Familienpolitik : Familienpolitik geht an den Bedürfnissen der Eltern vorbei

Väter und Mütter wünschen sich Wahlfreiheit und Flexibilität bei der Kinderbetreuung, belegt eine Forsa-Studie. Die Parteien planen oft in die falsche Richtung.

Der möglichst rasche Wiedereinstieg junger Eltern in den Beruf und die Abschaffung des Ehegattensplittings gehören aktuell zu den familienpolitischen Zielen vieler Parteien in Deutschland. Dass dies nicht unbedingt den Vorstellungen vieler Eltern entspricht, zeigt die Studie "Wenn Eltern die Wahl haben". Für sie waren Eltern mit Blick auf die Bundestagswahl nach ihren Wünschen befragt worden.

Demnach befürworten vier Fünftel der Eltern das Ehegattensplitting, eine große Mehrheit wünscht sich zudem eine kostenlose Familienversicherung und die Möglichkeit, nicht berufstätige Ehepartner in der Krankenversicherung mitzuversichern.

"Vieles spricht dafür, dass sich der Wunsch von Wirtschaft und mehreren Parteien, Eltern nach einem Jahr ins Berufsleben zurückzuholen, nicht mit den Wünschen vieler Eltern deckt, sagte Marie-Luise Lewicki, Chefredakteurin von Eltern und Eltern Family. Im Auftrag der Magazine hatte das forsa-Institut eine repräsentative Umfrage mit 1.000 Eltern minderjähriger Kinder durchgeführt und dabei einige überraschende Antworten bekommen.

Viele Eltern wollen keinen eiligen Wiedereinstieg in den Beruf

Immerhin 42 Prozent der Eltern sind für eine Job-Pause von drei Jahren oder mehr nach der Geburt. Zudem sprechen sich mit 51 Prozent wesentlich mehr Eltern für das kürzlich beschlossene Betreuungsgeld aus, als der Rest der Bevölkerung. Befürworter sind sowohl unter den Anhängern der CDU/CSU (84 Prozent) und SPD (83 Prozent) als auch der Grünen (76 Prozent) zu finden.

Zu den Einsparmöglichkeiten des Staates bei familienpolitischen Leistungen befragt, sprechen sich 69 Prozent dafür aus, Familien mit einem Haushaltseinkommen von mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr das Elterngeld zu kürzen. Dies befürworten sogar 69 Prozent der Befragten, die selbst über ein Haushaltsnettoeinkommen vom mehr als 3.000 Euro netto verfügen. 53 Prozent aller Befragten meinen außerdem, Gutverdiener könnten aufs Kindergeld verzichten.

Handlungsbedarf sieht ein Großteil der Väter und Mütter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: 64 Prozent der Befragten bemängeln, es gebe nicht genügend Betreuungsplätze für Kinder ab drei Jahren. "Obwohl es seit Jahren einen Rechtsanspruch auf diese Plätze gibt", sagte Marie-Luise Lewicki, "hapert es offenbar noch immer an der Qualität der Betreuung und an der Betreuungsdauer".
 

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Kommentare

53 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Der Wahlomat spuckt bei ihnen FDP aus,

weil das was sie versprechen größtenteils ziemlich vernünftig ist und von vielen Leuten gewünscht wird.

Geht mir teilweise auch so. Ich bin für die Gleichsetzung der Homo Ehe und auch gegen das Betreuungsgeld, genauso wie eine Familienfreundliche Arbeitswelt.

Leider hapert es dann bei denen immer mit der Umsetzung und deshalb trägt man halt genau das Gegenteil von dem mit, was man so anpreist.

Wenn man weiter geht...

Wenn man bis zum Schluss geht, sollen eigentlich einfach nur "die anderen" bezahlen. Die Zahlen (64% etc.) lassen darauf schließen, dass eher die Mittelschicht die Umfrage bestimmt hat. Reiche (über 100 000€/ Jahr) waren sicher gegen die Aufgabe des Splittings bzw. Zahlung von Leistungen ;)

Natürlich wollen Eltern sparen- genauso wie jeder andere. Ich finde es auch blöd, dass ich genauso viel KK bezahlen muss, wie der Kollege, der noch 2 Kinder und ne Frau mitversichern kann.
Die Umfrage ist irgendwie sinnfrei, zumindest so, wie sie hier beschrieben wurde.

Zumindest zeigt die Umfrage, dass sich Eltern gar nicht so einig sind und auch gar nicht so genau wissen, was sie wollen. Es gibt also nicht DIE Eltern, sondern ne Menge Familien, die alles mögliche wollen- möglichst günstig. Das ist nachvollziehbar, aber ein Luxusproblem.
Familien in Deutschland geht es finanziell nicht wirklich schlecht. Das Traum-Leben zu bekommen ist schwer. Aber das ist es ja für JEDEN, nicht wahr?