Soziale GerechtigkeitReiche, zahlt mehr Steuern!

Rot-Grün und einzelne CDU-Politiker wollen die Steuern erhöhen. Zu Recht. Denn vor allem Betuchte müssen wieder mehr zum Gemeinwohl beitragen, kommentiert Ludwig Greven.

Steuern zahlt niemand gerne. Aber es gibt wohl kaum jemand, der sich nicht schon einmal darüber geärgert hat, dass öffentliche Schwimmbäder, Büchereien und Theater geschlossen werden, weil die Kassen der Gemeinden leer sind, dass Zehntausende Kita-Plätze fehlen, dass es zu wenig Lehrer gibt, dass die Zustände in Alters- und Pflegeheimen oft menschenunwürdig sind, und dass Züge ausfallen, weil die Bahn nicht genug Geld hat. Kurz: dass die öffentliche Armut in einem der wohlhabendsten Ländern der Erde zunimmt, während der private Reichtum eines Teils der Gesellschaft wächst.

Aber gibt der Staat nicht zu viel aus und nimmt er nicht schon mehr als genug ein? Hören und lesen wir nicht ständig von sprudelnden Steuereinnahmen, die Politiker dazu verlocken, die Senkung von Steuern zu fordern? Wieso aber fehlt dem Staat dann dennoch offensichtlich Geld an vielen Ecken und Enden? Wieso nimmt er weiter jedes Jahr viele Milliarden an Schulden auf?

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Weil, kurz gesagt, viele staatliche Ausgaben schlicht notwendig sind. Nur hartnäckige Anhänger des neoliberalen Irrglaubens sind noch der Ansicht, allein ein schlanker Staat sei ein guter Staat. Dabei hat gerade die Finanz- und Euro-Krise gezeigt, wie wichtig ein Staat ist, der steuernd eingreifen kann. Erinnert sei an die Konjunkturpakete der Großen Koalition.

Ein handlungsfähiger Staat benötigt die entsprechenden Mittel. Vermögende sind auf gute öffentliche Schulen und Kliniken, auf öffentliche Sicherheit und Subventionen für Theater und Konzerthäuser, auf einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr nicht angewiesen. Alle anderen schon.

Notwendige Ausgaben

Natürlich kann und muss man immer wieder über die staatlichen Aufgaben diskutieren. In manchen Bereichen ließen sich sicher Ausgaben streichen, die staatliche Verwaltung könnte noch effizienter arbeiten, die Politik neigt zur Selbstbedienung. So gut wie jeder Versuch, an irgendwelchen Stellen in größerem Umfang zu sparen, stößt allerdings auf oft durchaus berechtigte Widerstände. Bei der Stromsteuer zum Beispiel werden ausgerechnet energieintensive Betriebe geschont – Milliarden-Subventionen. Aber wollen wir, dass diese Branchen ins Ausland abwandern? Die Pendlerpauschale mag ökologisch ein Irrsinn sein. Aber dürfen Bürger dafür bestraft werden, dass sie nicht in der Nähe ihres Arbeitsortes wohnen? Der neue Berliner Flughafen mag am Ende viel zu teuer werden. Aber soll die Hauptstadt dauerhaft ohne funktionierenden Großflughafen bleiben?

Ludwig Greven

ist Politik-Redakteur von ZEIT ONLINE.
 

Die Energiewende, die Alterung der Gesellschaft und die unübersehbaren Mängel im Bildungs- und Gesundheitssystem verlangen zudem eher mehr als weniger Ausgaben. Wer also weniger Staat predigt, müsste genau sagen, wo er was streichen und was er den Bürgern und der Gemeinschaft wegnehmen will.

Der Staat ist nicht der Moloch, als der er gern beschrieben wird, sondern ein Regulativ, ohne das eine solidarische Gesellschaft nicht auskommt. Wozu es führt, immer mehr dem Markt zu überlassen, hat nicht zuletzt die Deregulierung der Finanzmärkte in den neunziger Jahren gezeigt. Erst dadurch konnten die Exzesse der Banken und Spekulanten entstehen, für die dann die Steuerzahler aufkommen mussten.

