SteuergerechtigkeitSelbstanzeigen sind lukrativ, aber ungerecht

Steuerbetrüger können sich bisher durch Selbstanzeigen Straffreiheit kaufen. SPD und Grüne wollen das jetzt begrenzen. Das klingt gerecht, ist aber riskant. von 

Warum können Reiche sich von ihren Steuervergehen freikaufen, Arme aber nicht? Mit dem vermutlichen Steuerbetrug von Uli Hoeneß ist auch ein Instrument wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, das viele als ungerecht empfinden: die Selbstanzeige. Der Präsident des FC Bayern München hatte dieses seit Langem bestehende Schlupfloch im Strafrecht genutzt. Es erlaubt Steuerhinterziehern, bei strengen Auflagen und der Zahlung einer Geldstrafe nicht angeklagt zu werden. Ein moderner und legaler Ablasshandel: Wer Reue zeigt und zahlt, wird von Strafe verschont.

Das stört nicht nur viele Bürger, sondern auch Oppositionspolitiker. SPD-Chef Sigmar Gabriel will die Straffreiheit bei Selbstanzeige auf Bagatellfälle begrenzen, der Parteilinke Ralf Stegner will sie gar ganz abschaffen, Die Linke sowieso. Die jetzige Regelung widerspricht "jedem Gerechtigkeitsgefühl", wie Grünen-Chef Jürgen Trittin sagt. Viele Bürger verstehen nicht, warum sie ihre Steuern ehrlich entrichten müssen, während vermögende Schwarzgeldbesitzer, die jahrelang zu wenig Steuern bezahlt haben, straffrei ausgehen. Auch viele User von ZEIT ONLINE kritisieren das.

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Doch es geht nicht nur um Gerechtigkeit, das weiß auch Trittin. Es geht auch um Geld und Effizienz. Der Staat möchte sich über den Weg der Selbstanzeige Milliarden an Steuereinnahmen aus meist im Ausland geführten Schwarzgeldkonten verschaffen, die sonst womöglich nie entdeckt würden. Zugleich soll unehrlichen Steuerzahlern einen Weg zurück in die Legalität gebaut werden, sofern sie sich offenbaren. Der Hintergedanke: Muss jemand, der seine Zinseinnahmen nicht ordnungsgemäß versteuert hat, befürchten, dass er womöglich ins Gefängnis kommt, wenn er sich meldet, wird er seine Konten im Zweifel lieber für sich behalten. Der Staat ginge weiter leer aus.

Strengere Regeln seit 2011

Um an das Geld zu kommen, nimmt die Politik auch in Kauf, gegen ein Grundprinzip des Rechts zu verstoßen. Denn bei anderen Straftaten wird tätige Reue allenfalls im Urteil strafmildernd berücksichtigt, der Täter kommt in der Regel aber nicht ungeschoren davon. Steuerhinterzieher müssen dagegen bis zur Hinterziehungssumme von maximal 50.000 Euro lediglich die hinterzogene Steuer plus sechs Prozent Zinsen nachzahlen und gehen dann straffrei aus. Allerdings wird das Ermittlungsverfahren auch bei höheren Beträgen eingestellt, wenn der Täter zusätzlich zu der nachzuzahlenden Steuer und den sechs Prozent Zinsen einen Zuschlag von fünf Prozent bezahlt. Im Endeffekt bleibt er also auch dann straffrei, es wird für ihn nur teurer.

2011 hat die Bundesregierung die Bedingungen für diese Straffreiheit verschärft. Anlass dafür waren die Steuer-CDs mit den Kontendaten von Deutschen im Ausland, die zuvor aufgetaucht waren. Der Bundesgerichtshof entschied daraufhin, dass Selbstanzeigern, die nur einen Teil ihrer Schwarzgeldkonten angeben, keine Straffreiheit mehr garantiert werden kann – eben weil auf den CDs ja noch Daten über weitere Schwarzgeldkonten auf ihren Namen auftauchen könnten. Seitdem müssen sie nun alle Konten offenlegen und die Steuern für alle Zeiträume, die noch nicht verjährt sind, nacherklären und nachzahlen. Die Strafanzeige in eigener Sache muss also vollständig sein. Ist sie lückenhaft oder kommt sie zu spät, wie möglicherweise im Fall Hoeneß, läuft ein Ermittlungsverfahren an, der Täter muss trotz der Selbstanzeige mit einer Strafe rechnen.

Nicht mehr möglich ist eine Selbstanzeige außerdem, wenn die Behörden schon von sich aus aktiv geworden sind. Wenn ein Strafverfahren eingeleitet ist, aber auch bereits dann, wenn ein Steuerprüfer vor der Tür steht oder auch nur seinen Besuch angekündigt hat.

Leserkommentare
  1. ...in den Selbstanzeigen kein Problem!
    Jeder, auch Reiche, können einsehen, dass sie einen Fehler gemacht haben und durch eine Selbstanzeige der Gesellschaft das zurückgeben, was sie ihnen vermeintlich schulden. Als Randnotiz: Ein Staat, der sich gegen seine Reichen/Eliten auflehnt - und das geschieht in Deutschland schon seit Langem - ist auf kurz oder lang dem Untergang geweiht!

    mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbuerger

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    wenn sich die menschen gegen die eliten auflehnen ist der staat nicht dem untergang geweiht....

    sondern man erhält einen umbau der gesellschaftlichen und sozialen verhältnisse. das nennt man dann auch revolution.
    ehrlich gesagt finde ich je älter ich werde diese option garnichtmal mehr so schlimm. es muss ja nicht mit gewalt passieren. wir deutschen haben damit ja schon erfahrung gesammelt :)

    - und das geschieht in Deutschland schon seit Langem - ist auf kurz oder lang dem Untergang geweiht!"

    Also zunächst mal sehe ich die Auflehnung des Staates gegen die Reichen nicht! Mit einem guten Steuerberater kann man hierzulande sehr viel Geld zahlen, der Geringverdiener hat diese Möglichkeit nicht!

    Und mit dem Motto "Jeder kann mal Fehler machen" kann man nicht alles rechtfertigen... Gewaltverbrechen sowieso nicht. und Steuerhinterziehung wird doch in erster Linie durch Gutverdiener ausgeführt! Hier geht es nicht um Geld fürs Essen, sondern um ein paar Millionen, die man aus persönlicher Gier nicht versteuern möchte. Ich fordere hier keine Gefängnisstrafe, aber eine satte Geldbuße gehört dafür ausgesprochen! Sonst bunkert einer sein Geld unterm Radar, kassiert satte Zinsen und irgendwann später wird dann versteuert. Nicht akzeptabel!

    Und zu Ihrer lustigen These:

    Meistens findet die Auflehnung gegen die Eliten/Reichen in einer Revolution ihren Ausbruch, was mitnichten zum Untergang des jeweiligen Staates führt. Lediglich eine Umwälzung, mit teils fantastischen Begleiterscheinungen (Demokratie zB). Das gab es zum Beispiel in Frankreich, in Deutschland, auf Kuba und in Amerika.

    Übrigens sind Ihre zu diversen Artikeln getätigten Aussagen wenig solidarisch, da hilft auch der Gruß wenig!

    • cm30
    • 24. April 2013 23:59 Uhr

    > Ein Staat, der sich gegen seine Reichen/Eliten auflehnt - und das
    > geschieht in Deutschland schon seit Langem - ist auf kurz oder lang
    > dem Untergang geweiht!

    Achja - "Kommunismus" wollten Sie sagen, der neoliberale Kampfbegriff schlechthin.

    Generell gilt jedoch, wenn sich eine Gesellschaft gegen ihre Eliten auflehnt, muss die Gesellschafts- und Staatsform danach nicht zwingend schlechter sein.

    Sie meinen so wie sich Sklaven gegen ihre Feudalherren auflehnen?

    "...auch Reiche, können einsehen, dass sie einen Fehler gemacht haben."

    Steuerhinterziehung ist ein Verbrechen und kein Fehler. Bei einem Totschlag spricht man auch nicht von einem 'Fehler'.

    Eine Selbstanzeige sollte sich mildernd auf die Strafe auswirken, einem Geständnis gleich. Die Strafe selbst MUSS sein: die Tat ist in vollem Bewusstsein begangen worden, war geplant, ging oft über viele Jahre, sogar Jahzehnte, als Motiv sind niedrige Beweggründe anzunehmen.

    Ein Freispruch ist in gar keinem Fall hinzuhehmen!

