Anschlag in Boston"Deutschland ist viel, viel sicherer als die USA"

Bessere Sicherheitsbehörden, weniger Hysterie: Deutschland muss sich von den Bostoner Bomben nicht beunruhigen lassen, sagt SPD-Politiker Dieter Wiefelspütz im Interview. von 

ZEIT ONLINE: Herr Wiefelspütz, was bedeutet der Anschlag in Boston für die Sicherheitslage in den USA und auch in Deutschland?

Dieter Wiefelspütz: Wenn sich herausstellen sollte, dass es ein terroristischer Anschlag war, wird das vor allem die innenpolitische Debatte und das Klima in den USA stark verändern. Sicherheit wird dann ganz oben auf der Tagesordnung und in den Schlagzeilen stehen. Leider wohl auch mit all den Verzerrungen, den falschen Konsequenzen und dem Populismus, der dort leider üblich ist. Auch auf die Debatte über das Waffenrecht könnte sich der Anschlag auswirken. Das ist alles nicht gut. Und wenn wir Pech haben, wird das in Europa nachgeahmt.

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ZEIT ONLINE: Wäre Deutschland denn besser auf so etwas wie die Bomben in Boston vorbereitet?

Wiefelspütz: Anschläge lassen sich leider nie vollständig verhindern, das kann auch in Deutschland passieren. Es ist doch relativ einfach, zum Beispiel eine Bombe in der Hamburger U-Bahn abzustellen. Bei Großveranstaltungen, in Fußgängerzonen – es kann da keine absolute Sicherheit geben. Wir können ein paar Stolperdrähte spannen, es Terroristen so schwer wie möglich machen. In offenen Gesellschaften müssen wir dieses Risiko in Kauf nehmen.

ZEIT ONLINE: Das klingt pessimistisch...

Wiefelspütz: Nein. Ich empfehle eher eine selbstbewusste Gelassenheit. Wir dürfen uns unseren Lebensstil nicht kaputtbomben lassen. Ich glaube, dass es in Deutschland viel, viel sicherer ist als in den USA. Weil wir einfach viel besser regiert und verwaltet werden. Unsere Behörden, die Polizei, der Verfassungsschutz, die Gerichte und die Politik selbst machen sehr gute, wenn gleich nicht fehlerfreie Arbeit. In Fragen der inneren Sicherheit sind die USA für uns kein Vorbild. Dort arbeitet die Politik zu oft mit populistischen Versprechen und schlagzeilenträchtigen Maßnahmen, die Sicherheit vorgaukeln sollen, aber nicht wirklich etwas bringen. Ich sehe das eher kritisch. In Berlin lebt man zum Glück zehnmal sicherer als in Chicago – und auch noch freier! Wir haben einen sehr soliden Rechtsstaat aufgebaut, der international seinesgleichen sucht.

ZEIT ONLINE: Aber die Mordserie der NSU und die absurden Ermittlungspannen zeigen doch, dass die deutschen Sicherheitsbehörden, die Sie gerade so loben, ziemlich versagt haben.

Wiefelspütz: Ja, das ist unser Trauma, damit müssen wir uns beschäftigen. Nicht mit dem, was in den USA passiert. Ich habe selbst keine wirklich überzeugende Erklärung dafür, wie diese Mordserie in Deutschland geschehen konnte. Die Vorstellung aber, dass die Sicherheitsbehörden auf dem rechten Auge blind sind, ist dummes Zeug. Es gab auch keine Verschwörung. Die Leute auf allen Ebenen und im ganzen Land haben einfach zu wenig miteinander geredet, waren mit zu wenig Leidenschaft bei der Sache, dazu kamen ein Zuständigkeitswirrwarr, Bürokatismen, Egoismus, Eitelkeiten. Wir alle, die mit Sicherheitspolitik und den entsprechenden Behörden zu tun haben, haben kollektiv versagt.