Ähnlich ist es in der Euro-Krise. Sie beruht im Wesentlichen darauf, dass Banken Ländern Milliardenkredite gewährt haben, die diese absehbar gar nicht zurückzahlen konnten. Für die Folgen haftet nun wiederum der Staat. Um die faulen Kredite zu decken und notleidende Banken bei uns und in den überschuldeten Euro-Ländern zu retten, nimmt er weitere Schulden auf. Auch dafür werden am Ende die Bürger bezahlen müssen, entweder in Form höherer Steuern oder gestrichener staatlicher Leistungen. Von den Zinsen hingegen, die der deutsche Staat für seine mittlerweile mehr als zwei Billionen Euro an Schulden entrichten muss, profitieren vor allem Banken, Investmentfonds und private Anleger, ebenso wie von den vorangegangenen Steuersenkungen.

Leser-Kommentare
    • va
    • 30.03.2013 um 12:04 Uhr

    Damit unsere Gesellschaft funktioniert müssen viele Komponenten aufeinander abgestimmt werden. Ich bin schon dafür, dass Jahresgehälter wie z.B. Josef Ackermann eins bezieht, stärker besteuert werden müssen. Der Artikel zählt eine ganze Reihe von Fakten auf ohne dass letztendlich klar wird, welche Massnahme gut greift und welche gerechtfertigt ist. Wir müssen uns an die Tatsache gewöhnen, dass wenn man an einer Schraube unseres Wirtschaftssystems dreht, sich viele Dinge ändern auch zum Unerwünschten. Staatsschulden und nachfolgendes "Gelddrucken" bewirken auch den Vorteil, dass Sachwerte und z.B. handwerkliche Fähigkeiten in den Vordergrund gerückt werden. Die Allmacht des Geldes wird durch gemäßigte Inflation reduziert.

    Eine Leser-Empfehlung
    • msknow
    • 30.03.2013 um 12:06 Uhr

    50 % Steuern? Wer denn? Wo denn?
    Wer nimmt denn den plakativen Steuersatz zur Diskussionsgrundlage. Hier ist es wohl zweckmäßig, die Ausnahmetatbestände heranzuziehen. Steuergerechtigkeit fängt damit an, dass Alles für Alle und gleichermaßen gilt. Ohne Höchstbemessungsgrenze und Abschreibungen. Betriebswirtschaft ist eben keine Volkswirtschaft.
    Dann könnten wir uns einen flockigen Steuersatz von 20 % auf Alles leisten. Dann behält auch der Letzte die Übersicht. Und es werden eben nicht nur die mittleren und kleineren Schichten belastet am Gemeinschaftsaufkommen.
    Die Parasiten sind nicht unten sondern oben zu suchen!

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Ökonomisch falsch"
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    "50 % Steuern? Wer denn? Wo denn?"
    -------------------------
    "Abgaben" muss es heißen - wenn vom Brutto weniger als die Hälfte übrigbleibt.

    • gquell
    • 30.03.2013 um 12:42 Uhr

    Wenn wir von Steuern reden, dann müssen wir von der Gesamtbelastung durch Steuern reden. Und das sind viel mehr als der Spitzensteuersatz. In jedem Produkt, was wir kaufen, haben wir auch noch einen Steueranteil. Besonders hoch ist dieser bei der Energie und beim Sprit. Die Staatsquote kann in Deutschland so locker 70% erreichen!

    "50 % Steuern? Wer denn? Wo denn?"
    -------------------------
    "Abgaben" muss es heißen - wenn vom Brutto weniger als die Hälfte übrigbleibt.

    • gquell
    • 30.03.2013 um 12:42 Uhr

    Wenn wir von Steuern reden, dann müssen wir von der Gesamtbelastung durch Steuern reden. Und das sind viel mehr als der Spitzensteuersatz. In jedem Produkt, was wir kaufen, haben wir auch noch einen Steueranteil. Besonders hoch ist dieser bei der Energie und beim Sprit. Die Staatsquote kann in Deutschland so locker 70% erreichen!

  1. 19. Abgaben

    "50 % Steuern? Wer denn? Wo denn?"
    -------------------------
    "Abgaben" muss es heißen - wenn vom Brutto weniger als die Hälfte übrigbleibt.