    • kael
    • 25. April 2013 12:13 Uhr

    Zitat: "Jeder, auch Reiche, können einsehen, dass sie einen Fehler gemacht haben und durch eine Selbstanzeige der Gesellschaft das zurückgeben, was sie ihnen vermeintlich schulden." (Zitat Ende)

    Das harmlose Wort "Fehler" wird gern missbraucht. Ein "Fehler" ist eine im Guten getroffene Entscheidung, die sich nachträgllich als falsch herausstellt. Steuerhinterziehungen lassen sich demnach nicht als "Fehler" sondern als bewusste kriminelle Handlung definieren.

    Zitat: " Als Randnotiz: Ein Staat, der sich gegen seine Reichen/Eliten auflehnt - und das geschieht in Deutschland schon seit Langem - ist auf kurz oder lang dem Untergang geweiht!" (Zitat Ende)

    Ihr "Randnotiiz" ist lächerlich. Sie argumentieren Despoten und ihre Clans.

    Im Artikel steht folgender Satz: "Wer Reue zeigt und zahlt, wird von Strafe verschont." Es geht hier nicht in einem moralischen Sinne um "Reue", sondern Reue erweist der Steuerhinterzieher durch Strafzahlung. Diesen Unterschied (moralisch/juristisch) sollte man in der Veröffentlichten Meinung deutlich hervorheben. Keiner kann in den Kopf/in das Herz eines anderen gucken. Das einzige, was also bei diesem Deal zählt, ist GELD, das als Strafe bezahlt wird. Andere Kriminelle können sich nicht von Strafe ( Haft ) freikaufen. Im Übrigen werden Leute wie Hoeneß durch Strafzahlung nicht arm. Wer kann denn bei solchen Verbrechen ernsthaft von "Reue" sprechen oder von einer finanziellen Belastung als Strafe? Plötzlich wird sichtbar: Oberschicht- Kriminalität unterliegt offenbar ganz anderen Maßstäben. Dies wirft ein charakteristisches Licht auf unsere Gesellschaft, aber ein ganz, ganz schlechtes.

  2. aber wenn man Steuern hinterzieht und diese dann irgendwann selbstständig wieder zurückzahlt, dann hat man sie doch quasi nie hinterzogen, oder? Und wenn dem so ist, dann hat man ja auch keine Straftat mehr begangen, oder nicht? Man könnte natürlich argumentieren, daß man Steuern sofort abzurechnen hat und auch mehr als Entschädigung verlangen, da man das Geld ja noch Inflationsberechnen müsste, etc., aber ich finde irgendwie, daß das so wäre, wie wenn ich jemanden des Diebstahls bezichtige, wenn er etwas klaut, dann Reue zeigt und es mir wiedergibt. Dann hat er in erster Instanz zwar etwas von mir geklaut, aber wenn ich es ohne Wertverlust wiederbekomme, dann sehe ich da nicht so das Problem (für durch den Diebstahl aufgekommene Kosten müsste derjenige natürlich aufkommen). Ich hoffe, daß mein Punkt verständlich ist..
    Grüße

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    bekommt er aber nicht, wenn die Strafandrohung fehlt.
    .

    Zudem glaube ich Ihnen nicht, das, wenn Sie den Vergleich Diebstahl einer Ware anführen, Sie gelinde nur ein Du du du sagen werden, weil Sie die Ware zurück erhalten. Wenn der Dieb das einmal pro Woche macht, wird Ihre Geduld evtl. nach 1 Monat ( kommt auf Ihre Gutmütigkeit an) aber dermaßen überstrapaziert sein, dass Sie wohl sagen werden, eh, SO aber nicht.
    Falls nicht, "Hut ab"

    Bestraft wird nicht die Straftat alleine sondern die Tatsache das sie gegen ein Gesetz verstoßen haben.

    Selbst wen sie als geschädigter eine Anzeige zurückziehen oder sie als Täter unter welchen Umständen auch immer zu später Reue gelangen haben sie vor dem Gesetz eine Straftat begangen die geahndet wird wen dies öffentlichem interesse entspricht.

    Die Bewertung der Strafe ist dann aber auch von schwere der Tat , gezeigter Reue , Einlassung zur Sache und dem Geschick ihrer Anwälte u.s.w. abhängig.

