinreich" richtig abgewatscht.
    Dabei schreibt heute die FAZ über seltsame Zusammenhänge zwischen Peer-Blogg, Wir sind NRW, Gelsenwasser und Peers Wahlkampfteam. Man frägt sich, wenn man rückblickend die Wulff-Affaire ins Auge fasst, warum die Medien so nachsichtig mit Peer Steinbrück umgehen. Bei Wulff genügte schon ein Bobbycar als Schlagzeile.

    riemannscheMannigfaltigkeit-
    Sie verhalten sich aber nicht nach Ihrem Namen. Nur rot/grün angreifen. Oder wollen Sie schwarz/gelb nicht aufwecken. Nämlich von diesem Schlafkabinet in den vergangenen vier Jahren haben viele berechtigt die Nase voll. Aber wer nicht arbeitet, macht auch keine Fehler. Und das ist Ihr Trumpf.

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