Agenda-DebatteFlorida-Rolf ist nicht fort

Nicht die Agenda 2010 ist das Problem, sondern das Klima, in dem sie entstand. Wann führen wir endlich zivile Sozialdebatten? Christian Bangel kommentiert.

Eine Imbissbude in Berlin

Eine Imbissbude in Berlin

Seit Tagen, seit Jahren wird über die Agenda 2010 diskutiert. Eine Volkspartei ist darüber fast eingegangen, eine ganz neue Partei hat sich deswegen gebildet. Befürworter sagen: Viele, die damals von Sozialhilfe lebten, arbeiten jetzt immerhin in Niedriglohnjobs. Die Gegner erwidern: Aber nun gibt es eine Kaste von Geringverdienern. Gerade bei den Urhebern der Reform, den Sozialdemokraten, ist keine Versöhnung zu sehen. Mindestlohn hin oder her – man ist für Hartz IV oder dagegen. Wer soll diese Ansichten versöhnen?

Vielleicht ist das zehnjährige Jubiläum der Verkündung der Agenda einfach der falsche Anlass, um zu diskutieren, was sich verändert hat. Schließlich ist die Frage nicht nur eine volkswirtschaftliche. Schaut man sich die noch immer erbittert verfeindeten Lager an, muss man sich auch fragen, in welcher Stimmung diese Gesetze entstanden.

Anzeige
Christian Bangel
Christian Bangel

Christian Bangel ist Chef vom Dienst bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Erinnert sich noch jemand an Florida-Rolf? "Leben wir eigentlich im Sozial-Schlaraffenland?" untertitelte die Bild-Zeitung im August 2003 die Geschichte eines Sozialhilfeempfängers, der sich vom Amt seine Wohnung in Miami finanzieren ließ. Die Reaktionen waren gewaltig. In den meisten Leserbriefen richtete sich die Wut nicht gegen den Mann selbst, sondern wurde ziemlich allgemein: "Wer arbeitet, ist der Dumme" oder "diese Leute lachen uns Arbeitende doch aus". Nach wochenlanger Erregung veranlasste der Kanzler eine Änderung des Gesetzes.

Stimmungsmache in Polit- und Nachmittagstalks

So war die Musik damals. Die Bedrohung des deutschen Wohlstandes kam für die meisten von unten, Arbeitslosigkeit war ein Problem zu geringen Drucks auf die Arbeitslosen. Es gibt kein Recht auf Faulheit, Leistung muss sich wieder lohnen. Das waren die populärsten politischen Slogans damals.

Die Vorstellung vom Pöbel des ausgehenden 19. Jahrhunderts kehrte zurück – ungebildet, faul, habgierig, auch gewalttätig. So fand eine kleine vorbürgerliche Restauration statt, die nicht etwa durch die Hartz-Gesetze ausgelöst wurde, sondern durch das, was viele Menschen damals über die Ärmeren zu glauben bereit waren. In den Polit- und Nachmittagstalks, in den Fernsehfilmen und den Musikvideos wurde eine neue Unterschicht benannt – und umzäunt. War das nötig?

Bis heute ist die Kraft dieser Grenze gewaltig. Viele, die den Furor gegen die vermeintlichen Sozialschmarotzer mittrugen, sahen sich plötzlich selbst in der Gefahr, in dieses Milieu abzurutschen. Zwölf Monate arbeitslos und man ist Hartz-IV-Empfänger.

Leser-Kommentare
  1. Worin genau bestehen die Forderungen der OECD bezüglich fester Arbeitsverhältnisse und wo kann man diese nachlesen? Wie werden die Forderungen begründet?

    3 Leser-Empfehlungen
    • gooder
    • 13.03.2013 um 18:25 Uhr

    Ja es ist erstaunlich, dass die die wenig haben, von denen fordern die noch weniger haben, anstatt von denen die mehr haben.
    Ein Geringverdiener erträgt es schlecht, dass ein ALG2 Empfänger annähernd über diesselben Finanzen verfügt wie er selbst, der ist Schuld daran und nicht sein Arbeitgeber der ihn schlecht bezahlt.

    18 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist der Irrglaube vieler Menschen, dass sie irgentwann auch mal zu denen da oben gehören können. Die meisten Menschen sehen es als deutlich realistischer an, irgentwann mal reich zu sein, als in die Armut abzurutschen.