    Sie werden sich diesbezüglich bei Herrn Hoeneß aber keine sorgen machen müssen da er in der Rolle des Verfechters von Anstand und Sittlichkeit durchaus überzeugen konnte.

    ...bei jemandem einbreche und das Diebesgut zurückgebe, habe ich auch quasi nie eingebrochen oder was?

    wenn ich Ihnen Ihr Fahrrad klaue, es aber nach drei Jahren heile wiedergebe und sage es tut mir echt leid, dann wäre das für sie O.K?

    Ach ja,das neue Fahrrad, dass sie sich nach dem Diebstahl gekauft haben, brauchen sie jetzt ja auch nicht mehr.

    ich hätte mal wieder erst lesen und dann schreiben sollen ;-)

  3. Man bedenke, es geht um Geld, nur um Geld UND nur um Steuergelder aus Einkommen (versuche mal einer die Kfz-Steuer zu hinzerziehen, der läuft recht schnell, vermute ich) UND das sind Staatseinnahmen, die ohne konkreten Verwendungsanspruch zu leisten sind, der Bürger hat keinen unmittelbaren Anspruch daraus auf irgendwas. Mittelbar kann er diverses natürlich daraus verlangen (Schulen, Straßen, Polizei, Steuerfahnder u.v.a.m.). Apropos Steuerfahnder. Steuerprüfer und Steuerfahnder müssten natürlich etwas aufgestockt werden, insbesondere in den Südländern, dort insbesondere in Bayern, dann kann man mehr prüfen. Und man sollte engagierte Prüfer nicht von Amts wegen für verrückt erklären, nur weil sie sich vom Steuerpflichtigen ihre Arbeit nicht erklären lassen wollen.

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    KFZ-Steuer kann man nicht hinterziehen, die kann man nur schulden, denn das Fahrzeug ist ja beim KBA registriert, wenn man es anmeldet.
    Die Daten stehen ja in der ZB1, somit im Datensatz des KBAs und durch diese Daten kann der Steurbescheid erstellt und dem Steuerschuldner zugestellt werden.

    "Man bedenke, es geht um Geld, nur um Geld"

    Richtig! Nur erzählen Sie das mal den Leuten, die wegen nicht zurückgezahlter Kredite im Gefängnis landen. Und dabei existiert das Geld (Giralgeld, Computergeld, FIAT-Geld) im Moment der Kreditvergabe noch gar nicht (verlängerte Bilanz), es wird "aus der Luft erzeugt". Bin kein Kreditexperte, Andere können das sicher besser erklären.

    Kein Schaden - aber ab in die Zelle. Bei Steuerhinterziehung ist der Schaden zumindest reel!!!!

  4. Aber hier muss man tatsächlich sagen, dass der Anreiz für eine Selbstanzeige weiter so gegeben sein sollte, denn das Interesse der Allgemeinheit an diesen Millionen wiegt für mich schwerer als das Interesse die Person zu bestrafen.
    Ich bin der Erste, der auf Missetäter "einprügelt", aber manchmal muss man eben auch mal abwägen.
    Diese Leute haben immerhin niemandem direktes Leid zugefügt.
    Es ist sowieso schon lächerlich, dass Steuerhinterzieher härtere Strafen zu erwarten haben als die "richtig schweren Jungs".
    Sollte klar sein, wie ich das meine.

  5. wenn sich die menschen gegen die eliten auflehnen ist der staat nicht dem untergang geweiht....

    sondern man erhält einen umbau der gesellschaftlichen und sozialen verhältnisse. das nennt man dann auch revolution.
    ehrlich gesagt finde ich je älter ich werde diese option garnichtmal mehr so schlimm. es muss ja nicht mit gewalt passieren. wir deutschen haben damit ja schon erfahrung gesammelt :)

    11 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ich sehe..."
  6. "Wenn man einen Anreiz geben will, in die Steuerehrlichkeit zurückzukehren, muss für den Täter klar sein, welchen Vorteil er bekommt."
    Na prima. Warum kann man dies nicht für alle Kriminellen verallgemeinern? Nur, weil nicht alle reich sind?
    In diesem Fall verweise ich auf das Vorbild der USA. Was hindert unseren Gesetzgeber daran zu regeln, dass jeder in Deutschland erwirtschaftete Euro in Deutschland zu versteuern ist und dass ein Verstoß dagegen mit härtesten Mitteln geahndet wird?
    Glaubt jemand allen Ernstes, dass dann niemand mehr in Deutschland Geschäfte machen will? Außer unseren lobby-gesteuerten Politikern wohl niemand.