    Antwort auf "Ökonomisch richtig"
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    • det-c
    • 30.03.2013 um 15:02 Uhr

    Das ist doch wieder leicht zu durchschauen, wenn in dem Artikel locker gewechselt wird von Steuern (bloß 25% und bloß 15%) und dann zu Abgaben (über 50%)

    • det-c
    • 30.03.2013 um 15:02 Uhr

    Das ist doch wieder leicht zu durchschauen, wenn in dem Artikel locker gewechselt wird von Steuern (bloß 25% und bloß 15%) und dann zu Abgaben (über 50%)

  2. Es gibt genügend Modelle, die in der Praxis bedeuten würden, dass so etwas wie Lohnverteilung mit "niedriger Varianz" oder "gefühlte Gerechtigkeit" hergestellt würde. Sicherlich würde der Konsum steigen, wenn sich daran orientiert würde. Sicherlich wäre es angebracht 3% der Vermögen umzuverteilen in einer großen Reform etc. etc. etc. Das wird aber nicht geschehen. Die Gegenkräfte sind viel zu groß und selbst die Reformwilligen haben die Sinnlosigkeit vom Kampf gegen bestimmte Dynamiken oft internalisiert. Jeder Sieg erscheint wie ein Pyrrhossieg und soziale Errungenschaften werden nicht mehr erkämpft sondern verteidigt. Diese Verteidigungssituation bringt es mit sich, das sukzessive wegfällt was "homogenität in der Verteilung" oder "gefühlte Gerechtigkeit" garantiert. Denn jede Niederlage bedeutet den Verlust einer Errungenschaft bei gleichzeitiger Unmöglichkeit neues zu schaffen.

    2 Leser-Empfehlungen
    • va
    • 30.03.2013 um 12:08 Uhr

    Wenn man die unteren Einkommen vernünftig gestaltet, erhöht das den Wohlstand.

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Danke für das Bild"
  3. ... erklären wozu ich als Reicher mehr Steuern zahlen soll?? Ich bin das zweite von vier kindern einer alleinerziehenden mutter, aufgewachsen in einer sozialwohnung. ich habe auf dem 2. bildungsweg mein abitur nachgemacht und berufsbegleitend studiert. heute verdiene ich pro jahr einen sechsstelligen betrag und habe eine tolle frau und zwei perfekte kinder. ich zahle eh schon einen nicht unerheblichen teil meines einkommens an steuern. wozu soll dieser prozentsatz jetzt nochmal erhöht werden? wozu werde ich für meinen willen und lernbereitschaft bestraft?? das hat nichts mit gerechtigkeit zu tun. gerecht ist es, dass jeder die gleichen chancen hat. so wie ich sie hatte, haben sie alle anderen auch. übrigens, einen migrationshintergrund hab ich auch. bitte um feedback

    10 Leser-Empfehlungen
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    "kann mir bitte jemand erklären wozu ich als Reicher mehr Steuern zahlen soll??"
    --------------------------------
    Damit diejenigen, die weniger Leistungsbereitschaft zeigen, etwas von Ihrem erarbeitetem Abbekommen. Als Linker würde man dann von "Gerechtigkeit" sprechen.

    ..und das schreiben Sie sich auf die Fahnen! Was haben Sie den geschafft? Was das noch mehr ausser Ihnen geschafft haben -einen Aufstieg, Sie hatten noch n bißchen Glück und die richtige Branche...

    Sie setzen Ihren Verdienst mit Leistung gleich. Da Sie im Vergleich viel verdienen glauben Sie auch viel zu leisten.. Aber diese Relation stimmt nicht zwingend! Was wäre denn ohne Müllabfuhr, Krankenschwestern, Erzieherinnen, Friseur, Maurer, Altenpleger usw. Leisten die alle weniger wie Sie? Die einzige Bemessungsgrundlage die dafür herangezogen wird ist der Verdienst. Der Verdienst in ihrem Job ist aber nicht hoch weil nur so wenige so gut sind wie Sie sondern weil man nur n paar Stellen hat... Davon ab nicht jeder will am Schreibtisch sitzen. Ein mancher will vielleicht einfach beruflich Haare schneiden usw.
    Nur weil es für Sie passt in dieser Welt und Sie zufällig die richtigen Talente zur richtigen Zeit am richtigen Ort hatten, um sich dann auch (das muß auch gesagt werden) mit Fleiß und Leistung (überdurchschnittlich) im Laufe der Zeit Ihre berufliche Situation erarbeiten zu können?!

