Politiker sind manchmal besonders erfolgreich, wenn sie sich querstellen. In der Euro-Krise kam dies häufiger vor: Mehrere Abgeordnete der schwarz-gelben Koalition weigerten sich, den Rettungsmilliarden für Südeuropa zuzustimmen. Da sie eine populäre Meinung vertraten, wurden Politiker wie der vormals kaum bekannte FDP-Abgeordnete Frank Schäffler gern gesehene Gäste in Talkshows.

Das Spiel des politischen Abweichmanövers beherrscht kaum jemand so virtuos wie die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen. Seit geraumer Zeit kämpft die Arbeitsministerin für eine feste Frauenquote in der deutschen Wirtschaft, obwohl die Mehrheit der CDU das ablehnt. Noch auf ihrem letzten Parteitag haben sich die Christdemokraten klar gegen eine solche Regel ausgesprochen. Dennoch ist es von der Leyen gelungen, ihre Partei derart unter Druck zu setzen, dass sie sich auf einen – wenn auch weichen – Kompromiss eingelassen hat.

Die CDU-Spitze verspricht jetzt öffentlich: Bis zum Jahr 2020 will sie eine feste Quote von 30 Prozent für Frauen in Aufsichtsräten in ihr Wahlprogramm schreiben. Dafür beenden die Quoten-Befürworterinnen in der CDU ihre parteiinterne Rebellion.


Eigentlich wollte ein wachsender Kreis von schwarz-gelben Abgeordneten am Donnerstag im Bundestag für einen Gesetzentwurf der Opposition stimmen. Bis 2023 sollte demnach eine Mindestquote für Frauen von 40 Prozent in Aufsichtsräten großer Unternehmen durchgesetzt werden.

Von der Leyen hat sich durchgesetzt, wieder einmal

Die Sache dürfte nun erledigt sein, denn ohne die Abweichler aus der Union kommt das Gesetz der Opposition nicht durch den Bundestag. Wäre es aber mithilfe von der Leyens beschlossen worden, hätte das nicht nur einen Affront gegen Kanzlerin Angela Merkel bedeutet, die offiziell gegen die feste Quote ist. Auch die FDP, die die Regelung ebenfalls ablehnt, wäre schwer brüskiert gewesen. Nicht mal ein vorzeitiger Koalitionsbruch wäre undenkbar gewesen.