    Was natürlich absoluter Quatsch ist, denn die Schwelle von normalen Mittelstand zu Hartz4 Armut ist genau 1 Jahr. Dank Hartz4.

    Und das die Menschen das nicht begreifen, ist in erster Linie der äusserst professionellen Meinungsmache in diesem Land zu verdanken.

    Man stelle sich mal vor, die Unter- und Mittelschicht tun sich zusammen und rebellieren gegen Ungerechtigkeit. Dann könnte sich ja tatsächlich mal was ändern.

    Das Geheimnis liegt darin, das Wasser ganz langsam heiß werden zu lassen...

    so,daß die Mittelschicht sich gerne zu den Leistungsträgern zählt,und es doof findet ,wenn man nach 30 Jahren Arbeit dann nach "nur" einem Jahr Alg2 auf Hartz4 Niveau sinkt.Das hängt zusammen.
    Deshalb krakeelt die Mittelschicht auch als erste rum ,wenn es um höheren Spitzensteuersatz geht,und will nicht,daß ihre "Leistung" abgeschöpft wird.

    Ein Widerspruch,den ich nicht verstehe.Wer bei einem 5-Stelligen Jahresgehalt für Spitzensteuersätze wie die etablierten,sprich unter 50 Prozent ist,der hat es auch nicht anders verdient als abkassiert zu werden und nach 12 Monaten abzurutschen.
    Ein 50 Prozentiger Spitzensteuersatz setzt dann natürlich entsprechend tief an.
    Solange der Abteilungsleiter seine Sichtweise nicht ändert,finde ich Hartz4 ganz ok.

    Es ist der Irrglaube vieler Menschen, dass sie irgentwann auch mal zu denen da oben gehören können. Die meisten Menschen sehen es als deutlich realistischer an, irgentwann mal reich zu sein, als in die Armut abzurutschen.

    Was natürlich absoluter Quatsch ist, denn die Schwelle von normalen Mittelstand zu Hartz4 Armut ist genau 1 Jahr. Dank Hartz4.

    Und das die Menschen das nicht begreifen, ist in erster Linie der äusserst professionellen Meinungsmache in diesem Land zu verdanken.

    Man stelle sich mal vor, die Unter- und Mittelschicht tun sich zusammen und rebellieren gegen Ungerechtigkeit. Dann könnte sich ja tatsächlich mal was ändern.

    Das Geheimnis liegt darin, das Wasser ganz langsam heiß werden zu lassen...

    so,daß die Mittelschicht sich gerne zu den Leistungsträgern zählt,und es doof findet ,wenn man nach 30 Jahren Arbeit dann nach "nur" einem Jahr Alg2 auf Hartz4 Niveau sinkt.Das hängt zusammen.
    Deshalb krakeelt die Mittelschicht auch als erste rum ,wenn es um höheren Spitzensteuersatz geht,und will nicht,daß ihre "Leistung" abgeschöpft wird.

    Ein Widerspruch,den ich nicht verstehe.Wer bei einem 5-Stelligen Jahresgehalt für Spitzensteuersätze wie die etablierten,sprich unter 50 Prozent ist,der hat es auch nicht anders verdient als abkassiert zu werden und nach 12 Monaten abzurutschen.
    Ein 50 Prozentiger Spitzensteuersatz setzt dann natürlich entsprechend tief an.
    Solange der Abteilungsleiter seine Sichtweise nicht ändert,finde ich Hartz4 ganz ok.

  2. "Ja, der Staat spart, wenn ein ALG1-Bezieher in ALGII rutscht. Aber dass das vielleicht einen Menschen trifft, der jahrelang gearbeitet hat und nirgendswo merh unterkommt, und der dann sein Angespartes aufbrauchen muss, ehe er ALGII bekommen darf, das wird dann nicht mehr gesagt oder kaum."

    Ich werde nie verstehen, was daran falsch sein soll, wenn jemand erst einmal sein Erspartes aufbrauchen soll (unter Berücksichtigung bestimmter Freigrenzen), bevor er staatliche Leistungen in Anspruch nehmen kann.

    Was ist daran falsch?

    Die Leute sparen für schlechte Zeiten und wenn diese dann da sind, will man auf einem Berg voll Geld sitzen bleiben und gleichzeitig staatliche Leistungen in Anspruch nehmen? Überfordert man damit nicht diejenigen, die in diese Kassen einzahlen?