    Warum Sie mehr zahlen sollen: Sie haben dann immer noch viel mehr als die oben aufgeführten, das muß reichen!
    Und vorallem sollten Sie mehr zahlen damit auch heute noch das 2te Kind unter vieren trotz alleinerziehender Mutter mal 6stellig verdienen kann.

    Um Vermutungen vorzubeugen: Arbeiterkind, Stiefvater, Hauptschule, später Unistudium mit Auszeichnung jetzt Job. Sie verdienen mehr ;-)

    Es geht nicht um sie persönlich, sondern um die Sache, dass es kaum vermittelbar ist warum auf der einen Seite jemand 8 Stunden auf dem Bau für einen Lohn arbeitet mit dem er seine Familie oder nicht mal sich selbst ernähren kann. Auf der anderen Seite dann z. B. Geschäftsführer bzw. CEOs sitzen, die für "weniger Arbeit" das zigfache bekommen. Das konterkariert so gut wie jede Arbeitstehik und untergräbt so gut wie jede Innovation. Das ist das Problem.

    stelligen Gehaltschecks aufweist .-)

    Aber grundsätzlich könnte man sagen, genau weil du diese Chance bekommen hast, subventioniert von Steuerzahlern, möglich gemacht in der guten Infrastruktur und Sicherheit unseres Landes!
    Wenn du jetzt nicht studiert hättest und als Ghettorapper 6-stellige Erträge schreiben würdest, müsstes du dasselbe zahlen...
    Dann wäre deine Frage wenigsten zum Teil gerechtfertigt!

    Aber grundsätzlich finde ich auch , dass die Progerssion der Steuern viel zu schnell auf den Höchssteuersatz klettert!

    Redaktion

    Dass Sie sich hoch gearbeitet haben und gut verdienen, diese Leistung will Ihnen niemand nehmen. Nur hat eben nicht jeder die Möglichkeiten und Fähigkeiten dazu. Deshalb haben wir ein Steuersystem, dass jeden nach seiner Leistungsfähigkeit für die öffentlichen Ausgaben heranziehen soll, von denen ja auch Sie profitiert haben und profitieren, sei es durch hoffentlich gute Schulen, Straßen, innere Sicherheit etc. Starke Schultern können eben mehr tragen als schwache, deshalb sollten Gutverdienende mehr Steuern zahlen als andere. Das ist aber - darauf habe ich in meinem Artikel hingewiesen und es mit Zahlen belegt - heute nicht mehr unbedingt der Fall. In den 90er Jahren lag der Spitzensteuersatz noch bei über 50 Prozent, ohne das alle Reichen fluchtartig das Land verlassen hätten. Heute zahlen Vermögende im Verhältnis zu ihrem Einkommen deutlich weniger. Halten Sie das für gerecht und angemessen?

    Aber vielleicht spielen andere Faktoren auch eine Rolle, zum Beispiel schlicht Glück? Oder eine soziale Infrastruktur, die einem den Aufstieg ermöglicht? Oder technische Infrastruktur, die überhaupt erst ermöglicht, dass es Unternehmen gibt, die einen Leistungsbereiten einstellen können? Es geht überhaupt nicht darum, irgendjemanden zu bestrafen - es geht darum dass der Staat, das ist die Gemeinschaft, Geld braucht um Dienste im Sinne der Allgemeinheit anbieten zu können. Dienste, von denen auch Reiche profitieren, selbst wenn es nur indirekt ist, weil sie ja offensichtlich keine Sozialhilfe benötigen.

