Peer Steinbrück"Was sozial gerecht ist, ist auch ökonomisch sinnvoll"

Wieso sollte Peer Steinbrück die Wahl gewinnen? Weil die Leute mehr Wir als Ich wollen, erklärt er im Interview. Bliebe nur das Problem mit den Frauen.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbück

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbück

ZEIT ONLINE: Herr Steinbrück, die Eurokrise ist zurück. Wie soll es in Zypern weitergehen?

Peer Steinbrück: Es ist gut, dass die Zyprer ihr Geschäftsmodell offenbar ändern wollen, denn es funktioniert nicht. Das Land kann nicht auf Dauer von Millionärseinlagen, niedrigen Steuern und lockenden, hohen Zinsen leben. Ihre Banken müssen schrumpfen. Deren Risiken dürfen am Ende nicht bei deutschen, niederländischen und französischen Steuerzahlern landen.

Anzeige

ZEIT ONLINE: Zypern hat mit den Russen auch um Beteiligungen an seinen Gasvorkommen verhandelt. Macht Ihnen der wachsende Einfluss Russlands Sorgen?

Peer Steinbrück: Ich will nicht an Vorurteilen mitwirken. Zypern muss sich allerdings entscheiden, ob sein Schwerpunkt innerhalb der EU und der Währungsunion liegt. Das Verhandlungsergebnis von Montag scheint darauf einen Hinweis zu geben.

ZEIT ONLINE: Russland tritt auch im Syrienkrieg als schwer berechenbarer Akteur auf. Was werden die Russen für Europa in den nächsten Jahren sein: Partner oder Rivale?

Peer Steinbrück: Auf jeden Fall Partner, dessen Interessen wir gut kennen und berücksichtigen sollten. Dabei ist einzugestehen, dass unsere westlichen Maßstäbe pluraler Demokratie nicht unmittelbar auf Russland übertragbar sind.

ZEIT ONLINE: Sollte man die Russen etwa nicht auf Demokratiedefizite und Menschenrechtsverletzungen hinweisen?

Peer Steinbrück: Zweifellos. Aber in bilateralen Gesprächen und nicht auf dem Marktplatz. Sonst verspielt man Zugänge, um praktische Fortschritte zu bewirken.

Leser-Kommentare
  1. "Merkel scheint tatsächlich alternativlos zu sein, Steinbrück und seine SPD sind keine Alternative."
    ..die erstmalig zur BTW 13 anterten und eine breite Basis haben. Sie haben im bayrischen Landtag 10,1%, dort sind sie die Alternative zur CSU un dhaben 15 Landräte.
    siehe auch www.freiewaehler.eu

    und ein Interview heute in der Welt
    http://www.welt.de/politi...

    Eine Leser-Empfehlung
  2. PS (Peer Steinbrück) ist die beste Brain-Power der Deutschen Politik. Merkel weiss das; ist ihr schmerzlich bewusst, weil PS verlauten liess, er stünde in einer neuen Grossen Koalition nur als Koch, nicht als Kellner zur Verfügung. Blöde Entscheidung aus reiner Wahltaktik-Dramaturgie. Es stellt sich allerdings die Frage, ob seine eigene Partei ( was war das doch noch grade ? ) hinter ihm steht, und ihm nicht nur vordergründig den Apparat zur Verfügung steht, sondern eben auch inhaltlich hinter und neben ihm steht, wobei Steinmayer, vom selben Kaliber, immer noch seine eigene Show spielt, anstatt gemäss "Beschlusslage" Steinbrücks Lied zu singen. Schwierig, aber machbar, die unentbehrlichen Sozialdemokraten müssen sich nur mal einig werden. Geht es so weiter, wird die CDU stärkste Partei, Merkel, herrenlos, wählt sich einen Junior, aber dann, leider : NICHT STEINBRÜCK ! Jammerschade, denn gerade DA hätte ich die optimale politische Symbiose gesehen. Warum werden solche Chancen vertan von Leuten wie Merkel, Steinbrück, Steinmayer, die sich bestens kennen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/sam

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/sam

    • Rudi01
    • 26.03.2013 um 13:10 Uhr

    Peer Steinbrück : "Was sozial gerecht ist, ist auch ökonomisch sinnvoll"

    Es tut mir leid, ich würde das herzlich gern glauben wollen, aber das Statement ist von vorn bis hinten Stuss, ausgerichtet auf ein Publikum, das nicht selbst denken mag.

    Selbstverständlich gibt es einen heftigen Widerstreit zwischen dem, was ökonomisch sinnvoll ist, und dem, was sozial gerecht (und human, und nachhaltig, und moralisch gerechtfertigt ist.

    Und selbstverständlich weiss Steinbrück das.

