FDP-Parteitag : Brüderle will "erfahrene Sturmspitze" im Wahlkampf sein

Die FDP hat Rainer Brüderle zum Spitzenkandidaten gekürt. Mit Attacken auf den "Sprachroboter der Linken" Steinbrück hat er die Liberalen in Wahlkampf-Stimmung gebracht.
Fraktionschef Rainer Brüderle redet beim FDP-Bundesparteitag in Berlin. ©Hannibal Hanschke/dpa

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hat die Liberalen aufgerufen, "stolz und selbstbewusst" um einen weiteren Regierungsauftrag bei den Deutschen zu werben. Die FDP-Minister seien das "Kompetenzzentrum der Bundesregierung", sagte Brüderle beim Bundesparteitag in Berlin. Er versprach einen temperamentvollen Wahlkampf, bei dem er die "erfahrene Sturmspitze" sein wolle: "Da brennt der Baum, das wird erfolgreich sein." Die FDP habe den Staat und auch den Koalitionspartner fit gemacht, nachdem die CDU/CSU in der großen Koalition "sozialdemokratischen Speck" angesetzt habe.

Den Kanzlerkandidaten der SPD, Peer Steinbrück, nannte Brüderle eine "Fettnapfsuchmaschine", die für jeden Ausrutscher ein Zugeständnis an den linken Flügel der Sozialdemokraten machen müsse. Steinbrück renne herum wie ein "Sprachroboter" der Linken in der SPD. Er sei inzwischen von Parteichef Sigmar Gabriel auf marxistisches Gedankengut umprogrammiert worden und spreche von "Verelendung" in Deutschland.

Brüderle sprach die meiste Zeit in ruhigem Ton und steuerte erst zum Schluss seiner Rede auf einen explosiven Ausbruch zu: "Wir überlassen unser Land nicht diesen Fuzzis, diesen fehlprogrammierten Typen – auf in den Kampf!" Die Grünen wollten die Gesellschaft in einem Ökosozialismus "verregeln" und den Menschen vorschreiben, was sie essen und trinken sollten.

Dem grünen "Möchtegern-Finanzminister" Jürgen Trittin unterstellte Brüderle, er plane einen "Mao-Zuschlag" für Vermögende in Höhe von 100 Milliarden Euro. Mit solchen Plänen werde ein rot-rot-grünes Bündnis vorbereitet. Dabei habe Rot-Grün nichts dazugelernt: Die Oppositionsparteien holten ihre "Wohlstandsvernichtungswaffen" wieder heraus: Pläne der SPD, den Rentenbeitragssatz um drei Prozent zu erhöhen, würden 450.000 Arbeitsplätze kosten.

"Inflation ist der Taschendieb der kleinen Leute"

Brüderle lobte das "neue deutsche Wirtschaftswunder" und sprach von einem Beschäftigungs-, Export- und einem Wohlstandswunder. "Fleißige Menschen und gute Politik" hätten dies geschafft – und die FDP. "Liebe Freunde, ihr wisst, wer das gemacht hat: Wir haben es gemacht!" Die Liberalen hätten die Staatsquote auf 45 Prozent gesenkt und strebten eine Schwarze Null im Bundeshaushalt an. Brüderle warnte vor der Geldentwertung in Folge der Eurokrise: Inflation sei "der Taschendieb der kleinen Leute" und eine Umverteilung von privaten Vermögen zum Staat.

Brüderle wandte sich dagegen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zur Bekämpfung der Schuldenkrise italienische Staatsanleihen aufkaufe. Dies wäre ein Dammbruch: "Die EZB weiß, sie darf nicht Reparaturbetrieb für unerwünschte Wahlergebnisse werden." Beunruhigend sei auch die Entwicklung in Frankreich, wo das Wachstum einbreche und Präsident François Hollande vieles falsch mache: "Der Grande Nation droht ein grandioser Absturz." Unter dem Präsidenten Mitterrand hätte die französische Linke zwei Jahre gebraucht, um Realismus zu entwickeln.

