Wahlkampf : Steinbrück macht eine Leiharbeitsfirma glücklich

Die SPD hat ihren Wahlkampf-Slogan gefunden. "Das Wir entscheidet" ist aber nicht neu – ausgerechnet eine Zeitarbeitsfirma nutzt ihn seit Jahren.

Der überraschende Werbe-Effekt für die Leiharbeitsfirma kam aus Berlin, sozusagen von höchster Stelle. Mit seinem Wahlkampfslogan – "Das Wir entscheidet" – hat SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück dem Unternehmen "propartner" aus Weil am Rhein ungewollt zu viel Aufmerksamkeit verholfen. Denn die Firma, die seit 1993 Arbeitnehmer vermittelt, wirbt mit dem gleichen Satz. Und das schon seit 2007.

Alles Zufall, heißt es aus dem Parteivorstand der SPD. Man habe nicht geklaut, sondern nach einem passenden Claim gesucht. "Wir haben natürlich recherchiert und viel darüber gesprochen, so ein Slogan fällt ja nicht vom Himmel", sagte eine Sprecherin ZEIT ONLINE. Man habe die Doppelung mit der baden-württembergischen Leiharbeitsfirma nicht bemerkt – beziehungsweise zu spät. "Man kann einfach nicht hundertprozentig ausschließen, dass so ein Satz irgendwo von irgendwem schon benutzt wird."

Auf den Slogan kam das SPD-Wahlkampfteam durch eine Rede des Kanzlerkandidaten auf dem Parteitag in Hannover im vergangenen Dezember. "Mehr wir und weniger ich" – das hatte Steinbrück gesagt. Darauf beziehe sich der Slogan jetzt, schreibt SPD-Generalsekretärin und Wahlkampf-Chefin Andrea Nahles auf der Homepage der Partei. Das "Wir" wolle die SPD deshalb nun in den Mittelpunkt der Kampagne stellen. "In unserer Wahlkampagne setzen wir auf Dialog in Augenhöhe mit den Wählerinnen und Wählern. Wir hören zu, nehmen Ideen auf und erklären, wie wir uns ein gerechteres Deutschland vorstellen. Und wir laden zum Mitmachen ein", heißt es auf der Seite.

Zufall oder nicht, die Leiharbeitsfirma freut sich. "Der Werbeeffekt ist natürlich nicht von der Hand zu weisen", sagt Prokurist Christophe Kren ZEIT ONLINE. Er freue sich schon auf die vielen Wahlplakate, die in den kommenden Monaten an Laternenpfosten hängen und auf Pappaufstellern am Straßenrand kleben. "Jedes einzelne Plakat ist uns sehr willkommen." Der Spruch ist rechtlich nicht geschützt, bestätigt der Prokurist, einen Rechtsstreit wird es also nicht geben. "Das würden wir auch gar nicht wollen", heißt es aus dem Unternehmen. 

Eine politische Dimension hat das Ganze für Kren aber doch: "Wir finden es gut, dass die SPD auch Werte von Zeitarbeitsfirmen vertritt – und das, wo wir mit unserem Unternehmen sicherlich nicht unbedingt im Herzen der Partei liegen." Die Sozialdemokraten gelten nicht als Freunde der Leiharbeit. Das Instrument, das ursprünglich als kurzfristige Maßnahme zur Beruhigung des Arbeitsmarktes gedacht war, hat sich im Zuge der Agenda 2010 deutlich ausgeweitet. Sehr zum Missfallen der Sozialdemokraten. Im Falle eines Wahlsiegs will die SPD deshalb Korrekturen beim Thema Leiharbeit durchsetzen, unter anderem die gleiche Bezahlung von Leiharbeitern und Arbeitnehmern, die regulär angestellt sind.

Am Dienstag hatte Peer Steinbrück über seinen Twitter-Account verkündet: "Was ihr sofort wissen sollt: Wir haben einen Wahlkampfslogan: 'Das Wir entscheidet'."   

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