Um das Problem der SPD bei der Euro-Rettungspolitik zu verstehen, muss man sich nur Frank-Walter Steinmeier ansehen. Das, was er heute im Bundestag zum Zypern-Hilfspaket sagt. Und das, was er vor einigen Wochen zum gleichen Thema sagte.

"Ja, meine Fraktion wird dem EU-Rettungspaket zustimmen", erklärt der Fraktionsvorsitzende gleich zu Beginn. Er bleibt dann noch eine Viertelstunde am Rednerpult stehen und versucht zu erklären, warum die SPD eigentlich falsch findet, was die Regierung macht, aber doch fast geschlossen mit ihr stimmt.

Vor vier Wochen klang das noch ganz anders. "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen – das darf nicht die Lösung sein", erregte sich Steinmeier noch Ende März. Damals sah es so aus, als würden auch die Konten zyprischer Kleinsparer direkt für die Rettung herangezogen. Dem wollte die SPD keinesfalls zustimmen. "Die Krisenkanzlerin wurde entzaubert", polterte Steinmeier. Eine Konfrontation deutete sich an, eine klar sichtbare, eigene SPD-Position. Dann aber beeilte sich die Union ebenfalls, sich vor die Kleinsparer zu stellen, das Rettungspaket wurde umgebaut. Die SPD war besänftigt, und damit einmal mehr auf einer Linie mit der Union und FDP.

In der Partei wächst der Unmut

So geht das seit Monaten, seit Beginn der Euro-Krise: Bei den zahlreichen Abstimmungen zur Griechenland-Hilfe, den Entscheidungen über Rettungsfonds und Rettungsschirme – immer stimmte sie letztlich mit der Regierung, obwohl sie anfangs große Bedenken gehabt hatte.

Es ist eines der größten Probleme der wahlkämpfenden SPD, und je näher der Urnengang Ende September rückt, umso dringender wird es: Beim alles dominierenden politischen Thema dieser Tage, der EU-Krisenpolitik, kann sie sich nicht als Alternative zur schwarz-gelben Koalition profilieren. Je näher die Bundestagswahl rückt, desto mehr wird das zum Problem.

Auch in der Partei wird der Unmut über die koalitionsfreundliche Euro-Politik immer lauter. Klaus Barthel ist einer von zehn SPD-Abgeordneten, die am heutigen Donnerstag gegen das Zypern-Rettungspaket gestimmt haben. Er sagt: "Es kann nicht sein, das wir aus falsch verstandener EU-Solidarität für die Regierung die Kohlen aus dem Feuer holen." Denn nur dank der Oppositionsstimmen muss die Koalition sich nicht um die eigene Mehrheit für die Rettungspakete sorgen. Sie kann Abweichler in den eigenen Reihen gelassen hinnehmen.