Wenige Tage vor Beginn des NSU-Prozesses haben mehrere Tausend Menschen in der Münchner Innenstadt gegen Rechtsextremismus demonstriert. Die Kundgebung, zu der ein Bündnis aus mehreren Dutzend linksgerichteten Gruppen aufgerufen hatte, sollte an die Opfer des rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) erinnern. 

Das Mitgefühl gehöre den Angehörigen, sagte der Imam der muslimischen Gemeinde von Penzberg, Benjamin Idriz: "Wir fühlen und trauern mit ihnen." Die Opfer seien nach Deutschland gekommen, um für ihre Familien eine sichere Zukunft aufzubauen. "Aber Deutschland hat es nicht geschafft, sie zu schützen", sagte Idriz. "Das Vertrauen ist tief zerstört."

Die Veranstalter sprachen am Nachmittag von 7.000 bis 10.000 Teilnehmern. Ein Polizeisprecher bezifferte die Zahl auf rund 5.500. Etwa 800 bis 900 Demonstranten seien dem linksextremen Schwarzen Block zuzurechnen. Sie verhielten sich aber friedlich. 

Der Prozess um die Serie von zehn Morden des NSU soll am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München beginnen. Dem NSU werden Morde an neun Menschen mit türkischen und griechischen Wurzeln und einer deutschen Polizistin zur Last gelegt, außerdem zwei Bombenanschläge und eine Serie von Banküberfällen. Angeklagt sind die Hauptverdächtige Beate Zschäpe und vier weitere Beschuldigte.

"Ein Schritt in die richtige Richtung"

Unterdessen gibt es aus der Türkei positive Reaktionen auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, türkischen Journalisten beim NSU-Mordprozess in München Plätze zu sichern. "Wir sehen darin einen Schritt in die richtige Richtung", teilte das Außenministerium in Ankara mit.  

Das Ministerium hatte wiederholt die Zulassung türkischer Beobachter bei dem Verfahren gefordert. Außenminister Ahmet Davutoglu telefonierte deshalb unter anderem mit seinem Kollegen Guido Westerwelle (FDP). Auch beim jüngsten Türkei-Besuch von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte Ankara die Forderung bekräftigt.

Das Bundesverfassungsgericht hatte die heftig umstrittene Platzvergabe im Münchner NSU-Prozess am Freitag zum Teil korrigiert. Karlsruhe ordnete an, das Oberlandesgericht München müsse mindestens drei zusätzliche Plätze für ausländische Journalisten schaffen. Das Gericht hatte zuvor die 50 Presseplätze nach der Reihenfolge der Anmeldung vergeben. Türkische und fast alle anderen internationalen Medien gingen leer aus.

Die Karlsruher Richter hatten auf eine Klage der türkischen Zeitung Sabah hin entschieden. Der Vizechefredakteur der deutschen Sabah-Redaktion, Ismail Erel, begrüßte den Richterspruch. "Hauptziel war die Zulassung türkischer Medien im Allgemeinen", sagte er dem Sender hr1. "Und das ist erreicht worden." Ob sein Blatt nun einen der zusätzlichen Plätze bekomme, sei dabei zweitrangig.