Heiner Geißler"Die Bahn und Kretschmann müssen sich einigen"

Der frühere S21-Schlichter Geißler fordert im Interview schnell Klarheit beim Bahnhofsbau und ein Prüfen der Alternativen. Eine neue Volksbefragung hält er für unnötig. von 

ZEIT ONLINE: Herr Dr. Geißler, der Aufsichtsrat der Bahn hat entschieden, an Stuttgart 21 festzuhalten. Eine gute Entscheidung für Stuttgart und die Republik?

Heiner Geißler: Diese Frage kann man nicht mit Ja oder Nein beantworten. Es hängt davon ab, wie es weitergeht. Bisher ist ja nur gesagt worden, dass der Aufsichtsrat die Ausstiegskosten von etwa zwei Milliarden Euro als ein größeres Risiko auffasst als weiterzubauen – und hat insofern grünes Licht gegeben. Aber was die Bahn und die anderen Träger des Projektes daraus machen, ist noch völlig offen.

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ZEIT ONLINE: Also bedeutet die Aufsichtsrat-Entscheidung nicht, dass Stuttgart 21 definitiv kommt?

Geißler: Das kann man nicht sagen. Man muss auch vorsichtig mit den Begriffen sein. Ich bin kürzlich schon einmal falsch verstanden worden. Als ich gesagt habe, Stuttgart 21 wird nicht gebaut werden, meinte ich: den Bahnhof, wie er ursprünglich geplant war. Wenn man nun nach der Aufsichtsratssitzung davon ausgeht, dass Stuttgart 21 gebaut wird, ist nicht gesagt, dass es noch derselbe Bahnhof ist. Es lässt sich wohl als Ergebnis festhalten, dass ein Tiefbahnhof gebaut werden soll. Und das ist auch okay.

ZEIT ONLINE: Sie fordern weiterhin eine Kombination aus Tiefbahnhof und Kopfbahnhof?

Geißler: Der Aufsichtsratsbeschluss verhindert nicht, dass noch einmal Alternativen geprüft werden. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, hat ebenfalls angedeutet, über Varianten sprechen zu wollen. Ich finde, die Bahn sollte in diesen Dialog eintreten. Es ist nicht einzusehen, warum es in Stuttgart unmöglich sein soll, was in Zürich möglich ist. Dort werden vier Gleise unterirdisch für den Fernverkehr gebaut. Und der Regionalverkehr fährt wie bisher oberirdisch in den Kopfbahnhof ein. So sieht auch die Kombi-Planung für Stuttgart aus, wie ich sie nach der Schlichtung vorgeschlagen habe.

ZEIT ONLINE: Die Bahn will aber keine Alternativkonzepte prüfen.

"Man baut keinen Bahnhof l’art pour l’art."

Heiner Geißler

Geißler: Dass halte ich für einen Fehler. Man darf das Ziel nicht aus dem Auge verlieren: Der neue Bahnhof hat nur einen Sinn, wenn seine Leistungsfähigkeit besser ist. Man baut keinen Bahnhof l’art pour l’art. In der Schlichtung ist einvernehmlich von allen Beteiligten festgehalten worden, dass der Bahnhof Stuttgart 21 in seiner ursprünglichen Planung nicht gebaut werden kann, sondern ergänzt werden muss: Stuttgart 21 plus. Dabei geht es um besseren Zugang für Rollstuhlfahrer und um Brandschutzvorkehrungen. Das ist ein Kostenpunkt von ungefähr 300 bis 500 Millionen Euro. Daran muss sich das Land auf jeden Fall beteiligen.

ZEIT ONLINE: Kretschmann weigert sich aber, sich an den Mehrkosten zu beteiligen, ist das starrköpfig oder politisch klug? Schließlich will er den Bahnhof sowieso nicht.

Geißler: Nein, er hat sicher Recht, wenn er sich zunächst auf die Summe konzentriert, die damals für das Land festgelegt worden ist. Aber die Zusatzkosten, von denen ich gerade sprach, die muss die Landesregierung als Ergebnis der Schlichtung mittragen.

ZEIT ONLINE: Wird die Landesregierung der Bahn noch entgegenkommen?

Geißler: Schwer zu sagen. Es ist ohnehin eine leicht seltsame Landesregierung. Sie besteht aus zwei Parteien, die sich nur in dem Vorhaben einig waren, die CDU abzulösen.

