Eheförderung : Weg mit dem Splitting!

Ob hetero oder homo: Ehen steuerlich zu begünstigen, ist unsinnig und ungerecht. Auch ein Familiensplitting-Modell wäre der falsche Ansatz, findet Ludwig Greven.

Jedes Jahr gibt der deutsche Staat rund 20 Milliarden Euro dafür aus, dass Menschen sich amtlich bekundet versprechen, zusammenzubleiben, bis der Tod (oder der Scheidungsrichter) sie scheidet. Auf diese Summe verzichtet der Staat durch die gemeinsame Veranlagung von Eheleuten bei der Einkommensteuer. Es ist die umfangreichste Subvention in Deutschland – und die unsinnigste und ungerechteste.

Denn der Staat bevorzugt mit dem Ehegattensplitting, über dessen Ausweitung auf homosexuelle Paare derzeit diskutiert wird, ein Lebensmodell, das heute längst nicht mehr die Regel und für die Mehrheit auch kein Ideal mehr ist. Es propagiert die klassische Familie mit einem Hauptverdiener und einem Ehepartner, meist die Frau, der zu Hause bleibt oder nur wenig verdient. Am stärksten profitieren davon Menschen mit hohem Einkommen. Wer dagegen wenig verdient und entsprechend wenig oder keine Steuern bezahlt, geht leer aus.

Aber auch Ehepaare, bei denen beide arbeiten und gleich viel verdienen, was nicht mehr so selten vorkommt, haben nichts vom Ehegattensplitting. Lebt ein Paar ohne Trauschein zusammen, zahlt jeder von ihnen ohnehin den normalen Steuersatz. Genauso wie Geschiedene oder Alleinerziehende. Sie alle werden vom Finanzamt und vom Gesetzgeber dafür bestraft, dass sie nicht der klassischen Ehenorm genügen. Was aber geht das den Staat an?

Faktor Kind

Weil das Bundesverfassungsgericht vermutlich noch vor der Bundestagswahl entscheiden wird, dass auch Homo-Ehen in den Genuss des Splittings kommen müssen, reagiert nun die Politik. Die Union hat ihr altes Modell des Familiensplittings wiederentdeckt. Das gemeinsame Einkommen könnte dabei durch die Zahl aller Familienmitglieder geteilt werden und nicht nur durch zwei. Dies soll allerdings nicht das Ehesplitting ersetzen, sondern hinzutreten, was die Kosten um weitere Milliarden steigern würde.

Verbessern würde sich dadurch nichts. Denn Einverdiener-Familien mit hohem Einkommen würden immer noch bevorteilt. Und Paare, die keine Kinder bekommen können, würden benachteiligt.

Ohnehin wird die Erziehungsleistung schon auf anderem Wege vielfach vom Staat finanziell unterstützt. Durch Kindergeld, Kinderfreibeträge und weitere Beihilfen. Fachleute sind jedoch der Ansicht, dass eine direkte Förderung etwa durch öffentlich finanzierte Kinderbetreuung weit besser ist, als das Geld mit der Gießkanne an die Eltern zu verteilen.

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

421 Kommentare Seite 1 von 42
Der Kommentarbereich dieses Artikels ist geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Der Kommentarbereich dieses Artikels ist geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis.