Rüstungsexporte: Gute Geschäfte dank der Merkel-Doktrin
Deutschland liefert Algerien Militärtechnik, bald beginnt die Bundeswehr mit der Ausbildung algerischer Soldaten – der schwierigen Menschenrechtslage im Land zum Trotz.
© Robert Schlesinger/dpa

Kanzlerin Merkel auf der Bundeswehrtagung im Oktober 2012 in Brandenburg
Der Besuch auf der deutschen Fregatte musste vom Programm gestrichen werden, als die Bundeskanzlerin zuletzt in Algerien war. Angela Merkel und ihre Gastgeber konnten das Kriegsschiff vor fünf Jahren nicht wie geplant besuchen, weil die Emden im ägyptischen Suez-Kanal feststeckte. Einen guten Eindruck müssen deutsche Fregatten dennoch auf die Regierung in Algier gemacht haben. Sie bestellte zwei Kriegsschiffe in der Bundesrepublik und dazu sieben Bordhubschrauber. Der Auftrag soll mindestens ein Volumen von 400 Millionen Euro haben, berichteten Brancheninsider.
Obwohl die Schiffe noch gar nicht gebaut sind, beginnt im April die Ausbildung der Besatzungen – in Deutschland und mit Hilfe der Bundeswehr. Außenpoltisches Interesse der Regierung Merkel und der Wunsch der Rüstungsindustrie, neue Absatzmärkte außerhalb von EU und Nato-Gebiet zu erschließen, ergänzen sich im Fall Algerien.
Algerien gehört zu jenen Ländern, die die Bundesregierung befähigen will, für "Sicherheit und Frieden" in ihrer Region zu sorgen. In einer Rede auf der Bundeswehrtagung in Straußberg im Oktober 2012 hatte Merkel erklärt, dass ihre Regierung befreundete Staaten dazu auch mit Rüstungslieferungen ertüchtigen wolle. Die deutsche Rüstungsindustrie profitiert von dieser "Merkel-Doktrin". Das zeigen auch die Waffengeschäfte mit Algerien.
2012 genehmigte das Bundeskabinett zahlreiche Rüstungsexporte im Gesamtwert von 287 Millionen Euro nach Algerien, 2011 waren es noch 217 Millionen. Die Geschäfte umfassen nicht nur Waffenlieferungen, sondern auch die Weitergabe technischen Know-hows. So baut Rheinmetall in Algerien eine Fabrik auf, in der Fuchs-Transportpanzer gefertigt werden sollen. EADS errichtet eine moderne Grenzschutzanlage. Und ein deutscher Werftenverbund unter Führung von Thyssen Krupp hat die Fregatten vom Typ Meko-A-200 AN und die Hubschrauber an die Regierung in Algier verkauft, inklusive Ausbildungspaket.
Wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Sahel-Zone
Das Fregattengeschäft soll Merkel bereits bei ihrem Besuch 2008 in Algier wohlwollend begleitet haben. Die Kanzlerin wolle, "dass Deutschland vier Fregatten verkauft und aufwendige Werfttechnik hinzuliefert samt Ausbildern für Bau und Wartung weiterer Schiffe", berichtete damals die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die nicht in Verdacht steht, Rüstungsgegnern nahzustehen.
Nun bekommt die Rüstungsindustrie ganz praktische Hilfe der Regierung, vor allem vom Verteidigungsministerium. So werden die Besatzungen der beiden in Deutschland bestellten Fregatten und der sieben Hubschrauber durch die Bundeswehr ausgebildet. Algerische Offiziere und Unteroffiziere werden zudem an Schulen der Bundeswehr trainiert. 16 deutsche Soldaten werden dafür für zwei Jahre und drei Monate abgestellt, teilt die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei mit, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt. Die Ausbildung beginnt demnach am 4. April 2013 mit Seminaren am Bundessprachenamt. Der gesamte Ausbildungszeitraum beträgt fünf Jahre.
Wie schon bei den geplanten Lieferungen von Leopard-2-Kampfpanzern, Patrouillenbooten und Transportern vom Typ Boxer nach Saudi-Arabien, begründet die schwarz-gelbe Bundesregierung auch die Rüstungsexporte an Algerien mit der besonderen Bedeutung des Landes für die Region: Es habe in der aktuellen Mali-Krise "Verantwortungsbewusstsein und Kooperationsbereitschaft" gezeigt. "Algerien kommt eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Lage in der Sahel-Zone zu, insbesondere in Mali", sagte Außenminister Guido Westerwelle vor zwei Wochen beim Besuch des algerischen Außenministers in Berlin.





Es geht hier ja offenbar auch um die Rolle der Politik.
Finnmeccanica, die iatlienische Nr. 8 der Weltrangliste der Rüstungsunternehmen, ehemals ein hundertprozentiges Staatsunternehmen, gehört noch immer zu 30 Prozent dem italienischen Staat. Der Staat tritt hier also als Rüstungsunternehmer auf. Das ist nochmals von anderer Qualität, als Exporte genehmigen.
Zudem scheint es bei Finnmeccanica auch recht dubios zuzugehen: "Am 23. November 2011 kündigte der italienischeinisterpräsident Mario Monti eine Intensivierung der seit einem Jahr laufenden Untersuchungen zu einer Korruptionsaffäre mit Finmeccanica im Zentrum an. In dem Zusammenhang wurden der Chef der italienischen Flugsicherung ENAV, Guido Pugliesi, der Verkaufsleiter der Finmeccanica-Tochter Selex Sistemi Integrati, Manlio Fiore, und ein Buchhalter, Marco Iannilli, wegen Steuerbetrug und Geldwäsche festgenommen. Auch gegen den Anfang Dezember 2011 zurückgetretenen Präsidenten von Finmeccanica, Pier Francesco Guarguaglini, läuft ein Verfahren wegen Schwarzgeldkonten im Ausland und Bestechung." http://de.wikipedia.org/w...
Italienische Verhältnisse halt.
kehren Sie vor der eigene Haustür, da ist genug Mist und es stink zum Himmel. Bei uns kommt es am Licht bei Ihnen wird der Mist verbunkert, also alles etwas schlimmer.
kehren Sie vor der eigene Haustür, da ist genug Mist und es stink zum Himmel. Bei uns kommt es am Licht bei Ihnen wird der Mist verbunkert, also alles etwas schlimmer.
Schließlich ging der Anteil des deutschen Rüstungsexports am Weltrüstungsexport im Vergleich der Zeiträume 2003 bis 2007 und 2008 bis 2012 von 10 Prozent auf 7 Prozent zurück. Vielleicht lag es aber auch an Gelb. http://www.sipri.org/rese...
Es könnte sicher noch weniger Rüstung exportiert werden. Trotzdem glaube ich, dass sich Deutschland angesichts seines enormen industriellen Potenzials und seiner führenden Stellung als Exportland bei Rüstungsexporten ziemlich deutlich zurückhält. Das ist auch gut so.
Von der Würde zu sprechen und die Waffen an Diktatoren zu verkaufen, ist ein Wesenszug, den der Michel nicht wahrhaben möchte.
Wenn die Merkel bei der nächsten Wahl wieder obsiegt, ist EUROPA am Ende.
Und das ist auch gut so.
aber leider lässt sich das recht schwer beweisen, da es den Rüstungsexportbericht erst ab 1999 gibt. Es könnte sehr wohl sein, das Kohl von z.B. 1991-1995 viel mehr verkauft hat.
Und außerdem hat das nicht viel zu sagen, wenn heute der Export von Rüstungsgütern "doppelt so hoch" wie 1999 ist. (Man beachte den Unterschied DM zu Euro)
http://www.spiegel.de/pol...
Hier zeigt sich der durchgängige Charakter. Ruchlosigkeit wird als Pragmatismus verkauft. Tod schafft Arbeitsplätze. Gerechtigkeit nicht. Zum Ausgleich beschwert man sich über Putins Einschüchterungsmaßnahmen gegenüber Menschenrechtsgruppen. Könnte man politische Symmetrie nennen.
kehren Sie vor der eigene Haustür, da ist genug Mist und es stink zum Himmel. Bei uns kommt es am Licht bei Ihnen wird der Mist verbunkert, also alles etwas schlimmer.
Das "vor der eigenen Haustür kehren" ist ein guter Vorschlag, Pitti Griffi Della Rovere!
Das "vor der eigenen Haustür kehren" ist ein guter Vorschlag, Pitti Griffi Della Rovere!
Wollen wir in Deutschland maximalen Export und unsere militärische Industrie maximal unterstützen? Wir müssen aufpassen, das wir diese Unternehmen nicht so wichtig für unsere Volkswirtschaft werden lassen, das wir später unsere Außenpolitik nach ihnen richten müssen.
Rüstungsexporte sind noch nicht einmal ansatzweise für die deutsche Wirtschaft "volkswirtschaftlich relevant".
Der Anteil an den deutschen Exporten beträgt den Bruchteil von einem Prozent.
Selbst Rheinmetall verdient mehr Geld als ziviler Automobilzulieferer als mit seinen Rüstungsgütern.
Rüstungsexporte sind noch nicht einmal ansatzweise für die deutsche Wirtschaft "volkswirtschaftlich relevant".
Der Anteil an den deutschen Exporten beträgt den Bruchteil von einem Prozent.
Selbst Rheinmetall verdient mehr Geld als ziviler Automobilzulieferer als mit seinen Rüstungsgütern.
Putin würde sich freuen wenn Deutschland keine Fuchs APCs nach Algerien liefern würde, schließlich stammen fast alle Waffen Algeriens aus Russland...
Es sind ein paar französische, polnische, ägyptische Fahrzeuge und amerikanische Trainer- und Transportflugzeuge dabei aber praktisch 95% sind russischen/sowjetischen Ursprungs.
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