    Es gab mal eine Statistik, die besagte, dass man ungefähr zwanzig Jahre in die Kassen einzahlen muss, um im Fall der Arbeitslosigkeit ein Jahr das rauszubekommen, was man eingezahlt hat. Danach kostet man nur noch. Überlegen Sie mal, wie lange Sie dann wieder einzahlen müssen, um wieder im Falle der Arbeitslosigkeit ein Jahr das rauszubekommen, was Sie eingezahlt haben. Deswegen handelt es sich ja auch um ein Solidarprinzip und den Bogen sollte man nicht allzu sehr überspannen. Ergo, geben Sie erst einmal Ihr Geld aus, bevor Sie nach mehr krähen. .

    7 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Naja, man sollte schon eine Schwelle inführen für Menschen die nach langem Arbeitsleben in die Arbeitslosigkeit abrutschen. Erklären Sie mal jemand, der 30 Jahre hart gearbeitet hat, das er genausoviel bekommt wie ein nach der Hauptschule arbeitsloser Nichtsnutz.

    • siar1
    • 13.03.2013 um 19:06 Uhr

    Wenn Sie eine Haftpflichtversicherung haben und einen Schaden verursachen, der höher als der Betrag ist, den Sie eingezahlt haben, kosten Sie die anderen Versicherten auch Geld. Genauso ist es bei der KFZ-Versicherung.
    Ich habe seit über 30 Jahren eine Hausratversicherung und noch nie einen Schadensfall, ich habe mich aber noch darüber aufgeregt.

    "Ja, der Staat spart, wenn ein ALG1-Bezieher in ALGII rutscht. Aber dass das vielleicht einen Menschen trifft, der jahrelang gearbeitet hat und nirgendswo merh unterkommt, und der dann sein Angespartes aufbrauchen muss, ehe er ALGII bekommen darf, das wird dann nicht mehr gesagt oder kaum."

    /Ich werde nie verstehen, was daran falsch sein soll, wenn jemand erst einmal sein Erspartes aufbrauchen soll (unter Berücksichtigung bestimmter Freigrenzen), bevor er staatliche Leistungen in Anspruch nehmen kann.

    Was ist daran falsch?"/

    ------------------------
    [....]

    Die Kürzungen kommen so schnell, das sich ein abhängig Beschäftigter gegen diese Enteignung nicht wehren kann.

    http://www.nefkom.net/hjh...

    http://www.sozialhilfe24....

    Bei meinem Rentenantrag habe ich den Sachbearbeiter mal gefragt, ob ich in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen könnte. Der hat mir Gesagt das das Früher mal Möglich war, aber mit Einführung von Riester und Co nicht mehr geht. Allerdings, als Selbständiger hätte ich die Möglichkeit noch.

    Na Ja, wenn man nicht Selbst betroffen, ist kann man Ruhig weiterschlafen!
    Im Ernstfall ist das zu Spät.

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    "Es gab mal eine Statistik, die besagte, dass man ungefähr zwanzig Jahre in die Kassen einzahlen muss, um im Fall der Arbeitslosigkeit ein Jahr das rauszubekommen, was man eingezahlt hat. Danach kostet man nur noch. Überlegen Sie mal, wie lange Sie dann wieder einzahlen müssen, um wieder im Falle der Arbeitslosigkeit ein Jahr das rauszubekommen, was Sie eingezahlt haben. Deswegen handelt es sich ja auch um ein Solidarprinzip und den Bogen sollte man nicht allzu sehr überspannen. Ergo, geben Sie erst einmal Ihr Geld aus, bevor Sie nach mehr krähen."

    -----------------

    Hab zwar nur die Zahlen von 2010 aber an der Problematik ändert sich nichts.

    Etwas vereinfacht Gesagt: Die Eingezahlten Beiträge und errechnete Regelaltersrente ohne Abzüge, reicht für einen Rentenbezug für 19 Jahre und 6 Monate...! Erst danach Kosten Sie der Allgemeinheit Geld.

    Wer sich mit dem Thema Rente vertiefender Beschäftigen will:

    http://www.flegel-g.de/

    Da finden sie fast alles über Renten und noch einiges mehr.