ZEIT ONLINE: Wären eine Reform der Sicherheitsdienste und vielleicht neue Ermittlungsinstrumente Möglichkeiten, die Sicherheit zu erhöhen? Ihr Kollegen Han-Peter Uhl (CSU) sagt jetzt, es brauche auch eine schnelle und umfassende Vorratsdatenspeicherung um internationale terroristische Anschläge zu verhindern.

Wiefelspütz: Wir haben aufgrund der Erfahrungen mit dem NSU-Komplex genug zu tun, um hierzulande die Qualität der Sicherheitsarbeit zu verbessern. Ich bin ja mit Hans Per Uhl eigentlich befreundet, aber das was er da erzählt, ist Schwachsinn. Er instrumentalisiert ein Unglück, dessen Hintergründe wir noch nicht einmal kennen. Das ist ganz falsch und auch nicht fair. Ich rate dringend davon ab, jetzt zu glauben, wir wüssten schon, was wir aus Boston für Deutschland lernen können. Für die Vorratsdatenspeicherung reichen deutsche Argumente, dafür müssen wir uns nicht auf Anschläge in den USA berufen.

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Leserkommentare
  1. 1. Genau

    "Nein. Ich empfehle eher eine selbstbewusste Gelassenheit. Wir dürfen uns unseren Lebensstil nicht kaputtbomben lassen."

    Und das ist der springende Punkt.
    Terrorismus ist ein Krieg. Ein Krieg mit dem Ziel die gegnerische Bevölkerung zu zermürben und die Gesellschaft zu schwächen. Bricht man in Angst und Hysterie aus, dann haben die Terroristen ihr Ziel erreicht.

    10 Leserempfehlungen
  2. ... ohne amerikanische Geheimdienstinformationen wäre es in Europa nicht so sicher.

    Unsere Jungs der Army leisten für Demokratie und Freiheit ihren Dienst weltweit und werden von Pazifisten dafür noch aufs Übelste beschimpft.

    4 Leserempfehlungen
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    Ich würde gerne durch Deutschland touren, kann mir aber den Sprit nicht leisten. Können eure Jungs nicht noch ein paar Länder mit entsprechenden Ressourcen erobern? Ich will mich mal wieder so richtig frei fühlen!

    ....vielen Dank, ich habe sehr gelacht.

    Wahrscheinlich kommt jetzt bald raus, dass es ein EX-Navy Seal war, der am Existenzminimum lebt, nachdem er heimgekehrt ist. Der gemerkt hat wie eine die Gesellschaft fallen lässt, wenn man die Unifiorm ablegt. Der gemerkt hat, dass alles was er drauf hat töten ist. Der so frustriert ist und mental instabil durch die grausamen Erfahrungen eines hirnlosen Krieges, dass er Rache nehmen will. Abwarten!

    "Unsere Jungs der Army leisten für Demokratie und Freiheit ihren Dienst weltweit". Hahaha selten so gelacht!!

    Das letzte Mal, dass ein amerikanischer Soldat für Freiheit und Demokratie kämpfte, war der zweite Weltkrieg. Alles danach diente lediglich amerikanischer Machtinteressen!!

    Nun bekommen unschuldige amerikanische Zivilisten den Zorn der Opfer der amerikanischen Politik zu spüren.

    Die USA leisten mehr als unsere deutschen Truppen, das liegt aber auch an der bloßen größe der Apperate und der verschiedenen Strategien der Außenpolitik.
    Der BND ist nicht mit der CIA vergleichbar und die Bundeswehr kann einem Größenvergleich mit den amerikanischen Streitkräften nicht standhalten.
    Außerdem versucht die amerikanische Außenpolitik häufiger mittels bewaffneter Intervention (oder auch mal per Angriffskrieg) Probleme zu lösen. Unsere jede Entscheidung scheuende Regierung enthält sich lieber und schickt später lediglich "logistische Hilfe".
    Während es bei den USA meist nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis Truppen zu einem Konflikt (zZ Iran) entsendet werden, würde ich unserer Regierung eine solche Drohung niemals abkaufen... so hat beides wohl Vor- und Nachteile.