Leserkommentare
  1. Früher war Geißler der Erzfeind und lt. Willy Brandt der schlimmste Hetzer seit Göbbels gewesen. Dann hat ihn sogar die Linke ins Herz geschlossen, vermutlich weil er sich etwas geändert hat und was noch viel wichtiger war, er sich gegen Kohl gestellt hat. Das war ihm bekanntlich nicht gut bekommen. Nun sitzt er in fast jeder Talk-Show und äußert sich zu fast jedem Thema. Als Hamburger ist es mir ziemlich wurscht, ob die in Stuttgart einen tollen Bahnhof haben oder nicht, er ist mir aber nicht egal, wenn die Seite der Lügner und Betrüger vertreten wird. Eine Milliarde folgt der nächsten und keiner von den Entscheidungsträgern zahlt auch nur einen Cent. Es wird Zeit, ein Exempel zu statuieren. Ich hätte da einige Vorschläge. Heiner Geißler möge jetzt schweigen und denen das Wort erteilen, die den Bahnhof benutzen sollen. Die Herren Grube und Geißler gehören nicht dazu.

    15 Leserempfehlungen
  2. ...die gegenwärtige BW-Regierung nicht so falsch sein kann:

    "Es ist ohnehin eine leicht seltsame Landesregierung. Sie besteht aus zwei Parteien, die sich nur in dem Vorhaben einig waren, die CDU abzulösen."

    Hr Geissler ist zwar an einiges gewöhnt, was in dier "C" "D" U so abgeht, nur haben die Meschen hier mehrheitlich die Schauze voll davon. Denn: Langfristig reicht es schon zum Guten, wenn die "C" "D" U sich erst mal außerhalb der Regierung besinnt, was mit S21, EnBW, Propaganda gegen S21-Gegner Filbinger-Zitaten etc angerichtet wurde.

    Mit der "C" "D" U würden auch alle weiteren Milliarden, die wahrscheinlich im Laufe des Tunnelbaus anfallen, brav über die Landes- und Stadtkasse abgenickt.

    Die ganzen Probleme sind überwiegend der "C" "D" U verdanken, die sich gegen alle fundierten Warnhinweisen taub gestellt haben!

    23 Leserempfehlungen
  3. Man hat den Eindruck, dass er die S21-Protagonisten damit ärgern möchte.
    Beim Kombi-Bahnhof werden die Gleisflächen nicht frei. Um deren Vermarktung und nur darum geht es bei dem Projekt. Ein Verkehrsprojekt ist es nur in zweiter Line - wohl oder übel. Ich kann nicht glauben, dass Geißler das nicht durchschaut hat.

    11 Leserempfehlungen
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    • doof
    • 07. März 2013 15:36 Uhr

    schauen Sie sich noch mal die Aufzeichnungen der Schlichtung an wenns um den Punkt geht.

  4. ...der hatte doch Monate lang die Chance, seine Meinung zu dem Projekt zu äußern. Wieso wird der überhaupt noch gefragt?

    Drückt sich in der Schlichtung um eine klare Meinung, kommt mit seinem Kombiprojekt an und labert jetzt alle zwei Minuten irgendeinen Schwachsinn daher.

    Hätte er sich doch einfach am Ende der Schlichtung hingestellt und hätte gesagt: "Eine Verbesserung der Verkehrssituation ist durch S21 nicht gegeben. Ich kann nicht empfehlen diesen Bahnhof zu bauen." Das wäre ein Votum gewesen. Aber stattdessen verhielt er sich lieber arrogant gegenüber den Gegnern und macht in Interviews einen auf grüner, schlauer, alter Mann...

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    Vermutlich hat der ex-Schlichter Geißler sich in diesen Monaten mehr in das Thema S21 eingelesen wie die ganzen Journalsiten und Foristen.
    Da er einen klaren Verstand hat halte ich seine Meinung deswegen auch für deutlich interessanter - auch wenn ich seinen Schlüssen nicht immer zustimme.

  5. Was bei der Schlichtung rausgekommen ist, liegt heute noch in der Gegend herum und im Interview wird gerade so weitergelabert.
    Es mag ja sein, dass die Kauzigkeit älterer Herren aus Schwaben ihr Publikum hat, aber vorangebracht hat er nichts.

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  6. Intercity an den Flughafen, und K21 mit ein zwei Parallelröhren für Regionalverkehr unterirdisch nicht durch Gips, siehe Frankfurt und Zürich

    • doof
    • 07. März 2013 15:36 Uhr

    schauen Sie sich noch mal die Aufzeichnungen der Schlichtung an wenns um den Punkt geht.

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