Bundestag: "Wir Grünen waren naiv"
Sie wollten die Welt retten – und veränderten die Republik. Die Grünen-Abgeordnete Marieluise Beck zieht nach 30 Jahren ihrer Partei im Bundestag selbstkritisch Bilanz.
© dpa

Fremde Welt: Die Grünen-Abgeordneten Petra Kelly (vorn), Marieluise Beck (M) und Otto Schily (l) am 29. März 1983 im Bundestag
ZEIT ONLINE: Am 29. März 1983 sind Sie mit 26 Fraktionskollegen der Grünen erstmals in den Bundestag in Bonn eingezogen. Wie aufgeregt waren Sie damals?
Marieluise Beck: Ich war nicht sehr aufgeregt. Das lag wohl daran, dass wir uns als Gruppe so stark gefühlt haben, dass der Respekt vor diesem Parlament nicht so groß war, wie er eigentlich hätte sein müssen.
ZEIT ONLINE: Wie haben die Abgeordneten der anderen Fraktionen sie empfangen?
Beck: Es war ein bitter-süßer Empfang. Die Abgeordneten von CDU/CSU und FDP empfanden uns schlicht als Bürgerschreck. Wir waren für sie diejenigen, vor denen die Eltern sie immer gewarnt hatten. Es gab aber auch eine Abneigung auf der linken Seite des Hauses. Die linken, ökologisch denkenden Sozialdemokraten machten uns für ihr Wahldebakel gegen den neuen Kanzler Helmut Kohl verantwortlich. Die Stimmen, die sie gebraucht hätten, waren bei uns gelandet und hatten sie innerhalb der SPD geschwächt.
ZEIT ONLINE: Sie kamen aus der Anti-Atom-, Friedens- und Frauenbewegung. Viele in Ihrer Partei wollten am liebsten gleich die ganze Welt verändern. Wie naiv waren Sie und Ihre Parteifreunde damals?
war von 1998 bis 2005 Ausländer- und Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. Die 60-jährige Bremerin gehört dem Bundestag mit Unterbrechungen seit 1983 an. Bis 1985 war sie eine der drei ersten Sprecherinnen ihrer Fraktion.
Beck: Wenn man unter Naivität positiv versteht, alles grundsätzlich in den Blick zu nehmen, waren wir naiv. Diesen grundlegenden Blick finde ich bei den Fragen, mit denen wir uns als Grüne beschäftigen, bis heute berechtigt. Was wir in Unkenntnis des parlamentarischen Systems unterschätzt haben war die Langsamkeit mit der sich demokratische Gesellschaften bewegen, und dass wir folglich nicht in einem Parforceritt die Republik auf den Kopf stellen konnten. Damals habe ich das bedauert. Heute sage ich: Das hatte auch etwas Gutes. Denn parlamentarische Verfahren sollte man immer aus der Perspektive der anderen betrachten. Was wäre, wenn jetzt eine rechts-konservative Regierung an die Macht käme? Dann würden wir auch nicht wollen, dass sie alles umdrehen, was vorher vielleicht eine rot-grüne Regierung auf den Weg gebracht hätte. Deshalb ist eine langsamere Politik, die vom Aushandeln von Kompromissen lebt, nicht nur schlecht.
ZEIT ONLINE: Sie wollten aber als Anti-Parteien-Partei eigentlich dieses parlamentarische System umwälzen. Anfangs gab es überhaupt keine klaren Strukturen und Hierarchien in Ihrer Fraktion, es herrschte das Rotationsprinzip, Fraktionssitzungen waren grundsätzlich öffentlich und dauerten manchmal Tage, Berufspolitiker waren verpönt. War all das ein historischer Irrtum?
Beck: Die Grünen haben das Parlament sehr verändert. Obwohl wir es damals nur als Teil unserer politischen Arbeit sahen, waren wir die Fleißigsten im Bundestag. Wir haben dafür gesorgt, dass es heute viel mehr Aktuelle Stunden und parlamentarische Anfragen gibt. Kontraproduktiv war die Idee, dass Abgeordnete nur möglichst kurz im Parlament sitzen sollten. Um die Regierung mit ihrem ganzen Apparat kontrollieren zu können, müssen Abgeordnete Erfahrung sammeln. Unsere Vorstellungen hätten eher zu einer Schwächung der Parlamentarier geführt.
