FDP-ParteitagDie Liberalen suchen ihren Markenkern

Die FDP hat eine wahlkampfstarke Führungstruppe gewählt. Doch über die inhaltliche Ausrichtung ist sich die Partei nicht einig.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle (l.) und der Parteivorsitzenden Philipp Rösler auf dem Parteitag in Berlin

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle (l.) und der Parteivorsitzenden Philipp Rösler auf dem Parteitag in Berlin

Nach seiner Kür zum FDP-Spitzenkandidaten bekam Rainer Brüderle einen blau-gelben Fußball. Das Präsent, überreicht vom Parteichef Philipp Rösler, war mit Bedacht gewählt. Schließlich hat der Fraktionsvorsitzende Brüderle angekündigt, im Bundestagswahlkampf für die FDP "die Tore schießen" zu wollen. Die Vier-Prozent-Regierungspartei braucht ein paar Erfolge, damit der Wiedereinzug ins Parlament gelingt.

Brüderle sei der "richtige Mann" für den Wahlkampf, sagen viele Liberale nach dem Berliner Parteitag an diesem Wochenende. Weil Brüderle poltern kann. Ausgewählte Beispiele seiner heutigen Rede: Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sei die "Fettnapfsuchmaschine", die Union habe "sozialdemokratischen Speck" angesetzt und der Rest der politischen Konkurrenz bestünde sowieso aus "Fuzzis".

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"Brüderle kommt nicht so akademisch überhöht rüber", sagt Herbert Mertin aus dem FDP-Landesvorstand Rheinland-Pfalz. Mertin kennt den Pfälzer Brüderle schon lang, auch noch aus Zeiten, als dieser Wahlkämpfer an Rhein und Mosel war. Brüderle habe in seiner Heimat sogar Arbeiter dazu gebracht, die FDP zu wählen, sagt Mertin.

Sieben Monate haben die Liberalen noch Zeit für ihren Aufholwahlkampf. Es bleibt zu hoffen für die FDP, dass sich der neue Spitzenkandidat bis dahin nicht allzu oft "verbabbelt". Brüderle ist bekannt dafür, dass ihm gern mal ein falsches Wort herausrutscht. Seit den Sexismus-Vorwürfen gegen ihn ist er zwar deutlich vorsichtiger geworden. Kurz vor seiner Nominierung sorgte der Spitzenkandidat noch einmal für Aufregung, weil er Italien einen möglichen Austritt aus der Euro-Zone vorhersagte. Eine Prophezeiung, die er in seiner Parteitagsrede übrigens nicht wiederholte. 

Mit den Wahlen zum neuen Parteipräsidium und Parteivorstand haben die Delegierten Brüderle weitere starke Wahlkämpfer an die Seite gestellt. Christian Lindner, der versierte Rhetoriker aus Nordrhein-Westfalen, ist jetzt erster Stellvertreter des Parteivorsitzenden Rösler. Ins Präsidium, das höchste Führungsgremium der FDP, zog außerdem der Talkshow-Liebling Wolfgang Kubicki ein. Kubickis Sprüche können, was ihre Schlagzeilen-Qualität betrifft, locker mit denen des Spitzenkandidaten mithalten. Obwohl Kubicki kein großer Freund des Parteivorsitzenden Rösler ist, kann er sich mit Kritik zurückhalten, wenn es denn sein muss. Weil der Entwicklungsminister Dirk Niebel das nicht tat, ist er aus dem Präsidium geflogen. Auch ein anderer schaffte es nicht in eine Führungsposition: "Euro-Rebell" Frank Schäffler verpasste den Einzug in den Bundesvorstand knapp. 

Leser-Kommentare
  1. 89. @shamaa

    Sicher ist gemeint:

    Gute Leute in die FDP.

    Ein verzeihlicher Schreibfehler.

    Antwort auf "Gute Leute in der FDP!"
  2. gerade die FDP hat die deutsche Haftung immer zu begrrenzen versucht, um die Südläner nicht ohne Reform in die Abhängikeit zu lassen, auch wenn sich das die Sozialdemokratie Europas sehr schmerzte.

    Auf taubes , staatshöriges Gesabssel hört der Wähler hier eben gern, weil er nicht Eigeninitiative hat, sondern sich dem Staat in den Schoß wirft , falls es mal brenzlig wird; gerne ruft man dann , getarnt unter der Liternei des Gewissens, nach Steuererhöhungen, weil man ja so sozial ist, in Wahrheit aber nur die Pension sichern will.
    Hierzu sei dem Leser auch das Forum der FAZ empfohlen ,wo nicht zensiert wird

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    Die Freien Wähler haben sich in Bayern in der Causa Mollath sehr verdient gemacht und sich mit der Justiz angelegt, die AfD stellt Wirtschaftsexperten auf, wissend, dass die etablierten Parteien gleich wieder die Populismuskeule rausholen werden.

    Die Freien Wähler haben sich in Bayern in der Causa Mollath sehr verdient gemacht und sich mit der Justiz angelegt, die AfD stellt Wirtschaftsexperten auf, wissend, dass die etablierten Parteien gleich wieder die Populismuskeule rausholen werden.

  3. Also ich bin unverdächtig als Sympathisant der FDP durchzugehen, aber mit den Zugpferden werden die nichts bewegen. Das läuft wieder auf eine Leihstimmen-Betteltour a la "Haste mal ne Stimme" raus.

