RüstungsexporteGute Geschäfte dank der Merkel-Doktrin

Deutschland liefert Algerien Militärtechnik, bald beginnt die Bundeswehr mit der Ausbildung algerischer Soldaten – der schwierigen Menschenrechtslage im Land zum Trotz.

Kanzlerin Merkel auf der Bundeswehrtagung im Oktober 2012 in Brandenburg

Kanzlerin Merkel auf der Bundeswehrtagung im Oktober 2012 in Brandenburg

Der Besuch auf der deutschen Fregatte musste vom Programm gestrichen werden, als die Bundeskanzlerin zuletzt in Algerien war. Angela Merkel und ihre Gastgeber konnten das Kriegsschiff vor fünf Jahren nicht wie geplant besuchen, weil die Emden im ägyptischen Suez-Kanal feststeckte. Einen guten Eindruck müssen deutsche Fregatten dennoch auf die Regierung in Algier gemacht haben. Sie bestellte zwei Kriegsschiffe in der Bundesrepublik und dazu sieben Bordhubschrauber. Der Auftrag soll mindestens ein Volumen von 400 Millionen Euro haben, berichteten Brancheninsider.

Obwohl die Schiffe noch gar nicht gebaut sind, beginnt im April die Ausbildung der Besatzungen – in Deutschland und mit Hilfe der Bundeswehr. Außenpoltisches Interesse der Regierung Merkel und der Wunsch der Rüstungsindustrie, neue Absatzmärkte außerhalb von EU und Nato-Gebiet zu erschließen, ergänzen sich im Fall Algerien.

Anzeige

Algerien gehört zu jenen Ländern, die die Bundesregierung befähigen will, für "Sicherheit und Frieden" in ihrer Region zu sorgen. In einer Rede auf der Bundeswehrtagung in Straußberg im Oktober 2012 hatte Merkel erklärt, dass ihre Regierung befreundete Staaten dazu auch mit Rüstungslieferungen ertüchtigen wolle. Die deutsche Rüstungsindustrie profitiert von dieser "Merkel-Doktrin". Das zeigen auch die Waffengeschäfte mit Algerien.

2012 genehmigte das Bundeskabinett zahlreiche Rüstungsexporte im Gesamtwert von 287 Millionen Euro nach Algerien, 2011 waren es noch 217 Millionen. Die Geschäfte umfassen nicht nur Waffenlieferungen, sondern auch die Weitergabe technischen Know-hows. So baut Rheinmetall in Algerien eine Fabrik auf, in der Fuchs-Transportpanzer gefertigt werden sollen. EADS errichtet eine moderne Grenzschutzanlage. Und ein deutscher Werftenverbund unter Führung von Thyssen Krupp hat die Fregatten vom Typ Meko-A-200 AN und die Hubschrauber an die Regierung in Algier verkauft, inklusive Ausbildungspaket.

Wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Sahel-Zone

Das Fregattengeschäft soll Merkel bereits bei ihrem Besuch 2008 in Algier wohlwollend begleitet haben. Die Kanzlerin wolle, "dass Deutschland vier Fregatten verkauft und aufwendige Werfttechnik hinzuliefert samt Ausbildern für Bau und Wartung weiterer Schiffe", berichtete damals die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die nicht in Verdacht steht, Rüstungsgegnern nahzustehen.

Nun bekommt die Rüstungsindustrie ganz praktische Hilfe der Regierung, vor allem vom Verteidigungsministerium. So werden die Besatzungen der beiden in Deutschland bestellten Fregatten und der sieben Hubschrauber durch die Bundeswehr ausgebildet. Algerische Offiziere und Unteroffiziere werden zudem an Schulen der Bundeswehr trainiert. 16 deutsche Soldaten werden dafür für zwei Jahre und drei Monate abgestellt, teilt die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei mit, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt. Die Ausbildung beginnt demnach am 4. April 2013 mit Seminaren am Bundessprachenamt. Der gesamte Ausbildungszeitraum beträgt fünf Jahre.

Wie schon bei den geplanten Lieferungen von Leopard-2-Kampfpanzern, Patrouillenbooten und Transportern vom Typ Boxer nach Saudi-Arabien, begründet die schwarz-gelbe Bundesregierung auch die Rüstungsexporte an Algerien mit der besonderen Bedeutung des Landes für die Region: Es habe in der aktuellen Mali-Krise "Verantwortungsbewusstsein und Kooperationsbereitschaft" gezeigt. "Algerien kommt eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Lage in der Sahel-Zone zu, insbesondere in Mali", sagte Außenminister Guido Westerwelle vor zwei Wochen beim Besuch des algerischen Außenministers in Berlin.

Leser-Kommentare
  1. Ich meine die Berichte, die Sie finden, wenn Sie z. B. recherchieren, was ein "failed state" ist.

