SPDSigmar Gabriel poltert gegen Grüne

Der SPD-Chef hält die Grünen für eine Partei der Besserverdienenden, ohne Gespür für das Leben einfacher Arbeiter. Die grüne Idee des Grundeinkommens sei ein Affront.

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat den Grünen mangelnden Sinn für die soziale Realität der Menschen vorgeworfen. "Die Grünen werden nie verstehen, wie eine Verkäuferin bei Aldi denkt. Mit einem B3-Gehalt versteht man auch nicht, warum einer Krankenschwester nicht egal ist, wie viel der Strom kostet. Grüne werden nie verstehen, dass es auch eine Errungenschaft ist, wenn es billige Flüge nach Mallorca gibt", sagte Gabriel der ZEIT.

Grüne Ideen vom bedingungslosen Grundeinkommen seien für arbeitende Menschen "ein Affront", sagte Gabriel weiter. Grüne Ideen machen die SPD nicht überflüssig, auch wenn die Grünen glaubten, sie seien die besseren Sozialdemokraten.

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Zuletzt hatten Grüne und SPD über den Umgang mit der Agenda 2010 gestritten, nachdem sich führende Grüne von Exkanzler Gerhard Schröders Sozialreform distanziert hatten.

Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, entgegnete im Gespräch mit der ZEIT: "Ich habe Sigmar Gabriel gefragt: Wann warst du das letzte Mal bei McDonald’s? (…) Da gibt es Latte macchiato, Espresso, und, halt dich fest, Bionade!" Grüner Lebensstil sei längst keine soziale Frage mehr, sagte Trittin.

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Leserkommentare
  1. "Grüne Ideen machen die SPD nicht überflüssig, auch wenn die Grünen glaubten, sie seien die besseren Sozialdemokraten."
    Solange die Sozialdemokraten sich so aufführen, als ob sie die besseren Christdemokraten seien ist die Welt doch genau so in Ordnung wie wir sie vorfinden. Was will der Man? Seine Partei hat durch ihre eigne Politik den Großteil der Wähler verprellt und verloren. In den 70er und 80er Jahre sind daraus die Grünen entstanden und im Zuge der Schröderschen Agenda die Linke. Hat sich bei denen immer noch nicht rumgesprochen, dass die SPD mit weniger neoliberalem Dogmatismus die stärkste Kraft in Deutschland geblieben wäre.

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    Wenn es nach den Grünen ginge dann hätten wir bei den Einfachen Gütern Inflationsraten die zu einer Verarmung ganzer Schichten führen würde. Als Lösung sagen dann die Grünen: Verzicht.

    Selbst wenn man Harz 4 auf 700 Euro erhöhen würde. In einer Grünen-Republik entspräche das der Kaufkraft von heutigen Hartz 4. Dafür gehts dann den Schweinen und dem Federvieh besser. Schön. Bringt mir aber nix. Bringt einen nur etwas wenn man an die Grüne religion glaubt. Und an die glaubt man eben vor allem dann wenn man von allem Genug hat und man sich langweilt.

    • js.b
    • 20. März 2013 16:04 Uhr

    Für mich als Nicht-SPD-Wähler ist es immer wieder interessant, wie dieser armen Partei von interessierter Seite "neoliberale" Politik vorgeworfen wird, so auch hier in mehreren Kommentaren. Dieser Tage sind haufenweise Artikel und Kommentare zum 10-jährigen Jubiläum der Agenda 2010 zu lesen - die allermeisten davon machen es sich Gott sei Dank nicht ganz so einfach wie die "Neoliberal"-Schreier. Aber natürlich ist ein plattes Schlagwort einfacher als ein umfassender Blick auf die Wirklichkeit.

    Wissen Sie was? Die Frage ist, ob es der SPD nicht besser geht ohne Wähler Ihrer Couleur. Denn eine linke Partei, die die Augen vor Realität und Vernunft verschließt und statt dessen lieber ihrer Ideologie folgt, ist zum Scheitern verurteilt. Wenn Ihnen das trotzdem lieber ist - nun, da haben Oskar & Sara sicher was im Angebot für Sie. (Solange es die noch gibt, versteht sich.)

    • Chali
    • 20. März 2013 11:56 Uhr

    " ... hält die Grünen für eine Partei der Besserverdienenden, ... "
    Eine direkte Konkurrenz zur SPD also.
    Ja, da müsste man wettbewerbsfägig sein ...

