Christian Wulff © Wolfgang Kumm/dpa

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff will Medienberichten zufolge erreichen, dass die Staatsanwaltschaft Hannover ihre Ermittlungen gegen ihn ohne Auflagen einstellt. Entsprechende Schriftsätze seiner Anwälte seien am Freitag bei der Staatsanwaltschaft eingegangen, berichtet unter anderem die Süddeutsche Zeitung. Aus Sicht von Wulffs Verteidigern soll das Verfahren demnach eingestellt werden, weil kein ausreichender Tatverdacht besteht.

Wulff hätte damit ein Angebot der Staatsanwaltschaft abgelehnt, dass Korruptionsverfahren gegen ihn zu beenden, wenn er 20.000 Euro zahlt. Ein solches Angebot erging auch an den ebenfalls unter Korruptionsverdacht stehenden Filmproduzenten David Groenewold – er sollte jedoch 30.000 Euro zahlen. Groenewolds Anwälte hatten einen Deal bereits abgelehnt.

In dem Schriftsatz präsentieren Wulffs Verteidiger nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung außerdem einen neuen Entlastungszeugen.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr wollte zu den Berichten keine Stellung beziehen. "In dem laufenden Verfahren sagen wir nichts", sagte er. Vertreter der Anklagebehörde und Anwälte wollen sich am Montag in Hannover treffen. Da bisher beide Seiten bei ihren Positionen bleiben, wird ein Prozess wahrscheinlicher.

Die Staatsanwälte werfen Wulff vor, er habe sich im September 2008 von Groenewold einen Teil der Kosten einer Reise nach München bezahlen lassen. Im Kern geht es um zwei Übernachtungen im Wert von rund 770 Euro. Im Gegenzug soll sich Wulff für ein Filmprojekt von Groenewold eingesetzt haben. Wulff und Groenewold bestreiten das.

Gegen Wulffs ehemaligen Sprecher Olaf Glaeseker hat die Staatsanwaltschaft Hannover bereits Anklage wegen Bestechlichkeit erhoben. Aufgrund der langen Verfahrensdauer und fortwährender Indiskretionen zum Stand der Ermittlungen hatten Medien und Juristen die Staatsanwaltschaft zuletzt stark kritisiert.