BundestagswahlNahles entmachtet Steinbrücks Wahlkampfteam

Die Pannen bei Peer Steinbrücks Wahlkampagne haben Konsequenzen: SPD-Generalsekretärin Nahles übernimmt die Wahlkampfleitung, Steinbrücks Leute verlieren an Einfluss.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles

Nach mehreren Pannen in der Kampagne von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat Generalsekretärin Andrea Nahles durchgegriffen und die Wahlkampfleitung an sich gezogen.

Nahles verschickte in der SPD-Zentrale eine Hausmitteilung mit einem Organigramm der Wahlkampfzentrale Kampa. In den Erläuterungen dazu heißt es: "Die Wahlkampfleitung liegt bei der Generalsekretärin." Demgegenüber sollen enge Vertraute Steinbrücks einige ihrer bisherigen Zuständigkeiten verlieren.

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Die formale Wahlkampfleitung steht der Generalsekretärin laut Parteistatut ohnehin zu. Bisher galt jedoch Steinbrücks Berater Heiko Geue als "operativer Wahlkampfleiter". Im neuen Organigramm ist Geue nun Leiter der "Kampagne Kanzlerkandidat". Leitungsfunktionen haben auch Michael Donnermeyer für die "Kommunikation Kanzlerkandidat" inne und Stephan Schweitzer als Technischer Leiter der Kampagne.

"Wir wollen ja gewinnen"

Öffentlich spielte Nahles die Umstrukturierung herunter. "Wir haben tatsächlich die Bündelung der Kräfte jetzt noch mal gemacht. Wir wollten in den Angriffsmodus umschalten", sagte Nahles. Daher gebe es eine einvernehmliche Vereinbarung mit Steinbrück und Parteichef Sigmar Gabriel "auf eine neue Wahlkampf-Aufstellung". Auf die Frage, ob nun alles besser werde, entgegnete Nahles: "Dass alles besser wird, ist sowieso klar. Wir wollen ja gewinnen."

In der Mitteilung an die Mitarbeiter kündigte Nahles an, man wolle "jetzt noch eine Schippe drauflegen und konsequent auf Angriffsmodus umschalten". Die Kräfte müssten "auf das klare Ziel ausgerichtet werden, Peer Steinbrück zum nächsten Bundeskanzler" zu machen. In den Erläuterungen wird indirekt eine enge Abstimmung zwischen Nahles und den Beratern Steinbrücks festgelegt: "Die Leiter 'Kampagne Kanzlerkandidat' sowie 'Kommunikation Kanzlerkandidat' und die Generalsekretärin stehen in ständigem Austausch miteinander", heißt es.

 
Leser-Kommentare
    • rsi99
    • 04.03.2013 um 17:30 Uhr

    ob das ein Schritt nach vorn ist

    3 Leser-Empfehlungen
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    • vyras
    • 04.03.2013 um 18:12 Uhr

    "Bin gespannt ob das ein Schritt nach vorn ist"

    Ganz sicher. Gestern stand man noch am Abgrund, heute ist man einen Schritt weiter.

    Agiert Frau Nahles aus dem Hintergrund statt auf der Hauptbühne wäre "keine Konsequenzen" eine Hoffnung.

    Ansonsten... - mir hat gerade der vermeintliche Pannenpeer gefallen.

    • vyras
    • 04.03.2013 um 18:12 Uhr

    "Bin gespannt ob das ein Schritt nach vorn ist"

    Ganz sicher. Gestern stand man noch am Abgrund, heute ist man einen Schritt weiter.

    Agiert Frau Nahles aus dem Hintergrund statt auf der Hauptbühne wäre "keine Konsequenzen" eine Hoffnung.

    Ansonsten... - mir hat gerade der vermeintliche Pannenpeer gefallen.

  1. ansprechend wird könnte man sich überlegen die untätige CDU mit der Lobbypartei abzuwählen. Matürlich muss sich auch das Umsetzen der wie so oft vernachlässigten Versprechen dargestellt werden. Die Partei Architektur ist sowieso besser bei der CDU da ist keine feudal Herschaft wie bei Dr. Merkel. Die Schweiz hat heute gezeigt wie man Soziale Gerechtigkeit umsetzt. Doppelte Staatsangehörigkeit wird sowieso nur den Partei rechten dienlich sein. Die SPD muss an ihren Themen festhalten und wie sie es umsetzen will nennen. Ansonsten droht Europa ein Weltkrieg wenn alle Merkel hassen beginnen, könnten.

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  2. ... wie abgehoben der politik vom Rest des Landes ist.

    Die Bürger wollen Lösungen für die drängendstens Probleme, die Politik überlegt, wie sie am besten den Wahlkampf organisiert.

    Würde Politik einfach und vor allem ehrlich die Lösungsansätze der jeweiligen Partei benennen, reichte das an Wahlkampf.

    Da dies aber nicht geschieht, vermute ich, im Wahlkampf geht es eher darum, so ZU TUN als ob man die Probleme lösen wolle und könne und das man die geeigneten Leute dafür hat.

