FriedensbewegungOstermärsche gegen Drohnen und Waffenexporte

Der Protest richtet sich gegen Panzer für die Saudis, "Killerdrohnen" für die Bundeswehr und der Krieg in Syrien. An den Märschen nahmen weniger Menschen teil als früher.

Protest gegen die Anschaffung von Kampfdrohnen für die Bundeswehr beim Ostermarsch in Bremen

Protest gegen die Anschaffung von Kampfdrohnen für die Bundeswehr beim Ostermarsch in Bremen  |  ©ngo Wagner/dpa

Tausende Menschen haben in vielen deutschen Städten gegen Waffenexporte, Bundeswehr-Einsätze und die Anschaffung von Drohnen demonstriert. Mit Plakaten, Bannern und bunten Fahnen gingen sie zum Beispiel in Stuttgart, Bremen, Hannover und München auf die Straße. Organisationen der Friedensbewegung hatten zu etwa 40 Märschen, Gottesdiensten und Mahnwachen aufgerufen. Die Zahl der Teilnehmer blieb bei nasskaltem Wetter hinter den Ostermärschen der Vorjahre zurück.

Unter dem Motto Es ist an der Zeit: Sagt Nein! protestierten 800 Menschen in Berlin gegen den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. Anstelle von Schriftbannern hatten viele Teilnehmer selbstgebastelte Drohnenattrappen mitgebracht. In Stuttgart forderten Rüstungsgegner auf Plakaten, die deutsche Kampfpanzer zeigten: "Legt den Leo an die Kette". In Bremen war "Bomben gegen Terroristen treffen Zivilisten" auf einem Transparent zu lesen.

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"Wir sind Stachel im Fleisch der verfehlten Außen- und Sicherheitspolitik der Bundesregierung", sagte der Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, Manfred Stenner. Es seien auch viele kleinere Initiativen beteiligt gewesen, sagte Stenner. Es ginge darum, "die Grundskepsis in der Bevölkerung gegen Krieg und Militär" aufrechtzuerhalten.

Kritik an Bundeswehr-Werbung in Schulen

Weitere Forderungen der Ostermarschierer waren ein Verzicht auf deutsche Rüstungsexporte und auf die Anschaffung von Kampfdrohnen. Eine Absage erteilten Demonstranten den Werbungsaktionen der Bundeswehr an Schulen und Hochschulen. Die Friedensgruppen forderten auch eine friedliche Lösung der Kriege in Mali und Syrien und warnten vor einem drohenden Krieg gegen den Iran.

Für Ostersonntag und -montag sind noch mehr als 80 Veranstaltungen der Friedensbewegung angekündigt.

Ostermärsche gibt es in der Bundesrepublik seit 1960. Damals hatten Pazifisten den Atomraketen-Übungsplatz Bergen-Hohne als Ziel eines Sternmarsches ausgesucht. Die westdeutsche Friedensbewegung hat ihre Wurzeln im Protest gegen das atomare Wettrüsten während des Kalten Krieges. 1983 erlebte sie ihren Höhepunkt mit Hunderttausenden Demonstranten in Bonn, die gegen die Stationierung von amerikanischen Atomraketen protestierten.

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Leserkommentare
    • clammi
    • 30. März 2013 18:14 Uhr

    Neben den allseits bekannten Themen wird wohl mit Mühe nach Neuem gesucht. Drohnen! Jau, das isses!
    Kein Wort allerdings zu Nordkorea. Wenn es also noch eines Beweises bedurfte, warum nach der Wiedervereinigung die Ostermärsche plötzlich schwächeln und die Unterstützung aus dem "Osten".....

    clammi

    4 Leserempfehlungen
  1. Gab es bei diesen Friedensmärschen auf Plakate gegen das Kriegsgeschrei in Nordkorea? Gegen die atomare Aufrüstung in Iran?

    Ich habe auf den spärlichen Fernsehbildern keine derartigen Plakate gesehen; vermutlich deshalb nicht, weil es keine gab. Schlussfolgerung: sehr einseitige bzw. einäugige Veranstaltungen. So, wie damals in Mutlangen und andernorts. Gegen die Pershing wurde demonstriert, gegen die SS20 nicht.

    5 Leserempfehlungen
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    Von Staaten, die in den Medien immer wieder als das ultimative Böse gelten, erwartet man nichts anderes. Von den westlichen Demokratien als selbsternannte Tugendwächter jedoch schon. Wer anderen Moral predigen will, sollte sie erst mal selbst besitzen.

    • va
    • 31. März 2013 10:56 Uhr

    sollte das Motto herrschen: "Deeskalation ohne Schwäche zu zeigen"
    Es ist bezeichnend, dass der Rüstungssektor weltweit zu den gewinnträchtigsten Sparten gehört. Auch Russland gehört für mich noch zu den Ländern, die mit ihrer eigenen Rüstung prahlen. Dass die Ostermärsche sich die Rüstung im eigenen Land vornehmen ist für mich kein Grund diese Bewegung in den Schmutz zu ziehen: Man fängt halt im eigenen Lager an.