    Nur ein Teil dessen, was ihr Steuergeld rückwirken auch wieder für Sie tut, lässt sich so einfach beziffern, aber es findet trotzdem statt. Es ist Ihnen sicher hoch anzurechnen, dass Ihnen der Aufstieg gelungen ist, aber der ist keineswegs ausschließlich ihre Eigenleistung, auch wen es sich Ihnen so darstellen mag weil Ihre eigene Leistung ist greifbarer ist als das vage Konzept einer Gemeinschaft, die ihren Mitgliedern überhaupt erst ermöglicht, aufzusteigen. Wenn Sie die Sache weiterdenken, und ich bitte Sie darum, dann wird leicht offensichtlich auf wievielen Wegen ihr Steuergeld letzendlich wieder zu Ihrem eigenen Vorteil eingesetzt wird. Wenn sich dank öffentlicher Gesundheitsvorsorge sowie Grundversorgung keine Seuchen ausbreiten, profitieren davon Sie. Wenn es steuerfinanzierte Polizei gibt, klaut ihnen keiner ihr Haus unter dem Hintern weg. usw.

    Denken Sie an Südafrika, wenn Sie sehen wollen, wohin die Reise gehen kann. Für Reiche ein Leben hinter hohen Mauern, überall Videokameras, auf garkeinen Fall zu lange an der Ampel stehen bleiben, ständig auf der Hut. So sieht ein Staat aus, in dem die Oberen nichts für die Unteren übrig haben. Geht es den Reichen dort besser als hier?

    @semperfidelitas Bei einem Reichen denke ich eher und unwillkürlich an Dagobert Duck und nicht an ein 6- oder 7-stelliges Jahreseinkommen.

    "Damit diejenigen, die weniger Leistungsbereitschaft..."

    Zwei Dinge dazu:

    1. Den Zusammenhang zwischen Reichtum und Leistung habe ich nie so recht verstande. Was hat Dagobert Duck geleistet, um die vielen Dollar Noten in seinem Geldspeicher anzuhäufen. Wird das im Comics erläutert?

    "Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen!“
    „Die Reichen müssen noch reicher werden – wählt christdemokratisch“

    Das waren noch Zeiten! Heute liegt das Geld auch nicht mehr in Dagobert Ducks Geldspeicher sondern flottiert als 'smart money' um den Globus, lässt mal Südostasien zusammen brechen, dann die in dot.com "Investierten", dann triffts halt mal die Häuslebauer in den USA, ein andermal die Zyprioten. Die ganzen Blasen haben Kettenbriefcharakter. Die Dümmste in der Kette zahlen halt die ganze Zeche. The casino must go on! Darauf wetten, dass ich einen noch dümmeren finde als mich, halte ich für keine Leistung.

    2. Wenn Sie in Ihrem Satz Leistungsbereitschaft durch Leistungsfähigkeit ersetzen, ergibt er einen Sinn, nämlich die sozialstaatliche Verpflichtung.

    Nachdem Sie um Feedback gebeten hatten, bekommen Sie nun von mir ein paar Worte zu lesen:
    Zuerst einmal klingen Sie hier SEHR selbstgerecht und anmaßend; das Adjektiv "perfekt" für die eigenen Kinder zu verwenden ist nicht nur daneben, es materialisiert sie auch noch. Kein Mensch (Kind) ist perfekt, man mag sie so wie sie sind oder auch nicht. Meine eigenen Kinder liebe ich z.B. auch so wie sie sind, mit "perfekt" sein hat das doch nichts zu tun.
    Sie scheinen Ihren Weg für den einzig wahren zu halten, später versuchen Sie zwar noch das Ganze zu relativieren und rudern zurück, aber Ihre sonstige Schreiberei spricht eine klare Sprache. Sollten eigentlich nicht gerade Sie wissen, dass wir hierzulande 1. weit von dem Zustand entfernt sind, in dem jedes Kind die "gleichen Chancen" hat und 2. sollten Sie nicht gerade wegen der eigenen Vergangenheit wirklich über die Maßen daran interessiert sein, dass die Menschen intensiv (wenn es sein muss mit noch mehr Steuergeld) unterstützt werden?! Und 3.: Wissen Sie denn, dass trotz aller Bemühungen nicht alle Menschen (nie!) die gleichen Chancen haben?!
    Vielleicht rüttelt Sie mein Kommentar ja wach, vielleicht bleiben Sie aber auch selbstgerecht.
    Zu mir so viel: Ich hatte nicht Ihre Ausgangsbedingungen, bin aber selbstständig und gehaltsmäßig von den gewollten Steuererhöhungen voll betroffen; ich werde, wenn sie denn eintreten würden, gerne und ohne innere Widerstände bezahlen. Allein schon deshalb, um dem neolib. Irrsinn zu opponieren!!!