ZEIT ONLINE: Heute sind die Grünen eine etablierte, fast bürgerliche Partei. Sie regieren in mehreren Bundesländern mit und wollen im Herbst wieder an die Macht im Bund. Statt Grobstrickpullover und wallende Röcke und Bärte tragen Sie und ihre Kollegen heute Anzug und Kostüm. Was ist vom rebellischen Anfangsgeist geblieben?
Beck: Es bleibt niemandem erspart, erwachsen zu werden. Wer es nicht tut, macht sich lächerlich. Die Überzeugungen, mit denen wir damals angetreten sind, gelten jedoch bis heute. Die Antworten auf unsere großen Fragen waren zum Teil falsch. Vieles ist aber richtig geblieben, wie zum Beispiel die Notwendigkeit, aus der Atomenergie auszusteigen und eine andere Form der Energieversorgung zu suchen. Die ökologische Frage, zusammen mit der sozialen Frage und dem Kampf um Freiheitsrechte, haben überhaupt nicht an Brisanz verloren.
ZEIT ONLINE: Was waren die größten Erfolge der Grünen? Was waren für Sie die schmerzlichsten Niederlagen?
Beck: Am schmerzlichsten war zum einen, dass uns 1990 die westdeutschen Wähler auf die Strafbank gesetzt haben, weil wir meinten, nachlässig über die deutsche Wiedervereinigung hinweggehen zu können. Und zum anderen die sehr schwierige Auseinandersetzung um den Kriegseinsatz im Kosovo, die unsere Partei sehr belastet hat. Unser größter Erfolg ist, dass wir die Parteienlandschaft nachhaltig verändert und ein ganzen anderen Blick auf die Gesellschaft geschaffen haben. Nicht nur, dass inzwischen der Ausstieg aus der Atomenergie auch von Konservativen betrieben wird. Auch gesellschaftlich-kulturelle Fragen wie das Verhältnis zu Homosexuellen, die Stellung der Frau, der Umgang mit Kindesmissbrauch, Vielfalt der Lebensformen und Fragen der Einwanderung sind vom Rand der Gesellschaft und des Parlaments in die Mitte gewandert. Damals waren wir Außenseiter. Heute debattieren alle darüber.





Wannenputzmittel und Kloputzmittel? Bitte was? o.O
Ich erinnere gerne an die Satzung der Grünen mit dem sexistischen Frauenstatut.
Es darf weibliche Doppelspitzen geben, aber keine männlichen.
Männer haben nur Rederecht, wenn noch eine Frau auf der Redeliste steht, haben also Frauen um Erlaubnis zu fragen, ob sie zu einem Thema vortragen dürfen. Umgekehrt selbstverständlich nicht.
Kein Wunder, dass die Partei Männerthemen nicht behandelt.
Kein Wunder, dass Frauen diese Partei bevorzugt wählen, nicht aber wegen der Umweltthemen.
Frauen haben immer Platz eins auf Wahllisten. D.h. in einer Fraktion sind maximal 50% Männer aber minimal 50% Frauen.
Demokratie geht anders.
Ich erinnere gerne an die Satzung der Grünen mit dem sexistischen Frauenstatut.
Es darf weibliche Doppelspitzen geben, aber keine männlichen.
Männer haben nur Rederecht, wenn noch eine Frau auf der Redeliste steht, haben also Frauen um Erlaubnis zu fragen, ob sie zu einem Thema vortragen dürfen. Umgekehrt selbstverständlich nicht.
Kein Wunder, dass die Partei Männerthemen nicht behandelt.
Kein Wunder, dass Frauen diese Partei bevorzugt wählen, nicht aber wegen der Umweltthemen.
Frauen haben immer Platz eins auf Wahllisten. D.h. in einer Fraktion sind maximal 50% Männer aber minimal 50% Frauen.
Demokratie geht anders.
