Münchner OberlandesgerichtCDU-Politiker Polenz mahnt Türkei zur Mäßigung im NSU-Streit

Der Streit um die Platzvergabe im NSU-Prozess "schießt weit übers Ziel hinaus", sagt Ruprecht Polenz. Er verteidigt die Justiz – und warnt die Türkei vor weiterer Kritik.

Die Pressetribüne des Oberlandesgerichts München, wo der NSU-Prozess stattfinden wird

Die Pressetribüne des Oberlandesgerichts München, wo der NSU-Prozess stattfinden wird

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz, hat die Türkei zur Mäßigung im Streit über die Vergabe von Journalistenplätzen im NSU-Prozess aufgefordert. Das Münchener Oberlandesgericht habe es zwar am nötigen Fingerspitzengefühl fehlen lassen, sagte der CDU-Politiker der Berliner Zeitung. "Aber ich möchte die türkische Politik dringend warnen, das Rad der Kritik nun noch eine Umdrehung weiter zu drehen." Es bestehe keinerlei Anlass, an der Fähigkeit des Gerichts zu zweifeln, das Verfahren in der Sache "vernünftig, fair und zielgerichtet" zu bewältigen.

Im ZDF ergänzte er, die Türkei habe allen Grund, Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat zu setzen, vor allen Dingen in die deutsche Justiz." Aus der ungeschickten Vergabe der Plätze zu folgern, dass der ganze Prozess nicht fair verlaufen werde, "schießt weit über das Ziel hinaus".

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Im Streit über die Vergabe von Beobachterplätzen beim NSU-Prozess hatte die türkische Regierung am Wochenende den Druck auf Deutschland erhöht. Außenminister Ahmet Davutoğlu forderte in einem Telefonat mit seinem Kollegen Guido Westerwelle ungehinderten Zugang zu dem Verfahren um die Neonazi-Mordserie – nicht nur für türkische Journalisten, sondern auch für Vertreter der türkischen Regierung und des türkischen Staates. Westerwelle äußerte Verständnis, verwies aber zugleich auf die Unabhängigkeit der Justiz.

Gericht setzt auf Plätzetausch

Kein einziges türkisches Medium hat einen festen Beobachterplatz für den Prozess um die rechtsextremistische Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) erhalten. Dies war auch von der Bundesregierung kritisiert worden ist. Der Prozess stößt in der Türkei auf besonders Interesse, weil acht der zehn Mordopfer Türken waren.

Das Oberlandesgericht München rechtfertigt seine Entscheidung mit dem Argument, die Journalistenplätze seien nach Reihenfolge der Anfragen vergeben worden. Eine Verlegung der Verhandlung in einen größeren Saal lehnt das Gericht ab, weil dies gegen das Gerichtsverfassungsgesetz verstoße. Stattdessen verwies das Gericht auf die Möglichkeit, dass akkreditierte Journalisten ihre festen Plätze für türkische Kollegen freimachen könnten.

 
Leser-Kommentare
  1. es wäre doch angebracht, sie mit ihren eigenen Mitteln zu traktieren. Und siehe da, sie werden nervös.

    Antwort auf "War irgendwie"
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  2. 482. [...]

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    Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde mittlerweile entfernt. Die Redaktion/fk.

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  3. Am ersten Verhandlungstag kommt eine türkische Delegation, Botschafter, Medienvertreter etc. mit der gesamten Weltpresse im Rücken und verlangt Beobachterstatus. Das Gericht lehnt ab. Was dann über die Ticker geht, kann sich jeder ausdenken. Der Ruf Deutschlands ist dann mehr als ruiniert. Aber vielleicht wird es auch nicht ganz so schlimm und Kim Jong Un schickt ein Glückwunschtelegram.

    Kein Mensch in der Welt interessiert ein kleinkariertes Platzvergabeverfahren.

    3 Leser-Empfehlungen
  4. formal richtig war und unbeanstandet bleibt, wird sich zeigen.

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  5. Sie werden mir sicherlich mit einem Satz und klaren Worten erklären können, was die Besetzung der Medienplätze mit Gewaltenteilung zu tun hat. Sie oder einer jeder 53, die diesen ... Kommentar empfohlen haben.

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    Antwort auf "Kirche im Dorf lassen"
  6. 486. Haben sie

    das Sicherheitsprotokoll überhaupt gelesen?

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    Steht da drin, dass der Türkische Gesande sich einer Leibesvisitiation nach Schusswaffen verweigert?

    Steht da drin, dass der Türkische Gesande sich einer Leibesvisitiation nach Schusswaffen verweigert?

  7. Kann mir vielleicht jemand sagen, warum die türkische Botschaft nicht Anfang Februar an das Gericht geschrieben und um die Reservierung eines Sitzplatzes für den ehrenwerten Herrn Botschafter gebeten hat?

    Glaubt vielleicht irgendwer, das Gericht hätte dann geantwortet: "Nö, du Türke, du nix sitzen!"?

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    ohne Nachfrage einen Platz in Aussicht gestellt.

    Und auf Anfrage des Botschafters im Februar
    wurde - zwar nicht wörtlich - aber im Ergebnis so geantwortet.

    ohne Nachfrage einen Platz in Aussicht gestellt.

    Und auf Anfrage des Botschafters im Februar
    wurde - zwar nicht wörtlich - aber im Ergebnis so geantwortet.

  8. 488. LOL....

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