Kinder- und JugendberichtDie Jugendarmut wächst

Die Politik investiert große Summen in Kinderbetreuung und Beratungsangebote. Dennoch steigt die Zahl der sozial und finanziell abgehängten Jugendlichen. von 

Familienministerin Kristina Schröder sieht es als ihre zentrale Verantwortung an, faire Chancen für alle Kinder und Jugendlichen zu schaffen. Das schreibt sie im Vorwort des kürzlich erschienenen 14. Kinder- und Jugendberichts. Doch die von der Regierung beauftragte Expertenkommission kommt zu dem Schluss, dass sich die Lebenssituation vieler Jugendlicher verschlechtert statt verbessert hat. Der aktuelle Bericht soll eine Gesamtbeurteilung der Lebenssituation junger Menschen bieten. Eine solche Bestandsaufnahme gab es zuletzt im Jahr 2002.

Zwar heißt es in dem Bericht, die große Mehrheit habe eine gute Kindheit und Jugend. Aber eine keinesfalls kleine Minderheit sei von "sozialer Ungleichheit, sozialen Benachteiligungen und individuellen Beeinträchtigungen, ungünstigen Bildungs- und Entwicklungschancen und Armut" betroffen. Die Rede ist unter anderem von "einer erheblichen Kinder- und Jugendarmut".

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Die Statistiken zeigen, dass die Armutsrisikoquote der Elf- bis Zwanzigjährigen zwischen 1996 und 2010 von 15 Prozent auf über 18 Prozent gestiegen ist. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als in der Gesamtbevölkerung. Im Osten der Republik sind sogar 29,6 Prozent der Elf- bis Zwanzigjährigen armutsgefährdet. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schrieb im Oktober 2012 in einem Bericht, dass weiterhin überdurchschnittlich viele Jugendliche und junge Erwachsene arm seien. Die Armutsgefährdung der unter Zehnjährigen hat sich dagegen in den letzten Jahren dem Gesamtniveau angeglichen.

Die Politik muss Jugendliche besser fördern

In finanziell prekären Verhältnissen lässt die Perspektivlosigkeit Eltern und Kinder schnell verzweifeln. Erziehung und Bildung leiden darunter. Doch während Familienpolitik und die prognostizierte Altersarmut im öffentlichen Diskurs bereits allgegenwärtig sind, sind die Probleme von Jugendlichen "von der politischen Agenda verschwunden", heißt es im Bericht. 

"Die Zahl von schlichtweg erziehungsunfähigen Eltern in der nur als abgehängt zu bezeichnenden Unterschicht wächst kontinuierlich", sagt Georg Ehrmann. Der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe bemängelt, dass die Jugendhilfe  "vielerorts systematisch ausgeblendet" werde. Unterstützung und Beratung erhielten sozial benachteiligte Jugendliche oft erst, wenn sie delinquent oder missbraucht würden. Prävention kommt zu kurz.

"So hängen die Überlebenschancen vom Wohnort ab"

Allerdings ist die Zahl der Inobhutnahmen durch die Jugendämter seit 2005 um fast 50 Prozent auf 38.456 im Jahr 2011 gestiegen. Im Bericht der Bundesregierung heißt es dazu, die Kinder- und Jugendhilfe agiere wieder stärker als intervenierende und kontrollierende Instanz.

Ist das gut, weil konsequenter eingegriffen wird oder schlecht, weil immer mehr Kinder und Jugendliche ihren familiären Halt verlieren? Ehrmann glaubt, beides treffe zu. Doch nach wie vor blieben manche Kinder aus Kostengründen und fehlenden Unterbringungen "eher zu lange in Risikofamilien". Außerdem arbeite jedes der rund 600 Jugendämter in Deutschland anders. "So hängen die Überlebenschancen eines Kindes vom Wohnort ab", sagt Ehrmann.

Leserkommentare
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    das Foto wurde mehrmals verändert. Also bitte Beitrag #3 löschen, denn das gegenwärtige Foto ist gar nicht nett und lustig.