    Spare in der Zeit, dann hast du in der Not - dieser Spruch unserer Großeltern bleibt wahr. Und wenn die Not da ist, soll und muss das Gesparte auch herangezogen werden.
    Tatsächlich sind jedoch die Freigrenzen viel zu gering bemessen! Tatsächlich bedeutet ein Leben mit SGB II - Leistungen nicht nur programmierte Altersarmut sondern ganz aktuell das Leben ohne Geldreserven. Damit wird der Druck und die Angst ständiger Begleiter. Es DARF nichts passieren! Die Waschmachine DARF nicht kaputt gehen - gibt sie doch ihren Geist auf, ist das eine Katastrophe! Die neue Hose für ihr Kind DARF nicht beim Spielen kaputt gehen, denn Sie können in einem Jahr keine zweite kaufen. Sie dürfen sich bei keiner Kaufentscheidung einen Fehler leisten - denn Sie können sich nicht leisten, ihn wieder auszubügeln. Dieser Druck, den auch viele Geringverdiener spüren, macht auf Dauer krank. Es sollte viel mehr Spielraum für Einmalleistungen geben und auch eine gewisse Toleranz für Fehlentscheidungen (denn wer wollte Perfektion für sich in Anspruch nehmen!). Was mir in der Debatte wirklich fehlt, ist der Respekt für das Aushalten der ständigen Angst, die das Leben ohne Reserven mit sich bringt!

    Wenn sie eine Kfz - Versicherung abschliessen, machen sie sich auch keinen Kopf darüber, was die Versicherung im Schadensfall zu zahlen hat, oder nicht ? Wenn sie einen Rolls Royce crashen, werden sie in diesem Leben auch keine Bereicherung für ihre Versicherung werden !

    Naja, man sollte schon eine Schwelle inführen für Menschen die nach langem Arbeitsleben in die Arbeitslosigkeit abrutschen. Erklären Sie mal jemand, der 30 Jahre hart gearbeitet hat, das er genausoviel bekommt wie ein nach der Hauptschule arbeitsloser Nichtsnutz.

    • siar1
    • 13.03.2013 um 19:06 Uhr

    Wenn Sie eine Haftpflichtversicherung haben und einen Schaden verursachen, der höher als der Betrag ist, den Sie eingezahlt haben, kosten Sie die anderen Versicherten auch Geld. Genauso ist es bei der KFZ-Versicherung.
    Ich habe seit über 30 Jahren eine Hausratversicherung und noch nie einen Schadensfall, ich habe mich aber noch darüber aufgeregt.

    "Ja, der Staat spart, wenn ein ALG1-Bezieher in ALGII rutscht. Aber dass das vielleicht einen Menschen trifft, der jahrelang gearbeitet hat und nirgendswo merh unterkommt, und der dann sein Angespartes aufbrauchen muss, ehe er ALGII bekommen darf, das wird dann nicht mehr gesagt oder kaum."

    /Ich werde nie verstehen, was daran falsch sein soll, wenn jemand erst einmal sein Erspartes aufbrauchen soll (unter Berücksichtigung bestimmter Freigrenzen), bevor er staatliche Leistungen in Anspruch nehmen kann.

    Was ist daran falsch?"/

    ------------------------
    [....]

    Die Kürzungen kommen so schnell, das sich ein abhängig Beschäftigter gegen diese Enteignung nicht wehren kann.

    http://www.nefkom.net/hjh...

    http://www.sozialhilfe24....

    Bei meinem Rentenantrag habe ich den Sachbearbeiter mal gefragt, ob ich in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen könnte. Der hat mir Gesagt das das Früher mal Möglich war, aber mit Einführung von Riester und Co nicht mehr geht. Allerdings, als Selbständiger hätte ich die Möglichkeit noch.

    Na Ja, wenn man nicht Selbst betroffen, ist kann man Ruhig weiterschlafen!
    Im Ernstfall ist das zu Spät.

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    "Es gab mal eine Statistik, die besagte, dass man ungefähr zwanzig Jahre in die Kassen einzahlen muss, um im Fall der Arbeitslosigkeit ein Jahr das rauszubekommen, was man eingezahlt hat. Danach kostet man nur noch. Überlegen Sie mal, wie lange Sie dann wieder einzahlen müssen, um wieder im Falle der Arbeitslosigkeit ein Jahr das rauszubekommen, was Sie eingezahlt haben. Deswegen handelt es sich ja auch um ein Solidarprinzip und den Bogen sollte man nicht allzu sehr überspannen. Ergo, geben Sie erst einmal Ihr Geld aus, bevor Sie nach mehr krähen."

    -----------------

    Hab zwar nur die Zahlen von 2010 aber an der Problematik ändert sich nichts.