    Sklavenarbeit und Ausbeutung sind ökonomisch "sinnvoll". Das Veräppeln von Mitarbeitern und Kunden mit dummdreisten Parolen und zu niedrigen Löhnen ist "ökonomisch sinnvoll". Kurz gesagt: Besch... ist "ökonomisch sinnvoll".

    Der gesamte Daseinszweck der SPD besteht exakt darin, den Konflikt zwischen dem, was "ökonomisch sinnvoll" ist, und dem, was sozial gerecht ist, zu entschärfen und daraus ein für Arbeit"geber" und Arbeit"nehmer" gleichermassen erträgliches Verhältnis zu entwickeln.

    Wenn Steinbrück schon nicht mehr weiss, wozu es seine eigene Partei gibt, und dass deren Aufgabe darin besteht, diesen ewigen Konflikt im Zaume zu halten, dann weiss man ja bereits jetzt, was von einer Regierung mit SPD-Beteiligung zu erwarten wäre.

    3 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zitat Duden 7. Auflage
    "Öko|no|mie, die; -, -n [lat. oeconomia = gehörige Einteilung < griech. oikonomía = Haushaltung, Verwaltung]:

    1. (veraltend) Wirtschaftswissenschaft, -theorie:
    politische Ö. (Wirtschaftswissenschaft [die außer den wirtschaftlichen auch politische, soziale u. kulturelle Faktoren in ihrer Wechselwirkung untersucht]).

    2. Wirtschaft, wirtschaftliche Struktur (eines bestimmten Gebiets).

    3. Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit; sparsames Umgehen mit etw., rationelle Verwendung od. rationeller Einsatz von etw.:
    sprachliche Ö.

    4. (österr., sonst veraltet) landwirtschaftlicher Betrieb.

    Zitat Duden 7. Auflage
    "Öko|no|mie, die; -, -n [lat. oeconomia = gehörige Einteilung < griech. oikonomía = Haushaltung, Verwaltung]:

    1. (veraltend) Wirtschaftswissenschaft, -theorie:
    politische Ö. (Wirtschaftswissenschaft [die außer den wirtschaftlichen auch politische, soziale u. kulturelle Faktoren in ihrer Wechselwirkung untersucht]).

    2. Wirtschaft, wirtschaftliche Struktur (eines bestimmten Gebiets).

    3. Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit; sparsames Umgehen mit etw., rationelle Verwendung od. rationeller Einsatz von etw.:
    sprachliche Ö.

    4. (österr., sonst veraltet) landwirtschaftlicher Betrieb.

    • RGFG
    • 26.03.2013 um 13:11 Uhr

    dass Sie deswegen weiterhin unter einer real-schlechten konservative Regierung leiden dürfen, statt eine fiktiv-ideale SPD-Regierung zu bekommen, nur weil Ihnen eine zähneknirschend-erträgliche Rot-Grün-Regierung nicht gut genug war.

    6 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Nie mehr Kanzler"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Rudi01
    • 26.03.2013 um 13:21 Uhr

    Seit wann haben wir denn eine _konservative_ Regierung?

    "Konservieren" heisst bewahren, und diese Regierung, und die davor ebenfalls, ist weit davon entfernt, hierzulande irgendetwas zu "bewahren".

    Was wir seit mehr als 15 Jahren beobachten dürfen, ist eine kontinuierliche Demontage von allen positiven Zivilisationsleistungen, die in den letzten 150 Jahren erreicht worden sind. Im Moment arbeitet diese "konservative" Regierung emsig an der Zerstörung der Europäischen EInheit und an der Demontage des breiten Wohlstandes, der zwischen 1950 und 1980 erreicht wurde.

    Was wir von dieser "konservativen" Regierung erleben dürfen, ist eine zuvor unvorstellbare Rolle rückwärts zugunsten der 5-10% Bestgestellten in diesem Lande, und zu Lasten des weitaus größten Teils der Bevölkerung.

    "Und ich bin gespannt, wann Ihnen auffällt, dass Sie deswegen weiterhin unter einer real-schlechten konservative Regierung leiden dürfen, statt eine fiktiv-ideale SPD-Regierung zu bekommen, nur weil Ihnen eine zähneknirschend-erträgliche Rot-Grün-Regierung nicht gut genug war."

    Nun ja - ich traue einer FDP bei der freiheitlichen Netzpolitik immer noch mehr zu als der SPD. Aber die Frage nach Rot-Grün stellt sich ja offenbar auch gar nicht, da sich die SPD schon jetzt wieder aufführt wie die Juniorpartnerin in einer Großen Koalition. Und eins ist klar: im Sinne einer liberalen Netzpolitik ist alles besser als eine Große Koalition. Denken Sie einmal an das Zugangserschwerungsgesetz, das in der SPD heute immer noch einige toll finden.