    "kann mir bitte jemand erklären wozu ich als Reicher mehr Steuern zahlen soll??"
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    Damit diejenigen, die weniger Leistungsbereitschaft zeigen, etwas von Ihrem erarbeitetem Abbekommen. Als Linker würde man dann von "Gerechtigkeit" sprechen.

    ..und das schreiben Sie sich auf die Fahnen! Was haben Sie den geschafft? Was das noch mehr ausser Ihnen geschafft haben -einen Aufstieg, Sie hatten noch n bißchen Glück und die richtige Branche...

    Sie setzen Ihren Verdienst mit Leistung gleich. Da Sie im Vergleich viel verdienen glauben Sie auch viel zu leisten.. Aber diese Relation stimmt nicht zwingend! Was wäre denn ohne Müllabfuhr, Krankenschwestern, Erzieherinnen, Friseur, Maurer, Altenpleger usw. Leisten die alle weniger wie Sie? Die einzige Bemessungsgrundlage die dafür herangezogen wird ist der Verdienst. Der Verdienst in ihrem Job ist aber nicht hoch weil nur so wenige so gut sind wie Sie sondern weil man nur n paar Stellen hat... Davon ab nicht jeder will am Schreibtisch sitzen. Ein mancher will vielleicht einfach beruflich Haare schneiden usw.
    Nur weil es für Sie passt in dieser Welt und Sie zufällig die richtigen Talente zur richtigen Zeit am richtigen Ort hatten, um sich dann auch (das muß auch gesagt werden) mit Fleiß und Leistung (überdurchschnittlich) im Laufe der Zeit Ihre berufliche Situation erarbeiten zu können?!

    Warum Sie mehr zahlen sollen: Sie haben dann immer noch viel mehr als die oben aufgeführten, das muß reichen!
    Und vorallem sollten Sie mehr zahlen damit auch heute noch das 2te Kind unter vieren trotz alleinerziehender Mutter mal 6stellig verdienen kann.

    Um Vermutungen vorzubeugen: Arbeiterkind, Stiefvater, Hauptschule, später Unistudium mit Auszeichnung jetzt Job. Sie verdienen mehr ;-)

    Es geht nicht um sie persönlich, sondern um die Sache, dass es kaum vermittelbar ist warum auf der einen Seite jemand 8 Stunden auf dem Bau für einen Lohn arbeitet mit dem er seine Familie oder nicht mal sich selbst ernähren kann. Auf der anderen Seite dann z. B. Geschäftsführer bzw. CEOs sitzen, die für "weniger Arbeit" das zigfache bekommen. Das konterkariert so gut wie jede Arbeitstehik und untergräbt so gut wie jede Innovation. Das ist das Problem.

    stelligen Gehaltschecks aufweist .-)

    Aber grundsätzlich könnte man sagen, genau weil du diese Chance bekommen hast, subventioniert von Steuerzahlern, möglich gemacht in der guten Infrastruktur und Sicherheit unseres Landes!
    Wenn du jetzt nicht studiert hättest und als Ghettorapper 6-stellige Erträge schreiben würdest, müsstes du dasselbe zahlen...
    Dann wäre deine Frage wenigsten zum Teil gerechtfertigt!

    Aber grundsätzlich finde ich auch , dass die Progerssion der Steuern viel zu schnell auf den Höchssteuersatz klettert!