    Im Ernst?
    Brüderle, schwache 70 Jahre alt. Das ist der vitale Kern der FDP?
    Anscheinend kann und will Genscher nicht mehr, sonst hätten sie den noch aufgefahren.

    Rössler, der hat scheinbar wenigstens seine Partei im Griff. Das er vizekanzlert merkt man nicht, hat ihm schon jemand gesagt, dass er Vizekanzler ist?

    Nee, so wird das nichts.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. "Euro-Rebell" Frank Schäffler verpasste den Einzug in den Bundesvorstand knapp.

    Einerseits zeigt es die tiefe Spaltung der Partei, andererseits spricht Bände über Anpassungsfähigkeit.

    Frank Schäffler sprach übrigens immer von Systemfehlern und notwendigen Änderungen des €-Systems. Nicht zu vergessen analytisch präzis und klar in Voraussagen.

    Schade!

    2 Leser-Empfehlungen
  5. die FDP hat immer eine regelgeleitete Marktdynamik gefordert.
    natürlich kann man auch den Staat alles regeln lassen, (Trittin , Faz -Interview gestern).
    Dies führt leider zu einer Beamtenelite oder eine Obrigkeit, für die der Steuerzahler dann aber mitwirtschaftten muss, weil er keine Luxuspnesionen hat.
    Wenn Sie soziale Politik wollen ,sollten sie sicher nicht Rot-Grün wählen, da diese gerade für den Superstaat stehen, wenn auch verschleiert unter Gewissensrhetorik.
    Und zum Stichpunkt Sozialpolitik: gerade dies Pensionansprüche sind in dem viel zitierten Armutsbericht nicht eingerechnet; dann sähe es mit Vermögenswerten schon anders aus

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Aber nein, ..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... phantastische Wortkreation für das, was die FDP wirklich möchte.

    Gut um unpolitische Wähler einzuschläfern :)

    ... phantastische Wortkreation für das, was die FDP wirklich möchte.

    Gut um unpolitische Wähler einzuschläfern :)

  6. Freunde fürs Leben mit Ball.

    Da müssen sich zwei in den Armen liegen, die sich an sich wechselseitig die Ämter nicht gönnen. Der eine wäre lieber immer noch Wirtschaftsminister und der andere hat es ihm genommen. Der eine wollte nicht Chef der FDP werden, was ihm der andere - der Chef - vergiftet angeboten hat.

    Das ist eine alberne Situation passend im Bild eingefangen.

    Was fehlt sind ein paar Auswechselspieler für Freunde Duo. Niebel oder Bahr vielleicht

    Der, Niebel, bleibt zwar Entwicklungshilfeminsiter und muss also seinen Chef ständig im Kabinett ertragen, aber in der FDP für Höheres ist er durchgefallen. Wie auch Bahr - durchgefallen und Chef ertragen und ebenfalls einer aus dem tollen Truppe der FDP Minister, die die Koalition nach vorne treibt.

    Irgendwie ist das alles albern.

    Antwort auf "albernes Bild"
  7. Des öfteren habe ich mir gewünscht und auch geschrieben diese Partei an der 5% Hürde scheitern zu sehen dennoch und ohne mich verdächtig machen zu wollen ein Freund der FDP zu sein muss ich sagen das es nicht ernsthaft das ziel sein sollte und kann sie aus dem Bundestag zu wünschen. Dies würde nicht nur einen Verlust an Vielfalt in meinungsbildenden Prozessen bedeuten.
    Auch die Option durch Koalition Regierungsfähige Mehrheiten zu bilden wäre empfindlich gestört.
    Da die meisten Parteien den eigenen Gründungsgrundsätzen nicht mehr folgen benötigt dieses Parlament Reibungsflächen wie sie Grüne, FDP, PDS und Piraten bieten entscheidend dabei ist die Mischung. Oft überzogenen Forderungen der kleinen sind es doch die Debatten anregen welche zu gegenseitiger Befruchtung führen.
    Alleine die Anwesenheit der Vertreter aller Bevölkerungsschichten im Bundestag ist Garant für demokratischen Entscheidungen.
    Der mündige Wähler hat selbstverständlich das recht sich für die FDP entscheidend an Demokratie teilzuhaben. Sonst droht am ende die Einheitspartei der Mitte.

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Aber nein, ..."
  8. das Diktum der Leistungsgerechtigkeit wird von neuen linksliberal, pseudoliberalen Kräften sehr gerne auf die eigene Arbeit verkürzt.
    Nun gehören halt leider "immer 2 dazu", wie man so schön sagt.
    Der Vorredner hat schon geklärt, dass es eben der Leistung des Erblassers angemessen ist, die Steuerlast gering zu halten bzw zu minimieren, wenn man von den praktischen Problemen der Ungleichbehandlung von Vermögensarten (siehe BFH) absieht.
    Würden die Grünen ihre Definition der Leistungsgerechtigkeit einmal weiterdenken dann wäre eben auch mit Luxuspensionen für Politiker und Beamte Schluss (alle Ärzte und Lehrer); leider konstituieren diese staatsabhängigen Beschäftigten aber die Mehrzahl der Wählerschaft der modernen "Linken". Und bei der Vermögenssteuer müssten dann auch diese Pensionsansprüche eingerechnet werden.

    Gerechtigkeit sieht anders aus...that s for certain

    Eine Leser-Empfehlung

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