Zur Party am 3. Mai will Katrin Göring-Eckardt einen Nusskuchen mit Sauerkirschen backen. Ihren 47. Geburtstag wird die grüne Spitzenkandidatin mit Menschen verbringen, die gerade neu in die Partei eingetreten sind. Es ist eine PR-Aktion in Wahlkampfzeiten.

"Kuchen mit Katrin", werben die Grünen auf ihrer Homepage. Dazu haben sie ein Bild von Göring-Eckardt gestellt: Die Kandidatin sitzt lächelnd im Garten, die Sonne scheint, vor ihr steht schon ein Exemplar des Kuchens, den sie auch in zwei Wochen backen will.

Bürgerlich. Fraulich. Nachdenklich und werteorientiert. Das ist das Image der grünen Spitzenkandidatin. Ein Image, das sie durchaus pflegt. Nicht nur mit der Kuchenaktion. Schon vor dem Mitgliederentscheid über die beiden Spitzenkandidaten im vergangenen Herbst betonte die damalige Bewerberin Göring-Eckardt, sie wolle gern ihren thematischen Schwerpunkt auf das Soziale legen. Die Thüringerin sprach viel über die Abgehängten in der Gesellschaft. Glaubwürdigkeit gab und gibt ihr die tiefe Verwurzelung in der evangelischen Kirche. Göring-Eckardt tritt zudem ruhig und nachdenklich auf, nicht so raubeinig wie manche Konkurrentin. Den Grünen-Mitgliedern gefiel's, sie wurde gewählt und steht seitdem im Spitzenkandidaten-Team an der Seite des grünen Ober-Gurus Jürgen Trittin.

Politik geht sie pragmatisch an

Seit fünf Monaten arbeiten Trittin und sie jetzt zusammen, weitgehend geräuschlos. Inhaltliche Differenzen werden nicht nach außen getragen. Wenn aber in der Zeitung steht, der Trittin sei der Mann für die Fakten, für die Finanzpolitik und sie das nette Beiwerk, deren Hauptaufgabe es sei, die bürgerliche Seele der Partei zu streicheln, dann ärgert sich Katrin Göring-Eckardt. Wenig später backt sie öffentlich Kuchen, was prominente grüne Frauen zusammenzucken lässt. Selbst die, die eines übereifrigen Feminismus unverdächtig sind. Göring-Eckardt ficht das nicht an: "Keine Ahnung, was Jürgen an seinem Geburtstag gemacht hätte. Ich glaube, er kocht ganz gern."    

Wer ist diese Frau? Was denkt sie wirklich und wo will sie hin? Das fragen sich auch nicht wenige in der Grünen-Führung. In der Rede der Spitzenfrau auf dem Parteitag, der heute in Berlin beginnt, werden sie nach Antworten suchen. Gemeinsam mit Trittin wird die pragmatische Göring-Eckardt den (ziemlich linken) Entwurf für das Bundestagswahlprogramm vorstellen. Wird sie ausschließlich über Sozialpolitik sprechen?

"Sozialpolitik ist ein zentrales Thema für mich und zentral auch für unseren Wahlkampf. Und es ist kein weiches Thema", sagt Göring-Eckardt. "Wenn die Leute mich damit verbinden, dass ich mich für ihre sozialen Belange einsetze, dann freut mich das. Aber zu Finanz- und Europapolitik habe ich genauso eine Meinung." Diese Themen seien doch oft auch stark mit Gerechtigkeitsfragen verbunden.

Ein Abend im März, die Grünen-Fraktion feiert 30. Geburtstag. Der Veranstaltungsraum im ehemaligen Tempelhofer Flughafen der Hauptstadt ist grün geschmückt, die Honoratioren tragen festliche, zumeist gedeckte Kleidung. Göring-Eckardt sticht heraus: Auf den schicken Rock mit Seidenstrumpfhose hat sie eine knallgrüne Bluse angezogen. Eine Mitarbeiterin der Partei schwärmt von Göring-Eckardts "tollem Kleidungsstil". Die Kandidatin ist früh da, plaudert, lacht, gibt Wangenküsschen. Trittin kommt wie immer später.