Emotionale Reden, wütende Zwischenrufe, absurde Argumentationsstränge: Amüsante 90 Minuten waren das am Donnerstag im Bundestag. Dabei trug der Oppositionsantrag, über den beraten wurde, einen eher technischen Titel: "Förderung gleichberechtigter Teilhabe von Frauen und Männern in Führungsgremien".

Seit vier Tagen ist die Union jetzt doch für die feste Frauenquote in Aufsichtsräten. Offiziell zumindest. Am Donnerstag hätte die Fraktion sie beschließen können. Eigentlich. Denn die Opposition hatte die Quote im Plenum zur Abstimmung gestellt. Doch die Unionsabgeordneten stimmten dagegen. Weil man im Wahlkampf nicht mit der Konkurrenz paktiert. Vielleicht auch, weil weite Teile der Union eigentlich keine Lust auf gesetzlich fixierte Frauenanteile in Führungsetagen haben.

"Gesetzliche Note" statt "freiwilligem Vollzug"

Stattdessen führte die Fraktion ein kleines parlamentarisches Schauspiel auf. Der Vorsitzende Volker Kauder betonte, es sei "grottenfalsch", dass sich ohne feste Quote gar nichts tut. Seit dieser Woche halte er aber durchaus eine "gesetzliche Note"  für richtig, sollte der "freiwillige Vollzug" der Wirtschaftsbosse bis 2020 nicht befriedigend sein. Nach der Wahl werde die Unionsfraktion ein Quotengesetz vorlegen, beteuerte Kauder. Versprochen. Mal sehen, was die mehr als quotenskeptische FDP dazu sagt, sollte Schwarz-Gelb im Herbst noch an der Regierung sein.

"Es ist schon dreist", sprach dann Familienministerin Kristina Schröder zum Thema, doch weiter kam sie mit dem Satz nicht, denn er ging im schallenden Gelächter der Opposition unter. Nein, nein, sie meinte natürlich nicht die allzu plötzliche Kehrtwende ihrer Vorgesetzten Angela Merkel und auch nicht den Druck ihrer Konkurrentin Ursula von der Leyen, die ja vor einer Woche noch gedroht hatte, dem Oppositionsentwurf zuzustimmen. Schröder wollte vielmehr Rot-Grün "Scheinheiligkeit" bei der Frauenförderung attestieren – nicht ganz zu Unrecht, aber dazu später. Kein Wort konnte Schröder ohne hämische Zwischenrufe sagen. Ihre freiwillige Flexiquote soll nun nur noch sieben Jahre gelten.

Widersprüchlich auch die Rechtfertigung der Sprecherin der Unionsfrauen, Rita Pawelski. Sie ist für eine feste Quote, durfte aber nicht mit der Opposition stimmen. "Manchmal muss man das Gegenteil von dem tun, was man möchte, um das zu erreichen, was man will", sagte Pawelski. Zum Dank bekam sie einen Besuch von der Kanzlerin, die einmal demonstrativ von der Regierungsbank durch das Plenum zu Pawelski lief, um mit ihr zu schwatzen. Die abtrünnige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ließ Angela Merkel dabei links liegen.

Soweit die Szenerie dieses sommerlichen Plenartages. Doch was bleibt? Die Frauenquote kommt (erst mal) nicht, eine Koalitionskrise ist abgewendet. Wofür die Union in der Quotenfrage steht, wer weiß es schon. Es ist ja nicht das erste gesellschaftspolitische Thema, bei dem die Volkspartei sich weigert, wirklich Farbe zu bekennen.

Die Opposition feixt, aber sie muss es erst mal besser machen. SPD und Grüne können sich eine feste Frauenquote in Aufsichtsräten frühestens ab 2018 vorstellen und erst mal nur zu 20 Prozent. Bis 2023 sollen es dann 40 Prozent sein. So weit liegen Union und Rot-Grün also nicht auseinander. Mehr noch: Auf dem Papier ist die Union mit einer Quote von 30 Prozent schon 2020 sogar ein bisschen mutiger.