    13 Leserempfehlungen
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    "..jeder in Deutschland verdiente € soll in Deutschland versteuert werden."
    Das ist nicht so einfach.
    Es gibt viele Beispiele, warum das nicht so einfach ist.
    Nehmen sie eine große amerikanische Kaffeekette. Die zahlen in Deutschland nur 5 Prozent Steuern. Dazu müssen sie nur die Lizensgebühren so hoch setzen, daß fast kein Gewinn bei den Filialen übrig bleibt. Das Unternehmen, das die Lizens hat, residiert z.B. als Briefkastenfirma auf den "Osterinseln". Dort zahlen sie keine Einkommensteuren, sondern nur Verbrauchsssteuern (Das gibt es wirklich). Was wollen Sie tun?
    VW hat seine Steuetrlast in den letzen Jahren trotz mehr Gewinn halbiert. Dazu brauchte es nur einige Tochterfirmen in den Niederlande, die selbst auch wieder Tochterfirmen auf den "Osterinseln" gründeten, dort hohe Lizens- oder Beratergebühren ausweisen und damit Gewinne legal aus Deutschland herausholen.
    Es gibt viele Möglichkeiten. Die Libealisierung der MÄrkte, die offenen Grenzen für Kapital und Konzerne machen alles möglich.
    Es gibt Doppelbesteuerungsabkommen mit sehr vielen Ländern, Das ist gut, denn niemand sollte mehrmals Steuern zahlen müssen. Die Politik hat das geregelt. Nicht geregelt hat man, daß es Möglichkeiten gibt, gar keine Steuern mehr zu bezahlen. Das ist der Politik nicht so wichtig. Es gibt bestimmt keine Lobbyisten, die die Politiker bearbeiten, damit sie irgendwo Steuern bezahlen können. Entweder die Politiker sind doof, oder haben etwas davon, daß sie sich nicht kümmern.

    • jojocw
    • 24. April 2013 20:13 Uhr

    deshalb sollte er auch teilweise anders behandelt werden.

    Ich sehe schon einen Unterschied zwischen einem Steuerbetrug/Betrüger und anderen Straftaten.
    1. Sie schädigen niemand bestiimmtes.
    2. Sie gehen nicht aktiv vor. (Wie z.Bsp. bei einem Versicherungsbetrug, oder bei Mehrwertsteuerbetrug).
    3. Sie verfälschen keine Angaben. (Deshalb unterscheidet die Schweiz zwischen Steuerbetrug, bei dem falsche Angaben gemacht werden, und Hinterziehung also verschweigen)
    4. Es gibt Straftaten, die in allen Gesellschaften als solche "anerkannt" sind.
    Köperverletzung, Totschalg, Betrug etc.
    5. Steuern gehören nicht dazu. Zumal es manchmal Steuern sind, die es in anderen Ländern gar nicht gibt.
    6. Die Höhe der Steuern ist ebenfalls veränderlich, je nach politischer Lage.
    7. Durch verschieden "Modelle" kann man auf die Steuer erheblich Einfluss nehmen.
    8. Es manchen Ländern war und ist es offensichtlich üblich, Steuern nach Laune zu zahlen, bzw. zu betrügen. (Griechenland etc.)

    Deshalb ist für mich Steuerbetgrug etwas anders zu bewerten als "andere" Straftaten. Deshalb gibt es dafür auch besondere Regeln. (z.B. Selbstanzeige).

    Als vergleichbar sehe ich z.B. an, wenn Sie einem Handwerker, der eine Leistung erbracht hat, die Rechnung nicht bezahlen.
    Das ist auch kein Straftatbestand. (Warum nicht?)

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    • gooder
    • 24. April 2013 20:34 Uhr

    Steuerbetrüger gehen schon aktiv vor, schließlich wissen sie dass sie eine Steuer entrichten müssen. Zwischen Verschweigen und verfälschen,sehe ich in diesem Zusammenhang ebenfalls keinen Unterschied.

