Man kann sich die NPD als Wagenburg vorstellen: als kleines Häuflein von Menschen, die sich als die letzten aufrechten Deutschen fühlen. Sie sehen sich von einer übermächtigen Außenwelt bedroht, von "den Ausländern" und "der Linken", vom Islam und von der angeblichen jüdischen Weltverschwörung. Läuft es mal nicht so gut mit dem Kampf gegen alles Böse, machen sie am liebsten die Feinde dafür verantwortlich.

Der Ort, an dem sich die NPD am Wochenende zu ihrem Bundesparteitag traf, passte in dieses Bild: Den Eingang zum etwas heruntergekommenen Gasthof Zum Schwarzen Ochsen im baden-württembergischen Weinheim hatte man mit einer Spanplatte verrammelt, darauf zu lesen: "Geschlossene Gesellschaft". Im engen, zunehmend stickigen Saal wurde dann viel auf "das System" und "die Journaille" geschimpft, die durch ihre Berichterstattung das Volk von der NPD fernhielten.

Und wenig überraschend wurde der Vorsitzende Holger Apfel wiedergewählt, ein von manchen Medien erwarteter Putsch seines Vorgängers Udo Voigt blieb aus. Er war gar nicht erst angereist. Der stattdessen angetretene Gegenkandidat Uwe Meenen, Landesvize in Berlin, gilt in der Partei als Intrigant, ihm trauen die Kameraden noch weniger zu als Apfel; am Ende stand es 37 zu 122 Stimmen. Auch die Vizevorsitzenden wurden wiedergewählt, ebenso der größte Teil des Parteivorstands.

Geldsorgen und Propaganda

Natürlich ist die NPD in einer schwierigen Lage. Seit Jahren sind die Wahlergebnisse desaströs, zuletzt holte die Partei in Nordrhein-Westfalen 0,5 und in Niedersachsen 0,8 Prozent – aus der staatlichen Parteienfinanzierung ist sie deshalb in diesen Ländern wieder herausgefallen. Zudem fordert die Bundestagsverwaltung wegen fehlerhafter Rechenschaftsberichte knapp 1,3 Millionen Euro zurück. Dagegen prozessiert die NPD zwar durchaus mit Erfolgsaussichten – aber erst einmal trocknet der Streit die Parteikasse aus, bindet Kraft und fünfstellige Summen an Prozesskosten. Vor ein paar Wochen musste allen sieben Mitarbeitern der Parteizentrale in Berlin-Köpenick gekündigt werden.

Trotzdem wäre es falsch, die NPD abzuschreiben. Den größten Teil ihrer fast 60-jährigen Geschichte war die Partei in der Krise, meist hat sie sich wieder berappelt. Auch Apfels Vorgänger Voigt musste schon mal die Parteiangestellten zum Arbeitsamt schicken – sie machten hinterher staatlich finanziert dieselbe Arbeit ehrenamtlich weiter.

Apfel schaffte es in Weinheim, die meisten Schwierigkeiten der Partei äußeren Feinden zuzuschreiben. Und obwohl die Mitgliederzahl seit 2011 um zehn Prozent auf nur noch 5.400 gesunken ist, präsentierte er den Delegierten einige Fortschritte bei der Konsolidierung der maroden Parteistrukturen. Der Jugendverband JN verzeichnet angeblich ein Mitgliederwachstum. Wegen der fehlerhaften Finanzberichte habe man die eigenen Wirtschaftsprüfer, die die Mängel nicht bemerkt hatten, in erster Instanz erfolgreich auf 600.000 Euro Schadenersatz verklagt. Im vergangenen Jahr habe man zudem 400.000 Euro an Schulden tilgen können. Auch der sieche Parteiverlag Deutsche Stimme mit angeschlossenem Propaganda-Versand mache Fortschritte; dessen Umsätze haben sich zwar seit 2009 auf nur noch 750.000 Euro halbiert und er stand kurz vor der Insolvenz, im ersten Quartal 2013 habe man aber wieder 28.000 Euro Gewinn gemacht.

Das größte Problem von Apfel ist kein finanzielles, sondern ein strategisches. Seine Wahl im November fiel zusammen mit dem Auffliegen des Terrornetzwerks Nationalsozialistischer Untergrund. Eigentlich hatte Apfel die NPD moderater aufstellen wollen, als soziale "Kümmererpartei" – doch jeder Bericht über den NSU führt der Öffentlichkeit vor Augen, welch schreckliche Folgen die NPD-Ideologie in letzter Konsequenz hat.