Lohnfortzahlung : SPD will Lohn bei Krankheit zwölf Wochen weiterzahlen

Die SPD will den Arbeitsschutz anpassen: Wer krank ist, soll zwölf statt sechs Wochen Lohnfortzahlung bekommen. Außerdem will sie ein "Anti-Stress-Gesetz".

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall soll nach dem Willen der SPD in bestimmten Fällen ausgedehnt werden. Sollte der Arbeitgeber kein funktionierendes Eingliederungsmanagement für Mitarbeiter nach einer Krankheit anbieten, müsse die Lohnfortzahlung von sechs Wochen auf zwölf Wochen verdoppelt werden, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Anette Kramme, der Rheinischen Post.

"Der psychische Druck am Arbeitsplatz hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, die Regelungen zum Arbeitsschutz haben sich dem nicht angepasst", begründete Kramme die Pläne. Außerdem schlägt die SPD-Politikerin vor, externe Gesundheitsberater in die Unternehmen zu schicken, die die Arbeitsbedingungen überprüfen. Sie sollten "alle zwei oder drei Jahre" in den Betrieben die Bedingungen überprüfen und mit den Mitarbeitern "ungezwungen über Verbesserungen sprechen".

Überdies werde die SPD bei einem Wahlsieg eine "Anti-Stress-Verordnung" umsetzen, die den Arbeitgeber dazu verpflichtet, die möglichen psychischen Gefährdungen am Arbeitsplatz darzustellen und Hilfen anzubieten.

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Kommentare

47 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Ich wette, dass ...

Frau Kramme eine Anfrage nicht ablehnen würde und zumindest schriftlich sich gerne mit Ihnen unterhalten würde. Welchen Vorschlag haben Sie denn, um Stress weitestgehend zu vermeiden? In Deutschland sind die einen krank, weil sie keine Arbeit haben und die Anderen sind krank, weil diese eine Arbeit haben. Eine ständige Erreichbarkeit sowie eine 60 Stundenwoche kann auf Dauer nicht gesund sein.

ständige erreichbarkeit und 60- Stunden Woche.

Es gab Zeiten, da habe ich die 60 Stunden locker an 4 Tagen zusammengebracht, da war ich um die 30.

Mit einem Ziel vor Augen relativiert sich der Stress.

Dort liegt das Problem.

Als ich dann feststellen musste, dass sich die Erwartungen nicht erfüllten, habe ich mir gesagt, das steckst Du lieber in eine eigene Aktivität.

Stress wurde nicht weniger, aber tragbar, da ein Ziel vor Augen...

Achso, einfach nicht so haben oder wie?

'Tschuldigung, aber was ist nun Ihr rat? Sich einfach nicht so haben? Sich damit abfinden, dann wird es besser? Und das beste, wenn ich es schaffe, dann muss es jeder schaffen können...

Es gibt unterschiedliche arten von Personen. Ich mag Stress, ich arbeite gerne unter einem gewissen grad von Druck und so wie ich, so wollen das bestimmt auch andere. Dann gibt es welche, die Arbeiten gerne noch mit mehr Druck, am liebsten 2 Jobs gleichzeitig oder 80 Stunden pro Woche, das macht denen nichts aus. Es gibt aber auch Personen, die mit Druck nicht sehr gut umgehen können. Es wäre doch schade, wenn wir für diese Personen einfach nicht beachten.

Ich halte es für sinnvoller 70 - 80 Studenen zugleich auf 2 Personen zu verteilen, als hintereinander und dabei bei zu "verheizen".

Einen Rat habe ich nicht, aber ich kenne wenigstens

das Hauptproblem. Glaube ich zumindest.

Das ist der "Sinn" hinter der Aufgabe (Arbeit), die hohen Aufwand fordert.

Wenn dieser pervertiert wird, evtl. im Sinne von *wenn Du die Arbeit behalten willst, musst Du...* dann wirds ekelhaft und krankmachend.