    Redaktion

    Dass Sie sich hoch gearbeitet haben und gut verdienen, diese Leistung will Ihnen niemand nehmen. Nur hat eben nicht jeder die Möglichkeiten und Fähigkeiten dazu. Deshalb haben wir ein Steuersystem, dass jeden nach seiner Leistungsfähigkeit für die öffentlichen Ausgaben heranziehen soll, von denen ja auch Sie profitiert haben und profitieren, sei es durch hoffentlich gute Schulen, Straßen, innere Sicherheit etc. Starke Schultern können eben mehr tragen als schwache, deshalb sollten Gutverdienende mehr Steuern zahlen als andere. Das ist aber - darauf habe ich in meinem Artikel hingewiesen und es mit Zahlen belegt - heute nicht mehr unbedingt der Fall. In den 90er Jahren lag der Spitzensteuersatz noch bei über 50 Prozent, ohne das alle Reichen fluchtartig das Land verlassen hätten. Heute zahlen Vermögende im Verhältnis zu ihrem Einkommen deutlich weniger. Halten Sie das für gerecht und angemessen?

    Aber vielleicht spielen andere Faktoren auch eine Rolle, zum Beispiel schlicht Glück? Oder eine soziale Infrastruktur, die einem den Aufstieg ermöglicht? Oder technische Infrastruktur, die überhaupt erst ermöglicht, dass es Unternehmen gibt, die einen Leistungsbereiten einstellen können? Es geht überhaupt nicht darum, irgendjemanden zu bestrafen - es geht darum dass der Staat, das ist die Gemeinschaft, Geld braucht um Dienste im Sinne der Allgemeinheit anbieten zu können. Dienste, von denen auch Reiche profitieren, selbst wenn es nur indirekt ist, weil sie ja offensichtlich keine Sozialhilfe benötigen.

    Nur ein Teil dessen, was ihr Steuergeld rückwirken auch wieder für Sie tut, lässt sich so einfach beziffern, aber es findet trotzdem statt. Es ist Ihnen sicher hoch anzurechnen, dass Ihnen der Aufstieg gelungen ist, aber der ist keineswegs ausschließlich ihre Eigenleistung, auch wen es sich Ihnen so darstellen mag weil Ihre eigene Leistung ist greifbarer ist als das vage Konzept einer Gemeinschaft, die ihren Mitgliedern überhaupt erst ermöglicht, aufzusteigen. Wenn Sie die Sache weiterdenken, und ich bitte Sie darum, dann wird leicht offensichtlich auf wievielen Wegen ihr Steuergeld letzendlich wieder zu Ihrem eigenen Vorteil eingesetzt wird. Wenn sich dank öffentlicher Gesundheitsvorsorge sowie Grundversorgung keine Seuchen ausbreiten, profitieren davon Sie. Wenn es steuerfinanzierte Polizei gibt, klaut ihnen keiner ihr Haus unter dem Hintern weg. usw.

    Denken Sie an Südafrika, wenn Sie sehen wollen, wohin die Reise gehen kann. Für Reiche ein Leben hinter hohen Mauern, überall Videokameras, auf garkeinen Fall zu lange an der Ampel stehen bleiben, ständig auf der Hut. So sieht ein Staat aus, in dem die Oberen nichts für die Unteren übrig haben. Geht es den Reichen dort besser als hier?

    @semperfidelitas Bei einem Reichen denke ich eher und unwillkürlich an Dagobert Duck und nicht an ein 6- oder 7-stelliges Jahreseinkommen.

    "Damit diejenigen, die weniger Leistungsbereitschaft..."

    Zwei Dinge dazu:

    1. Den Zusammenhang zwischen Reichtum und Leistung habe ich nie so recht verstande. Was hat Dagobert Duck geleistet, um die vielen Dollar Noten in seinem Geldspeicher anzuhäufen. Wird das im Comics erläutert?

    "Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen!“
    „Die Reichen müssen noch reicher werden – wählt christdemokratisch“

    Das waren noch Zeiten! Heute liegt das Geld auch nicht mehr in Dagobert Ducks Geldspeicher sondern flottiert als 'smart money' um den Globus, lässt mal Südostasien zusammen brechen, dann die in dot.com "Investierten", dann triffts halt mal die Häuslebauer in den USA, ein andermal die Zyprioten. Die ganzen Blasen haben Kettenbriefcharakter. Die Dümmste in der Kette zahlen halt die ganze Zeche. The casino must go on! Darauf wetten, dass ich einen noch dümmeren finde als mich, halte ich für keine Leistung.

    2. Wenn Sie in Ihrem Satz Leistungsbereitschaft durch Leistungsfähigkeit ersetzen, ergibt er einen Sinn, nämlich die sozialstaatliche Verpflichtung.

