Hans-Olaf Henkel

Weil er so seriös wirkt und gleichzeitig so schön auf den Euro schimpfen kann, gehört Hans-Olaf Henkel quasi zum Inventar deutscher TV-Talkshows. Der 73-Jährige war Manager bei IBM und später Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), so richtig berühmt ist er allerdings erst, seit er sich auf plakative Sprüche und Politikerschelte spezialisiert hat. Dafür stellen ihm Medien Kolumnen und Interviews zur Verfügung. Unter Überschriften wie "Widerstand gegen den Meinungsterror" wettert Henkel dann gegen die "Einheitseuropolitik". So stilisiert er den Kampf gegen die gemeinsame Währung zum Kampf gegen vermeintliche Denkverbote und Mainstream-Meinungen. Sein Vorschlag: die Währungsgemeinschaft teilen, in einen starken Nord- und einen schwachen Süd-Euro. Henkel saß beim Gründungsparteitag der Alternative für Deutschland in der ersten Reihe, er ist jedoch kein Mitglied der AfD.

Der Protestpartei-Profi

Dirk Nockemann hat Erfahrung in wütenden Kleinparteien. Für die Hamburger Schill-Partei war er einst Innensenator. Danach wollte er eigentlich zusammen mit dem Islam-Gegner Udo Ulfkotte eine neue Partei gründen, daraus wurde aber  nichts. Stattdessen ließ Nockemann die uralte Zentrumspartei kurz und erfolglos wieder aufleben. Zwischendurch war er auch noch Mitglied in der CDU und ganz früher mal bei den Jusos aktiv. Jetzt probiert es der Polit-Karrierist bei der AfD. Der 54-Jährige gibt sich rechtspopulistisch, er spricht sich für Law and Order aus und gegen eine "Anbiederung an den Islam". Beim abgeordnetenwatch.de kann man folgendes Statement von ihm lesen: "Wir haben Gott Schritt für Schritt aus unserem Leben verbannt. Warum wundern wir uns darüber, dass unsere Welt allmählich zur Hölle fährt!" Bisher hat es Nockemann auf eine einfache Mitgliedschaft bei der AfD gebracht.

Der junge Euro-Gegner

Robin Ebser ist gegen den Euro und will mehr Demokratie in Europa, sagt er. Der 32-Jährige Software-Entwickler nennt sich sozialliberal. Wenn sich seine neue Partei AfD gegen die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften aussprechen würde, wäre das für ihn beispielsweise schwer zu akzeptieren. Und: "Eher würde ich mir die Hand abhacken, als mein Kreuz im rechten Lager zu machen." Andererseits sagt Ebser: "Mich treibt vor allem das Euro-Thema um. Ich bin bereit, dem einiges unterzuordnen." Rechte Spinner seien in der AfD nur eine Minderheit und ohne großen Einfluss. Ebser hofft, dass das so bleibt. Überhaupt gehe es der AfD beim Euro-Thema ganz besonders um das Wohl der Südeuropäer, die litten unter der Rettungspolitik am meisten. Warum die Partei dann "Alternative für Deutschland" heißt, kann er nicht erklären.

Der Grüne mit Zukunftsangst

Wenn es um Staatsverschuldung geht, wird Hansjörg Schrade fundamentalistisch. "Prinzipiell und moralisch" lehnt der 54-Jährige Gemüsehändler aus Stuttgart sie ab. Deshalb ist er bei den Grünen ausgetreten, bei denen er jahrelang Mitglied war. "Wir lassen unsere Kinder unseren Luxuskonsum, unser Elitenversagen bezahlen", sagt er. 
Bei der AfD vermisst der Exgrüne "innerparteiliche Demokratie". Der Gründungsparteitag sei ein "Diktat der Disziplin" gewesen, kritisiert Schrade. Parteisprecher Bernd Luke habe Anträge abgebügelt, das durchgepeitschte Parteiprogramm  sei durch einen Beschluss "betoniert" worden, wonach es nur noch mit Dreiviertelmehrheit geändert werden kann. Karriere machen möchte Schrade in seiner neuen Partei trotzdem, am liebsten im Bundestag, um gegen "Geld- und Zukunftsverluste" zu kämpfen. Wenn es sein muss, auch mit rechtskonservativen und rechtspopulistischen Mitstreitern. Man müsse "rechte Leute mit offenen Armen aufnehmen", sagt Schrade. Es seien ohnehin zu wenige, um Einfluss auf den Kurs der Partei zu haben, hofft er.