Bei mir war der Punkt erreicht, als Chef mich beglückwünschte zum jüngsten Töchterchen mit den Worten ".... und da denke ich, dass gerade deshalb NOCH MEHR ANSTRENGUNGEN NÖTIG SIND!" Er glaubte wohl, jetzt hatte er den Mollison am Sack: Mit 3 Kindern, Frau nur teilzeitbeschäftigt und beschissener Arbeitsmarktlage kannste mit dem machen, was Du willst.... Ich habe dann gekündigt, das und anderes (z. B. kurz vor 19:00 noch eine Dienstberatung für 20:30 angekündigt bekommen) wollte ich mir nicht weiter antun.

Aber das kann ich ja keineswegs jedem als Rat geben.

Negativen Stress habe ich in der Selbständigkeit erlebt, als Ende 2008 *nichts mehr ging*, der Lauf der Dinge von mir nicht beeinflussbar war und alle bisherigen Aktivitäten in Frage standen genauso wie meine Ziele...

Da hilft im wesentlichen Pragmatismus und eine Portion Fatalismus. Und manchmal eine Neudefinition des Zieles.

Das ist bei jedem anders, je nach Situation. Und deshalb nicht von oben herab zu verordnen.

@Super_Kluk

"Eine ständige Erreichbarkeit sowie eine 60 Stundenwoche kann auf Dauer nicht gesund sein"

Dann kann man sagen, daß derjenige, der sich 60h in der Woche für die Firma erreichbar hält, auch selbst einen Anteil daran hat. Man macht es für die eigene Karriere - dann hat man "selbst Schuld". Wenn man einen Arbeitsvertrag hat, dann muss man den erfüllen. Und wenn in diesem Vertrag eine Wochenarbeitszeit von zBsp. 40h steht, dann kann man eigentlich nur 40h für die Firma erreichbar sein.

MfG
FT

Achso...

"Kostenlose Hifsangebote reichen doch. Aber dann müssten Staat und Krankenkassen bezahlen. So muss der Arbeitgeber bezahlen, der diese Kosten auf die Preise umglegen wird. Der Bürger zahlst also wieder selber."

Also wenn Staat und Krankenkasse für die Fehler eines Unternehmens (schließlich hat der seinen Mitarbeiter falsch behandelt) zahlt, dann Zahlt nicht der Bürger sondern ? -> Der Staat, das ist ja was anderes als der Bürger.

Wenn ein Unternehmen einen Wirtschaftsvorteil dadurch erringt, dass diese die Mitarbeiter schlecht behandeln, so sollte dies Korrigiert werden und die Zusatzkosten selbstverständlich auf das Produkt draufgeschlagen.

Jüngstes Beispiel ist doch Amazon.

@17 Super_Kluk

Mit dem Einwand habe ich gerechnet. Der zieht aber nicht. Stress gibst immer egal wie die Arbeitsbedingungen letzlich sind.

Amazon ist kein Fall für Gespräche mit den Mitarbeitern, sondern für Gewerkschaften und allgemeine Politik. Es werden hier Zeichen gesetzt und mit der "Katatstrophe" (Energiewende) einträgliche Politik gemacht, statt die Rahmenbedingungen allgemein anzugehen. Nur mit den Konzernen will man sich nicht anlegen.

Die Ergebnisse sind auch nicht kontrollierbar, sondern können nach Gusto oder Wahlzielgruppen ausgelegt werden.

Zit.: "Wenn ein Unternehmen einen Wirtschaftsvorteil dadurch erringt, dass diese die Mitarbeiter schlecht behandeln, so sollte dies Korrigiert werden und die Zusatzkosten selbstverständlich auf das Produkt draufgeschlagen."

Wie das kontrollieren und wo sind die Grenzen?. Die Tendenz zu Eingriffen wird eh immer stärker zu Lasten des Mittelstandes und zu Gunsten der Konzerne und damit Monopolen.