    Etwas vereinfacht Gesagt: Die Eingezahlten Beiträge und errechnete Regelaltersrente ohne Abzüge, reicht für einen Rentenbezug für 19 Jahre und 6 Monate...! Erst danach Kosten Sie der Allgemeinheit Geld.

    Wer sich mit dem Thema Rente vertiefender Beschäftigen will:

    http://www.flegel-g.de/

    Da finden sie fast alles über Renten und noch einiges mehr.

    Spare in der Zeit, dann hast du in der Not - dieser Spruch unserer Großeltern bleibt wahr. Und wenn die Not da ist, soll und muss das Gesparte auch herangezogen werden.
    Tatsächlich sind jedoch die Freigrenzen viel zu gering bemessen! Tatsächlich bedeutet ein Leben mit SGB II - Leistungen nicht nur programmierte Altersarmut sondern ganz aktuell das Leben ohne Geldreserven. Damit wird der Druck und die Angst ständiger Begleiter. Es DARF nichts passieren! Die Waschmachine DARF nicht kaputt gehen - gibt sie doch ihren Geist auf, ist das eine Katastrophe! Die neue Hose für ihr Kind DARF nicht beim Spielen kaputt gehen, denn Sie können in einem Jahr keine zweite kaufen. Sie dürfen sich bei keiner Kaufentscheidung einen Fehler leisten - denn Sie können sich nicht leisten, ihn wieder auszubügeln. Dieser Druck, den auch viele Geringverdiener spüren, macht auf Dauer krank. Es sollte viel mehr Spielraum für Einmalleistungen geben und auch eine gewisse Toleranz für Fehlentscheidungen (denn wer wollte Perfektion für sich in Anspruch nehmen!). Was mir in der Debatte wirklich fehlt, ist der Respekt für das Aushalten der ständigen Angst, die das Leben ohne Reserven mit sich bringt!

    Wenn sie eine Kfz - Versicherung abschliessen, machen sie sich auch keinen Kopf darüber, was die Versicherung im Schadensfall zu zahlen hat, oder nicht ? Wenn sie einen Rolls Royce crashen, werden sie in diesem Leben auch keine Bereicherung für ihre Versicherung werden !

  3. Damit würde man wirklich Eigenintiative fördern.
    http://www.youtube.com/wa...

    Der Link führt zu einem Interview mit dem Drogeriekettenbesitzer der DM Drogeriekette Götz Werner. Er hat mehrere Bücher über das Grundeinkommen.
    Wer wirklich weitreichende Antworten und Denkanstoße möchte der sollte sich die Zeit nehmen und die vielzähligen Argumente und Fakten zu hören.

    Wir sind mit unserem Bewußtsein 100 Jahre zurück. Wir leben in einer Konsumgesellschaft von Fremdversorgern. Wir arbeiten für Andere und Andere arbeiten für uns. Das ist die Realität. Unser Sozialsystem stammt aus einer Zeit wo die Lebenserwartung bei unter 60 Jahren lag und über die Hälfte der Menschen in diesem Land ihr Geld in der Landwirtschaft verdienten.

    Das Grundeinkommen wird kommen. Die Frage ist wieviel Zeit wird noch verschwendet werden, und ob wir endlich mal schaffen das Leute in entscheidende Positionen kommen die nicht Teil der auf Besitzstandswahrung fixierten Nachkriegsgenerationsind. Die Zukunft steht vor der Tür , aufgewachsen mit den Schrecken des kalten Krieges sind sie nicht zum Wandel fähig. Sie verstehen nicht das mit schnellerem Fortschritt schnellere Entwicklung kommt . Es wird Zeit das die Wissenschaft die Kirche als Instanz für Gesellschaft und Moral ablöst. Wir wissen aus der Wissenschaft was gut für Kinder, Umwelt und Wirtschaft ist und nicht durch die Grundsätze der Kirche von denen sowieso die sinnvollen schon lange gesetzlich verankert sind.

    13 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • H.v.T.
    • 13.03.2013 um 19:01 Uhr

    Teilnahme erwünscht.

    "Europäische Bürgerinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen"

    http://basicincome2013.eu...

    • H.v.T.
    • 13.03.2013 um 19:01 Uhr

    Teilnahme erwünscht.

    "Europäische Bürgerinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen"

    http://basicincome2013.eu...