    Ich würde von der Weltgemeinschaft erwarten, dass sie die Aufgabe wahrnimmt, Recht und Ordnung in Teilen der Welt aufrecht zu erhalten, in denen es keine solche mehr gibt. Punktum. Nicht mehr und nicht weniger. Aus dem Rest sollen wir uns raushalten. Wie bereits vorher geschrieben: Waffenlieferungen nur an NATO-Partner.

    Und bitte nicht immer die alten Kamellen vom Kolonialismus. Das hat die Lage sicherlich nicht verbessert, aber er hat auch nicht das Böse in ein himmlisch-friedliches Paradies getragen. Die meisten Exkolonien hatten nach der Unabhängigkeit ihre Chance und sind sofort im einem Sumpf aus Bürgerkriegen und Gemetzel versunken. Sprechen Sie den Leuten dort doch nicht immer ihre Eigenverantwortung ab! Oder glauben Sie, ein 15-jähriger plündernder und vergewaltigender Kindersoldat im Kongo hat das Wort Kolonie überhaupt schon mal gehört? Oder, dass der ein zahlungskräftiger Kunde von Heckler & Koch ist?
    Die "Kolonialismus-Keule" ist heute das afrikanische Äquivalent der "Nazi-Keule" in Europa. Geht immer. Informieren Sie sich doch mal bitte über einen gewissen Herrn Mugabe aus Zimbabwe, der die veritable Ausplünderung und Verarmung seines Landes durch seine eigenen Schergen den pösen Europäern in die Schuhe schiebt und die Reste an die Chinesen, die Kolonisatoren des 21. Jhdts., verschachert. Wenn die durch sind, wird sich mancher das British Empire zurückwünschen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    undifferenziert und ohne Zusammenhänge zu erkennen, diesen Meinungsaustausch fortzusetzen.

    Schließlich hat der 15j. Kindersoldat weder die Waffen produziert, noch die Politik u. die Entwicklung beeinflußt! Dennoch muß er für die Versäumnisse bluten.

    undifferenziert und ohne Zusammenhänge zu erkennen, diesen Meinungsaustausch fortzusetzen.

    Schließlich hat der 15j. Kindersoldat weder die Waffen produziert, noch die Politik u. die Entwicklung beeinflußt! Dennoch muß er für die Versäumnisse bluten.

  2. Ich bitte Sie, dass ist ja schon tiefster Kommunismus, was Sie hier vorschlagen...
    Verstaatlichung von "Schlüsselindustrien" und eine auf die Landesverteidigung ausgerichtete Rüstungsindustrie... wo kommen wir denn da hin! Da können Sie ja gleich die DDR wieder einführen...!
    /ironie off.

    Herr Hundt würde ausflippen...

    Nein, die "freie" Marktwitschaft (=Mordgerät für alle), darf nicht angetastet werden.

  3. undifferenziert und ohne Zusammenhänge zu erkennen, diesen Meinungsaustausch fortzusetzen.

    Schließlich hat der 15j. Kindersoldat weder die Waffen produziert, noch die Politik u. die Entwicklung beeinflußt! Dennoch muß er für die Versäumnisse bluten.

  4. 132. Humbug!

    Bald können wir auch Waffen nach Syrien liefern. Und wenn der Konflikt möglichst lange dauert, dann klingeln die Kassen auch länger. Wir müssen die Al-Qaida Filiale Al-Nusra nur als Stütze der Demokratie bezeichnetn und die USA veranlassen, sie wieder von der Terror Liste herunter zu nehmen. Dann können die stolzen Rebellen auch mit Leopard, G36 und Co. die Kirchen der syrischen Christen platt machen. Das könnten wir dann dem Herrn Assad in die Schuhe schieben. :)

  5. Unter dem Kürzel CD.. (christlich-demokratisch) lässt sich ganz viel verpacken.
    Alles, was Geld bringt und Wohlstand sichert. Zumindest für bestimmte Gruppen. Und davon, dass unser Land mit seinen fleißigen Menschen zum drittgrößten Rüstungsexporteur auf dem großen Erdball wurde, lässt sich doch prima leben. Sofern man nicht vom Einsatz der Rüstungsgüter betroffen wird.

  6. Ja das genau war das Problem der Europäer mit dem Arabischen Frühling.

    Zuerst stützen wir mühselig die Diktatoren am Südrand des Mittelmeerraums weil Sie ja allemal besser sind als Islamische Terrornetzwerke, wir verkaufen Ihnen auch fleißig Waffen damit Sie sich wehren können.
    Gegen wen genau?

    Und dann kommt der Arabische Mob und fegt die einfach weg.

    Was macht man da jetzt?

    Richtig man erhöht die Zäune rund um die EU und verkauft den neuen herrschenden Waffen, für den Fall das es mit der Demokratie in Algerien nicht auf Anhieb klappen sollte.

    Man könnte auch hilfreich zur Seite stehen und erklären warum das mit der Demokratie und der Gewaltfreiheit bei uns zumindest meistens klappt.
    Das wäre die Handlungsweise die einem Träger des Friedensnobelpreises würdig wäre.

    Antwort auf "Holla die Waldfee"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service