LohnfortzahlungSPD will Lohn bei Krankheit zwölf Wochen weiterzahlen

Die SPD will den Arbeitsschutz anpassen: Wer krank ist, soll zwölf statt sechs Wochen Lohnfortzahlung bekommen. Außerdem will sie ein "Anti-Stress-Gesetz".

Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall soll nach dem Willen der SPD in bestimmten Fällen ausgedehnt werden. Sollte der Arbeitgeber kein funktionierendes Eingliederungsmanagement für Mitarbeiter nach einer Krankheit anbieten, müsse die Lohnfortzahlung von sechs Wochen auf zwölf Wochen verdoppelt werden, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Anette Kramme, der Rheinischen Post.

"Der psychische Druck am Arbeitsplatz hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, die Regelungen zum Arbeitsschutz haben sich dem nicht angepasst", begründete Kramme die Pläne. Außerdem schlägt die SPD-Politikerin vor, externe Gesundheitsberater in die Unternehmen zu schicken, die die Arbeitsbedingungen überprüfen. Sie sollten "alle zwei oder drei Jahre" in den Betrieben die Bedingungen überprüfen und mit den Mitarbeitern "ungezwungen über Verbesserungen sprechen".

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Überdies werde die SPD bei einem Wahlsieg eine "Anti-Stress-Verordnung" umsetzen, die den Arbeitgeber dazu verpflichtet, die möglichen psychischen Gefährdungen am Arbeitsplatz darzustellen und Hilfen anzubieten.

 
Leser-Kommentare
    • mugu1
    • 04.04.2013 um 14:39 Uhr

    ...willkommen im Wahlkampfgetöse, die Zeit der vakuumierten Worthülsen, der Nepper, Schlepper und Bauernfänger. Fast schon ein Fall für den seligen Herrn Zimmermann (er hieß doch so, oder?).

    Ich frage mich, ob es irgendjemanden gibt, der dies auch nur ansatzweise ernsthaft glaubt? Ist die SPD wirklich schon so tief in den Morast ihrer Verzweiflung versunken ob des drohenden Verlustes der Bundestagswahl?

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  1. Auch der neue Papst ist anscheinend machtlos gegen bodenlose Sprachschludereien!
    Die SPD möchte die -...Sozialkassen, den (Lohn-)Steuerzahler stärker mit der Weiterzahlung belasten...- so muss das heißen!
    Oder springt da etwa Hr. Steinbrück mit seiner Privatschatulle ein?

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  2. Erstens ist die Zeit von paternalistischen Unternehmern vorbei, die für Wohl und Wehe der Mitarbeiter einstehen. Zum Glück. Ich bin lieber unabhängig. Zweitens sind lange Krankheiten eben keine Sache des Arbeitgebers sondern der Solidargemeinschaft. Wer mehr als 6 Wochen fehlt und keinen Arbeitsunfall als Ursache dafür hat, hat in meinen Augen ein privates Problem.

    Und ideologische Reflexe liegen mir fern. Dazu bin ich wohl auch gar nicht alt genug, von der Generation her. Ich finde es aber einfach weltfremd sich mal wieder mit den Privilegien der ohnehin gut versorgten Bestandsbeschäftigten zu befassen anstatt sich der horrenden Zahl an jungen Berufseinsteigern zu widmen die über Befristungen, Werkverträge oder Abrufarbeit ausgebeutet werden und keinerlei Anrecht auf Lohnfortzahlung haben (bzw. diese bei befristeten Verträgen nicht in Anspruch nehmen, aus Angst keinen Anschlussvertrag zu erhalten). Das ist das wahre Problemfeld der Lohnfortzahlung in Deutschland. Alles andere, dabei bleibe ich, ist in meinen Augen nur sozialromantisch verpackte Einsparung bei den gesetzlichen Kraneknkassen, die sich Krankengeld in erklecklicher Höhe sparen könnten.
    Ironischerweise macht man damit die eingangs beschriebenen prekären Arbeitsverhältnisse für Arbeitgeber nur noch attraktiver. Ein Bärendienst.

    2 Leser-Empfehlungen
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    Ich stelle mir häufig die Frage, was wäre, wenn es nicht so wäre. Im Prinzip hat der Staat den Unternehmern soziale Verantwortung abgenommen und diese damit anonym gemacht. Der Unternehmer kann sich demzufolge zurücklehnen und seine (tatsächliche) Verantwortung dem Staat zuweisen.

    Auch ein Bärendienst?

    Ich stelle mir häufig die Frage, was wäre, wenn es nicht so wäre. Im Prinzip hat der Staat den Unternehmern soziale Verantwortung abgenommen und diese damit anonym gemacht. Der Unternehmer kann sich demzufolge zurücklehnen und seine (tatsächliche) Verantwortung dem Staat zuweisen.

    Auch ein Bärendienst?

  3. Will man Beschäftigten in prekären Situationen, hervorgerufen durch Krankheit, wirklich helfen muss man endlich diese ganzen prekären Beschäftigungsformen abschaffen damit diese Beschäftigte überhaupt Zugang zu Lohnersatzleistungen außer Hartz IV haben.

    • sjdv
    • 04.04.2013 um 15:28 Uhr

    Irgendwie wollen die den Leuten wohl was gutes tun, und schaffen damit mehr Bürokratie und belasten die Unternehmen. Jetzt sollen also neben Berufsgenossenschaft, Wirtschaftsprüfern, Steuerprüfern, Bauausicht, etc. noch mehr Fuzzis durch die Unternehmen laufen und die Leute von der Arbeit abhalten ?
    Das Thema ist typisch für SPD. Keiner hat danach gerufen, es bringt nichts und wird trotzdem auf die Agenda gesetzt. Von einer Partei, die Regierungsverantwortung übernehmen will würde ich lieber mal was konkretes zur Eurorettung hören.

  4. ... einen solchen Quatsch vorschlägt, wird dieser auch nicht besser.

  5. 1. Karenztage bei der Lohnfortzahlung.
    2. Selbstbeteiligung an den so genannten Gesundheitskosten.

    Oh, Mann, die K-Quoten würden drastisch sinken und die K-Kosten ebenfalls. Wenn das dann noch erweitert würde um

    3. Mehr Karenztage bei den Einbildungskrankheiten
    4. Höhere Selbstbeteiligung bei der Behandlung von Einbildungskrankheiten

    dann würde das noch einmal einen Extraschub geben. Die sinkenden Arbeitsstückkosten würden Deutschland noch weiter nach vorne bringen.

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  6. ... für Ihre Krankheiten oder die anderer Leute noch mehr bezahlen müssen?

    Statistisch geht jeder Deutsche (das schliesst wohl die Inhaber nicht-deutscher Pässe in diesem Fall mit ein) pro Jahr 19 (i. W.: neunzehn) Mal zum Arzt. Da ich kein Mal gegangen bin (so etwa die letzten 20 Jahre), muss ein anderer dann statistisch 38 Mal zu Arzt gegangen sein.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, ff
  • Kommentare 52
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  • Schlagworte SPD | Krankheit | Lohnfortzahlung | Gehalt
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