    " ,,, ohne Gespür für das Leben einfacher Arbeiter"
    Dem mag ja so sein.
    Aber selbst wenn man dieses Gespür hat - oder hätte
    Die SPD zeigt ja in ihrer ganzen Neoloberalen Geschichte, dass sie das nur in so weit berührt, als dass neue "Gut-"Achten für Schliesslich sind die Leute zum Arbeiten da. Das Geldverdienen ist Sache von anderen.BILD bestellt werden müssen.

    "Die grüne Idee des Grundeinkommens sei ein Affront"
    Ja, Eben.

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  2. ... wie eine Verkäuferin bei Aldi denkt. Mit einem B3-Gehalt versteht man auch nicht, warum einer Krankenschwester nicht egal ist, wie viel der Strom kostet."

    All das und noch viel mehr versteht sicher jemand mit dem Grundgehalt eines Abgeordenten, zuzätzlich der Zuschläge,
    welcher mit einer Zahnärztin verheiratet ist, bei einem Kind.

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    hat Gabriel aber eine Mutter, die Krankenscwester war.

    So ganz realitätsfern ist er also nicht.

    In den Grundsatzfragen hat Gabriel außerdem recht, bis auf das BGE.

    Denn es ist natürlich schon, zum Teil elitär, was manche Grüne dort fordern:
    Strompreis, klar wenn man ein günstig stehendes Haus hat und noch liquide Mittel um in eine PV-Anlage zu investieren ist das schön, dass andere dies aber bezahlen müssen und zum Teil auch sollen ist dann die andere Seite der Medailie.

    Beim Urlaub genauso, klar kann man "ökologisch wertvollen" Urlaub machen, aber manche Menschen haben eben nicht die Mittel dazu, aber sie haben auch Ansprcu darauf sinnvoll ihre Erholung zu finden.

    Es gibt bei jeder Sache immer vier möglichkeiten:
    0
    Minumum
    Optimum
    Maximum.

    Das Maximum zu erreichen ist zwar erstrebenswert, wenn es denn möglich ist, aber ich habe lieber das Optimum als nur ein Minimum oder nichts.

    Die Grünen stimmen regelmäßig genau so wie die Linke. Die Mehrheit der Abstimmungen ist bei ihnen kongruent.S ie können natürlich dem Klischee, das von den Grünen konstruiert wird verfallen und solche pauschalisierenden Kommentare schreiben, aber dann ignorieren Sie die Realität in den Parlamenten in denen Grüne für Mindestlohn, Rente, Tierschutz, Minderheitenrechte und weiteres Eintritt, genau wie die Linke. Diese beiden Parteien sind weit mehr links und damit sozial als die SPD, die tatsächlich wie hier manche schreiben eher eine "CDU light" ist.

    Insofern: Behalten Sie Ihre Vorurteile und Aburteilungen von oben herab für Sie und beteiligen Sie sich doch mal an der Realität in den Parlamenten.

  3. sind wichtig, erstmal ist sich jeder selbst der Nächste.... so sollte es auch sein,
    Könnte ja auch so kommen, dass die Grünen eine stärkere Fraktion im BT bilden können als die SPD.... siehe BW.

    Aber es gibt auch neue ernstzunehmende Parteien wie die Freien Wähler, die erstmalig zur BTW antreten. Immerhin haben die schon 10% im Bayrischen Landtag. Es waären ganz neue Kombinationen möglich.

    siehe www.freiewaehler.eu

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    Diese nicht als solche gekennzeichnete aber gleichwohl offensichtlich systematisch in diversen Foren plazierte Wahlwerbung der Kleinstparteien nervt mich allmählich.

    Und mit den Freien Wählern stünde dann die nächste kleinbürgerliche Partei zur Verfügung um o.g. "Lebenseinstellung" aktiv im Parlament zu leben...

  4. Mit Verlaub, da hat Herr Gabriel aber ganz schön tief in die Kiste politischer Nonsens-Polemik gegriffen, um sich als vermeintlicher Streiter für die Unterschicht zu profilieren.

    Klima- und Umweltschutz gegen die soziale Frage auszuspielen macht in etwa so viel Sinn, wie den Mittelstand gegen Arbeitslose aufzuhetzen (Stichwort: "Florida-Rolf"): mit etwas Glück bringt dies sogar einige Prozentpunkte, da es (leider!) doch sehr viele Leute gibt, die solchen Parolen auf den Leim gehen. Aber die daraus resultierende Politik schadet dann letztlich allen Beteiligten.