    • Karl63
    • 13.03.2013 um 18:29 Uhr

    wie sehr das "Hartz - Konzept" dazu beitragen würde, Arbeitslose wieder ins Arbeitsleben zu integrieren.
    Heute sind wir alle sehr viel Klüger und mancher behauptet gar, Hartz IV sei eine "bürokratische Hydra" http://www.spiegel.de/spi...
    Oder jener Richter des Berliner Sozialgerichtes, der mit den Worten zitiert wurde: "Hartz IV ist komplizierter als das Steuerrecht" http://www.zeit.de/wirtsc...
    Nein, Vollbeschäftigung hat uns diese Expansion des Niedriglohnsektors nicht beschert und das Problem Langzeitarbeitslosigkeit harrt immer noch seiner Lösung.

    13 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Jakoro
    • 13.03.2013 um 18:46 Uhr

    dass die halbe Welt und insbesondere unsere europäischen Freunde in der EU uns beneiden um die volkswirtschaftliche Position? Und: Haben Sie mal nach Dänemark und Schweden geschaut, wie dort die vergleichbaren Situationen sind? Dort wird noch mehr gefordert, aber auch mehr gefördert.
    Das ist des Pudels Kern. Und beim Thema Langzeitarbeitslose haben wir in erster Linie ein Problem aufgrund des in sämtlichen Hirnen verbreiteten Jugendwahns. Solange 35-jährige Jungvorstände öffentlich ungestraft über einen 55-jährigen Bewerber sagen können, "man wolle eigentlich nicht im Altersheim rekrutieren...", solange wird man auch durch eine Revision der H4-Gesetze nichts erreichen. Höchstens das Problem verschleiern, indem solche Personen dann in Frührente gesteckt werden damit das Problem statistisch gelöst ist.
    PS: Das Beispiel bezog sich auf mich persönlich und eine entsprechende Bewerbung. PPS: Ja, und ich hätte nichts gegen eine Flexibilisierung beim Kündigungsschutz einzuwenden. Lieber ein ordentlich bezahlter Job mit wenig Kündigungsschutz als gar keiner.
    PPPS: Und einstellen tun in den weitaus meisten Fällen nicht d i e Unternehmer bzw. Eigentümer, sondern irgendwelche subalternen Manager, die meinen, sie hätten die Weisheit mit der Schöpfkelle gefressen.

    • Jakoro
    • 13.03.2013 um 18:46 Uhr

    dass die halbe Welt und insbesondere unsere europäischen Freunde in der EU uns beneiden um die volkswirtschaftliche Position? Und: Haben Sie mal nach Dänemark und Schweden geschaut, wie dort die vergleichbaren Situationen sind? Dort wird noch mehr gefordert, aber auch mehr gefördert.
    Das ist des Pudels Kern. Und beim Thema Langzeitarbeitslose haben wir in erster Linie ein Problem aufgrund des in sämtlichen Hirnen verbreiteten Jugendwahns. Solange 35-jährige Jungvorstände öffentlich ungestraft über einen 55-jährigen Bewerber sagen können, "man wolle eigentlich nicht im Altersheim rekrutieren...", solange wird man auch durch eine Revision der H4-Gesetze nichts erreichen. Höchstens das Problem verschleiern, indem solche Personen dann in Frührente gesteckt werden damit das Problem statistisch gelöst ist.
    PS: Das Beispiel bezog sich auf mich persönlich und eine entsprechende Bewerbung. PPS: Ja, und ich hätte nichts gegen eine Flexibilisierung beim Kündigungsschutz einzuwenden. Lieber ein ordentlich bezahlter Job mit wenig Kündigungsschutz als gar keiner.
    PPPS: Und einstellen tun in den weitaus meisten Fällen nicht d i e Unternehmer bzw. Eigentümer, sondern irgendwelche subalternen Manager, die meinen, sie hätten die Weisheit mit der Schöpfkelle gefressen.

    • Jakoro
    • 13.03.2013 um 18:31 Uhr

    Sie Äpfel mit Birnen vergleichen?

  4. Es ist der Irrglaube vieler Menschen, dass sie irgentwann auch mal zu denen da oben gehören können. Die meisten Menschen sehen es als deutlich realistischer an, irgentwann mal reich zu sein, als in die Armut abzurutschen.

    Was natürlich absoluter Quatsch ist, denn die Schwelle von normalen Mittelstand zu Hartz4 Armut ist genau 1 Jahr. Dank Hartz4.

    Und das die Menschen das nicht begreifen, ist in erster Linie der äusserst professionellen Meinungsmache in diesem Land zu verdanken.

