Philipp Rösler nach seiner Wiederwahl als FDP-Chef ©REUTERS/Fabrizio Bensch

So sieht einer aus, der wieder Spaß an der Sache hat. Entspannt steht Philipp Rösler am Rednerpult. Seine Bewerbungsrede um die Wiederwahl als Vorsitzender hält er frei. Röslers Stimme hebt und senkt sich an den richtigen Stellen. Er ruft Sätze mit Kultcharakter wie diesen: "Deutschland ist das coolste Land der Welt." Im Rückblick auf seine bisherige Amtszeit gesteht der Vorsitzende Fehler ein: "Es gab manchmal auch echt doofe Abende, an denen man sich grundsätzliche Fragen gestellt hat."

Bemerkenswert ist, mit welcher Ruhe und mit welchem Selbstbewusstsein Rösler an diesem Samstagmittag über die schwere Zeit spricht, die hinter ihm liegt. Für Fehler hat er sich auch in vorangegangenen Reden schon entschuldigt. Aber nie mit solcher Zuversicht, dass sich das monatelange Durchhalten im Amt auch gelohnt hat. Der Unterschied zum verunsicherten Parteichef beispielsweise, den die Liberalen noch Anfang Januar auf dem traditionellen Dreikönigstreffen erlebten, ist frappierend. Nein, es scheint nach dieser Parteitagsrede fast, als sei der freundliche, witzige Rhetoriker, den die FDP 2011 zu ihrem Parteichef wählte, wieder da.

Ein paar Stunden später. Wiederwahl des Bundesvorsitzenden, es gibt keinen Gegenkandidaten. 85,7 Prozent der 600 Delegierten stimmen für Rösler. Ein sehr ordentliches Ergebnis in Anbetracht der Kritik der vergangenen Monate. Der neue Vorsitzende freut sich, winkt in den Raum. "Ich glaube, das wird ein gutes Jahr", sagt er noch.

Triumph am Tag, als er eigentlich abgewählt werden sollte

Wie wundersam ist doch die Auferstehung, die die FDP an diesem Samstag im Berliner Hotel Estrel erlebt. Schließlich bejubelt die Partei ausgerechnet den Mann, den sie vor einigen Wochen noch schnellstmöglich loswerden wollte. Es ist der Tag, an dem Philipp Rösler eigentlich abgewählt werden sollte. Es waren Röslers schärfste Kritiker gewesen, die diesen vorgezogenen Parteitag gefordert hatten, um eine neue Parteiführung zu wählen. Jetzt geht ausgerechnet der Vorsitzende gestärkt aus dem Delegiertentreffen hervor.

Das viele Lob und die Aufmunterung, die Rösler derzeit von den Delegierten entgegengebracht wird, ist nicht geheuchelt. Und gleichzeitig leiden die Liberalen keineswegs an akuter Demenz. Sie haben natürlich nicht vergessen, wie erfolglos der Vorsitzende gewesen ist. Die FDP liegt in den Umfragen weiterhin bei unter fünf Prozent, die Parteiführung ist zerstritten. Auch darum, welche inhaltlichen Schwerpunkte im Wahlkampf gesetzt werden sollen – Stichwort Mindestlohn – wird gerungen. Nichts ist gut, nichts ist bequem, nichts ist harmonisch bei der FDP.