... schon allein die Maxime von Marieluise Beck „wachsen mit der Natur, nicht gegen die Natur!“ ist gar nicht mal so unvernünftig. Ich denke ja nicht, dass es ohne die Grünen eine Klimadebatte überhaupt gäbe. Ich denke ja ungefähr so:
Wir dürfen nicht in den Pfadabhängigkeiten fossiler Energieträger und nuklearer Technik verharren. Das haben die Grünen erkannt. Dafür respektiere ich sie. Ohne sie würde mein Auto nicht oft stehen bleiben, sondern eher ausbleiben das Radeln im Regen zur Arbeit. Ausschaltbare Steckerleisten? Gewohnheitssache! Regionale Küche? Ist ein Zugewinn der Lebensqualität. Mülltrennung wird gemacht. Bloß keine Massen bedrucktes Papier als Werbung im Briefkasten. Und natürlich Produkte mit dem Transfair-Siegel. Biofleisch? Wenn ich genug Penunze hätte, wäre auch dies ein Zugewinn der Lebensqualität.
Ohne die Grünen würde ich heute wahrscheinlich so nicht denken und handeln.
Sauerei, dass die Grünen mit Lügen einen einreden wollen, dass man schuld am Elend der Welt sein soll. Eine Frechheit, den Spaß nehmen zu wollen, mit einen SUV mit 220 Sachen über die Autobahn zu kacheln. Die Ökos sind Schuld, dass es heute so viele Radler gibt! Klimawandel? Eine Erfindung und Verschwörung von Ökodiktatoren. Gefährliches Fukushima? Alles Atomangstpropaganda. Lohndumping? Daran kann ich doch nichts ändern. Die Grünen? Die wollen nur, dass wir weniger Spaß haben. Und sich mit unserer Penunze bereichern wollen sie sich mit ihren Ökosteuern, diese kurrupte Bagage. Und jetzt dieses Interview – eine gute Gelegenheit, Dampf abzulassen in den Blogs der ZEIT.
So lebt es sich vermeintlich leichter. Aber glücklicher? Das wage ich zu bezweifeln. Deshalb die Hoffnung, dass die Grünen mehr das System ändern und weniger das System sie. Dass die Gutmenschstempel-Aufdrücker weniger werden und die Lust größer, zum Wohl in Zukunft ein wenig beizutragen. Und wenn es nur die Einkaufstasche aus Hanf ist.
Wolf Niese; Berlin-Lankwitz; 46 Jahre
Stahlbauschlossergeselle; Industriekaufmann
für den Link. Ich unterstütze diese Zusammenfassung. Bevor mich jemand den "gestrigen" und "dämlichen" Foristen zuordnet, lasse ich gerne wissen, dass es mir egal ist, wie es für jemanden aussieht.
Ich finde sogar, dass die Grüne Partei sehr viel unserer Gesellschaft geschadet und zur Entmündigung des Volkes wesentlich beigetragen hat, auf eine ganz intolerante und arrogante Weise.
Einiges davon, was diese Partei verursacht hat, werden wir alle noch ausbaden müssen (moralisch und materiell).
"Ich finde sogar, dass die Grüne Partei sehr viel unserer Gesellschaft geschadet und zur Entmündigung des Volkes wesentlich beigetragen hat, auf eine ganz intolerante und arrogante Weise.
Einiges davon, was diese Partei verursacht hat, werden wir alle noch ausbaden müssen (moralisch und materiell)."
Dann bitte ich darum, dass Sie diese Dinge mal hier bennen und jeweils die von Ihnen behaupteten Folgen begründen.
ich bin kein Grüner, aber mir ist sehr klar, dass ein wesentlicer Grund für deren Gründung die Atomernergie war, die damals von CDU/CSU, FDP und SPD politisch abgesichert wurde.
Eines wird immer deutlicher: Die Kosten der Endlagerung von Atommüll und die Kollateralschäden, die die Atomenergie verursacht, werden wir alle noch ausbaden müssen, materiell und gesundheitlich. Dafür sind aber CDU/CSU, FDP und SPD politisch in der Haftung!
So, jetzt sind Sie an der Reihe!
"Ich finde sogar, dass die Grüne Partei sehr viel unserer Gesellschaft geschadet und zur Entmündigung des Volkes wesentlich beigetragen hat, auf eine ganz intolerante und arrogante Weise.
Einiges davon, was diese Partei verursacht hat, werden wir alle noch ausbaden müssen (moralisch und materiell)."
Dann bitte ich darum, dass Sie diese Dinge mal hier bennen und jeweils die von Ihnen behaupteten Folgen begründen.
ich bin kein Grüner, aber mir ist sehr klar, dass ein wesentlicer Grund für deren Gründung die Atomernergie war, die damals von CDU/CSU, FDP und SPD politisch abgesichert wurde.
