Homo-EheFrau Merkel, geben Sie die Abstimmung frei

Die Homo-Ehe ist konservativ, kommentiert L. Greven. Die Kanzlerin muss das nicht anerkennen, aber ihre Abgeordneten sollten nach ihrem Gewissen entscheiden dürfen. von 

Die Union hat sich in den vergangenen Jahren bekanntlich von vielen Grundsätzen verabschiedet. Wehrpflicht, Atomkraft, Hauptschule – immer gab es Unmut in der Partei, aber das Grummeln ebbte irgendwann ab. Jetzt droht der Streit um die Gleichstellung der Homo-Ehe, dieses emotional hochbesetzte Thema, die Union zu zerreißen. Es rührt an dem vielleicht wichtigsten Grundpfeiler des konservativen Gesellschaftsbildes: dem Ideal von Ehe und Familie als "Keimzelle" der Gemeinschaft und letzter Bastion gegen Individualisierung und Hedonismus.

Die Debatte um die Gleichstellung Schwuler und Lesben bei der Adoption und im Steuerrecht wird zum Lackmustest für diejenigen in der CDU und darüber hinaus, die sich nach unabänderlichen Gewissheiten sehnen: Wenn schon heute jeder beanspruchen darf zu leben wie er möchte, so soll doch wenigstens der Staat Grenzen setzen.

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Und doch spüren selbst die Konservativen in der Union, dass die Ehe in der alten Form als Maß der Dinge nicht mehr zu halten ist. Selbst in bürgerlichen Kreisen gilt es heute nicht mehr als zwingend verheiratet zu sein, wenn man zusammenzieht und Kinder bekommt. Die Kanzlerin trägt einen anderen Namen als ihr Ehemann. CDU-Politiker outen sich als schwul.

Die Homo-Ehe ist etwas zutiefst Konservatives

Natürlich darf eine Partei sich nicht von allen Grundwerten verabschieden, wenn sie sich nicht verlieren und weiterhin unterscheidbar sein will. Aber sie kann sich einer gesellschaftspolitischen Debatte auch nicht einfach verweigern, indem sie auf Parteitagsbeschlüsse verweist. Angela Merkel weiß das. Deshalb wollte sie die Diskussion über die Homoehe eigentlich vorantreiben. Sie schickte dafür ihren Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder und Finanzminister Wolfgang Schäuble vor, die – obwohl selber konservativ – für die Gleichstellung warben. Aber dann brach in der CDU und vor allem der CSU ein Sturm der Entrüstung los. Und Merkel verließ wieder einmal der Mut.

Dabei müssten die Konservativen bei ruhiger Betrachtung schnell erkennen: Gerade der Wunsch, heiraten zu dürfen mit allen Rechten und Pflichten, zeigt, dass viele Lesben und Schwule im Grunde sehr konservative, bürgerliche Werte leben: Treue, Gebundenheit, füreinander einstehen. Nicht anders als in heterosexuellen Ehen. Viele Unionswähler haben das längst erkannt. Sie denken liberaler und toleranter, als manche in der Führung der CDU und vor allem der CSU glauben wollen.

Leserkommentare
  1. Konservativ in diesem Zusammenhang,wie paßt das denn?
    Aber das ist auch eine Lösung gegen die Überbevölkerung ,nur gillt
    das nicht für Deutschland ,wir schrumpfen immer weiter trotz Zuwanderung

    17 Leserempfehlungen
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    Ich erkläre es Ihnen gerne. Konservativ kommt vom Lateinischen "conservare" = verwahren, bewahren. Der Konservative versucht Traditionen zu erhalten, althergebrachte Werte zu bewahren. Manches wird von der Zeit überholt, andere Dinge bleiben. Die standesamtliche Ehe (denn nur um diese Form der Ehe geht es bei der "Homo-Ehe"...) als staatliche Anerkennung einer besonderen Form der Partnerschaft zwischen zwei Menschen, die sich lieben, füreinander einstehen und sich gegenseitig die Treue halten wollen, ist eine solche Tradition. Daneben gibt es andere Formen der Partnerschaft, die deutlich "flexibler" sind, z.B. offene Partnerschaften, Kommunen, Polyamorie, etc. Im Vergleich zu diesen Formen der Partnerschaft ist die Ehe überaus konservativ, egal ob zwischen einer Mann und einer Frau, zwei Frauen oder zwei Männern.

    Um dem Argument der Ehe und Familie als Fortpflanzungsgemeinschaft vorzukommen: Niemand würde ernsthaft vorschlagen kirchliche oder staatliche Ehen aufzulösen, weil beide Ehepartner keine Kinder wollen, daher ist es auch als Argument gegen die "Homo-Ehe" unzulässig, wenn man nicht doppelmoralisch sein möchte.

    Sie wären dafür, homosexuelle Menschen dazu zu zwingen, Kinder zu bekommen, damit "wir" nicht aussterben?

    Überhaupt finde ich es Klasse, wie es Konservative immer und immer wieder schaffen, sich selbst als Opfer anzusehen, trotzdessen sie vor allem Täter waren und sind.

    Zitat:
    "Aber das ist auch eine Lösung gegen die Überbevölkerung ,nur gillt
    das nicht für Deutschland ,wir schrumpfen immer weiter trotz Zuwanderung"

    Können Sie erklären warum es wegen der Homo-Ehe Ihrer Meinung nach weniger Nachwuchs geben sollte?

