SPD-KanzlerkandidatSteinbrücks Äußerung zu getrenntem Unterricht stößt auf Ablehnung

Der SPD-Kanzlerkandidat in der Kritik: Politiker von CDU und FDP halten nichts von Steinbrücks Anmerkung, aus religiösen Gründen getrennten Sportunterricht einzuführen.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück  |  © Johannes Eisele/AFP/GettyImages

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erntet wegen seines Plädoyers für getrennten Sportunterricht aus religiösen Gründen vor allem Kritik. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer, sagte: "Peer Steinbrück irrt. Schule, gerade der Sportunterricht, ist ein Ort des sozialen Lernens". Dort würden Mädchen und Jungen von klein auf lernen, gleichberechtigt miteinander umzugehen, sagte die CDU-Politikerin der Bild.

Steinbrück hatte am Donnerstagabend in einer Veranstaltung gesagt, wo es möglich sei, solle man dem Wunsch muslimischer Eltern nach getrenntem Sportunterricht für Jungen und Mädchen nachkommen. Die Schulen sollten religiöse Überzeugungen berücksichtigen. Dies sei besser als in Kauf zu nehmen, dass manche Eltern ihren Töchtern eher Entschuldigungen schrieben, als sie am gemischten Sportunterricht teilhaben zu lassen. Böhmer lehnte dies ab: "Gemeinsames Lernen und gemeinsamer Sportunterricht fördern die Integration in unserem Land."

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FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte: "Steinbrück liegt falsch." Es gehe um die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Religiöse Gründe könnten die Grundrechte nicht relativieren, sagte er der Rheinischen Post. Ähnlich argumentierte auch die Kultusministerin von Schleswig-Holstein, Waltraud Wende. "In Deutschland gilt das Grundgesetz. Wir brauchen keine Sonderregelungen", sagte sie der Welt.

Ein ganz falsches Signal für Integration

Berlins langjährige CDU-Ausländerbeauftragte Barbara John nannte Steinbrücks Äußerungen rückwärtsgewandt. "Die Diskussion über eine Trennung ist von gestern", sagte sie. "Kinder und Eltern müssen sich daran gewöhnen, dass die Geschlechter bei uns gemeinsam aufwachsen und gleichberechtigt leben."

Der FDP-Innenpolitiker Serkan Tören sprach von einem ganz falschen "Signal für die Integration von Muslimen in Deutschland".
 

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Leserkommentare
  1. 1. Signal

    Höret die Signale !!!!!!

    12 Leserempfehlungen
  2. Also gibt es nichts mit "aus religioesen Gruenden".

    Wer das nicht akzeptieren kann sollte in ein Land mit seiner ihm konformen Religion auswandern...

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    Und die Beschneidung von Jungen die gerade erlaubt wurde? Was anderes als religiöse Gründe stehen dahinter?

  3. Gerade die Ausübung gemeinsamer Aktivitäten und die Annahme der Sitten der "neuen Heimat" sind der Integration förderlich. Gettoisierung ist ziemlich das Letzte, was Einheimische und Einwanderer brauchen.

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    aber was hat das mit gemeinsamen Sportunterricht zu tun?

    Zu meiner Schulzeit wurde der Sportunterrricht ebenfalls für Mädchen und Buben getrennt abgehalten. Und zwar sicher nicht aus religiösen Gründen, eher aus praktischen.
    Ich weiß nicht, ob sich in den letzten Jahren an den Schulen so viel geändert hat, dass ein gemeinsamer Sportunterricht inzwischen die Regel ist... Uns hat's jedenfalls nicht geschadet...

    wo und wie viel Geld man aus den Taschen der Bürger ziehen kann.

  4. Da wollte er nun endlich mal mit sozialer Kompetenz glänzen und....wieder nix.

    Peinlich, dass ausgerechnet aus Union und FDP die einzig richtigen Argumente gegen ein solch blödes Ansinnen formuliert werden müssen.

    Ich frage mich inzwischen: Welchen finalen Korken muss der eigentlich abschießen, um endgültig aus dem politischen Verkehr gezogen zu werden?

    27 Leserempfehlungen
  5. Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    • xoxox
    • 05. April 2013 17:02 Uhr

    Was ist das für eine Welt, in der CDU/FDP auf einmal sinnvolle Sachen sagen? Liegt's an mir oder sind die tatsächlich auf dem richtigen Weg?

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    • GDH
    • 05. April 2013 17:17 Uhr

    Da haben Union und FDP mal richtig Recht:
    Extrawürste für religiöse Befindlichkeiten darf es nicht geben. Entweder etwas ist freigestellt (dann gilt "keine Lust" oder "hat mein Opa auch nicht gemacht" genauso als Entschuldigung) oder verbindlich (dann gilt es auch für Kinder religiöser Eltern).

    Schön wäre es natürlich, wenn diese Parteien bei den Pfründen der christlichen Konfessionen genauso kritisch wären und ihnen genau die gleiche Rechtsstellung einräumten, wie jedem x-beliebigen anderen Verein auch.

    • Bashu
    • 05. April 2013 17:37 Uhr

    der mimt jetzt den Kanzlerkandidaten für die SPD. Anders kann ich mir das nicht erklären, so viel Inkompetenz und fehlende Sensibilität kann ich selbst einem Steinbrück kaum zutrauen.

    In 4. Generation quasi geboren als Sozialdemokratin, muß ich mit Entsetzen den Verfall der SPD mit ansehen. Was sind das für Prinzipien? Geht es nur noch um das Fischen nach Stimmen im Migrantenmilieu?

    Ich erwäge ernstlich, der CDU meine Stimme zu geben. Das hätte ich nie für möglich gehalten.

    • gooder
    • 05. April 2013 17:05 Uhr

    In einer Schule gemeinsam lernen, dafür steht die doch SPD seit langem. Warum das beim Sportunterricht nicht gelten sollte, erschliesst sich mir nicht.
    Wenn ein Kind, egal an welcher Unterrichtstunde und egal aus welchem Grund, nicht teilnimmt,sollten die Eltern in die Pflicht genommen werden.
    In der Bundesrepublik gilt die Schulpflicht, wird dieser Pflicht nicht nachgekommen so sollte das in letzter Instanz mit Sanktionen bestraft werden.

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    Ab einem gewissen alter sind zunächst die Mädels aber kurz danach die Jungs im Vorteil. Sie würden ja auch nicht darauf bestehen, dass Hauptschüler mit Gymnasiasten gemeinsam Mathe lernen, oder?

    Aber hey, etwas Steinbrückbashing darf doch noch erlaubt sein....

  6. kann doch wohl nicht wahr sein!

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    • hakufu
    • 05. April 2013 17:10 Uhr

    weil er Angst davor hat, dass es vielleicht mit rot-grün-rot knapp reichen könnte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, sk
  • Schlagworte Bundesregierung | CDU | FDP | Maria Böhmer | Eltern | Gleichberechtigung
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