Eines wird immer deutlicher: Die Kosten der Endlagerung von Atommüll und die Kollateralschäden, die die Atomenergie verursacht, werden wir alle noch ausbaden müssen, materiell und gesundheitlich. Dafür sind aber CDU/CSU, FDP und SPD politisch in der Haftung!
So, jetzt sind Sie an der Reihe!
FreieGrünePartei
ja, die soziale Klasse der Menschen, die bei den Grünen wirken, ist sicher nicht unakademisch, proletarisch prekär oder sonst etwas Hartz-4-Nahes.
Aber: wer im Bundestag ein Mandat bekleidet, ist somit sowieso aus diesem Schneider (arbeitssuchend).
Gilt für alle MdBs.
Beispiel: die Beitragsbemessungsgrenze bei den Sozialabgaben wäre dann ein No Go, wenn diese Beiträge als solidarische und nicht als Versicherungsbeiträge verstanden würden. So aber brauchen Mehr-als-genug-Verdiener weiterhin prozentual desto weniger
in die Kassen zahlen, je mehr sie umsetzen (verdienen tun sie es ja vielleicht gar nicht ∂:-˚) und das schon bei ca 3900,--€ Monat. Ich schätze das sind immer noch ne ganze Menge, aber genau weiß ich das nicht.
Gysi, Gregor hat es mal angesprochen, aber ob er den Betrag mittlerweile auf ein Treuhandkonto zahlt, weiß ich nicht.
Wichtig ist mir dabei die Denke:
ALLE sollten ohne Umwege am wirtschaftlichen Erfolg (und Misserfolg) der Republik beteiligt werden.
BGE.
BSP 2.25 Billion (2,25x10^12) Euro ergeben für jeden der 80 Mio BRD-ler ca 28.000 EURO jährlich. Das sind 2300 € Monat. (Es gibt auch Ergebnisse die höher liegen...)
HARTZ-4-er sind wichtig für den Gewinn: denn ihre Existenz drückt den Marktwert der Areit: Also müssen sie ohne wenn und aber und ohne Antrag sofort ebenfalls 2300 bekommen. (BGE geht bisher von der Hälfte aus.)
Warum ist also das Thema (auch bei den GRÜNEN) nicht laut vernehmbar aktuell auf der Agenda?
Eigentlich Nicht,sie konnten nicht durchsetzen was als richtig auch von vielen Menschen die zwar nicht Gruen waehlten,doch ebenfalls erkannt wurde.
Sie Scheiterden an der REAL-POLITIK........Die geht immer nur bis zur naechsten Wahl.
Sind nicht eigentlich die,die Naiven,die glauben Immer Weiter so,auf Staendiges
Wachstum setzen als Allheilmittel (Ist erwissen,dass nichts in einem geschlossenen System unendlich wachsen kann) Auch nicht z.B.Wohin mit dem Atomarenabfall&trotzdem weiter A-Strom fordern..........?
Mich interessiert zunächst mal überhaupt nicht, wer "Schuld" an Grün-Rot in BaWü ist. Was mich interessiert, ist die Politik, die dort tatsächlich läuft und die besteht nunmal aus katastrophalem Mismanagement auf allen Ebenen. S21 spielt für mich da nur am Rande eine Rolle. Aber dass Kretschmann dabei dauernd vor und zurück rudert, kann man jetzt wirklich nicht der CDU anlasten - so billig kriegen wirs dann doch nicht.
Das Schlimmste ist aber die unbedachte, überhastete Bildungspolitik, die im Verbund mit einer Kaputtspar-Agenda ein sehr gut funktionierendes Schulsystem zerschlägt. Für Einzelheiten dazu verweise ich auf den Link in meinem letzten Posting.
das sagt doch mal wieder alles.
Nie Probleme im Leben, der Beamtenstatus war sicher.
Ich kenne endlos viele LEute, die nur wegen einer Verbeamtung Lehramt studiert haben und sich nun wundern , dass diese nicht mehr ganz garantiert ist
Die modernen Grünen kennen ihre Klientel und wollen partout nichts an ihren Pfründen ändern: die Verbeamtung wird garantiert, auf Kosten aller Steuerzahler und dann müssen die bösen Reichen bluten, die für sich und ihre Nachkommen vorgesorgt haben.
Diese Heuchelei ist die Tragik der Grünen
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