    Kein Wunder, dass Politik und Bürger immer seltener zueinanderfinden.

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    • 15thMD
    • 04.03.2013 um 17:50 Uhr

    Die meist verkaufe Tageszeitung Deutschlands wird wohl kaum über Lösungsansätze berichten und journalistisch hochwertige Analysen abdrucken. Am Ende interessiert es die Mehrheit wohl kaum. Es geht immer nur um die Außendarstellung.

    Politiker setzen keine Parteiprogramme um, weil keinen die Parteiprogramme interessieren.

    Während Steinbrück ernsthafte Themen anspricht, hat sich Frau Merkel verkrochen und man hört seit Wochen nichts von ihr. Dennoch verliert Steinbrück immer mehr an Beliebtheit und die Bundeskanzlerin ist die beliebteste Politikerin im Bund.

    Natürlich macht er nicht die beste Figur und glauben Sie mir, ich bin kein Steinbrück-Fan. Aber das hat er wirklich nicht verdient.

    "Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair." Franz Müntefering.

    Ehrlich und peinlich zugleich.

    Würde Politik einfach und vor allem ehrlich die Lösungsansätze der jeweiligen Partei benennen, reichte das an Wahlkampf.

    Ich würde mir ja wünschen, Klüger, dass Sie recht haben. Leider ist die Realität eine andere - mit sachlichen Argumenten sind Wahlen nicht zu gewinnen, da ist schon die Journaille vor. Denn die ist (unabhängig davon, um welche Partei es gerade geht) weitgehend auf Klamauk und Quote ausgelegt; das beginnt schon kurz nach einer Wahl mit der Zuspitzung auf das Thema, wer denn in 4 Jahren Kanzlerkandidat der Opposition werden wird, und erschöpft sich im Wahlkampf nahezu darin, welcher Kandidat in welche Fettnäpfchen getreten ist, und, wenn der Hype dann abzuebben droht, wie die böse Presse (gemeint jeweils "die anderen") sich daran aufgeilt. Berlusconi lässt grüßen (es gibt aber genug Beispiele im eigenen Land).

    Fazit: Die Demokratie ist eine Sch...-Staatsform. Mir fällt nur leider auch keine bessere ein.

    Wahlen werden durch Charisma, wenn nicht gar durch Demagogie, gewonnen. Denn mit der Befassung mit Sachthemen ist vermutlich eine Mehrheit der Wählerschaft und ein Großteil der Presse überfordert.

    • 15thMD
    • 04.03.2013 um 17:50 Uhr

    Die meist verkaufe Tageszeitung Deutschlands wird wohl kaum über Lösungsansätze berichten und journalistisch hochwertige Analysen abdrucken. Am Ende interessiert es die Mehrheit wohl kaum. Es geht immer nur um die Außendarstellung.

    Politiker setzen keine Parteiprogramme um, weil keinen die Parteiprogramme interessieren.

    Während Steinbrück ernsthafte Themen anspricht, hat sich Frau Merkel verkrochen und man hört seit Wochen nichts von ihr. Dennoch verliert Steinbrück immer mehr an Beliebtheit und die Bundeskanzlerin ist die beliebteste Politikerin im Bund.

    Natürlich macht er nicht die beste Figur und glauben Sie mir, ich bin kein Steinbrück-Fan. Aber das hat er wirklich nicht verdient.

    "Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair." Franz Müntefering.

    Ehrlich und peinlich zugleich.

    Würde Politik einfach und vor allem ehrlich die Lösungsansätze der jeweiligen Partei benennen, reichte das an Wahlkampf.

    Ich würde mir ja wünschen, Klüger, dass Sie recht haben. Leider ist die Realität eine andere - mit sachlichen Argumenten sind Wahlen nicht zu gewinnen, da ist schon die Journaille vor. Denn die ist (unabhängig davon, um welche Partei es gerade geht) weitgehend auf Klamauk und Quote ausgelegt; das beginnt schon kurz nach einer Wahl mit der Zuspitzung auf das Thema, wer denn in 4 Jahren Kanzlerkandidat der Opposition werden wird, und erschöpft sich im Wahlkampf nahezu darin, welcher Kandidat in welche Fettnäpfchen getreten ist, und, wenn der Hype dann abzuebben droht, wie die böse Presse (gemeint jeweils "die anderen") sich daran aufgeilt. Berlusconi lässt grüßen (es gibt aber genug Beispiele im eigenen Land).

    Fazit: Die Demokratie ist eine Sch...-Staatsform. Mir fällt nur leider auch keine bessere ein.

    Wahlen werden durch Charisma, wenn nicht gar durch Demagogie, gewonnen. Denn mit der Befassung mit Sachthemen ist vermutlich eine Mehrheit der Wählerschaft und ein Großteil der Presse überfordert.