    Aber beim WIE der Interventionen muss Amerika dringend nachbessern. Die Drohnenangriffe haben verheerende außenpolitische Wirkung, ebenso wie das Gefangenenlager in Guantanamo. Die Truppen können gute Arbeit leisten, solange solche krassen Negativbeispiele existieren wird die Zahl der amerikafeindlich eingestellten Extremisten nicht zurückgehen.

    Leider wollen wir uns ja auch in absehbarer Zeit (möglicherweise bereits Ende 2013?) mit solchen unbemannten Bombern eindecken.

    Die USA leisten mehr als unsere deutschen Truppen, das liegt aber auch an der bloßen größe der Apperate und der verschiedenen Strategien der Außenpolitik.
    Der BND ist nicht mit der CIA vergleichbar und die Bundeswehr kann einem Größenvergleich mit den amerikanischen Streitkräften nicht standhalten.
    Außerdem versucht die amerikanische Außenpolitik häufiger mittels bewaffneter Intervention (oder auch mal per Angriffskrieg) Probleme zu lösen. Unsere jede Entscheidung scheuende Regierung enthält sich lieber und schickt später lediglich "logistische Hilfe".
    Während es bei den USA meist nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis Truppen zu einem Konflikt (zZ Iran) entsendet werden, würde ich unserer Regierung eine solche Drohung niemals abkaufen... so hat beides wohl Vor- und Nachteile.

    Aber beim WIE der Interventionen muss Amerika dringend nachbessern. Die Drohnenangriffe haben verheerende außenpolitische Wirkung, ebenso wie das Gefangenenlager in Guantanamo. Die Truppen können gute Arbeit leisten, solange solche krassen Negativbeispiele existieren wird die Zahl der amerikafeindlich eingestellten Extremisten nicht zurückgehen.

    Leider wollen wir uns ja auch in absehbarer Zeit (möglicherweise bereits Ende 2013?) mit solchen unbemannten Bombern eindecken.

    ... ist Ihr Beitrag, obwohl er einen wahren Kern enthält. Ihr Nick ist auch trollig.

    ... die die Welt seit ielen Jahren immer unsicherer und gewalttätiger macht.

    "Unsere Jungs der Army leisten für Demokratie und Freiheit ihren Dienst weltweit und werden von Pazifisten dafür noch aufs Übelste beschimpft."

    Wenn Sie einer sind, wären Sie eine Schande für Ihre Uniform, so wie Sie sich hier auf Kosten der britischen, französischen, deutschen etc.Kamaraden profilieren, die in Afghanistan oder im Irak fielen.

    • dacapo
    • 16. April 2013 21:16 Uhr

    .......... damit zu tun? Wenn Sie schon von "Euren Jungs" reden, wird mir angst und bange.

    Sind das nicht die Jungs, die in Afghanistan und im Irak sichergestellt haben, dass die USA und viele europäische Länder auf längere Zeit verstärkt die Aufmerksamkeit von islamistischen Terroristen auf sich gezogen haben?
    Die in den entsprechenden Ländern so viel erreicht haben? Frieden und Wohlstand in den Irak und Afghanistan gebracht haben? Ja, Pazifisten sind euch echt was schuldig. Abgesehen davon, dass ich mich weigere zu glauben, dass sich hinter diesem Nick wirklich ein Angehöriger der US-Streitkräfte verbirgt, bleibt wohl festzustellen dass die Operationen der US-Streitkräfte in den letzten 60 Jahren die beste Begründung für eine pazifistische Überzeugung sind, die man überhaupt haben kann. Was alle Operationen gemeinsam hatten ist, dass es hinterher nie besser aussah als vorher, und dass in der Regel viele zehntausende Zivilisten umgebracht worden sind. Aber das ist ja egal, wichtig ist ja sowieso nur das Wohlergehen von Nordamerikanern und Westeuropäern...