    In Deutschland fehlt es an Finanzbeamte, im Schnitt schauen die Prüfer nur alle 50 Jahre bei einer Firma vorbei. Für die Überprüfung einer Steuererklärun, hat ein Beamter gerade 17 Minuten.
    Besonders unterbesetzt sind die Finanzbehörden in Bayern und Baden-Würtemberg und wo Finanzverwaltungen schlecht ausgestattet sind, lockt das natürlich Unternehmen an.
    Wären die Finanzämter ordentlich besetzt, könnte der Staat jährlich bis zu 50 Milliarden Euro mehr einnehmen.

    Steuerhinterziehung ist tatsächlich ein Spezialfall und deshalb ist es nicht so falsch, dass sie immer wieder als Steuerbetrug bezeichnet wird.

    Natürlich wird jemand bestimmtes geschädigt, nämlich die Körperschaft, der die Steuer vorenthalten wird und die Menschen, die zu dieser Körperschaft gehören.

    Mit dem Argument, es wird ja niemand bestimmtes geschädigt, könnte man ja auch den Bankraub oder den Betrug an anderen großen weitgehend anonymen Gebilden straffrei stellen.

    Außerdem gehen Steuerhinterzieher in der Regel aktiv vor und verfälschen Urkunden. Die Wahrheit wird nicht einfach verschwiegen, sondern kunstvoll verdeckt.

    Ertragsteuern gibt es fast in allen höher entwickelten Ländern. Warum die unterschiedliche Höhe und die unterschiedlichen Minderungsmöglichkeiten (wie z. B. Versicherungsbeiträge, Handwerkerrechnungen) die Steuerhinterziehung nicht verwerflich machen soll, erschließt sich mir nicht.

    Man muss dabei natürlich auch an diejenigen denken, die wegen Quellensteuerabzug (z. B. Lohnsteuerabzug) kaum Ausweichmöglichkeiten haben. Der grundgesetzlich garantierte Gerechtigkeitsgedanke verlangt nach ständigen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts Gleichheit auch im Vollzug. Dazu gehört auch die entschiedene Verfolgung.

    Wenn man eine Handwerkerrechnung nicht zahlt, bleibt das straffrei, sofern man es nicht von vornherein so geplant hat. Dann wäre es Betrug.

    Wenn Sie einfach Ihre eigenen Steuern nicht zahlen, ist das ebenfalls nicht strafbar.

    Um unser Staatswesen einschließlich Infrastruktur in Funktion zu halten, hat der Staat gesetzlich den Anspruch auf Beteiligung der Bürger durch Steuern geregelt.
    Wenn eine Bande reicher Betrüger gegen diese Rechtsvorschrift verstößt, dann ist daran nichts zu verniedlichen und zu verharmlosen, nur weil der Kontostend höher ist. Im Ergebnis erhöht der Staat die Steuern, um wenigstens von den Ehrlichen einen größeren Anteil zu bekommen. Die Ehrlichen sind die Geschädigten durch Steuerbetrüger.
    Und wir alle wissen, dass insbesondere Porsche-Fahrer über den schlechten Zustand von Straßen gern meckern. Aber "Steuern sparen".

    • Mika B
    • 24. April 2013 23:46 Uhr

    Ich sehe keinen Unterschied zwischen "Steuerhinterziehung" oder einen Griff in die Staatskasse , beides kommt im Endeffekt auf das gleiche Hinaus.
    Ein Kämmerer der in die Staatskasse greift kann sich auch nicht Rechtfertigen , das er ja niemand "bestimmtes" Schädigt.
    Auch das im Ausland Steuergesetze anders sind ist kein Grund für Gesetzesbruch oder eine laxe Handhabung, wer hier lebt muss sich an hiesige Gesetze halten oder halt Auswandern.
    Es darf auch niemand Betrunken Auto fahren oder mit einem Sturmgewehr in seinen Garten Schießen , nur weil es vielleicht in einigen Ländern erlaubt ist.

    • jojocw
    • 25. April 2013 10:09 Uhr

    Ich habe 8 Gründe genannt, warum für mich Steuerbetrug nicht vergleichbar mit anderen Straftaten ist.

    Die meisten Antworten haben aber nur auf den ersten Bezug genommen.
    (Niemand bestimmtes wird geschädigt.)
    Das ist sicherlich auch ein eher schwacher Grund.
    Es bleiben aber noch 7 andere.

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