KriminalstatistikCyberkriminalität steigt um 7,5 Prozent

Die Kriminalstatistik verzeichnet mehr Computerkriminalität. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will mit einem IT-Sicherheitsgesetz Abhilfe schaffen.

Die Cyberkriminalität hat mit knapp 64.000 Fällen einen Rekordstand erreicht.

Die Cyberkriminalität hat mit knapp 64.000 Fällen einen Rekordstand erreicht.  |  © Thomas Samson/AFP/Getty Images

Die Cyberkriminalität in Deutschland hat im vergangenen Jahr mit rund 64.000 Fällen einen Höchststand erreicht. Wie aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2012 hervorgeht, ist die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent gestiegen. Seit 2007 hat die Anzahl der Straftaten um 87 Prozent zugelegt. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte bei der PKS-Vorstellung, der Anstieg sei erheblich. "Das ist ein Thema, das uns zunehmend beunruhigt." 


Unter Cyberkriminalität erfassen die Statistiker unter anderem Delikte, bei denen Daten ausgespäht und abgefangen werden oder mit einer Schadsoftware Daten verändert oder Computer beschädigt werden. Die Kriminalstatistik zählt neben der Cyberkriminalität alle Straftaten, die mithilfe des Internets begangen werden. Dazu gehören Betrug durch bestellte, aber nicht bezahlte Waren oder die Verbreitung pornografischer Inhalte. Im Jahr 2012 waren dies laut PKS rund 230.000 Fälle – ein Plus von 3,2 Prozent.

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"Wie groß die Computerkriminalität tatsächlich ist, wird nicht abgebildet", sagte André Schulz, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, der Zeitung Die Welt. Erfasst würden nur Taten, bei denen der Verdächtige in Deutschland am Computer sitze. In vielen Fällen würden sich die Kriminellen jedoch im Ausland aufhalten. 

Innenminister Friedrich sagte, künftig werde es immer wichtiger, sogenannte kritische Infrastrukturen vor Hacker-Angriffen zu schützen, um das tägliche Leben zu gewährleisten. Dazu habe er ein IT-Sicherheitsgesetz auf den Weg gebracht. Es soll Betreiber wichtiger Infrastrukturen – etwa Energieversorger oder Telekommunikationsanbieter – zu Mindeststandards für die Sicherheit ihrer Computersysteme verpflichten. Der IT-Branchenverband Bitkom hat das geplante Gesetz kürzlich als zu schwammig kritisiert.

Zahl der Straftaten fast unverändert 

In der PKS wurden – wie bereits 2011 und 2010 – auch im vergangenen Jahr knapp sechs Millionen Straftaten registriert. Im Vergleich zum Vorjahr stieg ihre Zahl um 0,1 Prozent auf gut 5,9 Millionen an. Die Aufklärungsquote lag fast unverändert bei 54,4 Prozent (2011: 54,7 Prozent).

Diebstähle machten wie in den Vorjahren mit 39,7 Prozent den größten Anteil an der PKS aus. Die Zahl der Fälle sank insgesamt im Vergleich zu 2011 um ein Prozent auf knapp 2,38 Millionen. Um 8,7 Prozent gestiegen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche. Im Bundesschnitt konnte aber nur jeder sechste Einbruch – 15,7 Prozent – aufgeklärt werden.  

"Das ist zu wenig", sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Niedersachsens Ressortchef Boris Pistorius (SPD). Im Auftrag der Innenministerien entwickle derzeit eine Arbeitsgruppe Gegenstrategien.

Frankfurt am Main bleibt die gefährlichste deutsche Großstadt. Die PKS weist für die Stadt 16.310 erfasste Straftaten pro 100.000 Einwohner aus. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Düsseldorf (14.966) und Köln (14.590). In München wurden mit 7.153 die wenigsten Straftaten pro 100.000 Einwohner erfasst.

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Leserkommentare
  1. ....strafbar ist, wussten die verantwortlichen Kriminellen schon vorher !
    Ob die Iniziierung eines neuen Gesetzes das noch weiter verdeutlicht und/oder unterbindet, halte ich für eine gewagte These.

    Eine Leserempfehlung
  2. ... ist leider noch immer das Strafprozessrecht, das in vielen Fällen noch davon ausgeht, dass Beweise in physikalischer Form vorliegen. Ermittlungen im Internet sind für die Strafverfolgungsbehörden und natürlich auch für den Beschuldigten (der ja gar nicht erkennen kann, inwieweit die Ermittlungsmaßnahme seine Grundrechte ungerechtfertigt verletzt und wie er sich verteidigen kann) noch immer eine sehr unsichere Angelegenheit.

    So wichtig die Prävention von Cyberkriminalität ist, kann sie doch nur gelingen, wenn man die hinter den Taten bestehenden Strukturen kennt. Dafür braucht es aber eine hinreichende Aufklärung der Taten. Und da tut sich der deutsche Gesetzgeber sehr schwer. Die Ermittlungsbehörden können bis heute nicht auf hinreichend bestimmte Ermächtigungsgrundlagen zurückgreifen, um umfassende Ermittlungen durchführen zu können. Der Gesetzgeber sollte also endlich im Bereich des Strafprozessrechts tätig werden und rechtsstaatliche Ermittlungsbefugnisse normieren.

  3. Vielleicht ergibt sich die Steigerung auch daraus, daß immer mehr verboten ist...

    Ich kann mich nicht entsinnen, daß in Bezug auf das Netz jemals ein Gesetz gelockert statt verschärft wurde.

    3 Leserempfehlungen
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    • GDH
    • 15. Mai 2013 17:30 Uhr

    Da könnten Sie Recht haben. Außerdem wird das Mittel der Strafanzeige (das dann einen Fall für die Statistik erzeugt) gern missbraucht um an Daten zu kommen, die man für zivilrechtliche Anliegen braucht aber nicht bekommt [1].

