Natürlich ist dies ein Dilemma für eine konservative Partei: Seit Jahrzehnten definiert die CDU sich über den besonderen Schutz der Ehe zwischen Mann und Frau. Dann kommt das Bundesverfassungsgericht und fordert gleiche Rechte für homosexuelle Paare.

Wie diese Misere zu lösen ist, dazu diskutiert die Partei seit einiger Zeit zwei Möglichkeiten.

Möglichkeit eins, sie beharrt auf der Position, dass homosexuelle Partnerschaften nicht mit der Ehe gleichgestellt gehören. Die CDU setzt also nur um, wozu das Verfassungsgericht sie ausdrücklich zwingt und versucht sonst, die Privilegierung der Hetero-Ehe aufrechtzuerhalten. Es wäre eine konsequente Haltung, wenn auch nicht unbedingt von einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit unterstützt. Doch warum sollte es nicht eine Partei geben, die Lobbyarbeit für das herkömmliche Familienbild macht?

Die Gegner dieser Vorgehensweise kritisieren, dass die Partei dem Verfassungsgericht bloß hinterherläuft. Das Gericht werde nach und nach alle Barrieren für Homosexuelle einreißen. Besser, man entwickele Konzepte, wie homosexuelle Paare gleichgestellt und Ehen mit Kindern trotzdem geschützt werden können. Natürlich wäre diese Möglichkeit zwei ein Richtungswechsel, ein umstrittener Bruch mit der bisherigen Politik. Aber es wäre eine definitive Entscheidung.

Abwarten und konservativ bleiben

Das jedoch, was Generalsekretär Hermann Gröhe am Montag nach tagelangem Streit als Position des CDU-Präsidiums verkündet hat, ist weder Option eins noch zwei, sondern nur der vorläufige Höhepunkt der Konturlosigkeit. Welche Haltung hat die CDU-Spitze zur Homo-Ehe? Keiner weiß es mehr.

Noch vor wenigen Wochen, auf dem Bundesparteitag der CDU im Dezember, moderierte Angela Merkel trotz sich abzeichnenden weiteren Entscheidungen des höchsten Gerichts eine Diskussion über den Umgang mit der Homo-Ehe ab. Die Partei entschied sich für Möglichkeit eins: abwarten und konservativ bleiben. So weit, so gut.

Doch es brauchte nur eine weitere (absehbare) Entscheidung des Gerichts zur Gleichstellung Homosexueller, um alles wieder infrage zu stellen. Kurz nach dem Urteil zum Adoptionsrecht von Homosexuellen regten Fraktionschef Volker Kauder und der Parlamentarische Geschäftsführer Michael Grosse-Brömer in Interviews an, sich doch einmal Gedanken über eine weitere Gleichstellung der Homo-Ehe zu machen. Grosse-Brömer verlangte gar mehr "Beweglichkeit" von seiner Partei. Er und Kauder dürften kaum ohne Billigung der Kanzlerin gesprochen haben. Das dachten jedenfalls die CDU-Konservativen, denen fast die Sonntagszeitung aus der Hand fiel: "CDU will Homo-Ehe einführen", stand da gedruckt. Hatte sich über Nacht und ohne Absprache Position zwei durchgesetzt?

Es folgte ein Sturm der Entrüstung, an dessen Ende Generalsekretär Gröhe jetzt nicht nur versuchte, zu relativieren. Nein, er gab gleich die Kehrtwende der Kehrtwende bekannt: Natürlich gelte der Parteitagsbeschluss, seine Partei handele nicht in "Spekulation oder Erwartung weiterer Gerichtsentscheidungen".