  3. sondern den Kandidaten muss sie austauschen sonst wird das nichts mit regieren ab Oktober ;-)

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    "konsequent auf Angriffsmodus umschalten"

    Dazu müsste Steinbrück weg, oder einen Kniefall vor der Sozialdemokratie machen in dem er die Abkehr von der unseligen Agenda (Hartz-IV, Ausbau von Minijobs und Leoharbeit) und dem neoliberalen Marktradikalismus nebst Bankenderegulierung schwört. Beides wird nicht passieren, die SPD wird weiter an Bedeutung verlieren.

    "konsequent auf Angriffsmodus umschalten"

    Dazu müsste Steinbrück weg, oder einen Kniefall vor der Sozialdemokratie machen in dem er die Abkehr von der unseligen Agenda (Hartz-IV, Ausbau von Minijobs und Leoharbeit) und dem neoliberalen Marktradikalismus nebst Bankenderegulierung schwört. Beides wird nicht passieren, die SPD wird weiter an Bedeutung verlieren.

  4. Na denn, liebe SPD, ist der Wahlsieg futsch! Viel Spaß in der Opposition.

    MfG
    FT

    9 Leser-Empfehlungen
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    Es wäre schön, wenn es darauf hinauslaufen würde, das beide großen Parteien dermassen einen gefegt bekommen, sprich um die 20%, das wäre was. Dann möchte ich mal sehen, was dann abgeht in Berlin!!!

    was Gabriel von Nahles hält, ist gemeinhin bekannt. Nicht viel, ist zu nett gesagt.
    Steinbrück geht es genauso; er nimmt Nahles doch gar nicht Ernst.
    Jetzt versucht sie den Vortragsmillionär (20 K pro Stunde!) auf ihren línken Kurs zu trimmen, wobei alle altlinken Forderungen sowieso durch die Bestimmungen des VErfg. gekippt werden (derzeit: Ungleichbehandlung von Vermögensarten bei der ERb.steuer rechtswidrig , insofern eine Verst. problematisch)

    Es wäre schön, wenn es darauf hinauslaufen würde, das beide großen Parteien dermassen einen gefegt bekommen, sprich um die 20%, das wäre was. Dann möchte ich mal sehen, was dann abgeht in Berlin!!!

    was Gabriel von Nahles hält, ist gemeinhin bekannt. Nicht viel, ist zu nett gesagt.
    Steinbrück geht es genauso; er nimmt Nahles doch gar nicht Ernst.
    Jetzt versucht sie den Vortragsmillionär (20 K pro Stunde!) auf ihren línken Kurs zu trimmen, wobei alle altlinken Forderungen sowieso durch die Bestimmungen des VErfg. gekippt werden (derzeit: Ungleichbehandlung von Vermögensarten bei der ERb.steuer rechtswidrig , insofern eine Verst. problematisch)

  5. völlig anders. Die Frage ist nun, wer hat Recht? ich frage mich immer wieder, wie zu gleichen Themen soch unterschiedliche Artikel rauskommen können. Das hört sich hier wieder an, als wenn die Rechte nicht wüsste was die Linke tut. Nun ja, wird mit Frau Nahle jetzt besser.

  6. "Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab."

    9 Leser-Empfehlungen
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    Wie sprechen Sie denn hier von Frau Nahles?!? ;-)

    Wie sprechen Sie denn hier von Frau Nahles?!? ;-)

  7. >> SPD-Generalsekretärin Nahles übernimmt die Wahlkampfleitung <<

    >> Die formale Wahlkampfleitung steht der Generalsekretärin laut Parteistatut ohnehin zu. <<

    ... demnach die Wahlkampfleitung, die ihr ohnehin zusteht?

    Du liebe Zeit, und deswegen wird man geweckt? Ich dachte schon, es wäre was passiert.

    6 Leser-Empfehlungen
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    finde ich noch eine angenehmere Erscheinung in diesem Dschungel voller Affen...mit einem brüllenden Gorilla vorne weg..

    "Du liebe Zeit, und deswegen wird man geweckt? Ich dachte schon, es wäre was passiert."

    Bei diesem Satz habe ich dennoch sehr gelacht...

    Grüße

    "Du liebe Zeit, und deswegen wird man geweckt? Ich dachte schon, es wäre was passiert."

    Wir erleben gerade das öffentliche Eingeständnis der sPD, 2013 auf keinen Fall Regierungsverantwortung übernehmen zu wollen/können.

    MfG
    biggerB

    finde ich noch eine angenehmere Erscheinung in diesem Dschungel voller Affen...mit einem brüllenden Gorilla vorne weg..

    "Du liebe Zeit, und deswegen wird man geweckt? Ich dachte schon, es wäre was passiert."

    Bei diesem Satz habe ich dennoch sehr gelacht...

    Grüße

    "Du liebe Zeit, und deswegen wird man geweckt? Ich dachte schon, es wäre was passiert."

    Wir erleben gerade das öffentliche Eingeständnis der sPD, 2013 auf keinen Fall Regierungsverantwortung übernehmen zu wollen/können.

    MfG
    biggerB

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