    • Rend
    • 30. März 2013 18:22 Uhr

    Es ist auf eine makabere Art und Weise witzig, hier ein Artikel über Friedensproteste und wenn ich nur nach rechts schaue wird mir im Moment gerade ein Videobeitrag "Nordkorea verkündet Kriegszustand mit Südkorea" angezeigt.
    Die Welt ist leider kein Spielplatz, wo alle fröhlich miteinander Händchen halten.
    Nur weil wir plötzlich abrüsten würden, würde davon die Welt nicht sicher.

    3 Leserempfehlungen
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    Wieso sollte Nordkorea auch weiter friedlich auf diese massiven Sanktionen und Hetze gegen sie reagieren?
    Wie man in den Wald reinruft, so schallt es auch heraus. Das mit "der bösen Welt" zu erklären zeugt leider nicht von viel Verständnis für einfache Abläufe.

  2. Von Staaten, die in den Medien immer wieder als das ultimative Böse gelten, erwartet man nichts anderes. Von den westlichen Demokratien als selbsternannte Tugendwächter jedoch schon. Wer anderen Moral predigen will, sollte sie erst mal selbst besitzen.

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  3. So langsam merken auch die harten Idealisten, dass Proteste nichts bringen. Erst muss wie z.B. in Fukushima was schlimmes passieren, damit einigen ein Licht aufgeht. Dann aber wieder muss man sich z.B. Stuttgart 21 anschauen, und man weiß, dass nie was passieren wird, selbst wenn es genug Fakten dagegen gibt.

    Leider gibt es nach Protesten, gerade bei den in sich hineinfressenden Deutschen, nur noch eine andere Möglichkeit solche Probleme zu lösen. Und das ist keine schöne.

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  4. Gegen Drohnen für die Sicherheits Deutschlands zu sein finde ich sehr mutig.

    2 Leserempfehlungen
  5. Wieso sollte Nordkorea auch weiter friedlich auf diese massiven Sanktionen und Hetze gegen sie reagieren?
    Wie man in den Wald reinruft, so schallt es auch heraus. Das mit "der bösen Welt" zu erklären zeugt leider nicht von viel Verständnis für einfache Abläufe.

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    • Rend
    • 30. März 2013 18:40 Uhr

    Sicher? Nicht vielleicht doch Schubladendenken? Hier die bösen Amerikaner, da die verzweifelten hilflosen Nordkoreaner. Die Kim Familie, die regelrecht dazu gezwungen wurde, eine mittlerweile 50 Jahre lange Diktatur zu erschaffen. Naja, jeder macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt.

  6. Vielleicht war die Teilnehmerzahl einfach aufgrund des Wetters geringer als die Jahre zuvor.
    Ich stelle immer mehr fest, dass die Zahl der Kriegsbefürworter steigen.
    Der Krieg wird befürwortet, ohne das sich diese Leute über die Konsequenzen Gedanken machen.
    Würden diese Leute sich beim Kreiswehrersatzamt melden und mitkämpfen, würde ich die Entscheidung respektieren. Stattdessen werden die Söhne und Töchter anderer Leute in den sicheren Tot geschickt.
    Durch die Intervention muss die Zivilbevölkerung leiden und die Infrastruktur dieses Landes kollabiert. Hinzu kommen die Hinterlassenschaften des Krieges, wie Uranmunition, Streubomben,Landminen und unzähligen Handfeuerwaffen die zurückgelassen werden.
    Wir haben es aber geschafft, dass Pazifist und Gutmensch eine Beleidigung geworden sind.
    Heutzutage ist es en vogue ein rechter kriegsbefürwortender Schlechtmensch zu sein. Falls sich einige Leute an der Bemerkung "rechts" stören, sollten Sie im Zusammenhang mit Kriegsgegnern, nicht über die "linken Medien", "68er", "Gutmenschen" und "linke Pseudopazifisten" beschweren.

    7 Leserempfehlungen
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    Ich kann Ihnen nur voll und ganz zustimmen. Wer nach Krieg schreit, soll bitte auch selbst hingehen. Dann merken die Leute vielleicht,dass Krieg kein Actionfilm ist und auch nicht zur Unterhaltung durch die Nachrichten taugt.

    • chri.s
    • 30. März 2013 21:59 Uhr

    was in diversen "links regierten" staaten in den letzten 70 Jahren passierte, als Menschen gegen diese Aufstanden passierte? - Dies wurde hier "im westblock nur dadurch verhindert, dass die USA und z.T die Bundeswehr auf Abschreckung und Stellvertreterkriege setzte.

    Die momentane - glücklicherweise - sehr lange Friedenszeit kommt nicht von ungefähr. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass der letzte Krieg so barbarisch war.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sc
  • Schlagworte Bundesregierung | Drohne | Fleisch | Friedensbewegung | Geschäftsführer | Krieg
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