    Was unsere Geringverdiener brauchen, ist nicht noch mehr qualitativ minderwertige Nahrung zu Dumpingpreisen, sondern eine anständige Entlohnung ihrer Arbeit. Nicht Billigflüge, sondern einen funktionierenden Sozialstaat. NIcht (vermeintlichen) Billigstrom der großen Anbieter, die sich die vermeintlich niedrigen Preise dann durch staatliche Subventionen (etwa für Atomstrom etc.) wieder aus der Tasche der Bürger zurückholen, sondern eine Altersvorsorge, die umlagefinanziert ist und nicht in diversen Immobilienblasen versackt.

    Ich selbst habe zu Studienzeiten knapp unter dem gesetzlichen Existenzminimum gelebt. Dennoch konnte ich mir sowohl Bio-Produkte als auch Ökostrom problemlos leisten. So manches Fertiggericht ist um einiges teurer als frische Ware.

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    Wissen Sie, ich habe die Sätze vom Gabriel gelesen und die ganze Zeit genickt, da es für sich genommen ja durchaus stimmt. Aber Ihr Kommentar trifft vollkommen ins Schwarze, was die Konsequenz angeht. Denn es DARF nicht sein, dass das eine gegen das andere ausgespielt wird. Wenn "die Krankenschwester" so gestresst ist, dass sie weder Zeit noch Geld für gesundes, selbstgekochtes Essen hat, dann liegt der Fehler doch im System! Natürlich hat Gabriel Recht, wenn er den (bzw. manchen) Grünen mangelnden Realitätssinn vorwirft. Ich erlebe das in Deutschlands Grünen-Hauptstadt tagtäglich. Aber diese Suggestion, man solle der Unterschicht doch gefälligst ihren Billigfraß und ihre Ballermann-Exzesse zur Erholung von Überschichts-Wochen zu Dumpinglöhnen lassen, ist ziemlich zynisch vor dem Hintergrund der neoliberalen Spaltungspolitik des letzten Jahrzehnts.

    ...stimme ich Ihnen zu.
    Aaaber.......-> "Ich selbst habe zu Studienzeiten knapp unter dem gesetzlichen Existenzminimum gelebt. Dennoch konnte ich mir sowohl Bio-Produkte als auch Ökostrom problemlos leisten. So manches Fertiggericht ist um einiges teurer als frische Ware." <-

    Das funktioniert mit einem 4-Personen-Haushalt eben nicht mehr so leicht ;-)

    ...sage danke für diesen Kommentar! Sie ersparen mir viel Tipperei.
    Ich möchte außerdem anmerken das die privatisierung des Strommarktes von der SPD in die Wege geleitet wurde.
    Es war ein SPS Minister der die Fusion zwier Stromkonzerne beschloss, obwohl das Kartelamt dagegen war.
    Ich finde das wirft die Frage auf, welchen Anteil die SPD damit an den hohen Strompreisen haben, die uns heute belasten.
    Man darf auch nicht vergessen das der Netzausbau seit Jahren schon von den privaten verschleppt wurde....

    MfG

    Bisschen studieren und dann B-3-. Gehalt beim Staat..so lebt sichs gut .
    Und dann wundere sich einer ,dass die Grünen als Beamtenpartei gelten

  5. >> ...ohne Gespür für das Leben einfacher Arbeiter. <<

    Na dann passen doch beide Parteien trefflich zusammen!

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  6. Wir erinnern uns, dass ein gewisser hochrangiger "Sozialdemokrat" noch vor kurzen u.a. bei den Versorgungsbetrieben der hochverschuldeten Stadt Bochum 25.000 € abgegriffen hat, um dort erlesenes Publikum mit seiner überragende Eloquenz zu unterhalten.
    Aber die Krankenschwester und die ALDI-Kassierin machen dafür aber sicher gerne Überstünden...

    Und BTW:
    Das Sozialdemokraten sich ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht vorstellen können, ist nichts neues; das liegt aber an deren eigener Phantasielosigkeit, sich Leben für den Pöbel jenseits des kapitalistischen Erwerbs-Hamsterrades vorzustellen.
    Man sollte ihnen Lafargue morgens, mittags und abend um die Ohren hauen:
    http://www.wildcat-www.de...

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  7. Das BLGE ersetzt ja nur bestehende Sozialleistungen. Wieso sollte es das Gerechtigkeitsempfinden mehr stören als Hartz4, ALG1, oder Bafög?

    Wenn man das Ehegattensplitting abschaffen will (was ich für sinnvoll halte), muss man eigentlich ein BLGE einführen, den nach Einführung einer solchen getrennten Betrachtung der Einkommen hätte die nicht arbeitenden Ehefrau (oder im untypischeren Fall der Ehemann) ja kein Einkommen mehr, hätte also Anrecht auf Stütze.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Grüne | SPD | Jürgen Trittin | Gerhard Schröder | Aldi | Gespräch
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