    Ist Ihrer Meinung nach die Folge der Homo-Ehe, dass noch weniger Kinder geboren werden? Wenn ja, ist das völlig absurd!!! Es würde nach der Einführung der Homo-Ehe genauso viele heterosexuelle Paare geben, die Kinder bekommen wie davor auch. Und wenn dies noch mehr abnimmt, ist das nicht die Folge der Einführung einer gleichgeschlechtlichen Ehe!

    Angenommen homosexuelle Paare dürften heiraten, heiraten dann ihrer Meinung nach auch weniger heterosexuelle Paare?
    Es ist doch nicht so, dass sich dann alle heterosexuellen Paare scheiden lassen wollen würden, nur um in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu leben!?

    Ich finde, der Autor des Artikels hat Recht. Eine Ehe, egal welche Geschlechter die Partner haben, ist etwas konservatives solange die Ehe nach den Werten gelebt wird, die schon im Artikel genannt wurden. Ich sehe keine Gefahr für die heterosexuelle Ehe! Jeder sollte nach seiner Fasson glücklich werden mit allen Rechten und Pflichten!

    • aapple
    • 16. März 2013 15:40 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als diskriminierend verstanden werden. Danke, die Redaktion/jk

  2. Warum dürfen denn Homosexuelle denn immer noch nicht heiraten?

    Sollen doch die Leute heiraten dürfen wen sie wollen.

    Es gibt weitaus dringlichere Themen worüber die PolitkerInnen diskutieren sollten.

    21 Leserempfehlungen
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    Wer wäre dann Mann oder Frau ?
    Weiter geht es nähmlich mit den Rentenansprüchen. Wer bekommt die Witwenrente?

    Weiterhin soll ja der demographische Faktor ein Zukunftsproblem sein.
    Wer zeugt die Kinder und wer trägt sie aus?

    • Otto2
    • 15. März 2013 22:24 Uhr

    Wenn die Wissenschaft auch noch nicht alles über Homosexualität weiß, so ist doch sicher, dass es keine ansteckende Krankheit ist und auch nicht durch schlechte Erziehung oder schlechten Umgang oder aus übler verwerflicher Lust entsteht. Es wird doch sicher in der CDU Leute geben, denen wissenschaftliche Denkweise vertraut ist, und die ihren Kollegen Abgeordneten das erklären. Vielleicht könnten sie ihre Kollegen auch darauf hinweisen, das Homosexualität nicht ansteckend ist und kein CDU-Abgeordneter persönlich und deren Kinder, so sie nicht die entsprechende Veranlagungen haben, Gefahr laufen, selbst homosexuell zu werden.

    • aapple
    • 16. März 2013 15:49 Uhr

    ...ist nur das kleinere Problem. Entscheidender für die Achtung der biologisch normalen Familie ist, das diese in der Wertung sinkt, auch durch finanzielle Gleichstellungen. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

  3. 3. [...]

    Bitte verzichten Sie auf die Wiederholung diskriminierender Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

  4. ohne fokushima oder ähnliche 'zwangsauslöser' wird eine frau merkel sich nicht entscheiden wollen.

    und damaskuserlebenisse finden halt nicht regelmäßig, sonder eher selten, statt.

    => keine hoffnung mit dieser unserer bundeskanzlerin/bundesregierung.

    3 Leserempfehlungen
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    in den wir alle gucken,
    und darin nichts anderes
    als unser eigenes Staunen
    selbst erblicken.

    Wir irren umher,
    getrieben von den Themen,
    die wir erst, wenn sie uns zwingen,
    uns als Schlinge oder Schleife legen,
    vorher nicht, auf keinen Fall
    jedenfalls nicht ohne Not,
    und nachher, wer weiß das schon,
    muss man das dann nicht mehr
    wissen, was gestern war.

    Feste Partnerschaften
    sind in unseren Tagen,
    im Zeitalter des Unverbindlichen,
    im Grau des Einerlei,
    keine Alternative.

    Wir sollten zusehen,
    wie wir selbst,
    ganz ohne Führung,
    ohne Bild,
    und ohne Richtung
    alternativlos
    glücklich werden.

    Erst wenn es
    keine Alternativen mehr gibt,
    gelingt uns der Zugang
    zu dem,
    was wir immer schon
    vermeiden wollten -
    mit dem Zwang.

    Gibt es Alternativen
    beim Verhindern,
    dass dumme Menschen
    sich in die Ehe zwingen,
    die im Bett am Ende
    ohne Zweck
    zu Ende geht?

    In diesem Sinne...

  5. Sie wären dafür, homosexuelle Menschen dazu zu zwingen, Kinder zu bekommen, damit "wir" nicht aussterben?

    Überhaupt finde ich es Klasse, wie es Konservative immer und immer wieder schaffen, sich selbst als Opfer anzusehen, trotzdessen sie vor allem Täter waren und sind.

    8 Leserempfehlungen
  6. 7. [...]

    Wir tolerieren keine diskriminierenden Äußerungen. Die Redaktion/fk.

  7. Homosexuelle praktizieren die Ehe nun schon lange, wo immer möglich inklusive Kindern, mit genauso viel Liebe wie Heterosexuelle, und, gegebenenfalls, auch mit den gleichen Problemen. Es wäre schon lange Zeit, die praktizierte Wirklichkeit endlich anzuerkennen und gleichgeschlechtlichen Partnern die Rechte zu geben, die Partner verschiedenen Geschlechts für ihre gegenseitige Verpflichtung auch bekommen.

    8 Leserempfehlungen

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