    Das könnte uns mit der Neuregelung der Bestandsdatenauskunft [2] nochmal verstärkt ins Haus stehen, weil selbst beim Verdacht von Ordnungswidrigkeiten Anschlussinhaber zu IP-Adressen ermittelt werden dürfen. Meines Wissens gibt es keinen Schutz davor, dass Jemand Anzeige erstattet einfach in der Hoffnung, dass die Identität von Personen festgestellt wird, um dann auf dem Wege der Akteneinsicht diese Information zu erlangen und für ganz andere Zwecke einzusetzen.

    [1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Generalstaatsanwaltschaft-klagt-u...

    [2] http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-03/bestandsdaten-technik-pin

    Zitat aus [1]: Die [...] Rechtsanwaltskanzlei [...] stellt [...] massenhaft Strafanzeigen gegen unbekannt. Dann warten die Anwälte, bis die Staatsanwaltschaft den Anschlussinhaber zur IP-Adresse ermittelt hat, nehmen sofort Akteneinsicht und mahnen den mutmaßlichen Rechtsverstoß ab.

    • GDH
    • 15. Mai 2013 17:30 Uhr

    Da könnten Sie Recht haben. Außerdem wird das Mittel der Strafanzeige (das dann einen Fall für die Statistik erzeugt) gern missbraucht um an Daten zu kommen, die man für zivilrechtliche Anliegen braucht aber nicht bekommt [1].

    Das könnte uns mit der Neuregelung der Bestandsdatenauskunft [2] nochmal verstärkt ins Haus stehen, weil selbst beim Verdacht von Ordnungswidrigkeiten Anschlussinhaber zu IP-Adressen ermittelt werden dürfen. Meines Wissens gibt es keinen Schutz davor, dass Jemand Anzeige erstattet einfach in der Hoffnung, dass die Identität von Personen festgestellt wird, um dann auf dem Wege der Akteneinsicht diese Information zu erlangen und für ganz andere Zwecke einzusetzen.

    [1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Generalstaatsanwaltschaft-klagt-u...

    [2] http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-03/bestandsdaten-technik-pin

    Zitat aus [1]: Die [...] Rechtsanwaltskanzlei [...] stellt [...] massenhaft Strafanzeigen gegen unbekannt. Dann warten die Anwälte, bis die Staatsanwaltschaft den Anschlussinhaber zur IP-Adresse ermittelt hat, nehmen sofort Akteneinsicht und mahnen den mutmaßlichen Rechtsverstoß ab.

    Antwort auf "Internetkriminalität"
  4. Ach auch schon in der Realität angekommen? Tach Mattes!!

    Die Cyberkriminalität ist dabei dass gesamt Internet zu infiltrieren, zu degenerieren gegen ALLE die es nutzen. Jetzt schon entsteht enormer ein Wirtschaftlicher Schaden für alle in einer Größenordnung welches nicht mehr zu übersehen ist. In jeder Minute die man im Internet verbringt kann es jeden jederzeit direkt treffen.

    Und wird exponentiell wachsen wenn nicht schnell und beherzt deutlich schärfere Gesetzte diesbezüglich kommen. Unsere Verantwortlichen sind derweil wieder am Erbsenzählen um „Beweise in physikalischer Form“
    Wem schon mal das Konto leer geräumt wurde wird sich über die Hirnfü… von Beweise in physikalischer Form freuen!

    Wenn es denn dem vielbeschriebenen alternativlosen Vorteil eines geeinten Europa gibt dann wäre hier ein Paradebeispiel um nicht nur Länder sondern gleich Europaweite Gesetze und Verfügung zu installieren.

    In dem Land wo ich mich derzeit befinde geht das anders. Zumindest im Land trauen sich die Cybergangster nicht an die Futtertroge weil sie wissen das sie verfolgt werden und wenn man sie erwischt ihre Hinterlist an unbedarften den richtigen Stellenwert hat und dementsprechend für ein paar Jahre ins Loch verschwinden!

    Dort gibt es im Übrigen auch keine Abmahnanwälte weil diese nicht allzu lange bei guter Gesundheit bleiben würde entsprechend dem gleichen Argument das hier ganz hinterlistig unbedarfte jederzeit in eine solche Fall tappen kann.

  5. Ich frage mich, ob es mehr gibt, mehr gemeldet wurde oder mehr Delikte als solche erkannt wurden- was für die Verbesserung der IT-Sicherheit sprechen würde.

    Ich finde außerdem Interessant, dass Politiker glauben, sie könnten dem mit schärferen Gesetzen in Deutschland beikommen. Ich weiß nicht, ob sie's wussten, aber global sind den meisten Leuten deutsche Gesetze schnuppe und das Internet ist schon ziemlich global.

    Zudem waren es doch Politiker, die die Unternehmen schutzlos gemacht haben, indem sie "Hackertools" illegalisierten. Die waren immer eine gute Hilfe, im sich zu wehren und sicherlich war deren Benutzung nicht das schlimmste an dem Angriff...
    Abschließend ist zu sagen: Die deutsche Justiz ist zu langsam und lokal begrenzt. Wenn Admins den Angriff eindämmen dürften, wenn sie können (Prinzip Selbstverteidigung), indem sie den angreifenden Server vorübergehend abschießen (Prinzip Kinnhaken), dann hätten alle mehr Zeit, das System zu sichern und ein Verfahren einzuleiten. Dürfen sie aber nicht!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, mpi
  • Schlagworte CSU | SPD | Betrug | Computer | Diebstahl | Innenminister
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