Der Ex-CDU-Hardliner

Michael Brück wurde von seiner Partei verlassen. So sieht es zumindest der 44-jährige Jurist selbst, der 28 Jahre lang Mitglied in der CDU war. Mit dem Modernisierungskurs von Parteichefin Angela Merkel hatte er große Probleme, im "Berliner Kreis" wollte er mit anderen CDU-Mitgliedern gegen die Parteilinie kämpfen – und hat nichts erreicht. Deshalb ist er jetzt bei der AfD gelandet. Er beklagt die vermeintliche "Missachtung rechtsstaatlicher Prinzipien bei der Euro-Rettung", aber grundsätzlich stört ihn auch, wie die europäische Integration abläuft. Rechts sei er nicht, sagt Brück, sondern "wertkonservativ". Darunter versteht er zum Beispiel, Homosexuellen nur dann Adoptionen zu erlauben, wenn durch wissenschaftliche Studien ausreichend nachgewiesen sei, dass das dem Kindeswohl nicht schade. Brück freut sich über den "sehr disziplinierten" Gründungsparteitag am vergangenen Sonntag, auf dem Parteichef Bernd Lucke das AfD-Programm ohne Diskussion durchgewinkt hatte. Fragt man ihn nach seinen eigenen Aussichten, kehrt Brück preußisches Pflichtverständnis hervor: "Wenn ich gebraucht werde, stehe ich zur Verfügung."

Korrektur: in einer Vorversion dieses Artikels hatten wir geschrieben, Herr Brück wolle Homosexuellen keine Adoption erlauben. Hierzu stellen wir richtig, dass er die Adoption durch Homosexuelle nur dann erlauben würde, wenn durch wissenschaftliche Studien ausreichen nachgewiesen sei, dass das dem Kindeswohl nicht schade. Wir stellen hiermit außerdem klar, dass Herr Brück sich nicht ausdrücklich über das "Durchwinken" des Programms auf dem Parteitag gefreut hat. Er selbst habe noch auf dem Parteitag programmatische Ergänzungen gefordert.

 

Der enttäuschte Konservative

Heiner Garbe wird langsam alles zu viel. "Wir können uns nicht für alle Welt verantwortlich fühlen" , sagt der 57-jährige Wirtschaftsjournalist, der jahrelang Pressesprecher bei E.on Ruhrgas war. "Es gehören Grenzen gesetzt." Zum Beispiel bei der Migration. "Einwanderung in die Sozialsysteme verhindern", ist eine der Forderungen, mit denen er sich bei anderen Parteien nicht mehr aufgehoben fühlt. Er ist gegen die aktuelle Schuldenpolitik und die Verletzung des Maastricht-Vertrages. Garbe beklagt auch grundsätzlich eine vermeintliche "Entdemokratisierung". Deshalb sind für ihn die anderen Parteien nicht nur "Kaderparteien", er bezeichnet sie sogar als "gleichgeschaltet". Eine heftige Wortwahl, hatten doch die Nationalsozialisten von "Gleichschaltung" gesprochen, als sie nach ihrer Machtübernahme in Deutschland Politik, Öffentlichkeit und das ganze Land auf ihre Linie brachten.

Der Atomausstiegsgegner

jSPD, FDP, Union: Für Axel Leonhardt sind das alles nur noch "Altparteien". Der 43-jährige IT-Projektmanager bei der Commerzbank war bisher in keiner Partei aktiv. Jetzt meint er, "konservative Werte" verteidigen zu müssen, vor allem in der Finanz-, Familien- und Energiepolitik. Besonders den Atomausstieg hält er für falsch. Am rechten Rand sieht Leonhardt die AfD nicht, er selbst findet, Deutschland müsse für Zuwanderer und Flüchtlinge offenstehen. Spricht man ihn auf die Forderung von Parteisprecher Konrad Adam an, Arbeitslosen das Wahlrecht zu entziehen, reagiert er ausweichend. Das sei ja nicht Teil des Parteiprogramms.