    Nachdem Sie um Feedback gebeten hatten, bekommen Sie nun von mir ein paar Worte zu lesen:
    Zuerst einmal klingen Sie hier SEHR selbstgerecht und anmaßend; das Adjektiv "perfekt" für die eigenen Kinder zu verwenden ist nicht nur daneben, es materialisiert sie auch noch. Kein Mensch (Kind) ist perfekt, man mag sie so wie sie sind oder auch nicht. Meine eigenen Kinder liebe ich z.B. auch so wie sie sind, mit "perfekt" sein hat das doch nichts zu tun.
    Sie scheinen Ihren Weg für den einzig wahren zu halten, später versuchen Sie zwar noch das Ganze zu relativieren und rudern zurück, aber Ihre sonstige Schreiberei spricht eine klare Sprache. Sollten eigentlich nicht gerade Sie wissen, dass wir hierzulande 1. weit von dem Zustand entfernt sind, in dem jedes Kind die "gleichen Chancen" hat und 2. sollten Sie nicht gerade wegen der eigenen Vergangenheit wirklich über die Maßen daran interessiert sein, dass die Menschen intensiv (wenn es sein muss mit noch mehr Steuergeld) unterstützt werden?! Und 3.: Wissen Sie denn, dass trotz aller Bemühungen nicht alle Menschen (nie!) die gleichen Chancen haben?!
    Vielleicht rüttelt Sie mein Kommentar ja wach, vielleicht bleiben Sie aber auch selbstgerecht.
    Zu mir so viel: Ich hatte nicht Ihre Ausgangsbedingungen, bin aber selbstständig und gehaltsmäßig von den gewollten Steuererhöhungen voll betroffen; ich werde, wenn sie denn eintreten würden, gerne und ohne innere Widerstände bezahlen. Allein schon deshalb, um dem neolib. Irrsinn zu opponieren!!!

    • msknow
    • 30.03.2013 um 12:10 Uhr

    Zukunft gibt's nur in der Gemeinschaft. Was nützt mir ein dickes Konto, wenn ich vor'm Nachbarn Angst haben muss. In dieser Konsequenz müssen wir die Leute, die glauben, wenn sie nur selbst jede Menge Geld hätten, dann ginge es ihnen besser, vor sich selbst schützen... to be continued.

    6 Leser-Empfehlungen
  4. Auch wenn ich mir einen Spitzensteuesatz von 49% vorstellen kann, halte ich eine solche Diskussion bei Rekordeinnahmen des Staates von 1,2 Billionen für nicht notwendig.
    Zum anderen gilt es zu bedenken, dass inzwischen mehr als 50% der Bürger steuerlich überhaupt nichts mehr zum Gemeinwohl beitragen, weil sie selbst dort, wo noch Steuern anfallen mehr von der staatlichen Wohlfahrt zurückbekommen.
    Und dann stellt sich noch die Frage, sind Mittelständler und Handwerker reich, weil sie Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, die übrigends aus bereits versteuertem Einkommen investiert werden müssen. Und auch generell gehen höhere Steuern zu Lasten privater Investitionen.

    6 Leser-Empfehlungen
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    "Zum anderen gilt es zu bedenken, dass inzwischen mehr als 50% der Bürger steuerlich überhaupt nichts mehr zum Gemeinwohl beitragen, weil sie..."

    zu geringen Lohn für ihre Arbeit erhalten. Weil sie Löhne unter dem Existenzminimum erhalten, bringt auch die "Wohlfahrt" mehr. Richtig. Wie kann also nur die Antwort lauten? Wir brauchen höhere Löhne, und zwar massiv.

    "Zum anderen gilt es zu bedenken, dass inzwischen mehr als 50% der Bürger steuerlich überhaupt nichts mehr zum Gemeinwohl beitragen, weil sie..."

    zu geringen Lohn für ihre Arbeit erhalten. Weil sie Löhne unter dem Existenzminimum erhalten, bringt auch die "Wohlfahrt" mehr. Richtig. Wie kann also nur die Antwort lauten? Wir brauchen höhere Löhne, und zwar massiv.

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