    Wenn für Rot-Grün jedoch wider Erwarten doch noch ein Sieg möglich scheint, werde ich Grün wählen, um Konstantin Notz & Co so stark zu machen wie nur möglich.

    • Rudi01
    • 26.03.2013 um 13:21 Uhr

    Seit wann haben wir denn eine _konservative_ Regierung?

    "Konservieren" heisst bewahren, und diese Regierung, und die davor ebenfalls, ist weit davon entfernt, hierzulande irgendetwas zu "bewahren".

    Was wir seit mehr als 15 Jahren beobachten dürfen, ist eine kontinuierliche Demontage von allen positiven Zivilisationsleistungen, die in den letzten 150 Jahren erreicht worden sind. Im Moment arbeitet diese "konservative" Regierung emsig an der Zerstörung der Europäischen EInheit und an der Demontage des breiten Wohlstandes, der zwischen 1950 und 1980 erreicht wurde.

    Was wir von dieser "konservativen" Regierung erleben dürfen, ist eine zuvor unvorstellbare Rolle rückwärts zugunsten der 5-10% Bestgestellten in diesem Lande, und zu Lasten des weitaus größten Teils der Bevölkerung.

    "Und ich bin gespannt, wann Ihnen auffällt, dass Sie deswegen weiterhin unter einer real-schlechten konservative Regierung leiden dürfen, statt eine fiktiv-ideale SPD-Regierung zu bekommen, nur weil Ihnen eine zähneknirschend-erträgliche Rot-Grün-Regierung nicht gut genug war."

    Nun ja - ich traue einer FDP bei der freiheitlichen Netzpolitik immer noch mehr zu als der SPD. Aber die Frage nach Rot-Grün stellt sich ja offenbar auch gar nicht, da sich die SPD schon jetzt wieder aufführt wie die Juniorpartnerin in einer Großen Koalition. Und eins ist klar: im Sinne einer liberalen Netzpolitik ist alles besser als eine Große Koalition. Denken Sie einmal an das Zugangserschwerungsgesetz, das in der SPD heute immer noch einige toll finden.

    Wenn für Rot-Grün jedoch wider Erwarten doch noch ein Sieg möglich scheint, werde ich Grün wählen, um Konstantin Notz & Co so stark zu machen wie nur möglich.

    • kimiko
    • 26.03.2013 um 13:12 Uhr

    Für Frauen ist dieser Altherrenverein schon lange nicht wählbar!

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Der Frauen-Peer-Steher"
  3. Weil die Leute mehr Wir als Ich wollen, erklärt er im Interview.

    Das wollen vielleicht "die Leute".
    Das will aber nicht unser guter P€€r.
    Also kein wirklich gutes Argument [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/sam

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/sam

    Entfernt. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/sam

  4. 63. Spagat

    Was sozial gerecht ist, ist nicht automatisch ökonomisch sinnvoll.
    Ökonomisch und Sozial rhetorisch auf eine Stufe zu stellen, kann in der Realität einen Spagat bedeuten, der zum Dammriss führt. Damit sollte man nicht kokettieren.

    Wenn etwas ökonomisch sinnvoll, aber sozial nicht gerecht ist, was glauben Sie wie sich Steinbrück entscheidet.
    Ansonsten ist es eine demagogische Phrase, die nur einen Appell enthält.

    Hauptsache "sozial" kommt darin vor.

    Was die Partei Die Linke betrifft, gebe ich Ihnen völlig recht.

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Tut mir leid, aber"
  5. Steinbrücks Arroganz ist ja schon sprichwörtlich.

    In der Peerblog-Affäre hat er glatt gelogen.

    Und politisch geht er am Gängelband von Frau Nahles.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    „In der Peerblog-Affäre hat er glatt gelogen.“

    Du liebe Güte, die Peerblog-„Affäre“... Er soll Merkel ja auch mal getextet haben, er ständ im Stau, dabei war er noch einkaufen! Abgesehen davon, dass der Nachweis m.W. nicht erbracht ist: Wenn das die einzige Lüge ist, bei der er ertappt wurde, würde ich ihn sofort bedenkenlos wählen. Soviel Ehrlichkeit bekommt man nicht alle Tage.

    „In der Peerblog-Affäre hat er glatt gelogen.“

    Du liebe Güte, die Peerblog-„Affäre“... Er soll Merkel ja auch mal getextet haben, er ständ im Stau, dabei war er noch einkaufen! Abgesehen davon, dass der Nachweis m.W. nicht erbracht ist: Wenn das die einzige Lüge ist, bei der er ertappt wurde, würde ich ihn sofort bedenkenlos wählen. Soviel Ehrlichkeit bekommt man nicht alle Tage.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service