    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wenn die Vereinigten Staaten von Amerika die Europäer bzw. Deutschland nicht mehr "beschützen" würden, vieles viel besser würde.

    • Hickey
    • 17. April 2013 8:14 Uhr

    wer freiwillig für wenig Geld seinen Kopf hinhält um fremde Interessen durchzusetzen und dann später von der Gesellschaft fallen gelassen wird, weil charakterlich nicht kompatibel mit der Masse ist.

    Man kann sich sein Leben auch zerstören und viele Soldaten tun dies...freiwillig...wegen mir brauch keiner die Höhlen in Afghanistan auseinandernehmen.

    Wenn man sich die Außenpolitik der USA der letzten 30 Jahre anschaut kann einem Angst und Bange werden. Der Verwaltungsrichter Herr Wüfelspütz ist die Kompetens in Person ?

    Warum bedarf die Schweiz dieses Schutzes nicht? Weil sie sich aus allem heraushalten und vermutlich - ganz anders als wir - noch keine arabischen Kinder auf dem Gewissen haben.

    Man kann die Außenpolitik der Schweiz nur weiterempfehlen.

  3. Das einfachste Mittel solche Anschläge zu verhindern, ist sich weniger feinde zu machen. Wer zur Sicherung seiner Interessen Zivilisten bombardiert, darf sich nicht wundern, wenn deren Angehörige nach Rache sinnen.

    Die USA sind Ziel Nr. 1, weil sie Täter Nr. 1 sind.

    Wer mit anderen Ländern und Menschen fair umgeht, muss keinen Terrorismus fürchten. Das bestätigt die Erfahrung der letzten Jahrzehnte.

    Wer aber alles daran setzt, für jeden getöteten Feind 10 neue Feinde zu generieren, dem hilft auch der totale Polizeistaat nichts mehr.

    Wobei ich nichtmal glaube, dass der Täter ein Ausländer ist. Ist eher ein durchgeknallter Irrer, die solche Systeme regelmäßig ans Licht bringen.

    9 Leserempfehlungen
  4. 4. Sprit

    Ich würde gerne durch Deutschland touren, kann mir aber den Sprit nicht leisten. Können eure Jungs nicht noch ein paar Länder mit entsprechenden Ressourcen erobern? Ich will mich mal wieder so richtig frei fühlen!

    5 Leserempfehlungen
  5. ....vielen Dank, ich habe sehr gelacht.

    5 Leserempfehlungen
    • hladik
    • 16. April 2013 17:59 Uhr

    dann ist es Zeit, einen Schutzhelm aufzusetzen.

    Dieser Mann ist die Kompetenz in Person:

    http://www.abgeordnetenwa...

    4 Leserempfehlungen
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    "Ich bin ja mit Hans Per Uhl eigentlich befreundet, aber das was er da erzählt, ist Schwachsinn."

    wo er recht hat, hat er recht...

  6. Wahrscheinlich kommt jetzt bald raus, dass es ein EX-Navy Seal war, der am Existenzminimum lebt, nachdem er heimgekehrt ist. Der gemerkt hat wie eine die Gesellschaft fallen lässt, wenn man die Unifiorm ablegt. Der gemerkt hat, dass alles was er drauf hat töten ist. Der so frustriert ist und mental instabil durch die grausamen Erfahrungen eines hirnlosen Krieges, dass er Rache nehmen will. Abwarten!

    2 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 16. April 2013 18:00 Uhr

    Zit.: "Wer zur Sicherung seiner Interessen Zivilisten bombardiert, darf sich nicht wundern, wenn deren Angehörige nach Rache sinnen."

    Osama Bin Laden udn ande Zivilisten wurden überhaupt nicht bombadiert asl er den Krieg gegen die USA ausgerufen hat und Saudi Arabien auch nicht. Die USA waren da vor Ort und das reichte. Die Bombadierten haben bis heute keine Anschläge in den USA verübt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Dieter Wiefelspütz | CSU | USA | Anschlag | Behörde | Debatte
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