Brüderle kritisierte aber auch einen "Kapitalismus der Trickser" und Exzesse bei Manager-Boni. "Wir brauchen einen neuen Ordnungsrahmen für die soziale Marktwirtschaft." Es sei richtig gewesen, dass die FDP Staatshilfe bei Opel, Karstadt und Schlecker verweigert habe.

Per Akklamation neuer FDP-Spitzenkandidat

Zum Abschluss des Parteitags wurde Brüderle durch minutenlangen, einhelligen Applaus der 600 Delegierten als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl am 22. September nominiert. Eine Abstimmung fand nicht statt. Der 67-Jährige soll die Freidemokraten mit Parteichef Philipp Rösler erneut ins Parlament führen.

Am Samstag hatte der Parteitag Rösler mit knapp 86 Prozent für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. Der nordrhein-westfälische Landeschef Christian Lindner wurde zum ersten Stellvertreter gewählt. Weitere Stellvertreter sind Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der sächsische FDP-Landesvorsitzende Holger Zastrow. Die beiden Bundesminister Dirk Niebel und Daniel Bahr scheiterten beim Versuch, ins Präsidium zu kommen.
 

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Kommentare

85 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

P€€R und Sigmar waren ja bei Hollande

also die Spezialdemokraten haben sich ja klar zu Hollande bekannt.
Seit der nicht mehr aus dem Elysee hinausgeht aufgrund der Premiumergebnisse der sozialistischen Politik, gehen auch weder Sigmar noch Steinreichbrück nach Paris.
Schade, dass die Menschen einfach auf den neuen Markenkern der SPD hineinfallen.
Der deutsche liebt einfach seinen Staat und die Staatsgläubigkeit ist legendär.
Jeder Universitätsarzt wird heute beamtet und hat eine Pension von 500 K (Barwert).Der Tarifvertrag ist nur Schein.
Das ist unfair: Das muss thematisiert werden. Die Wahrheit soll in die Diskussion einfließen

14 % und danach folgte ein dramatischer Einbruch

Da stellt sich doch die Frage nach dem warum?
vermutlich weil viele Menschen dieser Partei nach langer Regierungsabstinenz mehr zugetraut haben als deren Klientel zu versorgen und sich danach in sinnlosen Debatten und Inhaltslosigkeit zu verstricken.
Ich mag mich täuschen, aber viel bewegt, oder ihre Wahlversprechen hat die FDP nicht...
Lediglich Klientelpolitik kam bei der Führungsmannschaft der letzten Jahre herum.

Die FDP ist keine schlechte Partei, wäre gar in einer rot-gelben Koalition eine Bereicherung, nur sehe ich keine bedeutenden Kräfte in der FDP denen das Wohl ihres Landes am Herzen liegt, die wirklich etwas anpacken, ist halt auch mit 3. klassigen Politikern schwierig.

merman2 - Sie haben sich leider vertan.....

" Es schüttelt einen generell bei dieser Partei

...Wenn man vor kurzem noch erlebt hat, wie die Palastrevolution versucht und hämisch unterstützt wurde und nun dieses Ergebnis vernimmt, dann kann man nur Verachtung für die Akteure empfinden. Und diese Charakterschweine dürfen in der Regierung ungestört und ungestraft die Interessen einer klitzekleinen gesellschaftlichen Interessengruppe zu Lasten der breiten Masse der Bevölkerung durchdrücken....."

Sie haben ganz sicher diesen Kommentar zur Die Linke abgeben wollen. Der entsprechende Artikel steht hier --->:

http://www.zeit.de/2013/1...

Da passt er wunderbar!

Keineswegs

Die Trickser sitzen in der EU-Kommission, im Europäischen Rat und in der Eurogruppe, in den Regierungen der Pleiteländer und in der EZB!

Ich halte es für bedauerlich und einen schweren Fehler, dass die FDP diese Polittrickser genau so unterstützt wie die Union. Von Rotgrün ganz zu schweigen. Die hätten ihnen schon längst in vorauseilendem Gehorsam die Bahn frei gemacht und Blumen gestreut.