831 Lübecker haben Bastian Langbehn bei der Kommunalwahl am Sonntag ihre Stimme gegeben. Damit zieht der 30-Jährige als erster Kandidat der Partei Die Partei des Satirikers Martin Sonneborn in ein Parlament ein. Weil sowohl einer rot-grünen als auch einer schwarz-grünen Koalition genau eine Stimme zur Mehrheit fehlt, könnte Langbehn zum entscheidenden Mehrheitsbeschaffer werden.

ZEIT ONLINE: Glückwunsch Herr Langbehn, Sie werden also der erste Abgeordnete der Satire-Partei Die Partei. Wer sind Sie denn so?

Langbehn: Naja, ich bin der Vorsitzende vom Kreisverband Lübeck und nun bin ich für Die Partei in der Bürgerschaft (lacht).

ZEIT ONLINE: Ich meinte sonst so, neben der Politik.

Langbehn: Naja, wie sagt man,  im "echten Leben" bin ich Einzelhandelskaufmann.

ZEIT ONLINE: Das heißt, Sie sitzen an der Kasse bei Rewe?

Langbehn: Nein, nein. Selbstständiger Kaufmann bin ich.

ZEIT ONLINE: Und was verkaufen sie da?

Langbehn: Ich verkaufe, äh, wie heißt das, so Graffitibedarf, sagen wir das mal so.

ZEIT ONLINE: Sie haben also ein Geschäft für Spraydosen.

Langbehn: Genau. Seit sieben Jahren jetzt schon.

ZEIT ONLINE: Und jetzt entscheiden Sie über die nächste Regierung in Lübeck, sehe ich das richtig?

Langbehn: Das ist gut möglich, ja. Ich werde mir jetzt erst einmal anhören, was die Anderen so bieten und dann werde ich mir das Beste aussuchen.

ZEIT ONLINE: Was hätten Sie denn gerne?

Langbehn: Zumindest will ich da nicht als Stimmvieh sitzen, also ich will schon was machen. Ich will was zu sagen haben, auch wenn ich nur einer bin. Ohne mich gibt es keine Mehrheit, das ist ja das Schöne.

ZEIT ONLINE: Sind die Anderen denn schon auf sie zugekommen?

Langbehn: Ja ja, das ging schon gestern Abend auf der Party los, da sind diverse Gruppierungen aufgetaucht und wollten schon Verhandlungen führen, aber die habe ich durch Parteigenossen abwimmeln lassen, weil ich schwer beschäftigt war mit Feiern. Wir haben jetzt mit denen Termine. Dienstagabend kommen die Piraten. Die Linken sind dann am Mittwoch dran. Die Grünen haben sich noch nicht gemeldet, die CDU auch nicht. Aber die SPD hat schon mit unserem Schatzmeister gesprochen und jetzt steht bei mir hier "Samstag: SPD" im Terminkalender. Ich lass’ mich mal überraschen.

ZEIT ONLINE: Was müssen die Ihnen denn bieten, damit Sie mitmachen?

Langbehn: Es muss passen. Bei der CDU, ich weiß nicht, ich rede gerne mit denen, aber die haben nicht so große Chancen glaube ich. Aber bei anderen Parteien sieht das schon viel besser aus. Bei den Piraten und den Linken beispielsweise.

ZEIT ONLINE: Was sind denn in den Verhandlungen ihre wichtigsten inhaltlichen Forderungen?

Langbehn: (pustet) Ich hoffe, das klingt nicht zu seriös, aber: Es geht um Schulen, um Straßen und um Schulden.

ZEIT ONLINE: Ich finde das klingt gar nicht zu seriös, das klingt angenehm seriös.

Langbehn: Ach, das freut mich aber! Weil mir so oft vorgeworfen wird, das wäre alles nur Quatsch was wir machen. Aber ich meine das ernst, und damit können viele nicht umgehen. Wir wollen Inhalte überwinden, damit müssen wir jetzt langsam mal anfangen.

ZEIT ONLINE: Dann bleiben wir doch mal seriös: Was wollen sie da so machen bei Schulen, Straßen, Schulden?