    • insLot
    • 13. März 2013 15:31 Uhr

    Zitat: Ich habe den Eindruck, dass die Politik die Fähigkeit verliert, die Dinge in die richtige Richtung zu steuern.

    Dieser Satz ist im Grunde richtig. Politik besteht heute nicht mehr aus Kompetenz, sondern aus blenden. Unsere Familienministerin darf hier als Paradabeispiel gelten. Wie diese Frau zu dem Ministerposten kam ist mir bis heute nicht erklärbar.

    31 Leserempfehlungen
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    .... Herrn Grönemeyer ein: " Kinder an die Macht ."
    Die klaren Richtlinien der elterlichen Erziehung und die
    Verantwortung der Eltern sind aber auch sehr zielführend für Kinder und Jugendliche. In vielen Fällen ist dies sehr vernachlässigt.
    Man kann nicht alles dem Staat anlasten oder der Schule.
    Erziehung ist in 1. Linie Sache der Eltern.
    Die Einkommensverhältnisse der Eltern sind sehr mitentscheidend
    bezüglich der Kinderarmut.
    Um Ausbildungsplätze und Arbeit für die Jugendlichen hat sich
    aber wohl der Staat zu kümmern. Wer Kinder anmahnt hat
    auch Pflichten für deren Zukunft.
    Die ausgebildete Jugend sind doch die Zukunft eines Landes.
    Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist ein grosse
    Katastrophe mit unendlichen Folgen.

    so gut wie jeder Andere und hier gibt es mindestens 1 mal pro Woche einen Artikel der Ihnen das erklärt.

    @Thema
    Natürlich wächst die K+J-Armut, denn die Familien mit der höchsten Geburtenrate sind immer noch nicht angekommen und die andere Seite der Medaille die Armut in der s.g. Mittelschicht nimmt immer weiter zu, sie wird aus Scham nur noch nicht gezeigt und Medien und die Politik tun alles um das auch wegzuschreiben oder wegzukontrollausschussen. In D ist alles peachy.

    • guegro
    • 13. März 2013 15:31 Uhr

    ... der Bericht lag wohl noch nicht bei unserem Wirtschaftsminister Herrn Rösler auf dem Tisch ...
    Auch der Bericht wird sicherlich noch in den nächsten Tagen dort "quergelesen".

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    diese Mär der Klientelpartei widert mich an.
    Die Grünen sind die eigentlche Lobbypartei (Solar und Beamte)
    Jeder STeuereuro für die ach so benachteiligten Jugendlichen ( 19 jährige!! sic!. (bis 17 kann man sich in die Jugendklinik einweisen lassen), wird übrigens in den Lehrerpensionen versickern.
    Daran sollten die geneigten, pseudotoleranten Wähler mal denken, bevor sie den Minister diffamieren.

  3. Schulverpflegung geboten wird , weil es die Eltern nicht bezahlen können. Es gibt Kinder die ernähren sich nur von Zucker es gibt mittlerweile unterernährte Kinder.

    9 Leserempfehlungen
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    Pardon, 100 Berliner Schulen, wo die Eltern den Kindern das Essen nicht bezahlen können ?

    Haben Sie dazu eine Quelle ?

    • gooder
    • 13. März 2013 16:54 Uhr

    Ich nehme an, dass es sich bei den Eltern einiger Kinder auch um solche Eltern handelt, die andere Prioritäten,als das Essengeld zu zahlen, setzen.
    Wenn sich Kinder nur noch von Zucker ernähren, machen die Eltern etwas falsch, denn Produkte die weniger Zucker enthalten, ich denke da an das gute alte Pausenbrot, sind zumeist kostengünstiger,allerdings aufwendiger zuzubereiten.

    • ZPH
    • 13. März 2013 23:29 Uhr

    was das Amt für die Kinder an die Eltern zahlt offenbar nicht viel bei den Kindern an. Vielleicht sollte man den Kindern und ihrer Zukunft zuliebe das Geld doch in Kindergärten und anderen Bildungseinrichtungen stecken als es den Eltern zu geben?

  4. 7. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen. Danke, die Redaktion/sam

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  5. 8. [...]

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