    Man stelle sich mal vor, die Unter- und Mittelschicht tun sich zusammen und rebellieren gegen Ungerechtigkeit. Dann könnte sich ja tatsächlich mal was ändern.

    Das Geheimnis liegt darin, das Wasser ganz langsam heiß werden zu lassen...

    16 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Es ist erstaunlich"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Mithra
    • 13.03.2013 um 19:14 Uhr

    War das ein Tippfehler, dass Sie in Ihrem Kommentar ein Wort ausgelassen haben?

    Statt
    "die Schwelle von normalen Mittelstand zu Hartz4 Armut ist genau 1 Jahr."
    muss es wohl heißen:
    "die Schwelle von normalen Mittelstand zu Hartz4 Armut ist genau 1 Jahr Nichtstun."

    Und dieser Fall wird glücklicherweise nur sehr selten auftreten, [...]

    Bitte verzichten Sie auf pauschale Herabwürdigungen. Danke, die Redaktion/fk.

    • Mithra
    • 13.03.2013 um 19:14 Uhr

    War das ein Tippfehler, dass Sie in Ihrem Kommentar ein Wort ausgelassen haben?

    Statt
    "die Schwelle von normalen Mittelstand zu Hartz4 Armut ist genau 1 Jahr."
    muss es wohl heißen:
    "die Schwelle von normalen Mittelstand zu Hartz4 Armut ist genau 1 Jahr Nichtstun."

    Und dieser Fall wird glücklicherweise nur sehr selten auftreten, [...]

    Bitte verzichten Sie auf pauschale Herabwürdigungen. Danke, die Redaktion/fk.

    • thbode
    • 13.03.2013 um 18:36 Uhr

    Seltsamerweise entgeht es etwas ganz Simples der Aufmerksamkeit:
    1. Wir leben in einem Wirtschafts-System, so kann man das völlig ideologiefrei nennen.
    2. Dieses System ist natürlich nicht fehlerlos.
    3. Einer der größten Fehler ist dass es IMMER mehr oder weniger Arbeitslosigkeit gibt. Das ist NICHT die Schuld derjenigen die arbeitslos (abgesehen von einem Anteil an etwa 5% Schmarotzertypen die es quer durch alle Schichten gibt).
    4. Die Zeche zahlen also vor allem die Arbeitslosen. Nicht diejenigen, die dank exorbitanter Profite die höchsten Steuern zahlen.
    Dieses verlogene, üble Narrativ wird uns aber ständig von Merkel, Kauder, Brüderle, Hundt und wie sei alle heissen eingetrichtert.
    In zweiter Linie zahlen all die, die elende Jobs im Niedriglohnbereich machen müssen. Die müssen ihr einmal von Gott gegebenes Leben mit irgendwelchem Mist verbringen, unter der Fuchtel von Unternehmern die dafür noch Dankbarkeit erwarten.
    So rum wird ein Schuh draus, und so muss man die Dinge vom Kopf auf die Füße stellen, bevor man anfängt zu debattieren.

    13 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Jakoro
    • 13.03.2013 um 18:58 Uhr

    und deswegen brauchen wir einen Spitzensteuersatz von 100%, die Begrenzung von Managergehältern auf 100 Tsd. Euro, und eine Erbschaftsteuer für alles was über 50 Tsd. Euro vererbt wird.
    Dann haben auch die Armen nicht mehr mehr als die Reichen.
    Frage: Und wann fangen wir dann an uns mit Mauer und Stacheldraht (wieder) einzuzäunen?

    War da nicht schon mal irgend so etwas? Mit perfekten Erfolgen? Irgendwie komme ich jetzt nicht gleich drauf. Aber es fällt mir bestimmt noch ein.

    • Jakoro
    • 13.03.2013 um 18:58 Uhr

    und deswegen brauchen wir einen Spitzensteuersatz von 100%, die Begrenzung von Managergehältern auf 100 Tsd. Euro, und eine Erbschaftsteuer für alles was über 50 Tsd. Euro vererbt wird.
    Dann haben auch die Armen nicht mehr mehr als die Reichen.
    Frage: Und wann fangen wir dann an uns mit Mauer und Stacheldraht (wieder) einzuzäunen?

    War da nicht schon mal irgend so etwas? Mit perfekten Erfolgen? Irgendwie komme ich jetzt nicht gleich drauf. Aber es fällt mir bestimmt noch ein.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service